Sonntag, 29. Mai 2022

muko.move

Der Monat Mai ist in diesem Jahr der "Muko-Monat". In vielen Ländern ist der Mai bereits seit längerem "CF awareness month", also ein Monat in dem versucht wird, auf Mukoviszidose (Cystische Fibrose/CF) aufmerksam zu machen. In diesem Jahr gibt es auch in Deutschland im "Muko-Monat Mai" besonders viele Aktionen, um über die Krankheit und das Leben mit ihr zu informieren.

Der "muko.move" war das zentrale Event: vom 19. bis 22. Mai wurden Bewegungsstunden gesammelt. Ziel war es 8.000 Stunden Bewegung gespendet zu bekommen. Dabei steht die 8.000 symbolisch für die ca. 8.000 Menschen mit Mukoviszidose in Deutschland. 

Dabei war es egal ob man drei Stunden wandern geht, eine Stunde Yoga macht oder 30 Minuten den HulaHoop-Reifen schwingt. Alles was Spaß macht war erlaubt- Es ging auch nicht darum, wer am schnellsten, am weitesten oder am besten ist - es ging nur um die Freude an der Bewegung. 

 Fotos: Insa beim Tischtennis und Mirim am See

Natürlich haben wir (und auch die Mitglieder der CF-Selbsthilfe Braunschweg e.V.) mitgemacht. 
Insa war auf dem Ergometer und mit ihrem Mann Tischtennis spielen. Miriam ging mit ihrer Schwester spazieren.

Leider sind insgesamt keine 8000 Stunden zusammen gekommen. Aber immerhin 1.497 Menschen waren  sportliche 6.545 Stunden unterwegs. Das ist doch was, oder?

Sportliche Grüße
Insa + Miriam


 

 

Samstag, 21. Mai 2022

Jahreshauptversammlung des Mukoviszidose e.V. 2022

Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung vom Mukoviszidose e.V. in Weimar waren Andreas Jäger (1. Vorsitzender CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V.) und Sarah Röttger live vor Ort.
Sarah war so freundlich und hat einen kurzen Bericht für uns geschrieben. Danke Sarah!

Samstag

Folgende Punkte standen am Samstag auf dem Plan:

  • Neuigkeiten aus der Forschung: Update Therapieoptionen 
  • Informationen zum Thema Ukraine: Mukoviszidosepatienten in Deutschland
    Seit März sind einige Muko-Familien aus der Ukraine zu uns geflüchtet.
    Viele Muko-Familien können leider nicht flüchten, da es den Patienten nicht gut geht und ihnen leider auch medizinische Mittel fehlen. 
  • Mitgliederversammlung;
  • Verleihung des Adolf- Windorf Preises an Herrn. Prof. Dr. Maik Oliver Wielpütz aus dem Uniklinikum Heidelberg
  • Vortrag „1 Bild sagt mehr als 1000 Worte - Etablierung der MRT bei CF"
    In diesem Vortrag ging es darum, dass man in einem MRT deutlich mehr sehen kann als auf einem Röntgenbild. Dieses Verfahren wird in Heidelberg bereits bei Neudiagnosen angewendet.
    Außerdem sieht man z.B. bei Muko-Patienten, welche die CFTR-Modulatoren einnehmen, einen extremen Unterschied in der Lunge.
  • Wir Mukos werden älter...
    Durch die neuen CFRT- Modulatoren werden die Mukos älter - was natürlich schön ist, aber wieder neue Probleme mit sich bringen kann, z.B. Ansteigen des Krebsrisikos, Osteperose, Diabetes...
    Außerdem müssen wir uns plötzlich Gedanken um unseren Ruhestand und Altersvorsoge machen!
  •  Vortrag "Einblick in die Forschungsprojekte des Muko e.V."

Am Samstagabend gab es noch Kulurprogramm: Gala-Comedy mit „Volk& Knecht“

 Sarah und Andreas bei der JHV in Weimar

 Sonntag

Am Sonntag ging es um das Thema Ernährung, da viele Mukos durch die CFRT- Modulatoren leichter zunehmen.
Es muss z.B. geklärt werden, wieviel Nahrung und kcal Mukos mit Modulatoren noch benötigen. Hochkalorische Nahrung, mit der die älteren Mukos groß geworden sind, wird aufgrund des verbesserten Stoffwechsels nicht mehr benötigt.

Ein wichtiger Baustein bei der Therapie bleibt natürlich weiterhin Sport. Als Richtlinie gilt: täglich 60 Minuten Bewegung.

Als nächstes folgte der Vortrag: "Wie verändert sich die Krankheitswahrnehmung (auch unter den neuen Modulatoren oder einer Lungentransplantation) - Gefahr von Fehleinschätzungen und Veränderung- Wer kann was tun"
Viele Erwachsenen müssen ihr Leben neu ordnen, da sie mehr Freiraum haben bzw. bekommen.

Alexandra Kramarz von der AG Erwachsene mit CF hat uns einen Einblick in ihr Leben mit Kaftrio gegeben. Ihr geht es mit dem Medikamenten deutlich besser und sie erwischt sich selbst dabei, dass sie aufgrund dessen viel in der Therapie schleifen lässt...

Einige Vorträge könnt ihr euch auf dem Youtube-Kanal vom Mukoviszidose e.V.  "mukoinfo" nachträglich anschauen.

Mittwoch, 6. April 2022

kurze Zwischenmeldung

Ihr Lieben,

Miriam und ich (und natürlich noch ein paar andere...) sind derzeit sehr mit Selbsthilfearbeit beschäftigt.
Da wir in Hannover in der MHH ein großes Mukoviszidose-Zentrum haben, sind die ersten ukrainischen Muko-Familien bei uns gelandet. Wir helfen und unterstützen diese Familien so gut wir können - was natürlich arbeitsintensiv ist (die Behörden sind leider keine große Hilfe....).
Deswegen ist es hier gerade etwas ruhiger.

Danke für Euer Verständnis,
Insa

P.S. Falls Ihr unseren Selbsthilfeverein und unsere Arbeit (oder ukrainische Muko-Familien, die hier bei uns ankommen) unterstützen möchtet - wir freuen uns über Geldspenden:

CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V.
IBAN: DE78250500000001656032
BIC: NOLADE2HXXX
bei der Norddeutschen Landesbank 

DANKE

Montag, 28. März 2022

Eigentlich...

Eigentlich kenne ich meinen Körper gut.
Eigentlich kann ich meinen Gesundheitszustand gut einschätzen.
Eigentlich weiß ich auch, dass ich manchmal ein bisschen streng mit mir bin.

Ja eigentlich. Trotzdem gibt es Situationen wo ich erst im nachhinein merke - oder mir erst dann zugestehe - , dass es mir wirklich nicht gut ging. Seht Ihr, auch hier will ich gar nicht "schlecht ging" schreiben, denn ich hatte schon ganz andere, wirklich schlechte Phasen.

Etwa ab Mitte Januar war irgendetwas nicht in Ordnung. Meine eh vorhandene Erschöpfung und Müdigkeit steigerte sich sich noch einmal enorm. Manchmal war ich froh 90 Minuten am Stück wach zu sein. In so vielen Momenten hätte ich am liebsten geheult, weil ich aufstehen musste. Andererseits war ich aber auch "im Kopf" müde. Die letzten Monate waren wieder einmal so anstrengend, dazu die Corona-Diskussionen und Ängste (und inzwischen noch der Krieg in der Ukraine). 
 
Mir fiel es unendlich schwer Sachen abzuarbeiten - aber ist das nicht immer so? Meist schaffe ich es irgendwie alles offizielle, vermeintlich Wichtige zu erledigen. Aber Freunde, persönliche Kontakte gehen mir dabei verloren, weil ich dazu keine Kraft und Energie mehr habe. Eine einfache Whatsapp oder Email kann so eine Hürde sein, das können sich die meisten natürlich gar nicht vorstellen. Alles war mir zu viel. Gleichzeitig kamen wieder die üblichen Zweifel: Streng dich einfach mehr an, du bist einfach nur faul, kann doch so schwer nicht sein, vielleicht ist es auch gar nichts körperliches sondern meine Psyche (was aber auch eine echte Krankheit und keine Faulheit wäre). Dabei gab es auch ganz objektive Anzeichen dafür, dass etwas in meinem Körper nicht rund lief. Meine Nierenwerte stellten neue Rekorde im Negativen auf, meine Lungenfunktionswerte waren niedrig, die Entzündungswerte dafür hoch und auch andere Blutwerte waren nicht wie sie sein sollten. Ich wurde auch wieder häufiger darauf angesprochen, dass ich so pustig/kurzatmig bin. Aber da war kein Husten, kein Schnupfen, kein klassisches Krankheitssymptom. 
Miriam auf der Terrasse, auf dem Tisch ein Diamond Painting Bild und unter dem Tisch Kater Nepi.

Nach und nach wurden die Blutwerte zuletzt wieder besser und meine Nieren und Lungenfunktion stabilisierten sich. Die letzten zwei Wochen waren die ersten Wochen in diesem Jahr ohne Arzttermin. Ich dachte schon ich hätte was vergessen im Kalender einzutragen. Und ganz schlagartig wurde mir in den letzten Tagen bewusst, wie gut es mir gerade geht. Ich habe letzte Woche ganz automatisch, ohne mich furchtbar zwingen zu müssen, einige Dinge für die Selbsthilfe erledigen können, habe angefangen ein bisschen was aufzuräumen, was in den letzten Monaten liegen geblieben war und habe auch wieder etwas an meinen Hobbys gearbeitet. Außerdem schlafe ich tagsüber nicht mehr unendliche Stunden, sondern genieße einfach zwei Stunden auf der Terrasse mit dem schönen Wetter. Auch meine Heizdecke kommt weniger zum Einsatz. Es gibt wieder Nächte und Tage ohne Frierattacken. Klar ist es immer noch nicht perfekt und wie ich es gerne hätte (da haben wir sie wieder die hohen Erwartungen), aber wenn es erst einmal eine Weile so bleiben würde, wäre ich wirklich glücklich (mal schnell auf Holz klopfen). Ich fühle eine ganz andere Energie in mir und bin wieder viel mehr "ICH". 

Erst jetzt, wo es mir besser geht, wird mir der Unterschied massiv bewusst und mir wird klar, dass ich wirklich krank gewesen bin. Jetzt hoffe ich, dass das mal eine Weile so bleibt und ich versuche die Zeit so gut wie möglich zu nutzen - und bemühe mich, nicht gleich wieder zu übertreiben.

Lasst es euch gut gehen

Miriam
 
 

Freitag, 11. März 2022

Medikamentenabhängig?!

Als ich ungefähr 12 Jahre alt war, schickten mich meine Eltern (allein) zur Kur. (Inzwischen heißt das Reha... damals war aber alles irgendwie Kur.) Meine Eltern und mein behandelnder Prof. in der MHH hatten etwas länger hin und her überlegt, ob so ein Aufenthalt das Richtige für mich sei. Ich war noch ziemlich jung - aber doch geschult im Umgang mit allen Medikamenten und Inhalationen. Damals hatte ich schon einige Tiefpunkte und Verschlechterungen hinter mir... ich wußte also, was ich der modernen Medizin zu verdanken hatte und konnte sehr gut einschätzen, wie schnell es ohne Medikamente wieder bergab gehen würde. Für Muko-Verhältnisse nahm ich damals schon eine Menge Tabletten ein und inhaltierte vier Mal am Tag.

Die Klinik, in der ich meinen Aufenthalt verbringen sollte, war eine der wenigen Einrichtungen, die auf Mukoviszidose-Patient*innen spezialisiert war. Sie hatte einen guten Ruf. Also auf ins Abenteuer!
(Ich werde hier den Namen der Klinik nicht erwähnen, weil dieser Geschichte schon fast über 40 Jahre her ist und sich seitdem eine Menge verändert hat.)

Ich kam mit einem größeren Schwung an Kindern in der Kureinrichtung an und wurde auf der Muko-Station in einem Dreibettzimmer untergebracht. Ich hatte ein paar Tabletten für die ersten Tage dabei, aber nicht für den gesamten Aufenthalt. Auch mein Inhaliergerät hatte ich zu Hause gelassen, weil wir davon ausgingen, dass Inhaliergeräte Standard sind und ich dort garantiert eins bekommen würde (bekam ich in der MHH ja auch immer bei jedem Aufenthalt).

Am ersten Tag durfte ich auch einmal kurz dem Direktor "Guten Tag" sagen. Er inspizierte meine Medikamentenliste und stellte fest, "dass das ja eine ganze Menge sei...". Und er machte gleich Überlegungen, welche Tabletten oder Inhalationen man wohl weglassen könnte. Natürlich gingen bei mir (auch als 12-Jährige) die Alarmglocken an - aber welche Chance hatte ich gegenüber dem Direktor? Ich hoffte, es würde sich irgendwie klären lassen.

Auf der Station gab es dann kein Inhalationsgerät für mich - es gab für die ganze Station ein einziges im Schwesternzimmer und inhaliert wurde nur auf Ansage. Das fand ich seltsam. Dann wurde meine Medikamentenliste zusammen gestrichen. Ich versuchte mit den Schwestern zu reden - aber das Muko-Kind, das ich nun mal war, wurde ignoriert.

Nach ein paar Tagen begann es mir schlechter zu gehen. Irgendwann saß ich weinend im Schwesternzimmer und versuchte der Schwester klar zu machen, dass ich die Tabletten und Inhalationen brauchte, weil es mir sonst immer schlechter gehen würde. Die Schwester tat sehr verständnisvoll. Sie streichelte mir über den Rücken und sagte dann den Satz, den wohl kein Muko (oder chronisch kranker Mensch) hören will: "Du weisst doch was das bedeutet, oder? Du bist medikamentenabhängig." Punkt. Das saß. Alles weiter, was ich danach noch versucht zu sagen oder zu erklären, wurde damit abgeschmettert. 

Damals gab es keine Handys und ich glaube, es gab auch keine Telefonzelle auf dem Gelände. Meine einzige Chance war ein Brief nach Hause... Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals geschrieben habe außer "Ich will hier weg. Holt mich bitte ab." Aber meine Eltern erkannten die Situation glücklicherweise und hielten es nicht nur für Heimweh. Sie kamen und holten mich ab und wir fuhren direkt zur MHH, die mich wieder aufgepäppelt hat. 

Mein Prof. war danach stinksauer. Ich glaube, er hat nicht so schnell wieder Patient*innen in diese Einrichtung geschickt... Und ich habe auch keinen zweiten Kur-Versuch unternommen. Das Thema war durch - ein für alle Mal. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was hätte alles passieren können...

 Foto: Insa sitzt im Terassenstuhl - leider gibt es aus dem Kur-Jahr keine vernünftigen Bilder von mir... dies ist ein Foto aus dem darauffolgenden Jahr.

Meine Mutter hat an dieses Erlebnis immer noch traumatische Erinnerungen - mehr als ich. Aber woher hätten wir wissen sollen, dass dort bestimmte Medis und Inhalationen nicht zum Standard gehören?
Alles im allem, bin ich froh, dass ich diese Episode gut überstanden habe. Und ich hoffe, heute läuft das alles besser in den Reha-Einrichtungen...

Insa 


Samstag, 5. März 2022

März 2022

 

Eigentlich ist der März mein Lieblingsmonat. Das liegt daran, dass ich in diesem Monat zwei Mal Geburtstag habe... und weil im März der Frühling durchbricht und alles Grün wird (das mag ich sehr).
Rund um meine Geburtstage - besonders am Lungengeburtstag (also der Jahrestag meiner Lungentransplantation) bin ich eigentlich immer voll Dankbarkeit. Dankbar noch am Leben zu sein, dass ich so viele schöne Dinge erleben durfte, dass es mir wieder so gut geht...
Aber zur Zeit ist mir irgendwie nicht nach Feiern und Glücklichsein zumute. Das liegt an der Gesamtsituation - weltpolitisch, pandemiebedingt, klimatechnisch... und auch aus dem Freundes- und Familienkreis kommen irgendwie nur schlechte Nachrichten. 

Ich mache mir Sorgen, habe Angst, bin wütend... es ist gerade von allem etwas und von allem etwas zu viel.
Wie geht es Euch zur Zeit?

Was können wir tun?

Ich denke derzeit vor allem an Muko-Familien und Menschen mit Mukoviszidose, die in der Urkaine leben bzw. sich in U-Bahnen, Parkhäusern oder Kellern verstecken - und an diejenigen, die auf der Flucht sind. Reichen die Medikamente? Sind sie sicher? Haben sie genug zu essen? 

Unsere CF-Selbsthilfe Braunschweig bereitet sich darauf vor, geflüchteten Muko-Familien zu helfen, wenn sie in Niedersachsen ankommen. Das finde ich persönlich sehr gut und wichtig.

Ich selbst untersütze noch Hilfsorganisationen... und bin sonst fassungslos und hilflos gegenüber all dem Leid. Unsere Genetation kennt Krieg nur noch von den Erzählungen der Großeltern oder aus dem Fernsehen (und dann ist es immer weit weg). Wer hätte jemals gedacht, dass es im Jahr 2022 in Europa zu kriegerischen Handlungen kommt? Wo wir doch in den letzten Jahrzehnten so viel erreicht haben.
Nach zwei Jahren Corona hatten wir wohl alle gedacht, dass es in diesem Jahr irgendwie entspannter zugehen wird...

Hoffen wir einfach das Beste - und dass die Diplomaten die richtigen Worte/Argumente und Stellschrauben finden, um dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Insa



Sonntag, 20. Februar 2022

Wie ich mehr Rolli-Rainer wurder, anstatt Ballett-Anna

Was wäre die Winter-Weihnachtszeit ohne meine Kindheits-Wohlfühl-Serien: Nesthäkchen, Schwarzwaldklinik, Ich heirate eine Familie und ANNA. Und zwar nicht die Disney Frozen Anna, sondern die ANNA Weihnachtsserie aus den 80er Jahren. Für all die jungen Küken: Damals, als wir nur drei Fernsehsender hatten, gab es zwischen Weihnachten und Silvester im ZDF immer eine 6-teilige Serie. Das Ganze nannte sich zwar Weihnachtsserie, aber nur wegen dem Ausstrahlungszeitraum. ANNA löste 1987 einen totalen Balletthype aus. Aber mich berührte die Serie noch aus anderen Gründen. 

Für alle unwissenden: Anna (Silvia Seidel) ist eine junge Ballettschülerin im Teenageralter. Durch einen Autounfall ist sie vorübergehend gelähmt - ohne Lebensmut und ohne Willen sich wieder zu bewegen. Im Krankenhaus und in der Reha begegnet ihr Rainer (Patrick Bach). Er ist seit einem Skiunfall querschnittsgelähmt und hat immer und überall seine Videokamera dabei (damals in den 80ern, da gab es keine Handys, Instagram und Co...). Rainer schafft es Anna neuen Mut zu geben und am Ende tanzt sie auch wieder Ballett. Außerdem gab es noch die Ballettlehrerin Madam Kralowa (Milena Vukotic), die eine Lungenerkrankung hat (Asthma?), an der sie am Ende auch stirbt.

Mein Leben mit 12

Ich war 1987 zwölf Jahre alt und schon richtig schwer Muko-krank. Mir wurde bereits ein Teil der Lunge entfernt, nachts bekam ich Sauerstoff, war im Jahr vier oder fünf mal im Krankenhaus, dazu Reha und ich war extrem untergewichtig. Für größere Ausflüge fingen wir an, einen Rollstuhl auszuleihen. 

Wie fast alle Mädels in meinem Alter habe ich die Serie geliebt und hätte am liebsten auch sofort mit Ballett angefangen. Aber für mich war die Serie noch mehr. Die ein oder zwei Folgen die im Krankenhaus und der Reha spielen, waren für mich ja "normal". Endlich mal im Fernehen sehen, was ein großer Teil meines Lebens ist und das mit jungen Leuten. Überhaupt war dort alles neu - allein ein junger Rollstuhlfahrer und das in einer Serie für Kinder und Jugendliche. Das war schon besonders. Dazu die lungenkranke Ballettlehrerin, für mich natürlich eine besondere Verbindung. Allerdings hat mich immer aufgeregt, dass sie ihr "Lungenspray" total falsch benutzt - kein Wunder das es nicht geholfen hat. :-)

Motivation

Mukoviszidose ist in dem Zustand, in dem ich schon war, sehr therapieaufwendig. Viele Stunden Inhalation, Atem-  und Phsiotherapie, Medikamente, Sauerstoff, künstliche Ernährung (bei mir ab 1988) und nach und nach setzte sich die Erkenntnis durch, dass Bewegung und Sport bei Lungenerkrankungen nicht mehr verboten, sondern sogar sehr wichtig sind. Da immer diszipliniert und motiviert zu bleiben, ist nicht einfach. Darum haben mir besonders gut die Szenen gefallen, die gezeigt haben wie hart Anna übt und trainiert. Das mag sich blöd anhören, aber noch heute kriege ich einen Motivationsschub, wenn ich das schaue. Jedesmal fange ich wieder an Treppen zu zählen, Tendus und Pliés zu üben und bin fest der Überzeugung mit viel Training schaffe ich alles - egal ob zu der Zeit mit Sauerstoff oder jetzt mit meinen kaputten Knochen und Muskeln. Natürlich rächt sich mein Körper jedesmal, aber ich lerne auch nicht daraus *lach*. In diesem Jahr hatte mein Körper vorgesorgt, damit ich erst gar nicht wieder auf dumme Ideen komme. Nach etwa zwei Monaten heftiger Schmerzen stellte sich einen Tag vor Weihnachten raus, dass ich einen Fersenbeinbruch hatte. Also nix mit Treppensteigen nach ANNA gucken.

Mehr Rainer...

Jetzt bin ich schon wieder ein bisschen vom Thema abgekommen. Warum sag ich, das ich mehr wie Rainer geworden bin, anstatt wie Anna. Da war (und ist) natürlich der Rollstuhl, anstatt von Ballettschuhen. Und ich hatte zwar keine Videokamera, aber es gab Menschen die behauptet haben sie würden mich nicht erkennen, wenn ich keinen Fotoapparat vorm Gesicht hätte. Ich habe so selten Freunde treffen können und meine wenigen schönen Momente waren so enorm wichtig für mich, dass ich einfach alles festhalten wollte, um mich in schlechten Phasen daran hochzuziehen. Außerdem musste Rainer viel trinken, weil seine Nieren Probleme machten. Damals waren zwar meine Nieren noch in Ordnung, aber ich musste viel trinken um den Schleim in der Lunge möglichst flüssig zu halten. Immer fröhlich sein, andere motivieren und versteckt eben trotzdem traurige, einsame Momente haben, auch darin fand ich mich wieder. Im Rückblick vielleicht noch mehr als 1987.

Miriam im Rollstuhl an Bord der Costa Luminosa 2019
- vor Corona, trotzdem mit Mundschutz

...und doch noch ein bisschen Anna


Die Idee zum Ballettuntericht zu gehen, war immer mal wieder in meinem Kopf. Ganz besonders mit 19, 20 Jahren, nachdem ich in Rente gehen musste und mehr Zeit und Energie für schöne Dinge zurück gewann. Aber zu dem Zeitpunkt fand ich nicht die richtigen Informationen und konnte mir nicht vorstellen, dass es Anfängerkurse für Erwachsene geben könnte - und wenn doch, dass sie mich so krank nicht nehmen. Als ich 30 und 24/7 sauerstoffabhängig war, erzählte mir eine Freundin, dass sie in Dresden war. Ich solle bitte nicht lachen, aber nach einer Führung durch die Oper, hätte sie total Lust bekommen mit Ballett anzufangen. Sie hat es nicht gemacht, aber für mich war es der Startschuss meiner Ballett"karriere". Nach einem missglückten Versuch habe ich eine so tolle Ballettgruppe gefunden, dass allein füllt einen langen Blogbeitrag. Hier gibt es ein vom Muko ev produziertes Video, da könnt ihr mich bei meinen Ballettanfängen sehen - noch mit Sauerstoff, lange vor meiner Lungentransplantation. Ballett ist mir ganz wichtig geworden und hat mich manches mal aus einem Tief geholt - körperlich und mental. Auch wenn ich es nicht so intensiv machen konnte/kann. So bin ich am Ende doch noch ein kleines bisschen Anna geworden.
Miriam, 2011, auf "Spitze" auf dem Seil vom kleinen Sport-Parcour
in der Reha Klinik Zeepreventorium. 

2022


Der Rainer-teil ist größer geworden, da auch meine Nieren inzwischen viel Probleme machen.

Der Anna-teil ist zur Zeit fast verschwunden. Zum einen kann ich seit der Pandemie nicht zum Unterricht gehen, aber auch meine ständig gebrochenen Knochen und die Schmerzen lassen es nicht zu. Aber ich hoffe immer noch, dass ich zu meiner Gruppe zurück kann. Irgendwann, irgendwie. Wenigstens ein wenig mitmachen, nicht gut... aber mit Spaß. Das ist meine Motivation meinen Körper irgendwie fit zu bekommen und immer weiter zu üben, weiter zu kämpfen. 

Fun-Fact


Selbstverständlich ist die Serie sehr, sehr 80er. Die Klamotten, aber auch die "lustigen" Sprüche. Zum Beispiel: Keiner wäscht Rainer. Damals ein Brüller. Solche Sprüche mit Namen waren total in. Meine Schulklasse hatte einen für mich:

"Alle liegen auf dem Sofa, nur Miriam, die in Hannover."

Damit war natürlich meine Klinik, die Medizinische Hochschule Hannover gemeint ;-).

Ich geh jetzt mental ein bisschen tanzen,

Miriam