Freitag, 27. September 2019

Salzvampir

Mein Mann ist ein Fan der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise". Ich steh' nicht so sehr diesen ganzen Sci-Fi-Kram, aber wenn man länger miteinander verheiratet ist, dann guckt der eine nun mal die Lieblingssachen vom anderen mit. Ich gucke also "Raumschiff Enterprise" (und "Raumschiff Voyager" und "The Orville") und er guckt dafür mit mir Liebesfilme. :-)

Zeichnung: Haggi Krey :-)

Letzte Woche zappten wir in eine alte Folge Enterprise hinein. (Wie ich jetzt recherchiert habe, war "Das letzte seiner Art" und eine der ersten Folgen der Fernsehserie.)
Es ging um folgendes: Eine außerirdische Lebensform hatte sich auf das Raumschiff geschlichen. Da dieses Wesen ein Formwandler war, konnte es sich in jedes Crew-Mitglied verwandeln (und auch so sprechen) und blieb deswegen lange unentdeckt. Für mich wurde das Alles interessant, als das Außerirdische anfing einzelne Personen "auszulutschen", weil er/sie/es (?) am liebsten Salz aß und an das Salz in den Menschen wollte. WOW. Wären Mukos an Bord gewesen, wäre es für diese Lebensform ein großes Festmahl geworden bzw. eigentlich hätte es uns nur ordentlich ablecken müssen und wäre satt gewesen! (Unsereins hat ja einen erhöhten Salzgehalt im Schweiß - siehe auch "Der wandelnde Salzleckstein".)

Am Ende wird das Ding von McCoy (dem Doktor) aus Notwehr getötet, weil es Kirk angriff. In einer Beschreibung, die ich dazu im Internet gelesen habe, wird das Außerirdische als "Salzvampir" bezeichnet. Wie passend. Man hätte das Wesen natürlich auch mit Salz füttern können... aber darauf sind Kirk und Co wohl nicht wirklich gekommen...

Eine ganz andere Sache, fand ich aber noch besser als die Idee des salzessenden Außerirdischen: Es gab an Bord eine Art lebende Pflanze, die gerne gestreichelt wurde... sehr geil (die Pflanze hätte auch aus der Muppet Show kommen können).

Beam me up,
Insa


Freitag, 20. September 2019

Wiedersehen im Krankenhaus

In den letzten knapp 20 Jahren war ich (bis zu meiner Lungentransplantation) immer halbjährlich in "meinem" Krankenhaus zu den zweiwöchigen Antibiosen. Das Oststadtkrankenhaus in Hannover war ein kleines und übersichtliches Krankenhaus mit familiärer Atmosphäre. Irgendwann kannte ich (mehr oder weniger) alle Leute dort: die Damen an der Anmeldung (die sich jedes Mal freuten, wenn sie mich sahen), die Schwestern auf Station (denen ich nicht jedes Mal neu erklären musste, wie und warum ich z.B. die Antibiotika höher aufgelöst brauchte), die Oberärzte und Profs bei der Visite, die Damen bei der Lungenfunktion und beim EKG....

Kurz nach meiner Lungentransplantation wurde das Oststadt geschlossen und mit dem Siloah-Krankenhaus zusammengelegt. Dafür wurde ein größeres neues Krankenhaus gebaut - was ich vom Timing her echt schade fand... gerne hätte ich auch mal im neuen Krankhaus meine Antibiose genommen (denn das Oststadt war wirklich alt und marode...).

Erhöhtes Krebsrisiko


Da bei Transplantierten das Krebsrisiko (wegen der Immunsuppressiva) erhöht ist, müssen wir regelmäßig zu Kontrollen (z.B. zum Hausarzt). Und weil Mukos leider ein höheres Darmkrebsrisiko haben, sollen wir möglichst jährlich zur Darmspiegelung.
Theroretisch könnte ich diese Untersuchung ambulant machen - aber mein Kreislauf hat leider durch das massive Abführen Probleme und deshalb mache ich die Spiegelung inzwischen lieber stationär. Wie es der Zufall so will, führt mich diese Untersuchung nun jedes Jahr ins Siloah.

Klassentreffen auf Station 2B


Vorletzte Woche war es wieder soweit und ich hab im Siloah eingecheckt. Es ist ein wirklich schönes und freundliches Krankenhaus (und obwohl es deutlich größer ist, als das Oststadt, ist es immer noch übersichtlich und familiär). Das Witzige dabei ist, dass "meine" alten Leute von "meiner" alten Station nun überall im Krankenhaus verstreut sind und ich einigen immer mal über den Weg laufe.
Als ich auf Station ankam, gab es ein großes Hallo! Gleich drei bekannte Schwestern von früher warteten dort auf mich. Das war eine schöne Überraschung und ich habe mich wirklich sehr über das Wiedersehen gefreut - ebenso die Schwestern. Wir hatten uns seit fast sechs Jahren nicht gesehen. Beim letzten Mal hing ich noch am Sauerstoff und war nicht mehr wirklich fit. Mich jetzt so wiederzutreffen, nach der Lungentransplantation, war für uns alle eine große Sache. Und ich fühlte mich auf der neuen Station gleich wieder wie zu Hause. :-)

Bei der Darmspiegelung war dann glücklicherweise alles ok. Im nächsten Jahr bin ich wieder da....
Insa




Samstag, 14. September 2019

6 Jahre: Meine Lunge und ich feiern "Einschulung"

Anfang August hatte ich meinen sechsten Lungengeburtstag. 

Sechs Jahre... Wahnsinn. Nachdem ich vorher des öfteren rumgeunkt habe, dass "wir" (meine Lunge und ich) jetzt das Alter haben, um eingeschult zu werden, bekam ich tatsächlich Schultüten - klassisch gefüllt mit Süßkram, Stiften und Blöcken. Das fand ich echt süß. Und ratet mal welches Design die Schultüten (ohne Absprache) hatten!? Natürlich Disney "Frozen" *lach*.
Ziemlich spontan kamen einige Freunde vorbei und es wurde ein richtig schöner Lungengeburtstag. Natürlich schwelgten wir in Erinnerungen, in schönen und in traurigen, und es ist auch einer der Tage, an dem ich und mein Umfeld noch einmal besonders an meinen Spender/Spenderin und seine/ihre  Angehörigen denken. Das hört sich inzwischen wahrscheinlich schon abgedroschen und langweilig an, aber ich kann, genau wie Insa, immer nur sagen wie unglaublich dankbar ich meiner Spenderfamilie bin und wie sehr ich hoffe, dass es ihnen gut geht, sie den Verlust einigermaßen verarbeitet haben und vielleicht etwas Trost finden bei dem Gedanken, dass etwas von dem geliebten Menschen weiterlebt und wertgeschätzt wird.
Sechs Jahre... wird nicht immer gesagt, dass mit der Einschulung auch die ganzen Kinderkrankheiten durch sind? Also alles was in den Jahren im Kindergarten aufgeschnappt wird und womit das Immunsystem quasi trainiert wird. Ich wäre dafür! Mein Körper hat sich jetzt sechs Jahre lang ausgetobt mit kleinen und größeren Problemen, das darf nun gerne enden. Die Liste an Dingen, die ich gerne machen oder zumindest ausprobieren würde ist lang. Da warten schon so lange Radtouren, Hochseilgärten, Kletterhallen, Wandernadeln und vieles mehr auf mich. Seit Monaten war ich nicht mehr bei meinen Ballett-Lieblingsmenschen und trotzdem hoffe ich immer noch ein ganz kleines bisschen, dass ich es irgendwann schaffe regelmäßig mitzutanzen und ein Mal bei einer Aufführung der Ballettschule dabei zu sein. Vielleicht führen sie mal Märchen auf, dann bin ich die alte Oma im Schaukelstuhl, die die Märchen vorliest :-).
Meine Lunge und ich sind jedenfalls bereit, jetzt müssen nur noch meine Knochen und Muskeln den Dreh finden. Auch ein kleiner Energieschub, der die ständige Kraftlosigkeit und Müdigkeit beiseite drängt, wäre willkommen. 
Sechs Jahre... sechs geschenkte Jahre, die mir keiner mehr nehmen kann. 

DANKE!

Miriam

P.S.: Wenn das jetzt die Einschulung war, dann wartet mal ab bis meine Lunge und ich in die Pubertät kommen ;-)

Sonntag, 1. September 2019

12. Mukoviszidose-Spendenlauf Hannover

Fazit vom Muko-Spendenlauf 2019? Schön war's. Warm war's! Doch der Reihe nach...

Das Wetter...


Fragt mich nicht warum - aber in den letzten Jahren war es immer sehr warm beim Muko-Spendenlauf. In den zwölf Jahren, in denen in den Lauf nun schon organisiere, hatten wir 1x Nieselregen - ansonsten immer feinsten Sonnenschein. Ok, manchmal könnten die Temperaturen etwas niedriger sein und nicht immer an den 30°C kratzen... aber da ich nun mal die tollsten und motiviertesten Läufer von der ganzen Welt habe, kommen alle immer zahlreich und laufen und laufen und laufen, egal wie hoch die Temperaturen auch sind.

Das Ergebnis...


In diesem Jahr war es wieder voll auf der Strecke. 405 Läufer und einige Hunde waren am Start und insgesamt wurden 9626 Runden gelaufen. Davor habe ich sehr großen Respekt. Ich bin in den vier Stunden, in denen der Muko-Spendenlauf angessetzt ist, immerhin zehn Runden gegangen - und war am Ende so kaputt, als wäre ich bei den anderen Läufern jede einzelne Runde mitgelaufen.

In den letzten Tagen haben wir nun alle Laufzettel ausgewertet und alles zusammengezählt. Ich freue mich die supertolle Spendensumme von 26.053 Euro verkünden zu können. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben (Danke an die Läufer, Danke an die Sponsoren, Danke an die Helfer vor Ort, Danke an die Band "The Boppin Blue Cats", Danke an den Platzwart vom Sportplatz Hasenheide, Danke an die Sanitäter vom ASB und Danke an meinen Fotografen Helge Krückeberg). Ich finde es ganz großartig, dass Ihr alle jedes Jahr wieder so engagiert seid und mich bzw. uns Mukos unterstützt. Wie in allen Jahren auch, geht die ganze Spendensumme (und auch die Startgelder) an das Haus Schutzengel vom Mukoviszidose e.V..

Die Läufer


Schon im Vorfeld bekam ich sehr viele Anmeldungen von Firmen und Laufgruppen. Diese kommen dann oft mit der ganzen Familie - was mich wirklich sehr freut, weil der Spendenlauf genau so gedacht ist: für die ganze Familie.

Ein Highlight war wieder die Laufgruppe "Crocodiles", die auch in diesem Jahr in Kostümen auf die Laufbahn stürmten. Ich kann jetzt ehrlich behaupten, dass bei mir Erni + Bert, Bibo, Elmo, Kermit und Co mitlaufen. MEGA!

Bei diesen Temperaturen wurden keine neuen Rundenrekorde aufgestellt - aber das habe ich auch nicht erwartet. Die beste Läuferin war mit 80 Runden am Start, ebenso der beste Läufer. Das sind wirklich beeindruckende Zahlen.
Und weil es bei uns so schön ist (oder weil es einem Sponsor versprochen wurde)... tanzten zwei Läufer ihre letzte Runde!

Alles rund?


Zugegebenermaßen lief diesmal bei den Vorbereitungen nicht alles so rund wie in den letzten Jahren. Die bisherigen Pächter der Vereinsgaststätte haben im Juni dieses Jahres aufgehört und es war lange Zeit nicht klar, ob es einen neuen Pächter geben wird. Am Ende konnte ich Bratwurst (im Biergarten der Veinsgaststätte) und Crepes (von einem Crepes-Stand) für die Läufer + Zuschauer anbieten und alle waren zufrieden.
Ein paar Tage vor dem Lauf fiel meine Fotografin kurzfristig aus... doch glücklicherweise fanden wir schnell Ersatz (Danke Helge!).

Ich organisiere den Muko-Spendenlauf Hannover nun seit 12 Jahren komplett als "ein-Frau-Team" (nur bei der Veranstaltung selbst habe ich viele Helfer vor Ort). Da der Lauf in den Jahren immer größer und erfolgreicher geworden ist, kann ich das alles nicht mehr alleine stemmen. Es wird einfach zu viel. Am Sonntag konnte ich schon mit ein paar potentiellen Orga-Helfern sprechen. Ich hoffe, wir bekommen das irgendwie hin und bilden ein Orga-Team, damit es auch im nächsten Jahr einen Muko-Spendenlauf geben kann. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Jetzt erstmal ausruhen...
Insa

(Alle Fotos: Helge Krückeberg)

P.S. Den offiziellen Rückblick auf den Lauf und noch viele, viele Bilder findet Ihr auf der Webseite vom Muko-Spendenlauf.



Freitag, 16. August 2019

Inhalation

Ein wichtiger Pfeiler bei der Therapie von Mukoviszidose ist die Inhalation. Inzwischen gibt es viele verschiedene Systeme und Anbieter aus den Bereichen Feucht- und Trockeninhalation. Die Deutsche Atemwegsliga e.V. hat sich u.a. zur Aufgabe gemacht über die verschiedenen Systeme per Video zu informieren.
Diese Videos findet Ihr auf den Seiten:

Link zur Deutschen Atemwegsliga: https://www.atemwegsliga.de/richtig-inhalieren.html

Außerdem gibt es dort auch noch ein Video zum Cornet (Hilfmitteln für Atemtherapie).
https://www.atemwegsliga.de/nicht-medikamentoese-massnahmen.html

Auch bei MukoTV gab es vor einiger Zeit ein Video zum Thema Inhalation:

Beide Seiten bieten einen sehr guten Überblick und viele Informationen.

Täglich inhalieren


Ich selbst habe in den letzten 35 Jahren (bis zur Lungentransplantation) 5x am Tag inhaliert (davor ein oder zwei Mal am Tag)... wenn ich überlege, was für Zeit dabei immer draufgegangen ist... dann noch die Reinigung hinterher... aber ohne wäre ich wahrscheinlich gar nicht so weit gekommen.
Als ich im Kindesalter mit den Inhalationen angefangen habe, hatten wir noch einen riesigen grauen und vor allem lauten Inhalator. Da hat sich das Equipment in den letzten Jahrzehnten doch deutlich verbessert...

Insa



Freitag, 9. August 2019

Mit dem Wattwagen nach Neuwerk

Als ich drei Jahre alt war, haben meine Eltern mit mir eine Wattwagenfahrt von Cuxhaven nach Neuwerk (und zurück) gemacht. Ich habe an diesen Ausflug Null Erinnerung - außer, dass ich die Kutschfahrt richtig toll fand. Die Fahrt nach Neuwerk (man/frau kann auch wattwandern oder mit dem Schiff hinfahren) ist eigentlich eine Touristenattraktion - aber ich wollte diesen Ausflug schon lange einmal wiederholen.
1976 auf Neuwerk...

Geschenk zum Lungengeburtstag


Zu meinem 5. Lungengeburtstag bekam ich von meinen Eltern nun eine gemeinsame Wattwagenfahrt geschenkt und habe mich riesig darüber gefreut.
Die größte Herausforderung war dann ein passendes Wochenende zu finden, an dem wir alle Zeit haben und an dem auch die Tiede stimmt.... Glücklicherweise hat im Juli alles gepasst und der Ausflug wurde geplant.

Sonne & Wind


Mein Tipp an alle, die gerne mal eine Wattwagenfahrt machen wollen: Sonnencreme und Sonnenhut nicht vergessen! Und Klamotten für den "Zwiebellook" einpacken. Auch wenn die Sonne scheint, ist es oft windig da draußen im Watt. Das bedeutet aber auch, dass man die Sonne manchmal gar nicht so merkt, weil der Wind einen schön kühlt.

Ich hatte also alle wichtigen Utensilien und Pulli und Jacke eingepackt und um 12 Uhr mittags saßen wir auf dem Wattwagen, bereit für die Fahrt. Die Pferde Pia und Seppel sollten uns in 1,5 Stunden nach Neuwerk bringen. Dort gab es eine Stunde Aufenthalt (was recht knapp ist) und eine Stunde würde die Fahrt zurück dauern.

Vier Kutschen starteten in Cuxhaven Döse und allein die Fahrt durch die Straßen (bis zum Strand) war schon großes Kino: Kutschen, Autos und Busse... zwischendurch Winken wie die Queen - weil Kinder am Straßenrand stehen und auch winken! :-)
Im Watt war es dann total schön. Tolle Luft (was Mukos ja immer gerne mögen!), weite Sicht, zu hören nur die Pferde und der Wind - und ein paar Möwen. Sehr entspannend das Ganze.
Ein Highlight auf der Fahrt ist definitiv die Durchquerung des tiefen Priels - und mit tief meine ich TIEF. Die Pferde standen bis zum Bauch im Wasser und wir mussten alle die Füße hochnehmen, weil auch in die Kutsche das Wasser einlief! Ich habe wirklich großen Respekt vor den Tieren, dass diese die Durchfahrt durch das tiefe Wasser jeden Tag mitmachen.
Auf Neuwerk angekommen sind wir zuerst auf den Leuchtturm gestiegen. Es geht 138 Stufen in die Höhe und dann gibt es einen fabelhaften Ausblick auf Cuxhaven oder die Nordsee bzw. das Watt.


Von oben konnte man die vielen Kutschen sehen, die alle nach Neuwerk gefahren waren - ich habe wohl 20 Kutschen gezählt.
Oben ist es richtig windig...
(Das Haare kämmen hat am Abend keinen Spaß gemacht!!!)

 

Von Niedersachsen nach Hamburg


Es war ein superschöner Ausflug und ich habe ihn von Anfang bis Ende genossen. Neuwerk gehört übrigens nicht nach Niedersachsen, sondern nach Hamburg...


Hummel, Hummel,
Insa

Freitag, 2. August 2019

Zwischen Herz-Lungen-Maschine und Disneyland -die letzten Tage vor meiner Lungentransplantation

Vor gut zehn Tagen bin ich aus unserem jährlichen Disneyland-Urlaub zurückgekommen. Natürlich war es wie immer total toll und mega anstrengend. Aber es waren auch mal wieder andere Gedanken mit im Gepäck. Während ich dies hier schreibe, denke ich sechs Jahre zurück. Zu der Zeit lag ich auf der Intensivstation an der Wach- ECMO (eine Art Herz-Lungen-Maschine, am Ende des Textes gibt es dazu noch eine extra Erklärung). Gerade einmal 3 1/2 Wochen vorher war ich zu meinem Geburtstag noch in Disneyland. Dass es mir recht schlecht ging war natürlich klar, aber dass sich dann alles so schnell so dramatisch zuspitzt, damit hätte niemand von uns gerechnet. Ganz im Gegenteil, zum Vergleich mit den Monaten davor, fühlte ich mich ziemlich gut und erinnere mich noch ganz genau, wie ich in Disneyland einmal "schnell" ohne Sauerstoff in einen Laden gegangen bin. Das war ein besonderer Moment, den genau zu erklären wäre jetzt zu ausschweifend. Außerdem hatte ich einen mega tollen Geburtstag dort. Die Sonne schien, meine Muko-Freundin aus Paris schickte mir Blumen ins Hotel, Kuchen mit Kerzen am Frühstückstisch und das obligatorische Ständchen von den Castmembern. Wir genossen unsere Tage dort sehr. Die Rückfahrt war allerdings eine der Schlimmsten die wir je hatten. Dass ich danach einige Tage Erholung brauchte, war dann eigentlich ganz normal. Schnell merkte ich, dass meine eh begrenzte Belastbarkeit schlechter wurde, aber auch das machte mir nicht zu viel Sorgen. Schließlich waren fast 2 1/2 Monate seit der letzten IV Therapie vergangen (Antibiotika über die Vene) und es wurde halt wieder Zeit.

Die letzten Tage...

Ich ging wie immer in mein Heimatkrankenhaus und startete meine IV - mit all den üblichen Nebenwirkungen, mit denen ich die letzten Jahre immer zu kämpfen hatte. Auf genau diese schob ich meinen immer schlechter werdenden Zustand. Vor allem bei den Fieberschüben hatte ich enorme Probleme mit dem Atmen, aber auch das war nicht wirklich neu. Am vierten Tag, ein Freitag, hatte meine Familie einen Grillabend geplant. Ich wohne nur 10 Minuten vom Krankenhaus entfernt und bin häufiger abends mal nach Hause gefahren. An dem Abend wäre ich aber am liebsten in der Klinik geblieben und es war der erste Tag an dem ich wusste, dass hier was ganz gründlich falsch läuft. Da ich aber meine Familie nicht enttäuschen wollte ließ ich mich wie gewohnt abholen, aber auch möglichst schnell wieder zurück bringen. Ab Samstag konnte sogar jeder Außenstehende zusehen, wie es mit mir Bergab ging. Am Sonntag kam extra noch meine Physio vorbei um mir etwas Erleichterung zu verschaffen, aber es ging nix mehr. Ich konnte nicht mal mehr für ein paar Minuten von der Maskenbeatmung weg und jeder Atemzug war ein Kampf. Leider gab es noch kein freies Bett in meiner Transplantationsklinik und so mussten wir noch die Nacht überstehen. Zum Glück hatte ich dort unglaublich tolle Krankenschwestern und ich bekam ein 2er Zimmer, so dass meine Mutter bei mir bleiben konnte. An Schlaf war gar nicht zu denken. Die Nacht war die Schlimmste und trotzdem gleichzeitig auch schönste Nacht meines Lebens (wieder ein Thema für sich).

Transport in die Transplantationsklinik

Das Warten auf einen freien Intensivkrankenwagen am nächsten Tag war mehr als eine Geduldsprobe. In meiner Transplantationsklinik musste / durfte ich erst noch auf die normale Station und ein paar Tage, die ebenfalls diesen Text sprengen würden, haben wir alle alles mögliche probiert mich zu stabilisieren. Leider ohne Erfolg und an einem Punkt wusste ich dann, dass ich jetzt einfach nicht mehr kann.

Plötzlich ging es sehr schnell. Ich wurde auf die Intensivstation gebracht und zum Glück habe ich ab dem Punkt erst einmal nichts mehr mitbekommen. Eine "normale" Beatmung reichte nicht, es war einfach nicht mehr genügend funktionierendes Lungengewebe übrig. Daher kam ich an die ECMO und wurde wieder "geweckt". Ich sollte nämlich möglichst viel "mit atmen" um meine Atemmuskeln nicht zu verlieren (siehe die Erklärung am Ende des Textes). Zum Glück konnte ich zumindest schriftlich kommunizieren und es war immer (zu den erlaubten Zeiten) jemand bei mir, hauptsächlich meine Mama. In so einer Situation jemanden an seiner Seite zu haben, ist so unglaublich wichtig!!! Ohne hätte ich sicher nicht die Kraft gehabt. In den folgenden Tagen mehrten sich die Komplikationen, aber es wurden auch Bilder aufgehängt, Freundinnen kamen vorbei und Wassereis essen war ein unglaubliches Highlight.

Happy End und Dankbarkeit

Na ja, und da ich dies hier gerade schreibe, wisst ihr, es gab doch noch ein Happy End. Ein fremder Mensch und vor allem seine Angehörigen haben mit ihrer Entscheidung für eine Organspende mein Leben gerettet. Diese Dankbarkeit kann man nicht in Worte fassen.

Es gäbe noch unglaublich viel dazu zu erzählen, aber hier erlöse ich Euch erst einmal. Und um auf den Anfang des Textes zurückzukommen: All diese Erinnerungen reisten dieses Mal besonders intensiv mit. "Weißt du noch, vor sechs Jahren um diese Zeit..." war wohl der meist gesprochene Satz. Und umso erstaunlicher / besonderer (gibt's das?) war es, ohne zusätzlichen Sauerstoff frei atmend dort zu stehen und eine so schöne Zeit zu erleben.

Lasst es euch gut gehen,
Miriam

ECMO

Die ECMO ist eine Herz-Lungen-Maschine, aber fragt mich bitte nicht ob und wenn ja welchen Unterschied es zur "normalen" Herz-Lungen-Maschine gibt. Durch einen dicken Zugang wird das Blut in die Maschine geleitet und nicht nur mit Sauerstoff versorgt, sondern auch vom CO2 (quasi die alte Luft) befreit. Über einen zweiten fetten Zugang kommt das Blut zurück in den Körper. Ich durfte mich möglichst nicht bewegen, damit diese beiden lebenswichtigen Schläuche nicht verrutschen. Zusätzlich wurde ich durch einen Luftröhrenschnitt beatmet. Das ist nicht immer so. Manchmal wird die ECMO auch als Unterstützung (zum Beispiel nach einer Lungentransplantation) angeschlossen, damit die Lunge / der Körper sich besser erholen kann.

Warum Wach-ECMO?!

Nun werden sich bestimmt einige fragen, warum man nicht einfach schlafen gelegt wird, damit man das ganze Elend und die teilweise aufkommende Panik nicht mitbekommt. Das hat einen sehr wichtigen Grund: Um Atmen zu können, braucht es neben einer funktionierenden Lunge auch Muskeln. Und je länger jemand beatmet wird, desto mehr Kraft verlieren diese Atemmuskeln. Ergo wird es immer schwieriger nach der erfolgreichen Lungentransplantation, selbstständig zu atmen und es dauert viel länger, komplett von der Maschine wegzukommen. Daher wurde ich immer wieder dazu angehalten "mit zu atmen", auch wenn es für die Sauerstoffversorgung so gut wie sinnlos war. Das war wirklich sehr anstrengend. Zusätzlich hat es den Vorteil, das ich auch vorsichtig und natürlich stark begrenzt Arme, Beine und so weiter leicht "trainieren" konnte. Dies alles half um nach der Transplantation möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen.