Vor kurzem habe ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel gelesen, der darüber informierte, was derzeit der 'heiße Scheiß' in Bereich Wellness, Lifestyle und Gesundheit ist: atmen. Ernsthaft?
Mein zweiter Gedanke war, dass inzwischen wohl jeder versucht aus allem ein Geschäft zu machen... Nun also atmen. Von mir aus. Ich als Muko bin da seit 35 Jahren voll im Trend und sozusagen ein Atmungs-Guru. Ich behersche (wie fast alle Mukos) die Bauch- und Brustatmung, ich kann in die Flanke, den Rücken oder in einen Lungenflügel atmen - und habe mir doch selten darüber Gedanken gemacht. Vor meiner Lungentransplantation war ich eher dankbar, dass meine alte Lunge das alles noch so mitmacht und ich überhaupt noch atmen kann...
Der Mensch atmet locker 20.000 Mal am Tag ein und wieder aus. Dabei gehen bei gesunden Menschen 10.000 Liter Sauerstoff in die Lungen. Bei Mukos ist das je nach Gesundheitszustand wohl weniger... (Über das Atmen wurde vor kurzem auch ein Buch geschrieben. Allerdings war ich nach einem Zitat der Autorin nicht mehr so daran interessiert. "Wenn wir einatmen, inhalieren wir die Seufzer Sokrates', Goethes Husten, das Flüstern von Anne Frank und das Lachen von Romy Schneider." Naja. Das ist mir zu pathetisch. Und auf Goethes Husten kann ich gerne verzichten...)
In besagtem Artikel stand, dass die meisten Menschen zu flach atmen. Richtige, tiefe Atmung bringt Entspannung und mehr Sauerstoff in den Körper. Hilfe sollen Atem-Apps geben... oder man besucht heutzutage einen Breathwork-Trainer. Mir persönlich kommt das irgendwie seltsam vor. Aber ich habe mal eine kurze Recherche gemacht. Bei Google gibt es zum Suchbegriff "richtig atmen" über 9.290.000 Ergebnisse!!! Videos wurden über 97.400 Ergebnisse zu diesem Thema angezeigt. Vieles dreht sich dabei um Singen/Blasinstrumente oder Sport/Yoga. Dass man/frau durch richtige Atmung zum "Supermenschen" wird oder gesund oder ob das Leben dadurch leichter wird, halte ich jedoch ein ganz klein wenig übertrieben.
Und wieder einatmen - ausatmen.
Insa
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Samstag, 7. Dezember 2019
Freitag, 17. Mai 2019
Der Simeox im Text
[Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung.] In dieser Woche durfte ich den Simeox testen. Zugegebenermaßen kommt das Gerät für mich fünf oder besser zehn Jahre zu spät, denn eine gut funktionierende Spenderlunge ist ja kein Vergleich zu einer Muko-Lunge. Es ist aber so, dass ich durchaus manchmal Sekret in meiner Spenderlunge fühle - und es dann nicht rausbekomme... Total frustrierend übrigens. Da mache ich 30 Jahre lang Tag ein - Tag aus Autogene Drainage (in den Jahren vor der Lungentransplantatin locker zwei Stunden pro Tag) und das all die Jahre sehr erfolgreich... und nun geht irgendwie nix mehr. Die neue Lunge funktioniert einfach anders - vor allem die Flimmerhärchen arbeiten nicht so wie sie sollen. Deswegen wollte ich den Simeox gerne einmal ausprobieren und gucken, ob er mir was bringt.
Es hat ein paar Tage gedauert bis ich mit dem Teil "warm geworden" bin. Am Anfang dachte ich, ich wäre dafür zu doof... aber alles der Reihe nach.
Der Simeox kommt aus Frankreich. Mit Pneumatischen Signalen (Ultrakurze Unterdruck-Impulse) soll der Schleim leichter aus der Lunge befördert werden. Grundlage für diese Idee ist die sogeannte "Strukturviskosität"- so wie beim Ketchup: im Normalzustand ist Ketchup zähflüssig - schüttelt man aber die Flasche, wird er flüssig. Genau so verhält es sich auch mit dem Sekret in der Lunge.
Das Gerät arbeitet mit der Ausatmung. Man/frau soll ganz entspannt sitzen oder liegen und ähnlich wie bei der Drainage atmen: geräuscharm und ohne Anstrengung, mit einer Pause nach der Einatmung.
Es gibt verschieden Stärken der Vibration, die eingestellt werden können. Und die Zahl der Ausatmungen kann variiert werden: 6, 8 oder 10x Ausatmen. Dabei sind die letzten beiden Ausatemzüge in einer anderen Frequenz, mit der der Schleim befördert werden soll - mit den ersten Ausatmungen soll der Schleim verflüssigt werden.
Damit das Gerät auch wirklich nur während der Ausatmung arbeitet gibt es eine Fernbedienung, die gedrückt wird sobald man/frau ausatmet. Das funktioniert sehr gut. (Manchmal wird gegen Ende die Zunge leicht eingesaugt...dann hilft es mit dem Munstück etwas zu spielen bzw. eine andere Richtung oder Haltung - hoch- oder runterdrücken - zu versuchen.)
Mich hat ein Test an diesem Gerät auch gereizt, weil es eine passive Form der Sekretmobilisierung ist. Ich glaube, das hätte mir vor zehn Jahren ganz gut gefallen.
Meine Testläufe sahen wie folgt aus:
Wie schon gesagt, am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Gerät. Ich hatte das Gefühl, dass die Ausatmung mit Schallwellen nicht da ankommt, wo sie ankommen soll. Der Simeox hat eine kleine Skala, die anzeigt/ausschlägt, wenn es richtig gemacht wird. Da passierte bei mir bei den ersten "Runden" so gar nix.
Ich probierte dann verschiedene Positionen aus: im Sitzen (Stuhl, Sessel, Sofa) und im Liegen (Rücken- und Seitlage). In der Seitlage hatte ich (am dritten Tag) endlich Erfolg: Die Lunge/der Oberkörper vibrierte und es gab endlich einen Ausschlag auf der Skala.
Je mehr ich mich entspannte und nicht über die Ausatmung nachdachte, desto besser klappte es und das Geräte konnte richtig arbeiten.
Mir persönlich haben acht Durchgänge gereicht. Danach fühlte ich mich genug durchgeschüttelt.
Das Mundstück kann problemlos im Vaporisator oder in der Spülmaschine gereinigt werden.
Nach spätestens sechs Zyklen bildete sich bei mir Kondenswasser im Schlauch, was teilweise ins Mundstück lief. Das fand ich nicht so prickelnd. Die Anleitungen zur Reinigung des Schlauchs sind etwas irritierend. Einmal heißt es, dass der Schlauch mit Wasser und mildem Reinigungswasser gereinigt werden kann. Danach soll er zum Trocken aufgehängt werden. In einer anderen Anleitung steht dagegen, dass der Schlauch täglich in einer Desinfektionslösung kalt desinfiziert werden muss. Das halte ich für absolut nicht praktikabel.
Es gibt bei den neueren Geräten nun eine Funktion, die den Schlauch 30 Sekunden durchpusten soll - das konnte ich nicht testen, weil ich ein Modell der 1. Generation hatte. Diese neue Funktion ist wirklich sehr sinnvoll.
Wie fast zu erwarten war, habe ich dank der gesunden Spenderlunge, keinen Schleim mobilisieren können. Ich glaube aber, dass das Gerät Mukos durchaus helfen kann, den Schleim in der Lunge zu lockern. Es braucht aber einige Zeit und Testläufe, bis die richtige Einstellung/Position gefunden wird.
Leider kann ich nicht einschätzen, wie schnell es zu einem Hustenreiz durch die Vibration kommt und ob das eventuell kontraproduktiv ist.
Dieses Gerät ist eher was für die Leute, die die Autogene Drainage beherrschen bzw. ein gutes Lungengefühl haben - denn es ist natürlich kein Ersatz für die Autogene Drainage.
Grundsätzlich ist das Gerät relativ laut - vielleicht sogar noch etwas lauter als die Inhalationskompressoren. Und es ist auch relativ groß mit 28cm x 20cm x 17cm.
Meine Empfehlung ist also: wenn Ihr die Chance habt, den Simeox einmal für ein paar Tage auszuprobieren, dann macht das. Gebt dem Ganzen auch ein bisschen Zeit und seid nicht frustriert wenn es nicht sofort die Wirkung bringt, die ihr Euch erhofft. Loslassen ist manchmal schwieriger als man/frau denkt.
Falls es Mukos gibt, die den Simoex schon getestet haben, schreibt uns doch bitte Eure Erfahrungswerte.
Einatmen - Pause - Ausatmen...
Insa
P.S. Es gibt ja noch ein zweites Gerät, dass mit Schallwellen arbeitet: der Frequencer. Wenn alles klappt, werden wir auch diese Sekretmobilisationshilfe einmal testen.
Es hat ein paar Tage gedauert bis ich mit dem Teil "warm geworden" bin. Am Anfang dachte ich, ich wäre dafür zu doof... aber alles der Reihe nach.
Wie funktioniert der Simeox?
Der Simeox kommt aus Frankreich. Mit Pneumatischen Signalen (Ultrakurze Unterdruck-Impulse) soll der Schleim leichter aus der Lunge befördert werden. Grundlage für diese Idee ist die sogeannte "Strukturviskosität"- so wie beim Ketchup: im Normalzustand ist Ketchup zähflüssig - schüttelt man aber die Flasche, wird er flüssig. Genau so verhält es sich auch mit dem Sekret in der Lunge.
Das Gerät arbeitet mit der Ausatmung. Man/frau soll ganz entspannt sitzen oder liegen und ähnlich wie bei der Drainage atmen: geräuscharm und ohne Anstrengung, mit einer Pause nach der Einatmung.
Es gibt verschieden Stärken der Vibration, die eingestellt werden können. Und die Zahl der Ausatmungen kann variiert werden: 6, 8 oder 10x Ausatmen. Dabei sind die letzten beiden Ausatemzüge in einer anderen Frequenz, mit der der Schleim befördert werden soll - mit den ersten Ausatmungen soll der Schleim verflüssigt werden.
Damit das Gerät auch wirklich nur während der Ausatmung arbeitet gibt es eine Fernbedienung, die gedrückt wird sobald man/frau ausatmet. Das funktioniert sehr gut. (Manchmal wird gegen Ende die Zunge leicht eingesaugt...dann hilft es mit dem Munstück etwas zu spielen bzw. eine andere Richtung oder Haltung - hoch- oder runterdrücken - zu versuchen.)
Mich hat ein Test an diesem Gerät auch gereizt, weil es eine passive Form der Sekretmobilisierung ist. Ich glaube, das hätte mir vor zehn Jahren ganz gut gefallen.
Versuchsaufbau
Meine Testläufe sahen wie folgt aus:
- Inhalation mit hochprozentigem NaCl (3%)
- Acht Durchgänge à 8 Ausatmungen mit dem Simeox
- Ergometertraining
Wie schon gesagt, am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Gerät. Ich hatte das Gefühl, dass die Ausatmung mit Schallwellen nicht da ankommt, wo sie ankommen soll. Der Simeox hat eine kleine Skala, die anzeigt/ausschlägt, wenn es richtig gemacht wird. Da passierte bei mir bei den ersten "Runden" so gar nix.
Ich probierte dann verschiedene Positionen aus: im Sitzen (Stuhl, Sessel, Sofa) und im Liegen (Rücken- und Seitlage). In der Seitlage hatte ich (am dritten Tag) endlich Erfolg: Die Lunge/der Oberkörper vibrierte und es gab endlich einen Ausschlag auf der Skala.
Je mehr ich mich entspannte und nicht über die Ausatmung nachdachte, desto besser klappte es und das Geräte konnte richtig arbeiten.
Mir persönlich haben acht Durchgänge gereicht. Danach fühlte ich mich genug durchgeschüttelt.
Hygiene
Das Mundstück kann problemlos im Vaporisator oder in der Spülmaschine gereinigt werden.
Nach spätestens sechs Zyklen bildete sich bei mir Kondenswasser im Schlauch, was teilweise ins Mundstück lief. Das fand ich nicht so prickelnd. Die Anleitungen zur Reinigung des Schlauchs sind etwas irritierend. Einmal heißt es, dass der Schlauch mit Wasser und mildem Reinigungswasser gereinigt werden kann. Danach soll er zum Trocken aufgehängt werden. In einer anderen Anleitung steht dagegen, dass der Schlauch täglich in einer Desinfektionslösung kalt desinfiziert werden muss. Das halte ich für absolut nicht praktikabel.
Es gibt bei den neueren Geräten nun eine Funktion, die den Schlauch 30 Sekunden durchpusten soll - das konnte ich nicht testen, weil ich ein Modell der 1. Generation hatte. Diese neue Funktion ist wirklich sehr sinnvoll.
Fazit
Wie fast zu erwarten war, habe ich dank der gesunden Spenderlunge, keinen Schleim mobilisieren können. Ich glaube aber, dass das Gerät Mukos durchaus helfen kann, den Schleim in der Lunge zu lockern. Es braucht aber einige Zeit und Testläufe, bis die richtige Einstellung/Position gefunden wird.
Leider kann ich nicht einschätzen, wie schnell es zu einem Hustenreiz durch die Vibration kommt und ob das eventuell kontraproduktiv ist.
Dieses Gerät ist eher was für die Leute, die die Autogene Drainage beherrschen bzw. ein gutes Lungengefühl haben - denn es ist natürlich kein Ersatz für die Autogene Drainage.
Grundsätzlich ist das Gerät relativ laut - vielleicht sogar noch etwas lauter als die Inhalationskompressoren. Und es ist auch relativ groß mit 28cm x 20cm x 17cm.
Meine Empfehlung ist also: wenn Ihr die Chance habt, den Simeox einmal für ein paar Tage auszuprobieren, dann macht das. Gebt dem Ganzen auch ein bisschen Zeit und seid nicht frustriert wenn es nicht sofort die Wirkung bringt, die ihr Euch erhofft. Loslassen ist manchmal schwieriger als man/frau denkt.
Falls es Mukos gibt, die den Simoex schon getestet haben, schreibt uns doch bitte Eure Erfahrungswerte.
Einatmen - Pause - Ausatmen...
Insa
P.S. Es gibt ja noch ein zweites Gerät, dass mit Schallwellen arbeitet: der Frequencer. Wenn alles klappt, werden wir auch diese Sekretmobilisationshilfe einmal testen.
Freitag, 22. März 2019
"Meine Hobbys sind essen und ATMEN"
Vor kurzem war ich bei "Disney in concert". Ein wahnsinnig genialer Abend. Die Sänger*innen, das Orchester, dazu die Videoeinspielungen - einfach super. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.
Moderiert wurde das Ganze von Jan Köppen, der wie schon im letzten Jahr sehr symphatisch und kurzweilig durch das Programm führte. In seiner Anfangsmoderation stellte er sich unter anderem mit den Worten vor: "Meine Hobbys sind essen und atmen." In dem Moment dachte ich sofort: Ja, atmen zu können ist wirklich wunderbar. Und ich bin mir fast sicher (ich kenne ihn ja nicht), dass ihm gar nicht bewusst war, was er da sagt. Das meine ich gar nicht böse oder abwertend oder sonst irgendwie negativ. Atmen ist - zum Glück - für die meisten Menschen ein völlig unbewusster Vorgang, über den sich niemand großartig Gedanken macht. Aber für Menschen mit Mukoviszidose oder anderen Lungenerkrankungen ist "einfach atmen" etwas Besonderes, beziehungsweise etwas, was viel bewusster statt findet, über das viel geredet wird, was täglich eine Rolle spielt.
Des öfteren habe ich in letzter Zeit Bilder oder auch Karten mit dem Spruch "Ich atme, produktiver wird es heute nicht mehr." gelesen. Auch da erinnere ich mich an viele Tage vor der Lungentransplantation, da war atmen tatsächlich so schwere Arbeit, dass das den Tag eingenommen hat und ich froh war, wenn ich diesen Tag geschafft hatte. Da war kein Platz, keine Energie mehr für irgendetwas anderes "produktives".
Nach der Transplantation war tatsächlich eines der schwierigsten Dinge für mich, die Kontrolle über das Atmen wieder meinem Körper anzuvertrauen. Jahrelang habe ich extrem kontrolliert und bewusst geatmet. Lippenbremse, Sauerstoff hoch/runter, versuchen ruhig zu bleiben bei Atemnot, durch spezielle Atemtherapien (wie Autogene Drainage) den zähen Schleim aus der Lunge atmen, systematisch alle Ecke der Lunge belüften und und und. Jetzt dem Körper zu vertrauen, dass er weiß wie schnell (langsam) er atmen muss, das war schwer für mich. Bisher macht mein Körper das aber sehr gut und ich greife nur noch selten bewusst ein :-)
Gute Luft!
Miriam
P.S.: Jan Köppen engagiert sich schon länger bei "Junge Helden", eine ganz tolle Organisation, die sich um Aufklärung beim Thema Organspende bemüht, daher weiß er wahrscheinlich doch was "atmen" bedeutet ;-)
Moderiert wurde das Ganze von Jan Köppen, der wie schon im letzten Jahr sehr symphatisch und kurzweilig durch das Programm führte. In seiner Anfangsmoderation stellte er sich unter anderem mit den Worten vor: "Meine Hobbys sind essen und atmen." In dem Moment dachte ich sofort: Ja, atmen zu können ist wirklich wunderbar. Und ich bin mir fast sicher (ich kenne ihn ja nicht), dass ihm gar nicht bewusst war, was er da sagt. Das meine ich gar nicht böse oder abwertend oder sonst irgendwie negativ. Atmen ist - zum Glück - für die meisten Menschen ein völlig unbewusster Vorgang, über den sich niemand großartig Gedanken macht. Aber für Menschen mit Mukoviszidose oder anderen Lungenerkrankungen ist "einfach atmen" etwas Besonderes, beziehungsweise etwas, was viel bewusster statt findet, über das viel geredet wird, was täglich eine Rolle spielt.
Des öfteren habe ich in letzter Zeit Bilder oder auch Karten mit dem Spruch "Ich atme, produktiver wird es heute nicht mehr." gelesen. Auch da erinnere ich mich an viele Tage vor der Lungentransplantation, da war atmen tatsächlich so schwere Arbeit, dass das den Tag eingenommen hat und ich froh war, wenn ich diesen Tag geschafft hatte. Da war kein Platz, keine Energie mehr für irgendetwas anderes "produktives".
Atmen vor und nach einer Lungentransplantation
Nach der Transplantation war tatsächlich eines der schwierigsten Dinge für mich, die Kontrolle über das Atmen wieder meinem Körper anzuvertrauen. Jahrelang habe ich extrem kontrolliert und bewusst geatmet. Lippenbremse, Sauerstoff hoch/runter, versuchen ruhig zu bleiben bei Atemnot, durch spezielle Atemtherapien (wie Autogene Drainage) den zähen Schleim aus der Lunge atmen, systematisch alle Ecke der Lunge belüften und und und. Jetzt dem Körper zu vertrauen, dass er weiß wie schnell (langsam) er atmen muss, das war schwer für mich. Bisher macht mein Körper das aber sehr gut und ich greife nur noch selten bewusst ein :-)
Gute Luft!
Miriam
P.S.: Jan Köppen engagiert sich schon länger bei "Junge Helden", eine ganz tolle Organisation, die sich um Aufklärung beim Thema Organspende bemüht, daher weiß er wahrscheinlich doch was "atmen" bedeutet ;-)
Freitag, 12. Januar 2018
Zu Fuß unterwegs
Vor kurzem habe ich es wieder getan. Ich habe mir meine Jacke, Mütze und Schal geschnappt, bin raus und einfach losgelaufen. Zu Fuß. Einfach so.
Ohne einen schweren Sauerstofftank auf dem Rücken. Ohne Begleitung, die meinen schweren Sauerstofftank trägt.
Ohne Atemnot und Hustenattacken unterwegs.
Ohne kurzen Pausen zwischendurch, um mal kurz durchzuatmen. (Ohne sich über rote Ampeln zu freuen, weil diese kurze Pausen ermöglichen.)
Ohne vorher zu inhalieren oder auf Inhalierzeiten achten zu müssen.
Ohne zu überlegen, wie weit ich es schaffe oder wann ich umkehren sollte. Ohne über Bushaltestellen nachzudenken, an denen ich notfalls einsteigen und nach Hause fahren könnte.
Ohne sicherheitshalber zurück zu gehen, weil ich sonst keine Atemtherapie und/oder Ergometer-Einheit mehr schaffe.
Einfach so.
Das war richtig schön. So entspannt und frei.
Auch dreieinhalb Jahre nach der Lugentransplantation wundere ich mich immer noch manchmal, was ich inzwischen machen kann. Das finde ich gut.
Das Leben ist schön.
Insa
Ohne einen schweren Sauerstofftank auf dem Rücken. Ohne Begleitung, die meinen schweren Sauerstofftank trägt.
Ohne Atemnot und Hustenattacken unterwegs.
Ohne kurzen Pausen zwischendurch, um mal kurz durchzuatmen. (Ohne sich über rote Ampeln zu freuen, weil diese kurze Pausen ermöglichen.)
Ohne vorher zu inhalieren oder auf Inhalierzeiten achten zu müssen.
Ohne zu überlegen, wie weit ich es schaffe oder wann ich umkehren sollte. Ohne über Bushaltestellen nachzudenken, an denen ich notfalls einsteigen und nach Hause fahren könnte.
Ohne sicherheitshalber zurück zu gehen, weil ich sonst keine Atemtherapie und/oder Ergometer-Einheit mehr schaffe.
Einfach so.
Das war richtig schön. So entspannt und frei.
Auch dreieinhalb Jahre nach der Lugentransplantation wundere ich mich immer noch manchmal, was ich inzwischen machen kann. Das finde ich gut.
Das Leben ist schön.
Insa
Freitag, 29. September 2017
Pumpstation
Das folgende Schild habe ich am Tankumsee entdeckt:
Schluss mit müden Lungen, das wäre doch wirklich toll. Wie oft haben wir uns das früher gewünscht? Schade, dass es in unseren Brustkörben kein Ventil gibt, wo man einfach einmal am Tag den Luftvorrat auffüllen kann und gut ist.
Dazu fällt mir der Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann ein. Dort geht es um eine Tuberkuloseklinik Anfang des 20sten Jahrhundert. Damals fand man es eine schlaue Idee künstlich einen Pneumothorax zu erzeugen - man ließ also eine Lungenseite kollabieren. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Textpassage, in der er von einer Frau berichtet, die besonders gut pfeifen konnte aus ihrem Loch im Brustkorb und deswegen immer wieder mit Stickstoff "gefüllt" werden musste.
An dieser Stelle sind wir mal dankbar, dass wir 100 Jahre später leben :-)
Und wer weiß, in weiteren 100 Jahren gibt es vielleicht das Sauerstoffventil im Brustkorb. ;-)
Luftige Grüße
Miriam
P.S. Am Tankumsee war mit der Pumpstation übrigens ein Luftdruckventil für die Luftmatratzen und "Schwimmtiere" gemeint - damit die Familieväter und -mütter sich nicht beim Aufpusten völlig verausgaben.
Schluss mit müden Lungen, das wäre doch wirklich toll. Wie oft haben wir uns das früher gewünscht? Schade, dass es in unseren Brustkörben kein Ventil gibt, wo man einfach einmal am Tag den Luftvorrat auffüllen kann und gut ist.
Dazu fällt mir der Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann ein. Dort geht es um eine Tuberkuloseklinik Anfang des 20sten Jahrhundert. Damals fand man es eine schlaue Idee künstlich einen Pneumothorax zu erzeugen - man ließ also eine Lungenseite kollabieren. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Textpassage, in der er von einer Frau berichtet, die besonders gut pfeifen konnte aus ihrem Loch im Brustkorb und deswegen immer wieder mit Stickstoff "gefüllt" werden musste.
An dieser Stelle sind wir mal dankbar, dass wir 100 Jahre später leben :-)
Und wer weiß, in weiteren 100 Jahren gibt es vielleicht das Sauerstoffventil im Brustkorb. ;-)
Luftige Grüße
Miriam
P.S. Am Tankumsee war mit der Pumpstation übrigens ein Luftdruckventil für die Luftmatratzen und "Schwimmtiere" gemeint - damit die Familieväter und -mütter sich nicht beim Aufpusten völlig verausgaben.
Freitag, 16. Dezember 2016
Auf der dunklen Seite der Atmung
Ok, ich will ehrlich sein: Ich bin kein Science-Fiction-Fan. So. Jetzt ist es raus. Es ist einfach nicht mein Ding.... Da aber mein Mann gerne so Zeug guckt, kenne ich diverse Szenen oder Ausschnitte aus den "wichtigen" Filmen natürlich trotzdem.
Jetzt gibt es einen neuen Kinofilm aus dem Star Wars-Universum: "Rouge One- A Star Wars Stroy" und dazu haben wir einen mega-coolen Trailer im Netz entdeckt.
Der Trailer und vor allem das Ende ist superklasse. Ich finde es toll, wenn Firmen nicht ihr Produkt in den Mittelpunkt stellen, sondern einfach mal einen guten Zweck. Das hat Größe.
Wahrscheinlich fühlt sich wohl jeder Muko irgendwann mal wie der dunkel Lord! Aber seien wir ehrlich, es ist nur bedingt witzig, wenn andere einen immer wieder darauf hinweisen müssen und meinen, sie hätten dann noch einen total neuen und originellen Spruch gemacht... Es ist kein großartiges Vergnügen mit Sauerstoff rauszugehen oder mit dem Beatmungsgerät zum Sport.
Ich kann mir schon vorstellen, warum der Junge in dem Spot diesen Helm trägt.
Und natürlich ist es immer so: Wenn man möglichst leise und unauffällig atmen möchte (z.B. im Kino oder bei einer Geburtstagsansprache), dann rebelliert der Körper bzw. die Lunge erst Recht und man muß Husten bzw. bekommt die Atmung so gar nicht unter Kontrolle. Das ist eins dieser Gesetze, so wie das Brot immer auf die Marmeladenseite fällt.
Dann gibt es die Begebenheiten, bei denen einen gar nicht auffällt, dass man pustend unterwegs ist. Manchmal wurde Miriam dann von fremden Leuten angesprochen, ob diese helfen könnten oder ob man einen Arzt rufen solle. "Äh, nein, warum?" Naja, der Zustand sähe gerade nicht so gut aus... In so einer Situation zu erklären, dass dies der Normalzustand und alles wirklich in Ordnung sei, ist dann für manche schwer zu glauben.
Oder am Telefon. Wir erahnen ja nur manchmal wie wir klingen und wie sich unser Husten durchs Telefon anhört... Da haben manche Eltern von Freunden auch schon Angstzustände bekommen oder gemeint, wir wären total aufgeregt und es sei etwas passiert. Nein, war es nicht. Es war doch alles ganz normal.
Ich glaube, ich habe mich vor der Transplantation manchmal ganz schön schlimm angehört. Das hat allerdings keiner meiner Gesprächspartner je erwähnt. Aber nach der Tranplantation meinten ganz viele zu mir, dass ich mich auf einmal so ruhig und entspannt und "gesund" anhören würde. Eine Freundin war beim ersten Telefonat ganz aus dem Häuschen und sagte: "Hast Du Dir gerade selbst zugehört? Du hast fünf Sätze ohne Luftholen gesprochen. Wahnsinn!" Ja, das war es und ist es immer noch. :-)
Miriam hatte vor Jahren bei einem ihrer Disney-Besuche mal die Ehre und ist dem dunklen Lord höchstselbst begegnet! Was sie für Erfahrungen ausgetauscht haben, weiß ich aber leider nicht.
In diesem Sinne... tief durchatmen,
Insa
Jetzt gibt es einen neuen Kinofilm aus dem Star Wars-Universum: "Rouge One- A Star Wars Stroy" und dazu haben wir einen mega-coolen Trailer im Netz entdeckt.
Der Trailer und vor allem das Ende ist superklasse. Ich finde es toll, wenn Firmen nicht ihr Produkt in den Mittelpunkt stellen, sondern einfach mal einen guten Zweck. Das hat Größe.
Wahrscheinlich fühlt sich wohl jeder Muko irgendwann mal wie der dunkel Lord! Aber seien wir ehrlich, es ist nur bedingt witzig, wenn andere einen immer wieder darauf hinweisen müssen und meinen, sie hätten dann noch einen total neuen und originellen Spruch gemacht... Es ist kein großartiges Vergnügen mit Sauerstoff rauszugehen oder mit dem Beatmungsgerät zum Sport.
Ich kann mir schon vorstellen, warum der Junge in dem Spot diesen Helm trägt.
Und natürlich ist es immer so: Wenn man möglichst leise und unauffällig atmen möchte (z.B. im Kino oder bei einer Geburtstagsansprache), dann rebelliert der Körper bzw. die Lunge erst Recht und man muß Husten bzw. bekommt die Atmung so gar nicht unter Kontrolle. Das ist eins dieser Gesetze, so wie das Brot immer auf die Marmeladenseite fällt.
Dann gibt es die Begebenheiten, bei denen einen gar nicht auffällt, dass man pustend unterwegs ist. Manchmal wurde Miriam dann von fremden Leuten angesprochen, ob diese helfen könnten oder ob man einen Arzt rufen solle. "Äh, nein, warum?" Naja, der Zustand sähe gerade nicht so gut aus... In so einer Situation zu erklären, dass dies der Normalzustand und alles wirklich in Ordnung sei, ist dann für manche schwer zu glauben.
Oder am Telefon. Wir erahnen ja nur manchmal wie wir klingen und wie sich unser Husten durchs Telefon anhört... Da haben manche Eltern von Freunden auch schon Angstzustände bekommen oder gemeint, wir wären total aufgeregt und es sei etwas passiert. Nein, war es nicht. Es war doch alles ganz normal.
Ich glaube, ich habe mich vor der Transplantation manchmal ganz schön schlimm angehört. Das hat allerdings keiner meiner Gesprächspartner je erwähnt. Aber nach der Tranplantation meinten ganz viele zu mir, dass ich mich auf einmal so ruhig und entspannt und "gesund" anhören würde. Eine Freundin war beim ersten Telefonat ganz aus dem Häuschen und sagte: "Hast Du Dir gerade selbst zugehört? Du hast fünf Sätze ohne Luftholen gesprochen. Wahnsinn!" Ja, das war es und ist es immer noch. :-)
Miriam hatte vor Jahren bei einem ihrer Disney-Besuche mal die Ehre und ist dem dunklen Lord höchstselbst begegnet! Was sie für Erfahrungen ausgetauscht haben, weiß ich aber leider nicht.
Miriam und ihre Schwester - und nein, er ist nicht ihr Vater!
In diesem Sinne... tief durchatmen,
Insa
Freitag, 18. November 2016
Krankengymnastik
Seit über dreißig Jahren bin ich im "Patientengeschäft" der Krankengymnasitk. :-) In dieser Zeit hat sich so viel verändert und weiterentwickelt, dass man manchmal selbst überrascht ist.
Vor einiger Zeit fiel uns ein altes Buch zum Thema "Physiotherpie bei Mukoviszidose" in die Hände. Das Exemplar stammt aus dem Jahr 1987 und ist ein echtes Relikt.
In diesem "Leitfaden der krankengymnastischen Techniken für Patienten, Eltern, Krankengymnasten und Ärzte" wird in Wort und Bild erklärt, welche Atemtheapie-Übungen die Muko-Patienten machen sollten bzw. welche Hilfsmittel dafür zur Verfügung standen.
Damals wurde noch abgekopft... ich erinnere mich noch wie heute an die diversen Positionen, die dabei eingenommen werden mußten. Meine Eltern haben damals extra ein Bett bauen lassen, das man in die Diagonale (sogar zwei Stufen!) hochklappen konnte. Morgens vor der Schule wurde erst inhaliert, dann abgeklopft und abends dann das Ganze nochmal...Mukoviszidose war und ist leider eine Krankheit, die die ganze Familie involiert und beschäftigt.
Damit meine Eltern auch mal alleine Urlaub machen konnten bzw. ich alleine z.B. zu Oma und Opa oder auf Klassenfahrt reisen konnte, haben wir damals auch so einen "Impulsvibrator" angeschafft. Ich sehe meine Klassenlehrerin noch vor mir, wie sie mich in der Jugendherberge auf Amrum mit dem Ding bearbeitet.
Ich war ja so froh, als ich endlich die Autogene Drainage lernen durfte und damit selbständig und unabhängig wurde.
Diese Übung kennt wahrscheinlich jeder Muko, weil sie immer noch aktuell ist.
Manches aus diesem Buch ist wahrlich überholt, anderes wird weiterhin so durchgeführt. Eins muß man aber feststellen: die Zeichnungen von damals sind echt kult.
Was auch immer Ihr für Übungen heute noch macht - viel Spaß!
Insa
Vor einiger Zeit fiel uns ein altes Buch zum Thema "Physiotherpie bei Mukoviszidose" in die Hände. Das Exemplar stammt aus dem Jahr 1987 und ist ein echtes Relikt.
In diesem "Leitfaden der krankengymnastischen Techniken für Patienten, Eltern, Krankengymnasten und Ärzte" wird in Wort und Bild erklärt, welche Atemtheapie-Übungen die Muko-Patienten machen sollten bzw. welche Hilfsmittel dafür zur Verfügung standen.

Ich war ja so froh, als ich endlich die Autogene Drainage lernen durfte und damit selbständig und unabhängig wurde.

Manches aus diesem Buch ist wahrlich überholt, anderes wird weiterhin so durchgeführt. Eins muß man aber feststellen: die Zeichnungen von damals sind echt kult.
Was auch immer Ihr für Übungen heute noch macht - viel Spaß!
Insa
Freitag, 8. Juli 2016
Glücksmoment Nr.3
Immer wenn ich in der Küche bin, schalte ich das Radio ein und höre Musik. Schon immer habe ich gerne bei den Liedern mitgesungen oder mitgesummt. Während meiner Zeit auf der Warteliste, als die Luft trotz zusätzlichem Sauerstoff immer weniger wurde, war das Mitsingen nicht mehr ganz so einfach.
Was war das für ein sensationelles Erlebnis, als ich das erste Mal nach der Transplantation zu Hause aus vollem Hals wieder mitsingen konnte (und gleichzeitig noch den Haushalt schmeißen)! Wahnsinn wofür man nun Luft hat und was alles auf einmal ganz einfach ist.
Letzte Woche waren Miriam und ich im Auto unterwegs und haben (der guten alten Zeiten wegen) eine alte CD von "Take That" gehört. Es gibt da z.B. das Lied "Never forget" und im Refrain geht es so:
"Ne - - - ver forget where you're coming from
Ne - - - ver pretend that it's all real....
So - - - meday soon this will all be someone else's dream
This will be someone else's dream."
Dieses langgezogene "Ne - - - ver" wäre noch vor drei Jahren für uns beide ein richtiges Problem gewesen. Aber jetzt geht sogar noch die ganze Zeile mit einmal Luftholen und ohne Schnappatmung am Ende. Glücksmoment!
Und weiter gehts auf der Autobahn und mit dem nächsten Lied,
Insa
Was war das für ein sensationelles Erlebnis, als ich das erste Mal nach der Transplantation zu Hause aus vollem Hals wieder mitsingen konnte (und gleichzeitig noch den Haushalt schmeißen)! Wahnsinn wofür man nun Luft hat und was alles auf einmal ganz einfach ist.
Letzte Woche waren Miriam und ich im Auto unterwegs und haben (der guten alten Zeiten wegen) eine alte CD von "Take That" gehört. Es gibt da z.B. das Lied "Never forget" und im Refrain geht es so:
"Ne - - - ver forget where you're coming from
Ne - - - ver pretend that it's all real....
So - - - meday soon this will all be someone else's dream
This will be someone else's dream."
Dieses langgezogene "Ne - - - ver" wäre noch vor drei Jahren für uns beide ein richtiges Problem gewesen. Aber jetzt geht sogar noch die ganze Zeile mit einmal Luftholen und ohne Schnappatmung am Ende. Glücksmoment!
Und weiter gehts auf der Autobahn und mit dem nächsten Lied,
Insa
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