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Freitag, 3. Juni 2022

Tag der Organspende 2022

Am Samstag, den 4. Juni 2022 ist wieder der Tag der Organspende. Nach zwei Coronajahren mit virtuellen Aktionen findet der Tag diesmal wieder in Präsenz in Mainz statt.

Nach wie vor ist Organspende ein wichtiges, aber oft unbeachtetes (bzw. eher verdrängtes) Thema. Bei diesem Aktionstag (es gibt viele Infostände und verschiedene Mitmach-Aktionen in der Mainzer Innenstadt) soll das Bewusstsein darauf gelenkt werden.

Corona und Organspende

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Corona-Pandemie die Situation für Organempfänger*innen und Menschen auf der Warteliste nicht einfacher gemacht hat: In vielen TX-Zentren wurden Termine abgesagt oder verschoben. Begleitpersonen dürfen nicht mehr mit zum Ambulanztermin. Ganz zu schweigen von den stikten Besuchsregeln (gar kein Besuch oder nur 1 Person für 1 Stunde am Tag), wenn jemand stationär im Krankenhaus liegt.... Außerdem liegt die Todesrate bei Lungentransplantierten deutlich über dem Durchschnitt. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu vielen anderen, die Corona-Pandemie, das Aufpassen und Abstandhalten noch lange nicht vorbei sind.

In den letzten beiden Jahren sind die Zahlen von Organspenden weiter gesunken. Auch deswegen ist es wichtig, dass wir das Thema wieder mehr in die Öffentlichkeit holen.

Organspende rettet Leben

Wahrscheinlich habt Ihr den Satz schon oft gehört. Und vielleicht klingt er inzwischen schon etwas abgedroschen. Aber (Spoiler!) Miriam und ich können dies aus eigener Erfahrung sagen. Hätten wir keine Spenderlunge bekommen, wären wir inzwischen nicht mehr am Leben. Deswegen sind wir sehr dankbar und glücklich.

 Foto: Miriam hält einen Zettel mit einer "2", Insa einen mit einer "1" in die Kamera.

Im Jahr 2015 waren Miriam und ich zum ersten Mal beim Tag der Organspende und haben bei der Aktion "geschenkte Lebensjahre" mitgemacht. Inzwischen steht bei Miriam eine neun und bei mir eine acht! Wer hätte das gedacht?

Wir hoffen auf noch viele weitere geschenkte Lebensjahre!
Eine Freundin von mir hat mal gesagt: "Nach der Transplantation wird es nichteinfacher, aber vieles wirdbesser." Das stimmt.
Viele wissen nicht, dass das Krebsrisiko nach einer Transplantation steigt. Auch andere Organe z.B. die Nieren werden oft durch die Medikamente in Mitleidenschaft gezogen... viele Lungentransplantierte müssen irgendwann an die Dialyse. Aber was soll ich sagen? Wir Mukos sind Kummer gewöhnt - und die meisten, die ich kenne, sind echte Kämpfernaturen.
Deswegen: Carpe diem - nutze den Tag.

Insa 

> Infos zum Tag der Organspende

> Organspendeausweise (auch in verschiedenen Sprachen) gibt es hier

> Zahlen und Statistiken gibt es auf der Seite der DSO 


Freitag, 24. September 2021

Klamotten mit Organspendeausweis

[unbezahlte Werbung] Normalerweise klicke oder wische ich Werbeanzeigen schnell weg, wenn ich im Internet unterwegs bin. Doch neulich bin ich tatsächlich einmal hängengeblieben und habe weitergeklickt... und landete bei "Gegen den Tod"! Dahinter verbergen sich ganz besondere Klamotten -  nämlich (nachhaltig produzierte) tragbare Organspendeausweise. Wie abgefahren ist das denn bitte?

Damit ich Euch hier davon erzählen und Euch auch etwas zeigen kann (insgesamt gibt es acht verschiedene Kollektionen von acht verschiedenen Designer*innen), bekam ich ein T-Shirt (passenderweise mit Lungen-Motiv) zugeschickt. 

Foto:  Insa mit Lungen-T-Shirt - unten rechts kann unterschrieben werden, dass die Organe nach dem Tod gespendet werden können.

Ich mag das Shirt sehr gerne... aber fast noch besser fand ich die Verpackung!!! Die war nämlich nicht 08/15, sondern ganz im Gegenteil. Die Aufmachung war wie wir es aus jeder Organspende-Doku kennen.. sehr nah an der Original-Organspende-Transportbox. Manche Leute mag das irritieren - ich finde es richtig, richtig gut. Denn wenn man/frau sich mit diesem Thema beschäftigt und auseinandersetzt, dann auch von Anfang bis Ende.

Foto von der Verpackungs-Kiste: Styroporbox mit (Adress-) Schild "human organ for transplant"

Alle Kleidungsstücke haben tatsächlich einen integrierten Organ- und Gewebespendeausweis und zeigen so das Bekenntnis PRO Organspende. Da wir in Deutschland immer noch viel zu wenig Organspender*innen haben, können wir gar nicht genug auf dieses Thema aufmerksam machen. Und warum nicht mit Klamotten, die auch noch schön aussehen?

 Foto 1: T-Shirt mit gestrichelter Lunge und Schriftzug "harvest me"
Foto 2: Nahaufnahme der Organ- und Gewebespende-Einverständniserklärung

Guckt mal hier: Gegen den Tod Couture
Auf der Webseite gibt es nicht nur die Kleidung zu kaufen (bzw. die Links zu den Designer*innen), der Verein Gegen den Tod auf der Warteliste e.V. will außerdem aufklären und hat z.B. diverse Interviews/Videos auf seiner Webseite (z.B.: Wie ist das Leben auf der Warteliste? Wie ist das Leben nach einer Transplantation?).

Wer lieber einen ordentlichen Organspendeausweis haben möchte, die/der kann diesen z.B. auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung anfordern. Dort gibt es auch Infomaterialien über Organspende.

Go fashion,
Insa






Montag, 16. August 2021

Wir sind jetzt 8 - Lungengeburtstag

Acht mal durften meine Spenderlunge und ich schon Geburtstag feiern. Irre, oder? Manchmal lese ich von anderen Lungentransplantierten, die zum Beispiel zehn Jahre transplantiert sind und denke "Wow, so lange." Erst danach realisiere ich, dass es bei mir auch schon acht Jahre sind. 

Selfie von Miriam auf einer Bank im Wald. Nur der Kopf und ein Stück vom Oberkörper sind zu sehen. Die braunen Haare sind zusammengebunden. Sie trägt ein graues T-Shirt und eine schwarze Strickjacke liegt über der linken Schulter.r

Die Zeit vergeht so wahnsinnig schnell. Ich kann mir immer weniger vorstellen, wie ich meinen Alltag vor der Lungentransplantation gemeistert habe. Wie ich mit der ständigen Atemnot zurecht gekommen bin und all die vielen Stunden Therapie in den Tag gequetscht bekommen habe. Mindestens alle 8 - 12 Wochen habe ich meine Sachen gepackt (oder packen lassen), um ins Krankenhaus zu gehen. Die ewige Sorge keinen (Infusions-) Zugang mehr legen zu können. Die Schmerzen, die Nebenwirkungen, all das wurde von mal zu mal schlimmer. Trotzdem habe ich gern gelebt und trotzdem habe ich erstaunlich viele schöne Dinge gemacht. Aber ehrlich gesagt verklärt sich auch das ein wenig in all den Jahren. Ich erinnere mich gut und gern daran, wie ich auch mit Sauerstoff zum Ballett gegangen bin, aber wie schlimm und anstrengend es manchmal war, einfach nur auf Toilette zu gehen, habe ich gut verdrängt. Natürlich erinnere ich mich gern an unsere Ausflüge und kurzen Urlaube, wie zum Beispiel Disneyland Paris oder ein Kurzurlaub im Harz. Das ich aber wahrscheinlich schon auf jeder Disneybank geschlafen habe, weil ich so erschöpft war oder im Harz bei der Kutschfahrt sofort eingeschlafen bin und wir eh nur drei, vielleicht vier Stunden am Tag hatten um etwas zu unternehmen, das alles tritt in den Hintergrund. Was gut so ist.

In diesem Jahr lag so vieles an, dass der Lungengeburtstag ein wenig unterging. Aber das Unterbewusstsein ist schon etwas Faszinierendes. Im Nachhinein ist mir klar, warum ich zwei Tage vorher schon furchtbar emotional war und meine Träume eine wahre Schatzgrube für Traumdeuter gewesen wären. Es war eben eine extreme Grenzerfahrung und ich bin weiterhin unfassbar dankbar dafür, doch weiterleben zu dürfen. 

Wie immer in diesen besonderen Tagen, denke ich auch an die Spenderfamilie. Da ist diese tiefe Dankbarkeit und der große Wunsch / die große Hoffnung, dass es den Angehörigen meines/meiner Lungenspenders/-spenderin gut geht und sie zufrieden und glücklich mit der getroffenen Entscheidung sind. 

Um es unseren Angehörigen in solch einer furchtbaren Situation ein wenig leichter zu machen, müssen WIR uns entscheiden. Jede/r einzelne sollte sich die Zeit nehmen und einen Organspendeausweis ausfüllen. Dabei geht es in erster Linie auch nicht darum ob JA oder NEIN angekreuzt wird, sondern dass diese schwere Entscheidung am Ende nicht den Liebsten aufgebürdet wird. 

Auf das Leben,
Miriam

 

Freitag, 11. Juni 2021

Tag der Organspende 2021

Am Wochenende war wieder der Tag der Organspende. Dieser Tag ist Miriam und mir immer sehr wichtig. Allerdings ging er diesmal aus Gründen... leider etwas bei uns unter. Trotzdem möchte ich hier noch ein paar Gedanken dazu aufschreiben, denn dummerweise kommen wir ohne so einen Tag in Deutschland noch nicht aus. Wir brauchen weiter die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Organspende ist immer noch ein Thema mit dem sich die meisten von uns eher nicht freiwillig befassen. Weiterhin gibt es zu wenig Spenderorgane. Und Menschen, die auf der Warteliste für ein Organ stehen, versterben leider während der Wartezeit, weil kein passendes Spenderorgan für sie kommt. Das ist traurig. Ich selbst habe auch ein paar Freundinnen und Freude verloren, die auf der Warteliste waren. 

Umso dankbarer bin ich für meine Spenderlunge und die Jahre damit. Was für ein großes Glück ich doch hatte, diese zweite Leben geschenkt zu bekommen.
Zusammen mit ein paar Freundinnen zählen wir schon einige geschenkte Jahre. Hoffentlich kommen noch viele weitere dazu.

Fotobeschreibung: Portraitfotos von Miriam(8), Sarah (3), Insa (7) und Elisa (8)

Laßt uns gemeinsam daran arbeiten, dass sich jede/jeder zumindest einmal mit dem Thema auseinander setzt und eine persönliche Entscheidung dazu trifft. Diese ist ja nicht "in Stein gemeißelt", sondern kann jeder Zeit geändert oder widerrufen werden. 

Infomaterialien zum Thema Organspende könnt Ihr z.B. bei der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) bekommen:

https://www.bzga.de/infomaterialien/organspende/

Organspendeausweise in 29 verschiedenen Sprachen (!!!) gibt es dort ebenfalls als pdf zum Runterladen: 

https://www.bzga.de/was-wir-tun/organ-und-gewebespende/

Bitte trefft eine Entscheidung und lasst Eure Angehörigen im Fall eines Falles nicht alleine mit so einer großen Frage.
Insa 


Freitag, 13. März 2020

Sechs Jahre

Geburtstagswochen! Ich gehöre zu der seltenen und überglücklichen Spezies, die zweimal im Jahr Geburstag hat! Und beide Geburtstage liegen auch nur ein paar Tage auseinander. (Gut - geschenketechnisch ist das nicht erste Wahl, aber egal.)
Da ist also mein "normaler" Geburtstag - doch der ist mir inzwischen tatsächlich gar nicht mehr so wichtig. VIEL wichtiger ist mein Lungengeburtstag. Und dieses Jahr ist es nun schon der Sechste. Sechs Jahre mit einer meiner Spenderlunge und wir beide verstehen uns weiterhin so gut. Das ist wirklich schön.
Ich mag meine Geburtstagswochen. Allerdings werde ich in diesen Tagen auch immer ein wenig sentimental. Zum einen denke ich an die Zeit vor sechs Jahren - und wie schlecht es mir damals ging. Erstaunlicherweise ist es mir ja erst hinterher (also einige Wochen/Monate nach der Transplantation) aufgefallen, WIE schlecht es mir damals ging. Aber wenn du mittendrin steckst, dann redest du dir die Sache oft schön oder versuchst erst Recht die guten Seiten und alles was noch halbwegs funktioniert zu sehen. Damals Anfang März 2014 habe ich gedacht, dass ich wahrscheinlich auch noch ein weiteres Jahr (es waren damals schon zwei Jahre) auf der Warteliste überleben werde. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher - und um so dankbarer für dieses zweite Leben.
Zum anderen denke ich in diesen Tagen auch immer an die Spenderfamilie. Und wie in den Jahren davor hoffe ich sehr, dass es ihnen gut geht und sie diese Tage gut überstehen. Der Verlust eines geliebten Menschen ist auch nach Jahren noch schwer und schmerzvoll.

Planungen und was dank Corona davon übrig bleibt


Normalerweise machen wir an meinem Lungengeburtstag immer einen Ausflug oder eine kleine Reise. Auch dieses Jahr hatte ich ein verlängertes Wochenende Berlin gebucht. Wir wollten ins Buchstabenmuseum :-) und nach Potsdam ins Barberini-Museum... lecker Essen und an der Spree spazieren gehen. Doch das alles ist nun abgesagt, weil der Corona-Virus und eine Ansteckung damit viel zu riskant wäre.
Also bleiben mein Mann und ich zu Hause, kuscheln uns aufs Sofa und genießen dieses großartige und wunderbare Geschenk, dass ich/wir erfahren durften und hoffentlich noch lange erleben dürfen.

Happy März!
Insa

Freitag, 31. Januar 2020

Soulshine-Selfie

Mein Weihnachtsgeschenk für Miriam war diesmal ein sogenanntes Soulshine-Selfie. Eigentlich malt frau/man so ein Selfie selbst, aber ich finde als Geschenk ist es genauso gut. Ein Soulshine-Selfie soll folgende Fragen beantworten:
Wofür bin ich dankbar?
Was ist in meinem Leben schön?
Was macht mir Spaß?
Womit verbringe ich gerne Zeit?
Es soll also auf die schönen Seiten des Lebens hinweisen und aufzeigen, dass es vieles gibt, an dem wir uns erfreuen.

Was macht das Leben lebenswert und liebenswert?


Gerade als Muko gibt es ja oft Tage, die frau/man gerne wieder vergessen möchte. Nervige Tage mit Arztbesuchen (und manchmal auch mit schlechten Nachrichten), mit Streß (mit der Therapie oder der Familie oder der Arbeit oder alles zusammen...), unfitte Tage oder einfach nur dunkle Tage. An solchen Tagen sollten wir uns besinnen auf die schönen Sachen und erkennen, dass nicht alles blöd, doof, nervig oder sonstwas ist. Leichter gesagt als getan - das weiß ich auch. Also Soulshine-Selfie her und sich freuen!
Bei Miriams Selfie musste ich nicht lange nachdenken, was alles reingehört: die Spenderlunge natürlich und alles was damit zusammenhängt, Disney durfte auf keinen Fall fehlen, Ballett auch nicht... ihre Familie, die Reisen und natürlich das Backen. Was noch? Miriam ist eine eifrige Postkartenschreiberin, sie liest gerne, sie mag alte Ruinen und deren Geschichte und hört zum Einschlafen immer Hörspiele. Außerdem ist Miriam ein Statistikfreak! Wir beide lieben das Meer und basteln/malen/zeichnen gerne (Miriam malt gerne Zentangle).
Das war dann doch eine ganze Menge, was ich sketchnoten konnte....

Besonders toll fand ich, als Miriam mir hinterher gesagt hat, dass sie für sich selbst auf gar nicht so viele Dinge gekommen wäre... Es ist doch schön, wenn frau/man auf diese Weise daran erinnert wird, was Wichtig oder Schön ist und was das Leben lebenswert macht.

Für mich habe ich im letzten Sommer ein Soulshine-Selfie gemalt.
Wie Ihr seht, ähneln sich ein paar Sachen... in ein paar Dingen unterscheiden wir uns natürlich auch (u.a. weil ich nicht so gehandicapt wie Miriam bin und mehr Sport treiben kann).

Und bei Euch? Wofür seid Ihr dankbar? Was macht Euer Leben lebenswert?
Was auch immer es ist - freut Euch drüber.
Insa

P.S. Falls Ihr mehr von meine Sketchnotes oder Letterings sehen wollt, guckt gerne auf meine Webseite www.klakadu.de 

Freitag, 3. Januar 2020

Widerspruchslösung

Normalerweise würden hier unsere Neujahrswünsche für Euch und uns stehen. Aber manchmal gibt es Wichtigeres.
In kürze entscheidet der Bundestag über die Widerspruchslösung bei Organspenden. Eines vorweg: Niemand soll gezwungen werden seine Organe zu spenden, nicht im Leben, nicht im Tod. Und niemandem werden die Organe ... na ja, wir möchten gar nicht all die schrecklichen Worte und Metaphern aufzählen, die kursieren (selbst in seriösen Zeitungen "Reaktion auf FAZ"). Denn solche Worte brennen sich ein, auch wenn wir sie in diesem Fall in der Verneinung verwenden würden.

In einer perfekten Welt würde es zum einen erst gar keine Organspenden benötigen, zum anderen würden sich alle Menschen von selbst mit dem Thema beschäftigen und die Organe gerne verschenken. Für mich als Organempfänger ist es doch auch schöneres Gefühl zu wissen, das mein*e Spender*in das wirklich wollte und nichts gegen seinen/ihren Willen passiert ist. Aber leider gibt es keine perfekte Welt und mit dem Thema Tod oder schwer krank zu sein, beschäftigen sich die wenigsten aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Und genau dort setzt die Widerspruchslösung an.
Bild: junge Frau blickt aufs Wasser - Text: Dein Leben. Dein Körper. Deine Entscheidung.

Was will die Widerspruchslösung?


Die Menschen sollen dazu gebracht werden, wenigstens einmal darüber nachzudenken "was wäre wenn". Dabei geht es aber um mehrere Fragen. Natürlich primär, würde ich meine Organe spenden wenn zweifelsfrei durch mehrere Ärzte der Hirntod festgestellt ist.
Dahinter verbergen sich aber auch Fragen wie:
"Würde ich ein Organ annehmen, wenn es um mein Leben geht."
"Würde ich wollen, dass mein Kind/Partner/Mutter/Vater... durch eine Organspende gerettet werden?"
Diese verborgenen Fragen ehrlich für sich selbst zu beantworten, wenn der Körper und alle um einen herum gesund sind, ist unglaublich schwer. Denn wir Menschen können leider nicht sagen, wie wir in bestimmten Situationen reagieren. Wäre ich in einer Notsituation in der Lage "Erste Hilfe" zu leisten, obwohl ich theoretisch weiß wie es geht? Könnte ich etwas essen, was ich jetzt verabscheue/verurteile wenn ich am verhungern bin... ?
Es gibt Situationen die so weit von unserer Realität entfernt sind, dass wir vielleicht bestimmte (moralische, ethische..) Vorstellungen haben, aber wenn es hart auf hart kommt doch anders entscheiden bzw. Dinge anders sehen.

Wir haben vergessen in welchem Land, aber irgendwo ist oder war es so, dass Menschen die ihre Organe nicht spenden wollen, auch keine bekommen, bzw. ganz unten auf der Empfängerliste stehen. Auf den ersten Blick doch eine logische Konsequenz. Aber damit tun wir uns schwer. Hier wird nicht nur der Organbrauchende "bestraft", sondern auch seine Familie und Freunde. Außerdem kommt zum Tragen, was wir vorher beschrieben haben: Wie sehr wir am Leben hängen und wie sehr sich unsere Einstellung zu verschiedenen Dingen in Notsituationen ändert, können wir alle nicht vorhersehen. Wir hatten auch schon Muko-Freunde, die immer gesagt haben, dass sie für sich selbst aus verschiedenen Gründen keine Transplantation möchten. Aber wenn das Alltägliche zum Kampf und jeder Atemzug zur Tortur wird, sind die meisten umgeschwenkt - oft war es dann leider zu spät. Damit wollen wir nicht sagen, dass die Transplantation der einzig richtige Weg ist -  jede Entscheidung ist richtig, mutig und zu akzeptieren!

Angehörige entlasten


Es geht aber noch um weitere Aspekte bei der Widerspruchslösung. Sich nicht zu Lebzeiten pro oder contra Organspende zu entscheiden bedeutet, dass im Fall des Falles die Familienangehörigen entscheiden müssen. In so einer Situation, in der die Welt ohnehin gerade Kopf steht, eine solche wichtige Entscheidung zu fällen ist unsagbar hart. Die Familie mit einem Organspendeausweis zu entlasten ist in unseren Augen dagegen mehr als fair. Wir haben nämlich schon von Spenderfamilien und auch Familien die sich gegen eine Spende entschieden haben gehört, die sich ihr ganzes weiteres Leben fragen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Manche werden nicht mehr froh, weil sie permanent in Frage stellen, ob sie richtig gehandelt haben und ob es nicht anders besser gewesen wäre...

Organhandel


Auch das Thema Organhandel kommt in dieser Diskussion immer wieder hoch: "Ich würde spenden, aber da machen sich nur alle die Taschen voll...". Erstens bestraft man mit dieser Einstellung wieder den Organbrauchenden und noch viel wichtiger: Gibt es genug Spender, gibt es keinen Markt mehr für Organhandel. In Deutschland profitiert finanziell eh niemand von einer Organspende. Dass man sich irgendwo im Ausland ein Organ "beschafft" ist ein anderes trauriges und zum Glück seltenes Thema, aber auch dieser "Markt" würde zusammenbrechen, wenn es mehr Spenderorgane gäbe.

Selbstbestimmung


Ein weiteres sehr großes Thema in Bezug auf die Widerspruchslösung ist die Selbstbestimmung. Die Bundesregierung würde das Grundrecht darauf verletzen. Jeder soll selbst bestimmen, darum geht es doch. Denn wenn ich nicht zu Lebzeiten eine Entscheidung welcher Art auch immer getroffen habe, dann sind andere gezwungen für mich zu entscheiden. Und wie schon weiter oben beschrieben, ist das eine ganz furchtbare Verantwortung die man seinen Lieben da hinterlässt.

Keine Entscheidung auf Lebenszeit


Wer sich für eine Organspende entscheidet (oder dagegen) fällt keine Entscheidung für immer und ewig. Bei der Widerspruchslösung ist es - wie jetzt auch schon - möglich, seine Entscheidung zu ändern oder zu revidieren. Innerhalb von Jahren kann sich die Meinung eines jeden zu bestimmten Themen ändern - und dementsprechend kann auch ein Organspendeausweis neu ausgefüllt oder abgeändert werden.


Der Hirntod


Bei vielen Diskussionen hören wir, dass das Wissen über den Hirntod, der eine Organspende voraussetzt, bei vielen fehlt oder Zweifel an der Diagnostik bestehen. Dazu möchten wir etwas klar stellen: Der Hirntod ist nicht dazu da, um Organspender zu finden. Der Hirntod wurde als Maßnahme und Diagnostik eingeführt, damit bei schwerstkranken Menschen die Ärzte und Angehörigen wissen, ob gegebenenfalls die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet werden können - dann nämlich, wenn der Patient hirntot, also irreversibel hirngeschädigt ist. Bei einer sehr schweren Schädigung des Hirns (z.B. durch Blutungen) wird der Mensch nur noch durch die Geräte am Leben gehalten - er oder sie wird nicht wieder aufwachen können. Das heißt wenn eine Hirntoddiagnositk durchgeführt wird, können die Angehörigen wirklich sicher sein, dass bei ihrem Verwandten keine Medizin und Therapie mehr helfen wird. (In vielen Fällen, in denen die Geräte ausgeschaltet werden, gibt es gar keine Hirntoddiagnostik...)

Auch die Angst, dass zum Beispiel nach einem Unfall nicht alles menschenmögliche getan wird, wenn bekannt wird dass der Verletzte ein Organspender ist, hören wir immer wieder. Dem ist natürlich nicht so. Außerdem können Organe auch nur gespendet werden, wenn der Kreislauf (durch Maschinen) aufrechterhalten wird und die Organe weiter mit Sauerstoff versorgt werden.

Wir sind gespannt wie sich der Bundestag entscheiden wird. Hier könnt Ihr noch die Petition für die Widerspruchslösung unterschreiben: Petition für die Widerspruchslösung.

Vielen Dank das Ihr Euch mit dem Thema beschäftigt

Miriam + Insa

P.S.: Organspendeausweise bekommt Ihr bei der Krankenkasse, oft in Apotheken und Arztpraxen oder Ihr bestellt euch welche z. B. hier (auch ein Download ist möglich):
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
organspende-info.de
Muko eV