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Sonntag, 21. November 2021

Impfaufruf...

Irgendwie hatten wir auf einen etwas entspannteren Winter gehofft... aber so wie es aussieht, wird es coronatechnisch nicht besser, sondern immer schlechter... Und das alles nur, weil wir eine schlechte Impfquote haben. Das ist echt traurig.

quadratisches schwarz-weiß Lettering in Handschrift

Alle diese Einschränkungen, Veranstaltungsabsagen, Intensiv-Einweisungen und Toten müssten nicht sein - daß muß ich hier mal so klar sagen.
Falls Ihr noch nicht geimpft seid, denkt bitte, bitte, bitte darüber nach und informiert Euch - und laßt es machen. Als jemand, die in den letzten 40 Jahren als permanentes medizinisches Versuchskaninchen gelebt hat und viel Medis "off Label" oder in Studien getestet hat, kann ich sagen: Die Impfung ist pillepalle. Bzw. eine Ansteckung und eine Behandlung auf der Intensivstation mit diversen Medikamenten ist für einen Körper garantiert heftiger als zwei Mal eine Imfpung zu bekommen.

Falls Ihr Informationen braucht, empfehle ich Euch KEINE Telegram-Gruppe von Möchtegern-Wissenschaftlern, sondern die Fakten:

Die Tagesschau hat die täglichen Zahlen.
https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-karte-deutschland-101.html

Das RKI (Robert-Koch-Institut) ebenfalls und noch mehr.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

Der NDR-Podcast Coronavirus Update informiert alle 14 Tage über aktuelle Entwicklungen (in der neuen Folge geht es um die Intensivbetten und die Behandlung auf Intensiv - sehr interessant).
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Coronavirus-Update-Der-Podcast-mit-Christian-Drosten-Sandra-Ciesek,podcastcoronavirus100.html

Mai Thi Nguyen-Kim informiert und erklärt regelmäßig auf Youtube über Corona.
https://www.youtube.com/channel/UCyHDQ5C6z1NDmJ4g6SerW8g 

Falls Ihr Leute in Eurem Umfeld habt, die noch unentschlossen sind, versucht aufzuklären. Und laßt Euch boostern - nur so können wir die vierte Welle brechen.

Ich bin müde.
Insa

Sonntag, 30. Mai 2021

Impfungen für Kinder in vielen Familien wichtig

In den letzte Tagen ist eines der alles bestimmenden Themen in den Medien das Impfen für Kinder. Während einige darauf drängen, dass Kinder unbedingt priorisiert gehören, bleiben andere skeptisch. Eine der größten Diskussionen ist wohl, ob Kinder geimpft werden sollten, obwohl sie selten schwer erkranken. Dazu kommt die Unsicherheit, ob das Risiko von seltenen Impf-Nebenwirkungen häufiger ist als ein schwerer Covid-19 Verlauf.

Das Foto zeigt einen abgerissenen Zettel auf einem Schreibtisch mit einem Buntstift. Auf dem Zettel stehen von Kindern geschrieben die Namen von Corona-Impfstoffen.
Bildbeschreibung: Ein Zettel mit Kinderschift: "Basontekt, Astrasenika, Moderner". Dieses Foto hat uns unser Freund Andre Voigt zur Verfügung gestellt. Seine Kinder haben ihr eigenes Impfzentrum eröffnet.

ABER...

In den Diskussionen der letzten Tage kamen ein paar, wie ich finde, wichtige Faktoren viel zu kurz:

Vorerkrankte Kinder

Da sind zum einen die vorerkrankten Kinder, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben einen schweren Verlauf zu bekommen oder sich dadurch in ihrer Grunderkrankung zu verschlechtern. Diese Eltern sehnen sich danach, wenigstens ein bisschen mehr Sicherheit für ihre Kinder zurück zu gewinnen. Für etliche Kinder der "Risikogruppen" wird diese Impfung entscheidend dafür sein, ob sie wieder in den Kindergarten / die Schule dürfen oder mit Freunden spielen können. Daher warten genügend Eltern auf die Zulassung auch für Kinder unter 12 Jahren. Die müssen sich zu ihren Sorgen natürlich auch gerne noch all die dummen Kommentare anhören, wie sie das ihren Kindern antun können und vieles mehr. Vor allem wenn den Kindern nicht unbedingt anzusehen ist, dass sie zu den wirklich Gefährdeten gehören.

Geschwisterkinder

Ähnlich sieht es bei den Geschwisterkindern aus, denn sie müssen oftmals zurückstecken. Und nun müssen Eltern auch noch die schwierige Entscheidung treffen, ob das Geschwisterkind zum Beispiel in die Schule darf und sich damit aber vielleicht das Risiko für das vorerkrankte Kind erhöht. Auch in diesem Fall wäre eine Impfung für das gesunde Geschwisterkind eine große Erleichterung. Noch dazu, weil nicht alle vorerkrankten Menschen geimpft werden können, bzw. keinen ausreichenden Schutz aufbauen können (zum Beispiel bei gedrücktem Immunsystem). 

Vorerkrankte Eltern

All dies gilt natürlich auch wenn ein Elternteil zum Beispiel gerade eine Chemo macht, an der Dialyse hängt, herzkrank ist oder sonst etwas. Auch hier mag das Kind einen asymptomatischen Verlauf haben, aber mit nach Hause gebracht kann das ganze böse Folgen haben. Oft glauben wir Erwachsenen gar nicht, welch ernste Gedanken sich bereits junge Kinder machen. Und wie schrecklich muss sich ein Kind fühlen, wenn es glaubt daran Schuld zu sein, dass es einem in der Familie schlecht geht. Es wird Kinder geben, die dann lieber nicht mit ihren Freunden spielen, weil sie Angst haben Corona zu bekommen und weiterzugeben. 

Versteht mich jetzt nicht falsch, Kinder sind nicht das alleinige Risiko, jeder Mensch kann durch irgendeinen dummen Zufall, so gut er auch aufpasst, sich anstecken und den Virus weitergeben. Hier geht es nur darum, warum auch die Impfung von Kindern bei gar nicht so wenigen Familien ihre Berechtigung hat.

Und selbstverständlich bietet die Impfung in all diesen Fällen keinen absoluten Schutz. Sie macht nur das Abwägen der Gefahr etwas leichter, da das Risiko deutlich sinkt. Darum ist es wahnsinnig wichtig, dass weiter geforscht und beobachtet wird und irgendwann auch  jüngere Kinder geimpft werden können.

Hoffnungsschimmer

Wir freuen uns wie alle anderen darauf, dass es besser wird, dass die Zahlen sinken und wir uns hoffentlich bald wieder mehr persönlich sehen können. Auch ich möchte gerne wieder in den Urlaub fahren und vielleicht mal wieder ins Kino oder Musical gehen. Es ist ein bisschen Aufbruchstimmung und die tut uns allen gut. Vergessen wir aber bitte trotzdem nicht völlig, dass diese Krise für viele Menschen noch lange nicht vorbei ist. Und um unsere wiedergewonnene Freiheit nicht sofort wieder zu riskieren: Bleibt vorsichtig, haltet Euch an Maskenpflicht und Abstand wo es weiterhin nötig ist.

Passt auf euch auf,
Miriam

 

Samstag, 24. April 2021

Corona-Impfung, die Erste

Es geht voran! Inzwischen sind wir beide zum ersten Mal gegen Covid-19 geimpft und freuen uns über die täglich steigenden Impfzahlen in Deutschland. 

So eine Impfung bietet ja leider keinen 100%igen Schutz vor einer Krankheit. Eine Impfung soll helfen, dass weniger Menschen erkranken und wenn doch, die Krankheit einen milderen Verlauf hat. 
Guckt dazu gerne auch nochmal auf unseren Beitrag aus dem Januar 2021 "Corona-Impfung".

Nur ein kleiner Schutz

Für uns Lungentransplantierte (bzw. für alle Organempfänger) ist so eine Impfung zwar ein Segen, aber leider gibt sie uns weniger Schutz als den gesunden Menschen. Da unser Immunsystem durch Medikamente niedrig gehalten wird (sonst würde unser Körper das Spenderorgan sofort abstoßen) ist leider auch eine Impfung nicht so wirksam. Ein unterdrücktes Immunsystem kann leider nur wenig Antikörper aufbauen. Das bedeutet, dass wir wahrscheinlich durch die Impfung schon einen kleinen Schutz in uns tragen, aber wir wissen nicht genau, wie hoch dieser Schutz ist. 

Für uns ist es tatsächlich wichtiger, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen und so etwas wie eine Herdenimmunität entsteht. Denn wenn die Leute in unserem Umfeld geschützt sind und nicht erkranken, dann kann uns auch nichts passieren. 

Foto: neue Straßenkunst in Hannover - gehäkeltes Coronavirus mit Spritze (Imfpung)

Noch ein kleiner Hinweis oder eine Bitte: Wie wir sind auch viele von Euch glücklich endlich die erste Impfung bekommen zu haben. Daher gibt es inzwischen sehr viele Fotos von Impfpässen im Internet. Bitte achtet unbedingt darauf, die Chargennummer der Impfung und auch Stempel und Unterschrift des Arztes / der Ärztin zu schwärzen! Zum einen werden diese Informationen genutzt um gefälschte Impfpässe herzustellen, zum anderen kann jeder mit diesen Daten anonym irgendwelche erfundenen Impfnebenwirkungen melden. 
 

Noch kurz zur Imfpung

Insa:

Eigentlich hatte ich gedacht, ich kann Euch von Hannovers großem Impfzentrum auf dem Messegelände berichten... dort war ich nämlich auf der Warteliste. Doch dann kam glücklicherweise einer meiner vielen Ärzte (manchmal ist es doch vor Vorteil, wenn man bei so viele Ärzten in Behandlung ist...) und fragte telefonisch bei mir nach, ob ich schon geimpft sei. Als ich verneinte bot er mir an, mich in seiner Praxis zu impfen. Natürlich sagte ich zu. Deswegen war meine Corona-Impfaktion äußerst unspektakulär (wenn man davon absieht, dass wir das als seltenen und besonderen Ausflug begriffen haben... siehe Beitrag letzte Woche).

Miriam: 

Ich wurde im Impfzentrum geimpft, allerdings in einem recht kleinen. Meine Befürchtungen dort erst recht auf viele Menschen zu treffen, war zum Glück unbegründet. Der Ablauf war gut organisiert, alle waren sehr freundlich und nach knapp 40 Minuten war ich wieder auf dem Heimweg. Nebenwirkungen hatte ich so gut wie keine. Ein bisschen Schmerzen an der Einstichstelle, wie bei Impfungen üblich. Dazu 2, 3 meiner Schüttelfrostattacken (ohne Fieber), die ich seit der Lungentransplantation häufiger habe. Na ja, und erschöpft bin ich eh immer, ob das nun ein wenig mehr war, ist reine Spekulation. 

Passt auf euch auf

Insa + Miriam


Freitag, 16. April 2021

Wir machen einen Ausflug

Das erste Mal seit ca. sechs Monaten (oder sogar schon länger?) waren wir nun erstmals wieder mit dem Auto unterwegs. Sozusagen ein Ausflug. Da wir kein eigenes Auto haben, sondern Carsharing machen, sind Aktionen mit dem Auto eher selten geworden - so gut wie alle Sachen erledigen wir inzwischen mit dem Fahrrad. Und da während der Pandemie alle möglichen Termine eher online stattfinden und auch sonst nicht viel los ist, gab es keinen Grund großartig durch die Gegend zu fahren. Aber nun: Impftermin!

Was soll ich sagen? Ich bin sowas gar nicht mehr gewöhnt. Fremde Menschen, unbekannter Stadtteil... zu einer bestimmten Uhrzeit woanders sein....

Foto: Stadtplan und Schlüssel

Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier und ich frage mich, wie das so sein wird, wenn wir irgendwann wieder zu einer Art "Normalität" zurück kehren werden. Wird uns das leicht fallen? Wie schnell liegen sich die Leute wieder in den Armen? Wie schnell können die Gedanken an Ansteckung und Vorsicht wieder vergessen werden? Bei manchen geht das wahrscheinlich sehr schnell - andere werden sich (wie ich) eher schwer damit tun. Eng beieinander stehen oder in einem von vielen Menschen gefüllten Raum... das ist nach der langen Zeit der Abstinenz bestimmt ein seltsames Gefühl.

Ich persönlich fände es ganz schön, wenn wenigsten ein wenig von dem Abstand-halten-Gefühl bleiben würde (z.B. im Supermarkt an der Kasse). Denn als Lungentransplantierte bin ich auch in normalen Zeiten durch mein unterdrücktes Immunsystem weiterhin gefährdet. Und ich werde auch die nächsten Jahre (bzw. hoffentlich Jahrzehnte) immer mit Mundschutz rumlaufen... Sprich: bei mir ändert sich in Zukunft nicht so viel. Aber vielleicht können dann mehr Leute nachvollziehen warum und wieso ich das mache - und wie sich das anfühlt.

Kommt gut durch die Woche,
Insa

P.S. Nächste Woche gibt es dann den Bericht von unserer 1. Impfung.



Freitag, 12. März 2021

Escape-Room

Miriam und ich waren zum ersten Mal in einem Online-Escape-Room. Wie auch in realen Escape-Rooms geht es darum in einer bestimmten Zeit verschiedene Rätsel zu lösen, um dann den Raum wieder verlassen zu können. Bei unserem virtuellen Spiel waren wir Gefangene unter Deck eines Piratenschiffs - mit der Hilfe eines virtuellen Handys und Kontakt zu Sherlock Holmes (!) konnten wir uns befreien. So weit - so schräg. 

Damit etwas mehr Druck aufgebaut wird, gibt es eine Zeitvorgabe (welche die Teilnehmer:innen aber glücklicherweise überziehen dürfen). Die Ansage bei uns war: In dem Raum, in dem Ihr Euch befindet gibt es nur für 60 Minuten Sauerstoff: "Die Luft wird langsam eng". Wirklich? Zu wenig Sauerstoff? Und das bei uns beiden Lungenkranken.... Das hat uns ein wenig irritiert - aber zugegeben auch amüsiert. Manchmal sind Zufälle schon seltsam.

Das Online-Spiel hat großen Spaß gemacht und die Aufgaben waren teilweise echt kniffelig. In dieser Corona-Zeit, wo alle Tage und Wochen gefühlt gleich sind, war es mal ganz schön, einen etwas anderen Termin zu haben und auch mal andere Gehirnzellen zu aktivieren...

Insa 


Freitag, 22. Januar 2021

Corona-Impfung

Wir haben etwas länger überlegt, ob wir an dieser Stelle auch nochmal über die Corona-Impfung berichten sollen. Da es aber ja doch einige Menschen gibt, die diesbezüglich eher zurückhaltend sind, wollen wir unseren Beitrag zur Aufklärung hier leisten.

Grundsätzlich finde ich, dass wir alle die Pflicht haben uns zu informieren. Das bedeutet, nur auf dem Sofa sitzen und warten bis die Informationen vorbei geflogen kommen - das gilt nicht. Der/Die mündige Bürger*in muß schon auch mal selbst aktiv werden. Wenn es um Corona geht, dann empfehle ich die Webseiten vom RKI (Robert-Koch-Institut), der STIKO (Ständige Impfkommission), dem Bundesgesundheistministerium (oder auch die Gesundheitsministerien der Länder)... oder auch den Podcast Coronavirus Update von NDR Info.

Doch nun zum Thema Corona-Impfung. 

Bild: Sketchnote-Zusammenfassung von der Podcastfolge

Warum ging das so schnell?

Die Frage, die die meisten wohl beschäftigt, ist: Warum ging das mit dem Impfstoff so schnell?
Hierfür gibt es ein paar Gründe, die alle zusammen spielen:

1. Das Virus ist nicht unbekannt und das Antigen (was für einen Imfpstoff wichtig ist) ist bereits bekannt gewesen.

2. Es handelt sich um eine neue Impftechnologie, die schon etwas länger in der Entwicklung war.

3. Die praktischen und die klinischen Phasen konnten gleichzeigit ablaufen.
Hierzu empfehle ich auch nochmal unseren Beitrag über Medikamente gegen Covid-19 und die Entwicklung von Medikamenten. 

4. Es gab/gibt eine sehr enge Zusammenarbeit unter den Wissenschaftlern und Forschern.

5. Es gab/gibt genug Geld für die Forschung und Herstellung - das ist leider auch nicht immer gegeben.

Außerdem waren bei den Impfstudien sehr, sehr viele Menschen mit dabei. Das passiert sonst auch nicht in diesem Ausmaß. Dazu konnte der Impfstoff in einer virusaktiven Zeit getestet werden. Auch dies ist so eher selten der Fall.

 

Nebenwirkungen? Langzeitschäden? Allergien?

Grundsätzlich muss man sagen, dass alle Impfungen Nebenwirkungen und Allergien hervorrufen können. Das ist leider normal. Als ich im letzten Jahr meine Imfpungen gegen Gürtelrose bekam, war ich vier Nächte nicht in der Lage auf dem Impfarm zu schlafen - so sehr tat dieser weh. Das passiert.

Auch allergische Reaktionen können bei Impfungen passieren - dies aber meistens bei Menschen die hochallergisch sind. Und wenn wir in die Corona-Impfung-Statisik gucken, sehen wir, dass über 1,89 Mio Menschen schon weltweit geimpft wurden und davon gerade mal 21 Personen eine allergische Reaktion hatten - das ist wirklich wenig. 

Wer mal einen kleinen Vergleich zu häufigen Nebenwirkungen/Reaktionen möchte: bei den Immunsuppressiva, die ich täglich nehme, sind die schweren Nebenwirkungen mit 1:1000 angegeben - und das Zeug nehme ich täglich bis an mein Lebensende... Noch ein Beispiel? Auch die Antibabypille ist was Nebenwirkungen angeht (z.B. Trombose) auch nicht ohne und wird von viieeelen Frauen weltweit eingenommen.

Langzeitschäden kommen bei Impfungen nicht vor, weil sich dieser Begriff meist nur auf Dauermedikation bezieht. Und alle die hier bedenken haben: Wer raucht (normale oder E-Zigaretten) oder regelmäßig Alkohol trinkt, die/der sollte sich mehr Gedanken um Langzeitschäden der Lunge oder der Leber machen....

RNA - DNA

Eine RNA kann sich nicht in eine DNA umwandeln. Punkt.
Der mRNA-Imfpstoff hat auch nur einen kleinen Teil der Virus-RNA in sich. Dieser ist nicht unbedingt stabil und zerfällt nach kurzer Zeit wieder. Das Ganze wird auch nur zur Vorlage für das Immunsysrem gebraucht, damit der Körper weiß was er machen und bauen soll. 

Ich hoffe ich konnte Euch damit ein wenig weiterhelfen und die noch offenen Fragen beantworten.
Am 27. Januar bietet der Mukoviszidose e.V. übrigens eine Online-Veranstaltung zum Thema "Covid-19 - Impfung bei Mukoviszidose" an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt - wer mit dabei sein möchte, sollte sich schnell anmelden (Anmeldung via Muko e.V.).

Bitte lasst Euch impfen.
Insa

Montag, 14. Dezember 2020

Für euch getestet: Maskenhalterungen / Gestelle für unter den Mundschutz

Vielleicht habt ihr auch schon einmal (oder häufiger) Werbung dafür gesehen: Solche Silikon-Stützgitter, die man unter den Mund-Nasen-Schutz packen soll um besser Luft zu bekommen. Wobei, Atmen wird überbewertet, beworben werden diese Dinge unter anderem als Lippenstift- und Make-up Schutz. Das sind die Prioritäten. 

Für welchen Mund-Nasen-Schutz

Mit den normalen Einmal-Masken habe ich eigentlich keine Probleme. Aber gerade dort, wo das Risiko besonders groß ist (Krankenhaus, Arztpraxen) oder wo ich weiß ich bin länger unter Menschen (z. B. der große Supermarkteinkauf), da greife ich auf den Urbandoo zurück (unbezahlte Werbung!). Eine Art Loop-Schal, der einen FFP3 Filter besitzt. Mit dem fühl ich mich deutlich sicherer, aber das atmen ist halt auch schwerer. Ich bin schnell recht pustig und der Stoff zieht sich dann doll an/in den Mund. Funfact: Ich führe häufig die umgekehrte Diskussion an der Supermarktkasse. Ich höre mich scheinbar so schlecht an, dass die Kassiererin mich bittet den Mundschutz abzunehmen, damit ich nicht umfalle. Während ich sehr bestimmt sage, dass ich den Schutz auf gar keinen Fall absetze. :-) Keine Sorge, meine Sauerstoffsättigung ist dabei völlig ok. 

Vor- und Nachteile

Zurück zum Urbandoo und meinem Test. Ich habe einiges versucht um den Urbandoo für mich angenehmer zu machen - bestimmte Falttechniken bringen etwas Erleichterung, aber lange nicht genug. Das Silikon-Stützgitter welches ich probiert habe war ein 5er Pack für etwa 14 Euro (inzwischen sind sie noch günstiger). Das Silikon ist ziemlich fest, für mich aber okay. Ich hatte beim vorhalten ganz kurz so etwas wie Panik, da mein Körper mit dem Gefühl einer Maske unbewusst irgendwas mit den Beatmungszeiten verbindet. Das war mir letztes Jahr schon aufgefallen, als ich eine Volltauchermaske probiert habe. Das ist aber wirklich nur eine Kopfsache, da dieses Gestell ja komplett frei und durchlässig ist. Ich habe mich dann auch schnell dran gewöhnen können und muss sagen, unter dem Urbandoo wirkt das Ding Wunder. Ich bin ganz ehrlich begeistert. Positiv ist zusätzlich, dass das Ding in den Geschirrspüler kann. Negativ dafür, dass es keine richtige Halterung gibt. Bei mir hält es durch den Druck vom Stoff automatisch (dicker Kopf *lach*). meine Schwester musste ein extra Band dran machen. In der Werbung wird gezeigt, dass das Gestell in die Falten der Einmalmaske gehängt wird, was aber wenig Sinn macht, da der Mundschutz beim tragen aufgefächert wird und nicht immer die Falten nach oben zeigen. Beim Versuch die Maske einfach so unterzulegen, verlor der Mundschutz seine gute Passform und hatte nach oben und an den Seiten offene Stellen.  Ich habe jetzt noch andere weichere Stützrahmen gesehen, mit anderen Befestigungsmöglichkeiten, vielleicht probiere ich da noch was aus.
 
 
2 Fotos: Urbandoo mit und ohne Stützgitter
  

Ich habe mein Bestes versucht. Seitenaufnahmen sind ja sooo vorteilhaft 😄🙈

Fazit

Wie schon gesagt, dass Atmen fällt mir beim Urbandoo um ein vielfaches leichter. Der Druck/Rand des Silikons ist auszuhalten und schneidet nicht ein oder so. Einzig, man schwitzt mehr darunter. Auch ist es gefühlt noch etwas wärmer, da sich in der geschaffenen "Höhle" ein wenig der ausgeatmeten warmen Luft hält. Insgesamt überwiegt für mich der Vorteil des besser atmens können. Daher, Daumen hoch :-)

Wenn ihr auch ein wenig Probleme mit dem Atmen habt, ist es ein Versuch auf jeden Fall wert!

Hat jemand von euch schon einmal so etwas in der Richtung ausprobiert?

Schönen dritten Advent,
Miriam
 

Sonntag, 29. November 2020

Mundschutz Weihnachtsmodelle und Studie zur Wirksamkeit

Vor über sechs Jahren haben wir schon einmal unsere Sammlung an Mundschutzmasken gezeigt. Wir haben uns immer so gefreut neue Muster zu finden und nicht nur zwischen krankenhausgrün oder -blau zu wählen. Ein wenig selbstironisch nannten wir unseren Beitrag "Mundschutz im Modetrend!  - wer hätte ahnen können, dass Jahre später wirklich die halbe Welt Masken tragen muss, zumindest für eine Weile. Immer wieder sprachen Insa und ich darüber, dass es doch super wäre, wenn wir Wunschmotive aufdrucken lassen könnten oder es Weihnachts- beziehungsweise Wintermotive geben würde. Tadaaa :-) Das bedrucken nach Wunsch funktioniert schon auf Stoffmasken und die Auswahl an Einmal-Masken mit Weihnachtsmotiven ist riesig. Ich gebe zu, ich bin ein wenig eskaliert beim Bestellen und meine Lunge und ich müssen jetzt mindestens 100 werden. Masken für 55 weitere Weihnachtsfeste hätte ich jedenfalls.

Das ist der erste Rutsch der angekommen ist. Das "Rot" geht doch wieder mehr ins pinke oder rosa, aber insgesamt bin ich zufrieden. Auch mit der Qualität. Die Masken kommen aus Übersee, aber da hätte ich mir früher nicht so viel Gedanken drüber gemacht. Hauptsache sie sind mindestens drei-lagig. Aber inzwischen bin ich besorgter oder skeptischer geworden. Ist das ein "gutes" Vlies oder besser gesagt Meltblown? Unter welchen Bedingungen wurden die Masken produziert und verpackt? Rein optisch kann ich keinen Unterschied zu früheren Einmalmasken feststellen. Ich habe auch mal ein paar aufgeschnitten um das Vlies zu vergleichen. Auf solche merkwürdigen Ideen wäre ich vor Corona nicht gekommen. 

 

Artikel zu Studien bezüglich Wirksamkeit

Insa hat für euch noch einen Artikel der Süddeutschen Zeitung zusammengefasst, in dem es um Studien zum Thema Masken ging:

 "Im August 2020 erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über selbstgenähte Masken. Die Frage dazu war: Wie gut schützen diese vor dem Corona-Virus?

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von verschiedenen Masken genauer untersucht. Einmal wurde gezählt wie viele Tröpfchen beim Sprechen durch den Stoff gelangen (verglichen wurde die Tröpfchenanzahl dann mit sprechenden Menschen ohne Maske). Ein anderes Mal wurden Materialien mithilfe einer Apparatur getestet, die Tröpfchen erzeugt. Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist die Stoffauswahl und die Anzahl der Lagen:

  • Der klassische OP-Mundschutz (3-lagig) hielt mindestens 90% der Tröpfchen zurück.
  • Verschiedene selbstgenähte Masken, die aus zwei Lagen Baumwolle bestanden, konnten 80% der Tröpfchen auffangen.
  • Ein einfaches Bandana-Tuch war dagegen zu 50% durchlässig.
  • Grob gewebte Baumwolle (eine Lage) hielt nur 10% der Tröpfchen zurück.
  • Die Kombination aus Baumwolle und Seide oder Chiffon oder Flanell war auch sehr erfolgreich, da sich die unterschiedlichen Stoffe statisch aufladen und somit die Partikel besser an der Maske hängen bleiben (eine Prozentzahl wurde aber leider nicht angegeben).

Wichtig: Fleece dagegen stelle sich als äußerst ungeeignet für einen Corona-Schutz dar. Beim Sprechen kamen dabei mehr Tröpfchen heraus, als beim Sprechen komplett ohne Mundschutz! Der Fleece-Stoff verhielt sich eher wie ein Zerstäuber, so dass die Tröpfchen kleiner waren und damit länger in der Luft "lagen" und weiter fliegen konnten, als größere.

Zu Beginn der Pandemie wurde ja oft gesagt wurde, dass Masken das Gegenüber schützen aber nicht die Tragenden selbst. Auch dies wurde in einer Studie widerlegt - und auch hier gab es Unterschiede:

  • N95-Masken (oft FFP2) fangen mindestens 95% aller Partikel aus der Umgebungsluft auf (auch wenn sie ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hatten und mit Hitze oder Desinfektionsmittel behandelt wurden).
  • OP-Masken schützen unterschiedlich...
    wird der Mundschutz mit Bändern am Hinterkopf festgemacht, werden ca. 75% der Tröpfchen abgefangen, ABER
    wird der Mundschutz mit Gummibändern hinter dem Ohr gehalten, dann ist man/frau nur vor 38% der Partikel geschützt."

 

Eigenschutz verbessern - DIY


Danke Insa :-) Dabei hat mich der Unterschied zwischen Einmalmasken mit Gummibändern und denen die mit Bändern am Kopf festgemacht werden wirklich überrascht und erschreckt. Woher kommt dieser heftige Unterschied? Ich könnte mir nur vorstellen, dass die Lücke seitlich größer ist, wenn die Gummibänder um die Ohren gehen, während Stoffbänder individueller höher oder tiefer am Kopf befestigt werden können. Das musste ich sofort an meiner Schwester ausprobieren - und tatsächlich, der Unterschied ist heftig:

Dabei sind die Gummibänder so wahnsinnig praktisch, seufz. Wie könnte diese Lücke noch geschlossen werden? Ich habe den Mundschutz einfach etwas zusammen getackert. Das geht schnell, jeder kann es individuell anpassen und der Unterschied ist auch bei dieser Methode deutlich:

Guter Info-Film über Herstellung und Wirkung

 
Wer gern einmal sehen möchte wie solche Masken produziert werden oder was der Unterschied zwischen einer klassischen OP- Maske und einer FFP3 ist, der schaut unbedingt mal den Beitrag dazu von der "Sendung mit der Maus". Nicht lachen, der ist wirklich toll gemacht. Dort werden außerdem die verschiedenen Masken vor einem Schlierenspiegel getestet und die Unterschiede lassen sich damit super erkennen. (Natürlich nicht beauftragte und unbezahlte Werbung).

Wir wünschen Euch einen schönen ersten Advent

Miriam + Insa


Freitag, 13. November 2020

Wer gehört zur Risikogruppe?

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sage ich, dass zur Risikogruppe nicht nur zwei oder drei Leutchen gehören, sondern doch ein paar mehr - viel mehr. Nun gibt es eine Studie von der AOK, die die Unterlagen ihrer Versicherten durchgeguckt hat, um zu sehen, wer davon zur Risikogruppe zählt und wieviele es sind. Laut Info der AOK-Webseite betreute die Versicherung 2018 rund 26,5 Millionen Menschen - das sind 31% aller deutschen Bundesbürger.

Die Informationen über diese Studie habe ich (mal wieder) im Coronavirus-Update Podcast, Folge 63 gehört.

Welche Vorerkrankungen spielen bei Covid-19 eine Rolle?

 Folgende Vorerkrankungen gilt ein hohes Risiko auf einen schweren Verlauf von Covid-19:

  • Krebserkrankung
  • chronischen Nierenerkrankungen
  • COPD
  • KHK (koronare Herzkrankheit )
  • Kardiomyopathie (Herzerkrankung)
  • Herzfehler
  • Übergewicht über einen BMI von 30
  • Raucher
  • Organtransplantierte
  • Typ-2-Diabetes
  • Schwangere

Bei folgenden Vorerkrankungen gilt ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Covid-19-Verlauf:
  • Asthma
  • Erkrankungen der Hirngefäße (verkalkte Hirngefäße oder Schlaganfall)
  • Bluthochdruck
  • Knochenmarktransplantationen
  • HIV
  • Immundefekte (Autoimmunerkrankungen)
  • Stoffwechselstörungen
  • chronischen Lungenerkrankungen 
  • Lebererkrankungen
  • Typ-1-Diabetes


Hinzu kommt das Alter als Risikofaktor. Je älter eine Person ist, desto höher ist das Risiko auf einen schwerern Verlauf.

Diese Listen sind, wie man/frau sieht, nicht gerade kurz. Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sind recht häufig in Deutschland vertreten. Außerdem sind wir ein altes Land, d.h. hier leben viele Menschen, die älter als 60 oder 70 Jahre sind.

 

Ergebnis der AOK-Studie

Kommen wir nun zur AOK-Studie. In dieser wurden nur elf Erkrankungen in die Statisik mit eingerechnet: Bluthochdruck, KHK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Diabetes, Asthma, COPD, Krebs, Lebererkrankungen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Außerdem wurde die Studien nur auf Versicherte beschränkt, die neben einer Diagnose auch eine Medikation erhalten (sprich: Tabletten nehmen). Das Alter wurde nicht berücksichtigt.

Wie oben schon gesagt, hat die AOK rund 26,5 Mio Versicherte (31% aller Deutschen) - also nicht gerade wenig. Deswegen haben die Macher*innen der Studie das Ergebnis auch gleich auf ganz Deutschland "hochgerechnet". Heraus kam, dass über ein Viertel der deutschen Bundesbürger mindestens eine der berücksichtigten Vorerkrankungen und damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf hat. Das ist erst Recht nicht wenig, wenn wir dann noch die anderen Risikofaktoren/Vorerkrankungen, die nicht in der Studie berücksichtigt wurden, mit dazu zählen und alle über 60 Jahre.... dann haben wir in Deutschland eine sehr große Risikogruppe, die vor Corona geschützt werden muss.

In einem weiteren Schritt haben die Macher*innen der AOK-Studie das Alter der Risikopatienten angeguckt und festgestellt, dass 1/3 der Risikogruppe jünger als 60 Jahre ist.

Der nächste Schritt war eine genaue Sicht auf die einzelnen Landkreise oder Gemeinden - auch mit dem Blick auf die Altersstruktur. Dabei wurde sichtbar, dass es Regionen bei uns gibt, in denen locker 50% Risikopatienten leben! 

Die Ansage einfach die Risikogruppen zu schützen und den Rest der Bevölkerung ein normales "freies" Leben führen zu lassen, erscheint unter diesen Umständen nicht mehr so einfach durchführbar. Es bleibt leider wie es ist: Wir müssen Rücksicht aufeinander nehmen und Abstand halten und Maske tragen.

Bleibt tapfer,
Insa

P.S.

Hier der Link zur Übersicht, wen das RKI zur Risikogruppe zählt.

Hier der Link zur AOK-Studie.

 

Samstag, 31. Oktober 2020

WIR gegen DIE

Zur Zeit werden behinderte Menschen, die als Teil der Corona-Risikogruppe zu erkennen sind, in den sozialen Medien beschimpft und angefeindet. Miriam und mir ist das glücklicherweise noch nicht passiert - was aber wahrscheinlich daran liegt, dass unser Risikogruppen-Dasein nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. In privaten Nachrichten (für offene Kommentare fehlt aus Angst vor einem Shitstorm wohl der Mut) werden Bekannte von uns als Grund für den zweiten Lockdown und die Einschränkung der eigenen Freiheit benannt: "Findest du es nicht übertrieben dass wegen Leuten wie dir alle zuhause bleiben müssen?"

Das ist nicht nett. Das ist überhaupt ganz und gar nicht nett. Meine ersten Gedanken dazu sind Schimpfwörter und quasi ein zurück keifen - aber das will ich nicht. Abgrenzung und "WIR" gegen "DIE" hat bislang in keiner Situation geholfen - weder bei Weiss gegen Schwarz, noch bei Ost gegen West, noch bei Inländer gegen Ausländer. Wir brauchen den Austausch, Verständnis und ein Miteinander - kein Abschotten und Gegeneinander.


Unsere Gesellschaft ist bunt

Deutschland ist vielfältig. Es gibt hier verschiedene Altersgruppen, verschiedene sexuelle Neigungen, verschiedene Hautfarben und eben auch verschiedene Behinderungen. Und leider gibt es Diskriminierungen auch in alles Farben, Formen und Auswüchsen - und es gibt Diskriminierung gegen Behinderte.

Ich möchte hier aber mal eins klarstellen: Die Risikogruppe ist nicht der Grund für den erneuten Lockdown - sie ist ein Grund von vielen. Hauptsächlich geht es in diesen Wochen darum unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten (siehe auch den Triage-Beitrag). Wir haben zwar sehr viele Intensivbetten und Beatmungsgeräte - aber wir haben bei weitem nicht genug Personal, um im Fall der Fälle alle Patienten richtig betreuen zu können. (Und NEIN, Covid-19 ist nicht wie eine Grippe - Covid-19 ist keine Lungen- sondern eine Multi-Organ-Erkrankung.) Außerdem geht es darum, dass derzeit (bei den sehr hohen Fallzahlen) die Mitarbeiter*innen der Gesundheitsämter keine Nachverfolgung mehr schaffen. Und es geht um die Hausärzte, die derzeit überrannt werden mit Anfragen von besorgten Patienten, ob eine Ansteckung vorliegen könnte und wie und wo ein Test zu machen sei...

Behinderte haben sich schon viel anhören müssen: das geht von "nutzlos" und "zu teuer" bis hin zu zuviel Rücksicht, welche die (normale/gesunde) Gesellschaft nehmen muss. Ich finde das sehr traurig. Ich glaube, jede/jeder von uns Behinderten könnte liebend gerne auf seine Krankheit/Einschränkung oder was auch immer verzichten. Wir haben uns unser Leben nicht ausgesucht. Wenn man es einfach sagen will: manche hatten Pech - andere hatten Glück. Deshalb wäre es schön, wenn die "Glücklichen" ihren Zustand tatsächlich erkennen und uns helfen würden - oder jedenfalls nicht behindern. Wir sind hier nicht der Sündenbock der Nation. Wir sind nicht Schuld am Corona-Virus. Auch wir haben uns dieses Jahr ganz anders vorgestellt. Und aus der Sicht der Lungentransplantierten, die nur noch eine begrenzete Anzahl an Lebensjahren hat, ist es besonders schwer auf alles zu verzichten - im Gegensatz zu den gesunden Personen, die noch locker 20, 30, 40 oder 50 Jahre vor sich haben.

Im Internet habe ich einen passenden Spruch gefunden. "Die Wahrheit ist: Du musst da durch. Du hast aber die Wahl ob Du das lächelnd oder jammernd machst."

Insa



Samstag, 24. Oktober 2020

Disziplin

Beschäftigen wir uns mal mit Disziplin und dem damit verbundenem Durchhaltevermögen. Disziplin scheint sehr schwer zu sein - jedenfalls, wenn wir uns die aktuellen Corona-Zahlen so angucken... aber warum ist das so? Für uns beiden alten Mukos ist es zur Zeit einfach extrem schwer zu verstehen, wo das Problem bei dem Mund-Nasenschutz-Masken-Aufsetzen liegt. Für uns ist das, wie schon des öfteren erwähnt, total normal. Aber selbst bei denen, die dieses Jahr bisher gut mitgezogen haben, setzt eine Art Ermüdung ein und obwohl die Zahlen zur Zeit wieder extrem steigen, verleitet die Gewohnheit immer mehr zum Schludern. Warum fällt uns Menschen Disziplin so schwer - egal in welchem Bereich: Maske tragen oder Sport oder weniger Schokolade essen?

Definition

Disziplin - Substantiv, feminin: das Einhalten von bestimmten Vorschriften, vorgeschriebenen Verhaltensregeln o. Ä.; das sich einfügen in die Ordnung einer Gruppe, einer Gemeinschaft oder auch das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen

Selbstdisziplin - Substantiv, feminin: Diszipliniertheit, die jemanden auszeichnet; Beherrschtheit
(Quelle: duden.de)

Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.
(Quelle: Wikipedia.de)

Das Wort Disziplin hat inzwischen aber auch manchmal einen negativen Touch. Wer diszipliniert ist, ist spießig, langweilig und ähnliches. Dabei haben mehrere Langzeitstudien der letzten Jahrzehnte ergeben, dass das in Tests und Untersuchungen ermittelte Maß der Fähigkeit zur Selbstdisziplin in der Kindheit ein sicheres Indiz war für vielfältigen Erfolg im späteren Erwachsenenleben. (Dazu ist z.B. die Dunedin-Studie aus Neuseeland von 2011 sehr interssant.) Aus unserer Muko-Sicht, können wir dies auf jeden Fall für Muko-Betroffene bestätigen (Compliance).

Und kennen wir nicht alle das Sprichwort "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr"? Sind Dinge die wir von klein auf (oder seit sehr langer Zeit) tun nicht einfacher, als neue Gewohnheiten in den Alltag zu integrieren? (Wir erinnern hier mal kurz an die Gurtpflicht, die 1974 in Autos eingeführt wurde. Der Aufschrei, der damals durchs Land ging war wahnsinnig groß und laut... von wegen Freiheitsberaubung und so... uns kommen die Argumente bekannt vor - und heute? Heute ist das Anlegen des Gurtes vor dem Losfahren komplett normal und wird nicht in Frage gestellt.)

Zugegeben, wir alten Mukos sind diesbezüglich stark geprägt... wer über 30 Jahre lang sechs mal am Tag inhaliert hat (6x täglich... also 42x in der Woche... also 168x im Monat... also 2016x im Jahr....) egal ob Wochentag oder Wochenende, im Urlaub, am Geburtstag oder an Weihnachten... also IMMER... die fragt sich schon, was daran so schwierig ist beim Einkaufen oder im Museum diese gottverdammte Maske zu tragen?!!?! 

In Anbetracht der Studien wird es die neue Generation viel einfacher haben, was das Maske tragen angeht. So wie Kinder lernen Schuhe anzuziehen und beim Radfrahren einen Helm zu tragen, lernen sie auch die Maske zu tragen. Auch wenn wir natürlich alle hoffen, dass dies nicht für immer und ewig nötig sein wird. Allerdings gibt es Situationen, da könnten wir es gern zur Normalität werden lassen. Wenn jemand einen schweren Infekt hat und zum Einkaufen geht oder sich in einen vollen Bus oder in ein Wartezimmer setzt, wäre es auch jenseits von Corona ein Zeichen des Respekts den Mundschutz aufzusetzen und nicht alle anzustecken. 

Wie schaffen wir es aber jetzt uns weiterhin zu motivieren?

Miriam beim Einkaufen

Was sagt das Internet?

Laut psychologie-einfach.de braucht der Mensch immer ein Ziel - sonst wird das mit der Disziplin nichts. Und wer nicht an den Erfolg, also das Erreichen des Ziels glaubt, ist auch nicht diszipliniert... 

Auf einer anderen Webseite wird gesagt, dass drei Faktoren für Disziplin wichtig sind: es muß Spaß machen, es muß zur Gewohnheit werden und Du musst wissen, warum Du das Ganze machst. 

Ok. Maske tragen macht keinen Spaß... sollte das ernsthaft ein Grund für so viele Maskenverweiger sein? Der Spaßfaktor fehlt? Das wäre echt traurig und wir fänden das sehr egoistisch. Aber scheinbar ist unsere Gesellschaft inzwischen so: Ich zuerst - was dann kommt ist egal. 

Insa erlebte neulich folgendes im Museum: Ein kleiner Raum mit vielen Leuten (ihrer Meinung nach schon grenzwertig gefüllt, aber bis dahin alle mit Mundschutz) und eine Familie kam neu hinein. Zwei von vier dieser Familie trugen keine Maske. Als die mit Mundschutz nachfragten kam die Antwort: "Es wird darum gebeten eine Maske zu tragen - es ist keine Pflicht." Ahhhhja. Danke. Also hat sie den Ausstellungsraum schnellstmöglich verlassen (die Ausstellung war sowieso Mist). 

Soviel zu "wir müssen mehr mit Geboten arbeiten" und "wir müssen mehr auf die Eigenverantwortung setzten". Dazu kommen die üblichen Unwahrheiten, wie dass Masken schädlich sind. Genau, darum sind die Todesraten bei medizinischem Personal auch so hoch *Ironie aus*. 

Miriam hat die Tage die Diskussion gehabt, dass noch niemand die Langzeitschäden kennt, die durch das Tragen kommen. Auch hier verweisen wir wieder auf das jahrzehntelange Masken tragen von medizinischem Personal, chronisch kranken Menschen und auch denjenigen in anderen Berufszweigen, die sich mit Masken schützen vor Staub, Dämpfen und ähnlichem. Bei uns Mukos wird sehr oft die Sauerstoffsättigung und auch der C02 Wert im Blut kontrolliert - auch während wir Maske aufhaben. Da wäre eine schädliche Wirkung aufgefallen. Und auch unsere kleinen Muko-Freunde, an Krebs erkrankte oder organtransplantierte Kinder tragen ihre Masken ohne "Nebenwirkungen". 

Vorteile

Betonen wir doch einfach mal die Vorteile die das Tragen einer Masket bringt - um uns noch ein wenig länger zu motivieren: wir atmen weniger Feinstaub und Co ein, es gab weniger Influenza-Tote und auch viel weniger Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Im Winter kann es sogar sehr angenehm sein etwas vorm Gesicht zu haben, vor allem bei eisigem Wind. 

Etwas Gutes zum Schluß

Als Insa in dieser Woche kurz in ihrem Stadtteil einkaufen war, stellte sie fest, dass alle sehr diszipliniert waren. Viele trugen auch in der Fußgängerzone einen Mundschutz und vor kleinen Läden warteten die Leute mit Abstand, weil sonst zu viele Kunden im Geschäft gewesen wären. Es geht also doch. Wie schön.

Haltet durch, seid ein Vorbild und hoffen wir für die nächsten Wochen und Monate das Beste,
Insa + Miriam


Freitag, 16. Oktober 2020

Medikamente gegen Covid-19

Vor einiger Zeit haben Miriam und ich (unabhängig voneinander) Podcasts entdeckt. (Ja! Podcasts gibt es schon länger... und ja, wir sind spät dran mit unserer Entdeckung... Aber besser spät als nie!) Ich höre gerne Podcasts über Musik und Sketchnoting, Miriam mag lieber Krimis - und wir beide verfolgen natürlich das "Coronavirus-Update von NDR Info". Genau darum geht es heute auch - genauer gesagt um die Folge 59: "Der amerikanische Präsident". In dieser Folge werden die unterschiedlichen Medikamente beschrieben, die es gegen Covid-19 gibt bzw. die gegen die Erkrankung verwendet werden. Denn offiziell zugelassen ist bislang noch kein Medikament... 

Von antiviralen Medis bis zu Vitaminen wird in der Coronavirus-Update-Folge alles besprochen - weil Donald Trump nämlich ALLES bekommen hat, was der Markt so hergibt und was irgendwie helfen könnte... Das fand ich sehr interessant und ich habe versucht das Ganze für Euch zusammen zu fassen.

Medikamentenentwicklung

Korinna Hennig (Wissenschaftsredakteurin von NDR Info) und  Prof. Dr. Sandra Ciesek (Leiterin der Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt) haben viel erzählt und erklärt. Begonnen wurde dabei erstmal mit dem Thema: Entwicklung von Medikamenten. 

Bevor ein Medikament überhaupt auf den Markt kommt, muss es entwickelt und getestet werden. Und das braucht Zeit.... Von den ersten Ideen und Tests an Zellkulturen bis zur Zulassung einer Behörde vergehen schnell zehn Jahre. Das liegt an verschiedenen Faktoren. Zum einen ist nicht jede Idee und jeder Substanz tatsächlich für ein Medikament geeignet. Manchmal zeigen z.B.erste Tierversuch, dass die Dosierung für den Menschen, damit ein Wirkstoff tatsächlich wirken könnte, so hoch dosiert sein müsste, dass er toxisch (also giftig) für den Menschen ist. Zum anderen brauchen die Studien an Zellkulturen, Tieren, ersten gesunden Personen und dann am Patienten viel Zeit. Die optimale Dosierung muß gefunden und Nebenwirkungen ausgeschlossen werden, die Sicherheit muss gewährleistet werden und das Medikament auch tatsächlich bei der Zielgruppe wirken.
Auch dauert die Zulassung bei den jeweiligen Behörden gerne nochmal zwei Jahre. Prof. Ciesek sagte, dass ca. 5000 - 10.000 verschiedene Substanzen gestestet werden bis am Ende tatsächlich EIN Medikament entsteht. Bei Covid-19 versuchen deshalb einige Forscher*innen schon bestehende Medikamente gegen andere Erkrankungen auf eine Wirksamkeit gegen das Coronavirus zu testen. Dies würde eine deutlich schnellere Zulassung bedeuten.

Medikamente zur Behandlung von Covid-19

Covid-19 ist derzeit noch nicht heilbar und kein Arzneimittel ist von den Behörden zur Behandlung zugelassen worden. Es gibt einzelne Medis, die in Studien sind oder die im Schnellverfahren für bestimmte Patienten zugelassen wurden.

Antivirale Medikamente

Bei antiviralen Medis gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Das Virus ist das Ziel (Vorteil: weniger Nebenwirkungen)
  • Die Wirtsfaktoren hemmen (Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel - sie brauchen Wirte z.B. Proteine von einem anderen Lebewesen, um sich zu vermehren.) (Nachteil: mehr Nebenwirkungen)
  • Das Immunsystem beeinflussen

Bei Covid-19 wird derzeit ein sogenannter Antikörpercocktail getestet. Dies ist z.B. eine Mischung aus "zwei neutralisierenden monoklonalen Antikörpern" - 1x vom Menschen und 1x von der Maus. Wenn Antikörper verabreicht werden, dann ist oft der richtige Zeitpunkt entscheidend. Dieser Cocktail muß möglichst vor oder am 1. Tag nach der Infektion gegeben werden - ansonsten können die Antikörper nicht rechtzeitig eingreifen. Es ist also mehr als Prophylaxe zu verstehen (ähnlich wie eine Impfung).

Dann gibt es ein Mittel ("Remdesivir"), welches eigentlich für Ebola oder SARS entwickelt wurde (und für Corona eine bedingte Zulassung hat). Dieses hemmt die Vermehrung des Virus'. Da es aber nicht explizit auf Covid-19 ausgerichtet ist, ist die Wirkung auch nicht 100%ig so wie gewünscht. Zuerst durfte dieses Medikament eigentlich nur bei Patienten gegeben werden, die schon richtig schwer erkrankt sind und zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Auch bei diesem Mittel ist der richtige Zeitpunkt entscheidend, damit es wirken kann...

Bei einem schweren Verlauf ist oft eine Überreaktion des Immunsystems ein Problem. Dagegen helfen sogenannte Steroide (Kortison). Diese sind Entzündungshemmer und drosseln das Immunsystem. Steroide dürfen nicht zu früh gegeben werden, weil sie sonst kontraproduktiv sind....

Vitamine & Co

Der Mensch braucht zusätzliche Vitamine für den Stoffwechsel, weil er sie meist nicht selbst herstellen kann (oder nicht in ausreichender Form).

Vitamin D3 ist z.B. wichtig für unsere Knochen. Zink (ein Spurenelement) wird z.B.für ein starkes Immunsystem, eine gute Wundheilung oder auch gesunde Haut benötigt.
Ein Vitamin D- oder Zinkmangel kann zu einem geschwächtem Immunsystem führen. Deshalb haben pfiffige Leute den Umkehrschluß gedacht: ein schwaches Immunsystem ist schlecht für Covid-19... also braucht der Körper vielleicht Vitamin D3 und Zink, damit er gestärkt ist und besser gegen Covid-19 arbeiten kann.
Das ist so ähnlich wie: alle Äpfel sind Früchte - also sind alle Früchte Äpfel.
Deshalb ein wichtige Hinweis: Fangt nicht einfach an Zink oder Vitamin D zu nehmen. Gerade Vitamin D kann sich im Körper anreichern und überdosiert zu heftigen Nebenwirkungen führen.

Der amerikanische Präsident bekam außerdem Melatonin (hilft für das Tag-Nacht-Gleichgewicht), ein Mittel gegen Sodbrennen und etwas zur Blutverdünnung...
Melatonin ist ebenfalls entzündungshemmend - in Bezug auf Covid-19 gibt es aber keine Studien.
Das Medikament gegen Sodbrennen könnte das Immunsystem stärken... es gab bislang weltweit zehn Personen, die dies bei einer Covid-19-Erkrankung genommen haben und meinten, danach eine Verbesserung zu verspüren... eventuell war dies aber mehr ein Placebo-Effekt.
Blutverdünner bekommen so gut wie alle Patienten im Krankenhaus, weil dort eine erhöhte Trombosegefahr besteht (wegen Bewegungsmangel) - es ist auch ein bekannter Risikofaktor bei Covid-19.

So, jetzt seid Ihr auf dem neusten Stand.
Nach Angaben der WHO laufen derzeit weltweit 190 Impfstoffentwicklungen gegen das Corona-Virus. 151 Impfstoffe sind in der präklinischen Phase, 42 Impfstoffkandidaten befinden sich derzeit in klinischen Studien (Phase 1-3). Hoffen wir, dass die Forschung schnell und erfolgreich arbeitet und wir im nächsten Jahr einen Wirkstoff und/oder eine Impfung haben, damit das normale Leben wieder zurückkehren kann.

Haltet durch,
Insa


Freitag, 2. Oktober 2020

Unterschied Corona - Erkältung - Grippe

Demnächst geht die Schnupfen- und Grippesaison wieder los… und das auch noch zusammen mit Corona. Damit Ihr Symptome einfacher zuordnen könnt, habe ich mal versucht die Unterschiede zwischen den drei Erkrankungen zu ergründen.

In den ersten Tagen ist es wohl sehr schwierig zu erkennen, um welche Erkrankung es sich handelt.
Erkältung und Covid-19 beginnen oft ähnlich mit Husten und Halsschmerzen.
Eine Grippe kommt dagegen meistens überfallartig. Erkältung und Covid-19 kommen eher schleichend und langsam.
Das wohl deutlichste Zeichen, dass es sich um Covid-19 handelt, ist der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns.


Die häufigsten Corona-Symptome

… sind: Geschmacksstörungen, Halsschmerzen, trockener Husten, Fieber.

Ich habe das Ganze nochmal in einer Übersicht für Euch zusammengeschrieben.

Und ich erinnere auch nochmal an die Risikofaktoren, bei denen Corona zu schlechteren Verläufen führen kann... (Quelle: O2-Report, Heft 44 1/2020)

Erlaubt mir noch ein paar Worte zu den derzeitigen Diskussionen Rund um Corona. Es heißt ja, dass es derzeit genug Betten auf den Intensivstationen gibt und Deutschland gut gerüstet sei. Ja, das stimmt. Trotzdem will ich deswegen nicht nachlässig werden – denn ein Intensivbett bedeutet noch lange nicht, dass ich eine Erkrankung mit Covid-19 problemlos überstehen würde und nach einer Woche Koma sofort aus dem Bett springe und alles ist wieder so wie früher. Wohl eher nicht.
Ich sage ja auch nicht: „Hey! Auf dem Friedhof sind noch Plätze frei. Dann ist ja alles kein Problem! Let‘s Party!“

Kommt gut durch Herbst + Winter,
Insa


Freitag, 14. August 2020

Abschied als Risikopatient während Corona

Kleiner Spoiler zu Beginn: Wenn wir hier im Blog über Abschied reden, geht es leider meistens um den Tod. Heute nicht!

Keine Umarmung, kein trösten


Mein Patenkind, 15 Jahre alt, ist vor ein paar Tagen für ein Jahr nach Irland geflogen. Seit Dezember hatten wir uns nicht mehr gesehen, auch an ihrem (vorläufigen) Schulabschluß habe ich nicht teilnehmen können. Was allerdings ironischerweise passt, denn zu ihrer Einschulung konnte ich damals auch nicht, weil ich gerade in der Reha in Belgien war. Aber wenigstens verabschieden wollte ich mich persönlich, wenn auch mit Abstand, Maske und großer Vorsicht. Das war richtig richtig blöd. Während ich in ihr Abschiedsbuch schrieb, kam sie zu mir und zeigte mir Abschiedsgeschenke und fing an zu weinen. Ich saß da und hätte sie natürlich so gern einfach in den Arm genommen. Aber wegen Corona ging das nicht, zu gefährlich. Ich bin dieses social distancing auf Grund meiner Erkrankung ja gewöhnt. Immer wieder gibt es Zeiten wo ich mehr Abstand halten muss und mit meinen Muko-Freunden sowieso. Und normalerweise schaffe ich es ganz gut mich zu arrangieren. Aber in solchen Momenten, wie mit meinem weinenden Patenkind (oder wenn ich meine engsten Muko-Freunde nicht umarmen und trösten darf) ist das einfach - Entschuldigung - zum Kotzen. In diesen Situationen möchte ich alle Vorsicht über Bord werfen und hab es so satt mich ständig kontrollieren zu müssen und immer abzuwägen was geht und was geht nicht. Solche Momente brechen mein Herz. Ich bin wütend, frustriert und vor allem unglaublich traurig.

Schuldgefühle


Jetzt mögen einige sagen "stell Dich nicht so an". Aber es geht nicht nur um mich. Wenn ich entscheide "sch... drauf" und nun zum Beispiel mein Patenkind umarme und knuddele, dann ist das zwar meine Entscheidung, aber sollte es mega blöd laufen und ich infiziere mich tatsächlich mit Corona, liege dann auf der Intensivstation oder sterbe sogar. Dann wird sich mein Patenkind furchtbare Vorwürfe machen und eine schreckliche Last ein leben lang mit sich tragen. Da kann ich noch so oft sagen "meine Entscheidung". Daher werde ich leider auch meine beste Freundin weitere Monate nicht sehen können, da sie im Einzelhandel arbeitet und - zu Recht - einfach viel zu viel Panik hat, mir was anzuhängen. 

Katzentisch


Normalerweise wollte ich dann auch weg sein, bevor die Großeltern zum Abschied kommen, aber der Grill roch echt gut und nach Monaten mal wieder Freunde sehen, war auch einfach zu schön. So habe ich mich trotz allem noch entschlossen "mit" zu Essen... in Entfernung, am extra Tisch (war das früher nicht immer der Kinder- oder "Katzentisch"?). Besser als nix, aber natürlich auch das für alle eine nicht einfache Situation. Ich saß im Grunde alleine und schnappte immer Mal einzelne Gesprächsfetzen auf und die anderen hatten ein schlechtes Gewissen weil sie mich "alleine" da sitzen lassen. Da ist es gerade lustig und schon wird es "komisch" weil da in der Ecke noch jemand sitzt. So kann man eine Party auch crashen. Dieses Foto ist für mich das persönliche Symbolbild zur Corona-Krise. 


Der Abschied


Der Abschied von meinem Patenkind war dann noch einmal ein richtig bescheuerter Moment. Luftküsschen, winken und gute Wünsche... ohne Umarmen und Knuddeln fühlt es sich einfach nicht richtig, nicht fertig an :-( . Ursprunglich hatte ich mal die Idee sie in Irland zu besuchen. Tja, das wird wohl leider auch nichts.

Na ja, das Essen war trotzdem lecker und ich bin trotz allem super glücklich das ich mal raus war und vor allem, dass ich zumindest persönlich Tschüß sagen konnte. Ich wünschte mir die ganzen Verweigerer, Ignoranten, Meckerer und Partyleute hätten in dieser Krise ein bisschen verstanden wie das ist und würden dankbarer sein am Leben und gesund zu sein - und mit angemessenem Verhalten helfen, dass auch Menschen wie ich wieder ein wenig am Alltag teilnehmen können.

Passt weiter gut auf Euch auf,
Miriam
 

Freitag, 8. Mai 2020

Einkaufen mit Mundschutz - ein Vergleich

Seit nun über sechs Jahren trage ich beim Einkaufen immer einen Mundschutz (eine sogenannte OP-Maske). Dies tue ich zum einen in der Hoffnung auf ein wenig Schutz vor Bakterien und Viren (und um eventuell eine mögliche Virenlast zu drücken) und (das ist der hauptsächliche Grund) damit ich mir mit der Hand nicht ins Gesicht fasse (um auf diesem Weg Viren oder Bakterien an die Nase oder in die Augen zu bringen).

In den letzten sechs Monaten hat sich bezüglich des Mundschutz-Tragens bzw. der Reaktionen der Umwelt sehr, sehr viel verändert. Hier ein Vergleich.

I. Einkaufen Dezember 2019


Wenn ich mit meinem Mundschutz einen Supermarkt betrete, werde ich machmal schräg oder verstohlen angeguckt. Ab und zu zeigen Kinder auf mich oder sie fragen ihre Mütter oder Väter, warum ich sowas im Gesicht habe. Wenn ich einen Mundschutz z.B. im Bus trage, dann setzt sich so gut wie nie jemand neben mich... die Leute halten Abstand, weil sie denken, dass ich eine ansteckende Krankheit habe. Dies ist der Normalzustand... man gewöhnt sich dran.

II. Einkaufen Februar 2020


In China nimmt zu dieser Zeit die Corona-Pandemie an Fahrt auf und auch in Deutschland kommen die ersten (Krankheits-) Berichte von dieser Virusinfektion an. Es wird aber eher als asiatisches Problem gesehen, was uns hier in Deutschland nicht betrifft. Wenn ich nun mit Mundschutz einkaufen gehe, werde ich als Hypochonder abgetan oder doch als Corona-Infizierter angesehen, die nicht in die Öffentlichkeit gehen sollte. Es gibt jetzt viele blöde, freche und überflüssige Kommentare im Supermarkt. Miriam hat damals sehr schlechte Erfahrungen beim Einkaufen gemacht und wurde sogar extra angehustet!!! Hat man noch Worte?
Wir Mundschutzträger*innen wurden (täglich) überall in Deutschland mit dummen Sprüchen belästigt. Das war wirklich beängstigend. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt und auch nicht für möglich gehalten.

III. Einkaufen April 2020


Corona gehört nun zu unserem Leben dazu. In Deutschland besteht (nach langem hin und her) eine Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf einmal bin ich beim Einkaufen mit Mundschutz nicht mehr die Auffällige/Außenseiterin, sondern eine von vielen. Wahnsinn! Als ich nun nach langer Pause mal wieder durch den Supermarkt lief, war es für mich so entspannt wie noch nie in den letzten sechs Jahren. Und gefühlt war es auch noch nie so sicher wie jetzt. Einkaufswagengriffe werden regelmäßig desinfiziert, jeder trägt eine Maske, alle halten Abstand - alle sind gleich. Nach meinem ersten Einkaufserlebnis seit ca. acht Wochen war ich ganz glücklich. (Hoffen wir mal, dass alle in der nächsten Zeit weiter so diszipliniert einkaufen.)
Auch dass in den Fußgänerzonen immer mehr Leute mit Mundschutz zu sehen sind, ist für mich durchaus noch etwas ungewohnt. Wenn ich vor einem halben Jahr jemanden mit Maske sah, dann war ich manchmal kurz davor diesen Leidensgenossen anzusprechen (transplantiert? Krebs? hübscher Mundschutz!) - was ich aber nie gemacht habe. Jetzt gibt es so viele von "uns" - und ich falle nicht weiter auf.

Leben mit Mundschutz


An dieser Stelle nochmal ein kurzer Hinweis an alle "Neulinge" in der Mundschutzszene. Wir verlangen seit Jahrzehnten, dass Krankenschwestern oder Ärzte (auch mal stundenlang) einen Mundschutz tragen. Als ich in der transplantationsvorbereitenden Reha war, damals mit einer Lungenfunktion von gerade noch 30%, musste ich mit Mundschutz Ergometertraining machen. Von allen mit schwachem Immunsystem (Transplantiert, Krebs, HIV etc.) wird von ärztlicher Seite verlangt, dass wir eine Maske tragen. Also bitte stellt Euch nicht so an, wenn Ihr das Teil gerade mal 15 Minuten bei Einkaufen aufziehen müsst!
Seit fünf Jahren tanze ich einmal die Woche mit Mundschutz und bin dabei noch nicht tot umgefallen wegen CO2-Vergiftung oder so. (Jetzt gibt es natürlich keinen Tanzkurs mehr... aber das ist eine andere Geschichte...)

Der Mund-Nasen-Schutz wird in den nächsten zwei Jahren zu unser aller Alltag dazugehören. Gewöhnen wir uns schnell daran. Es tut nicht weh - und es ist das kleinste Übel von allem.
Insa


Freitag, 24. April 2020

Wie sollen wir damit leben - Neue Sicherheit

In den Medien hören wir nun immer häufiger, dass wir Menschen lernen werden müssen, mit dem neuen Corona-Virus zu leben. Viele sind darüber geschockt und fragen sich, wie soll man denn damit leben? Auch dass es nicht morgen vorbei ist, sondern Monate und Jahre dauern wird, ist für viele scheinbar erstaunlich. Ohne jetzt jemanden runterziehen zu wollen, aber dass gerade "wir" Hochrisikogruppe wohl eher in Jahren als Wochen rechnen müssen, ist mir schon lange klar. Es wird immer nach einem Termin geschrien, die Menschen bräuchten Perspektive, ein Datum, Planungssicherheit. Ja, das wäre sicher schön, aber so ein Virus hat nun mal keinen Kalender in seiner DNA und sagt dann am Tag X: "Okay, ich bin hier fertig, macht es gut."
Zeichnung: Insa Krey

Es wird alles langsam anders werden und es wird auch nicht wieder wie vorher, dazu ist zu viel passiert. Das meine ich gar nicht negativ. Es gibt immer Ereignisse, die das Erleben, das Sicherheitsgefühl und zum Teil auch das Verhalten ändern werden.

Vielleicht ein Beispiel aus meiner Kindheit: Tschernobyl. Ich war knapp elf Jahre alt und neben vielen Dingen an die ich mich erinnere, hat sich für immer geändert, dass ich nie mehr unbeschwert im Regen stehen/spielen konnte. Das war damals ein großes Thema. Natürlich gerate ich heute nicht in Panik wenn ich  unterwegs bin und es anfängt zu regnen. Aber als ich letztes Jahr die Nachbarskinder juchzend durch den Regen laufen sah, wurde mir bewusst, dass ich da doch sehr viel drüber nachgedacht habe und vor allem in den ersten Jahren nach der Katastrophe so schnell wie möglich rein gerannt bin wenn es auch nur nieselte. Könnte ja irgendwo auf der Welt gerade wieder was passiert sein, was nun mit dem Regen runter kommt.
 

Neue Alltagsroutinen


Lange Rede, kurzer Sinn. Alltagsroutinen werden sich verändern. Am Schlimmsten finde ich, dass ein gewisses Sicherheitsgefühl verloren gegangen ist. Und dieses Sicherheitsgefühl 2019 wird auch nie wieder kommen. ABER wir werden ein neues Sicherheitsgefühl entwickeln. Das geht nicht von heute auf morgen und wird auch bei jedem unterschiedlich lang dauern. Wie das geht, dafür gibt es - leider - kein Patentrezept. Das wir sich ganz automatisch entwickeln. Durch meine Erkrankung habe ich schon oft mein persönliches Sicherheitsgefühl verloren. Gerade wenn ich mich gut mit meinen Körperreaktionen auskannte, kam etwas neues dazu. Zum Beispiel der Diabetes. "Das nicht auch noch. Mist. Das werde ich nie lernen, was ist wenn xy passiert, was aber wenn zx, wie soll ich das schaffen?" Es wird natürlich nie "Yeah, Diabetes." Aber es wird zur Alltagsroutine. Ich habe wieder gelernt Situationen einzuschätzen, auf neue oder veränderte Körperreaktionen zu reagieren. Ganz schlimm war es nach der Lungentransplantation. Meine jahrelange Erfahrung mit MEINER Muko-Lunge einfach so dahin. Vorher wusste ich jedes Geräusch zu deuten, ich wusste wie ich bei welchen Symptomen reagieren muss, wusste im guten wie im schlechten was bei welchen Körperreaktionen wohl in den nächsten Tagen auf mich zukam. Nach der Transplantation war ich verloren. Was wenn... spüre ich, wenn etwas nicht gut ist... was tun... wie reagieren... . Wie soll der Alltag jemals wieder entspannt ablaufen. Und auch da ging es schneller als gedacht und schon war da ein neues Sicherheitsgefühl. Wieder anders und auch das wird mal erschüttert, aber es ist da.

Und so wird es auch mit Corona werden. Schöner wäre es, wäre alles geblieben wie es ist, aber wir werden uns an den neuen Zustand gewöhnen. Wir Mukos werden nicht mehr die einzigen sein, die das Händeschütteln ablehnen (und es wird hoffentlich nicht mehr so sehr als Unfreundlichkeit aufgefasst). Spuckschutz an Kassen werden Normalität und sicher noch ein paar andere Kleinigkeiten werden sich dauerhaft verändern. Natürlich wird es noch eine schwierige Zeit werden und es mag nach Floskel klingen, aber wir werden dass schaffen. Im Moment kann ich mir noch gar nicht vorstellen, je wieder ohne große Ängste zu verreisen oder auch nur mehrere Menschen zu treffen. Trotzdem wird es dazu kommen und ich werde es genießen können. Es wird ein Punkt mehr sein auf der Gedankenliste, gerade bei größeren Veranstaltungen oder beim Reisen, dass macht mich im Moment noch etwas traurig. Doch aus der Erfahrung heraus vertraue ich auf das neue kommende Sicherheitsgefühl.

Bleibt stark

Miriam

P.S.: Manchmal kann es nötig sein, Hilfe anzunehmen um sich wieder sicher zu fühlen. Solltet ihr große Sorgen haben, was in der Zukunft sein wird (gesundheitlich, wirtschaftlich, ...) oder wie ihr die Zeit in Isolation schaffen sollt, gibt es Telefonnummern, wo ihr eure Sorgen mal rauslassen und auch Hilfe bekommen könnt. Scheut euch nicht diese Angebote anzunehmen.
Hier nur ein paar Beispiele (im Netz findet ihr noch viel mehr):



Freitag, 27. März 2020

Corona - positive Geschichten

Wir haben lange überlegt, über was wir heute schreiben sollen. Wieder Corona? Auf der einen Seite wäre etwas anderes auch mal wieder ganz schön, auf der anderen Seite bestimmt der Virus im Moment unser Leben, ob wir wollen oder nicht. Es gibt so viele traurige Geschichten, die uns nicht loslassen. Dazu unendlich doofe, schlimme, ärgerliche Berichte, die uns am Verstand einiger Menschen zweifeln lassen und die es gar nicht Wert sind, dass man ihnen so viel Raum / Aufmerksamkeit gibt.

Darum wollen wir uns zum Wochenende einmal mit den vielen schönen Geschichten beschäftigen, die manchmal im Chaos dieser Zeit untergehen. Dabei geht es nicht darum, das Ganze zu romantisieren oder ähnliches. Wir fühlen mit all denen die um ihre Gesundheit oder/und ihre Existenz bangen, die jetzt härter Arbeiten als je zuvor und dabei selbst riskieren sich anzustecken. Aber wenn schon so viel Mist passiert, dann doch wenigstens mit ein paar positiven Aspekten, die uns vielleicht auch "hinterher" erhalten bleiben.

Mundschutz


Als Insa letzten Freitag vor dem Supermarkt stand und auf ihren Mann wartete (der gerade drinnen einkaufen war) fiel ihr auf, dass mehrere Menschen mit Mundschutz den Laden verließen. So viele Leute mit Mundschutz sah man sonst nur in Krankenhäusern... Wir haben die Hoffnung, dass vielleicht der Mundschutz nun von allen langsam akzeptiert und eventuell in solchen Zeiten als Höflichkeitsgeste (hier zitieren wir mal Prof. Drosten aus seinem Podcast - den wir nur empfehlen können) in unsere Gesellschaft einzieht und vielleicht so selbstverständlich wird wie in Asien. Miriam wiederum beobachtete beim Warten im Auto, dass auch viele Menschen Handschuhe tragen oder den Griff vom Einkaufswagen desinfizieren. Wir sind keine Sonderlinge mehr :-)

Schlange stehen


Auf dem Wochenmarkt und vor den Bäckereien stehen die Leute mit Abstand hintereinander. Es macht uns froh, wenn wir sehen, dass die Leute sich in dieser besonderen Zeit an die Corona-Abstandsregeln halten. Wir fänden es ein tolles Zeichen, wenn wir es gemeinsam tatsächlich schaffen würden die Infiziertenkurve abzuflachen und italienische Verhältnisse in den Krankenhäusern zu vermeiden.

Nachbarschaftshilfen


Nicht nur uns wurde von unseren Nachbarn Hilfe angeboten - sondern in ganz Deutschland gibt es viele Hilfsangebote (z.B. fürs Einkaufengehen) für Risikogruppen. Das ist ganz großartig. Gerade in solchen Zeiten ist Solidarität und das Achten auf die Mitmenschen so wichtig und richtig. Wir danken an dieser Stelle mal allen Helfern und Ehrenamtlichen, die für "uns" einkaufen gehen.

Auch für die Bauern, die jetzt keine Saisonarbeiter für die Ernte finden, gibt es Hilfe über das Internet. Auf verschiedenen Online-Plattformen haben sich schon viele Erntehelfer eingetragen und stehen (hoffentlich) u.a. für die Spargelernte bereit.

Lieferdienste


Da viele Restaurants für Gäste geschlossen sein müssen bieten viele einen Lieferdienst an. Andere machen aus ihren Fenstern einen Drive in. Außerdem spenden viele Gastrobetriebe ihre Lebensmittel und ihre Arbeitskraft um zB Bedürftige oder Klinikpersonal zu unterstützen.

Paketdienste


Genau vor vier Wochen hat Miriam in ihrem Beitrag (Corona-Gefühlschaos) über das Unterschreiben bei der Paketannahme geschrieben ("Wer macht das Display sauber?"). Inzwischen stellen die Paketdienste das Paket ab, klingeln, und gehen auch sofort einige Schritte zurück. Unterschreiben müssen wir als Kunde auch nicht mehr. :-)

Hotel

In der Zeitung wurde von einem Hotel in Braunlage berichtet, dass seine Zimmer für Leute im Homeoffice öffnet. Für fünf Tage kann man sich dort einquartieren kostenfrei, wenn das Arbeiten zu Hause (aus welchen Gründen auch immer) nicht möglich ist oder eine wichtige Vidoekonferenz stattfindet.

Altenheim goes ipad


Altenheime entdecken die Vorteile von Tabletts. Da die Angehörigen zur Zeit leider nicht zu Besuch kommen dürfen, haben einige Altenheime angefangen, den Kontakt über Videochats und ähnlichem herzustellen. In einem Bericht fragte sich ein Mitarbeiter, warum sie da nicht schon früher drauf gekommen sind und dass sie das auf jeden Fall beibehalten werden. Gerade dieses Beispiel zeigt, dass wir Menschen bei vielem "betriebsblind" werden und es manchmal gut ist, wenn wir gezwungen werden über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Gabenzaun


Für Obdachlose ist diese Zeit besonders tragisch. Zum einen sind sie gesundheitlich meist nicht in Topform, zum anderen brechen im Moment sämtliche Hilfen weg. Wie können wir also ohne "Gefahr" helfen? Tolle Menschen sind auf die Idee des Gabenzauns gekommen. Obst, Brötchen, aber auch Kleidung an einen Bauzaun gehängt und schon gibt es zumindest einen Ort wo sich Bedürftige etwas abholen können. Jetzt kann argumentiert werden, dass das alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ja, all diese kleinen Gesten bewirken keine Wunder und es bedarf wie in so vielen Bereichen noch mehr Ideen, Einsatz und Geld. Aber es ist ein Anfang und ich finde allein das Gefühl nicht vergessen zu werden, macht auch schon was aus.


Kreativität, Kunst und Konzerte


Noch nie hatten so viele Menschen, egal ob reich oder arm, so großen Zugang zu Kunst, Konzerten, Lesungen. Jeden Tag gibt es von den berühmtesten Künstlern aller Stilrichtungen Live-Konzerte, andere Künstler berichten in lustigen Videos von ihrer Quarantäne, es gibt Lesung von Autoren, Museen führen online durch Ausstellungen oder erklären täglich eines ihrer Kunstwerke, dazu kommen unzählige profesionelle und privat erstellte Videoanleitungen für jeden erdenklichen kreativen Bereich. Es gibt diverse kostenlose Unterrichtsanleitungen für Schüler, genau wie eine Fülle von Mal- und Bastelanleitungen. 

Sport


Auch in diesem Bereich überschlagt sich das Internet mit kostenlosen Angeboten für Kinder. Jugendliche und Erwachsene. Proft-Trainer, Sportstars, Vereine und auch jede Menge Schauspieler*innen / Sänger*innen zeigen euch, wie ihr zu Hause fit bleiben könnt oder nehmen euch via Internet zu ihrem Training mit. 


Was bleibt?


Natürlich bleibt es eine schwierige Zeit. Aber es ist toll zu sehen auf was für tolle, ungewöhnliche Ideen nun einige kommen (und noch kommen werden). Einiges davon wird sicher bleiben. Und in einigen Monaten oder Jahren ist es vielleicht gar nicht mehr vorstellbar, dass es einmal anders war oder vor Corona niemand auf diese guten Ideen gekommen ist.

Haltet durch und bleibt gesund,
Insa und Miriam

Samstag, 29. Februar 2020

Corona Gefühlschaos - zwischen entspannt und panisch


Gleich vorweg: Auch wir haben kein Patentrezept oder DIE entscheidende Neuigkeit in Bezug auf COVID-19. Ich fürchte eine Weile müssen wir noch mit diesem Neuling leben und unsere Lebensweise ein wenig umstellen.

Ich war zum Glück nie besonders panisch was Keime, Bakterien und Co angeht. Vielleicht auch daher, weil ich noch zu einer Zeit groß geworden bin, wo Pseudomonaden nicht bekannt waren (ein Problemkeim für uns Muko-Patienten). Ich konnte in Pfützen spielen ohne das meiner Mutter der Angstschweiß von der Stirn tropfte und ich hatte auch immer meine Muko-Freunde, mit denen ich mich getroffen habe. Das heißt nicht, dass ich alles auf die leichte Schulter nehme oder leichtsinnig bin. Es gibt Hygieneregeln im Alltag die zu beachten sind, die ich aber so normal finde, dass ich diese nicht besonders erwähnenswert finde. Damit will ich eigentlich nur sagen, dass ich es mein Leben lang gewöhnt bin auf der schmalen Grenze zwischen zu entspannt und paranoid zu balancieren. Ich muss immer wieder abwägen und entscheiden, was für mich ein Risiko ist und was nicht, ohne mich dabei in einen Glaskasten zu setzten und völlig den Bezug zu einem möglichst normalen Leben zu verlieren.

Just in diesem Moment das perfekte Beispiel: Während ich hier tippe klingelte die Post mit einem Paket. Um den Empfang zu bestätigen muss ich mit meinem Finger auf einem Touchscreen unterschreiben. Ich möchte der Post nichts unterstellen, aber wie viele Finger unterschreiben am Tag darauf und wie oft wird das sauber gemacht? Ein gesunder Mensch wird darüber höchstwahrscheinlich gar nicht nachdenken. Selbstverständlich war ich Händewaschen bevor ich hier weitergetippt habe.

In den vergangenen Jahren habe ich unter anderem die SARS und Ebola Phase überstanden und so war ich zu Beginn von COVID-19 ziemlich entspannt. Auch wenn mir klar war, dass sich der Virus nicht aufhalten lassen wird und früher oder später auch in Deutschland ankommen würde. Über die Zeit muss ich aber schon zugeben, dass ich das Thema nicht völlig abschütteln kann. Mal sehe ich eine Pressekonferenz oder Talkshow und denke: "wird schon gut werden" und ein anderes Mal denke ich: "Oh Mist." Wollte ich mich am Anfang nicht zu sehr einschüchtern lassen, habe ich diese Woche doch angefangen mir genau zu überlegen wo ich hingehe und wo nicht. Auch die Gespräche mit Insa und anderen (transplantierten) Muko-Freunden drehen sich inzwischen öfter um dieses Thema. Und an dieser Stelle müssen wir auch deutlich unterscheiden: Für die sogenannte Normalbevölkerung besteht kein Grund zur Panik. Natürlich sollte es niemand darauf anlegen sich anzustecken, aber sollte es passieren stehen die Chancen extrem gut diese Erkrankung ohne Komplikationen zu überstehen. Bei 80 % der Erkrankten ist der Verlauf nicht viel schlimmer als eine normale Erkältung. Aber für Menschen mit schweren Vorerkrankungen, geschwächtem Immunsystem oder altersbedingter Schwäche, sieht das eben anders aus. Für "uns" könnte eine Infektion dramatische Folgen haben.

Hausarrest


Daher riet mir meine Ärztin inzwischen, dass ich vorerst weitestgehend zu Hause bleiben soll. Eigentlich wäre gestern ein Essen mit meinen Ballettkollegen gewesen, die ich lange nicht gesehen habe und auf das ich mich schon wochenlang gefreut habe. Da genau komme ich zu dem Gefühlschaos: Ich will mich von so einem doofen Virus nicht einschüchtern lassen, aber will auch nichts unnötig riskieren. Im Grunde war die Entscheidung klar, aber ich habe trotzdem stundenlang hin und her gegrübelt bist ich endlich die Absage in die Whatsapp-Gruppe getippt habe. Und das zugegeben mit ein paar kleinen Tränen. Dabei geht es aber gar nicht nur um dieses eine Essen. Meine Erkrankung hat schon so oft dafür gesorgt, dass ich Dinge, auf die ich mich gefreut habe, die ich gerne getan hätte, absagen musste. Ob nur ein Essen oder ein Konzertbesuch oder gar ganze Urlaube. Irgendwie füllt es sich jedesmal so an, als hätte ich verloren. Natürlich weiß ich vom Kopf her, dass es nicht so ist und auch dieses Treffen mit meinen Ballettfreunden kann ich nach holen, aber das Herz ist traurig und enttäscht. Für mein Disney Konzert in drei Wochen sehe ich auch schwarz und Insa hat gerade ihr verlängertes Wochenende in Berlin abgesagt. Das ist vernünftig und im Moment sollten auch Gesunde überlegen was sie machen und was nicht, aber es bleibt trotzdem sch... . Entschuldigung.

Probleme - Hamsterkäufe und Co


Der Virus, die Angst und die Ungewissheit ist das eine. Was mir und anderen chronisch Kranken inzwischen auch Probleme bereitet ist, dass viele gesunde Menschen aus Angst was kommen wird Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken in so großen Mengen aufkaufen, dass es für "uns", die so etwas immer brauchen, Corona hin oder her, nichts mehr gibt. Das gilt leider auch für Arztpraxen und ähnliche medizinischen Einrichtungen. Natürlich kann ich die Sorge der Menschen nachvollziehen, aber es bringt ungeahnte Probleme mit sich. Mein Vorrat sieht noch ganz gut aus, nur auf ein paar der wirksamereren FFP3-Masken warte ich gerade noch (wenigstens für die ganz unvermeidbaren Arzttermine zum Beispiel).

Was tun


Hier können wir Euch nur die ganz normalen Verhaltensregeln weitergeben, die wir Mukos oder auch gerade wir transplantierte Mukos eh befolgen (und für Gesunde genauso gelten):
  • keine unnötigen Kontakte mit größeren Menschenmengen
  • wenn möglich etwa 1,5 Meter Abstand zu anderen halten
  • in die Armbeuge husten oder niesen
  • gebrauchte Taschentücher möglichst schnell entsorgen 
  • kein Händeschütteln
  • sich möglichst nicht ins Gesicht fassen (machen wir alle unbewusst öfter als wir denken)
Und vor allem:     
  • Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen!!!!!!!!

Hier noch der Link zu einer sehr anschaulichen Sketchnote zu den Hygieneregelnvon Nadine Roßa.

Für sehr gefährdete Menschen wie eben zum Beispiel für Insa und mich, gilt noch ein bisschen mehr als für andere "Hausarrest". Wenn es zur Zeit nicht zwingend nötig ist, sollen wir zu Hause bleiben. Aber das habe ich ja weiter oben schon ausführlich erklärt.

Das Gute daran


Es ist zwar traurig, dass es eines neuartigen Virus bedarf, um Menschen daran zu erinnern wie sinnvoll Händewaschen ist und das es generell nicht so toll ist jemand anderem ins Gesicht zu husten. Aber das ist vielleicht das Positive an so einer Krise. Die Menschen sind wieder etwas mehr sensibilisiert was - eigentlich normale - Hygieneverhaltensregeln angeht und das wiederum kommt uns bei allen anderen Erkältungs- und Grippewellen zu Gute. Dabei nehme ich mich gar nicht aus. Auch in meinem Alltag schleichen sich Verhaltensmuster ein, denen es eventuell ganz gut tut, mal wieder bewusst darüber nachzudenken. Mir fällt zwar im Moment nur der Einkaufswagen ein, aber immerhin: Früher war ich viel konsequenter den Griff vom Einkaufwagen vor dem Benutzen einmal abzuwischen. Über die Jahre hat das nach gelassen, weil ich mir doch eh nach dem Einkauf die Hände desinfiziere und wasche. Das ist ein Punkt, den ich wieder mehr beachte (ob das zwingend nötig ist, muss jeder selbst entscheiden). 

Bleibt gesund!
Miriam

Sonntag, 9. Februar 2020

Mundschutz tragen während einer Epidemie

Da das Immunsystem nach einer Lungentrransplantation gehemmt werden muss, um das neue Organ nicht abzustoßen, bin ich anfälliger für Erkältungen, die Grippe und vieles mehr. Daher gehört das tragen eines Mundschutzes zu meinem neuen Leben dazu. Wobei er auch vorher immer häufiger in meinem Gesicht war, vor allem bei Klinikterminen. Um mich zu schützen, aber auch um zu verhindern, dass ich meine alten Keime verteile. Die Empfehlungen wie lange und wo überall der Mundschutz zu tragen ist, unterscheidet sich nach Ambulanz, nach Medikamtendosis und einigen anderen Faktoren. Auf jeden Fall in Arztpraxen und Krankenhäusern. Auch das eigene Gefühl spielt eine Rolle, oder eben auch Erfahrungen, die die oder der Einzelne schon gemacht hat.
Foto: Portrait mit Mundschutz und Schild "nicht ansteckend"

Achtung Überfall

Darum soll es hier aber heute gar nicht gehen, sondern darum, wie das Umfeld reagiert. Jetzt, während dieser Corona-Virus-Zeit ändern sich die Reaktionen deutlich. Ich habe das schon einmal durch, während des Ebola-Ausbruchs 2014. Da war ich noch recht frisch transplantiert und hatte "viel Spaß" mit meinem Mundschutz in der Öffentlichkeit. Selbst in normalen Zeiten verbinden die meisten Menschen mit einem Mundschutz immer noch: "Oh nein, die hat was Ansteckendes." Auf die Idee, dass ich mich vor ihnen schützen muss, kommen die wenigsten. Und wenn dann wirklich mal eine Mutter ihrem Kind erklärt, dass ich es bin, die aufpassen muss, dann möchte ich diese am liebsten feiern. Dazu kommen die ganz "Lustigen". Der Klassiker ist wohl: "Oh nein, Überfall." Finden einige tatsächlich auch nach sechs Jahren noch witzig - selbst Physiotherapeuten oder Ärzte. "Wir sind doch nicht in Asien." - wird auch immer wieder gern genommen. Neulich habe ich mir tatsächlich Fastfood gegönnt und der Typ hinter der Theke sprang gespielt geschockt zurück und rief irgendetwas mit "Vermummungsverbot". Dazu muss ich sagen, dass hinter mir niemand war und sich ein nettes Gespräch daraus entwickelt hat. In den seltensten Fällen sind Kommentare böse gemeint. Meistens hat es etwas mit Unsicherheit zu tun, manche denken auch sie sind lustig und lockern damit die Situation auf... Aber es kommt halt immer auf den Ton, die Situation an und ehrlich gesagt auch darauf, was ich für einen Tag habe (was der andere natürlich nicht wissen kann). Wenn ich an dem Tag schon fünf mal "Überfall" gehört oder schon sehr unangenehme Situationen erlebt habe, dann ist es hin und wieder schon sehr nervig und manche Dinge treffen mich dann mehr, als sie sollten. 

Ebola, Corona und Co


Während solcher Epidemie-Phasen wie jetzt kommen wieder ganz andere Reaktionen. Zum einen empfinde ich viel mehr skeptische oder auch ängstliche Blicke - kann aber auch sein, dass ich zur Zeit mehr darauf achte als sonst. Die anderen zwei Standardkommentare sind: "Na ja, man kann sich auch anstellen." und "Sie kommen wohl gerade aus xy." Auch da macht der Ton die Musik und manche sind einfach so doof, da will ich gar nichts mehr erklären sondern husten und sagen, dass sie sich lieber von mir fernhalten sollen. Gesten im Fahrstuhl war so eine beklemmende Stimmung, dass ich mich gezwungen fühlte zu sagen  - ganz freundlich - , dass ich transplantiert bin und sich niemand Sorgen machen muss. Es wurde erleichtert durchgeatmet und sofort erklärt, dass doch niemand Angst gehabt hätte und das alles wäre doch völlig normal. Ob ich etwas sage oder nicht, ich komme mir irgendwie blöd vor.

Nicht ansteckend!

Ich brauche vielleicht doch mal ein T-Shirt oder Schild mit der Aufschrift "nicht ansteckend". :-) Am besten gleich einen Mundschutz mit diesem Aufdruck. Eigentlich eh schade, dass man keine eigenen Mundschutzmasken gestalten kann, so wie eben T-Shirt, Tassen und Co. Das wäre noch mal was.

Noch etwas ganz anderes zum Thema Mundschutz: Kleine Kinder haben jetzt viel öfter Angst vor mir als zu Sauerstoffzeiten. Manche verstecken sich hinter den Eltern, einige fangen sogar an zu weinen. Habt Ihr anderen Mundschutzträger das auch schon erlebt? Nachdem mir das einige Male passiert war, habe ich überlegt woran das liegen könnte. Ich schätze mal das es daran liegt, dass je jünger das Kind ist, desto mehr nimmt es noch über Mimik war und mit dem Mundschutz entfallen sehr viele wichtige mimische Informationen. Ich muss auch viel öfter beim einkaufen wiederholen was ich möchte (z.B. beim Bäcker). Daran merkt man, dass hören auch oft automatisch mit sehen (Lippenlesen) verknüpft ist, vor allem bei lauten Umgebungsgeräuschen. 

Ausverkauft

Wirklich gut das ich einen großen Vorrat an Mundschutzmasken habe, denn diese sollen inzwischen knapp sein. Was ich viel schlimmer finde ist, dass es wieder Leute gibt, die mit der Angst der Menschen Geld scheffeln wollen und Masken jetzt zum Teil das 3-fache und mehr kosten. Traurig. Mal ganz abgesehen davon das jetzt nicht plötzlich alle gesunden Menschen einen Mundschutz tragen müssen / sollen. 

Hände waschen nicht vergessen!
Miriam