Donnerstag, 31. Dezember 2020

Unser persönlicher Rückblick auf 2020

Manchmal läuft das Leben anders als geplant - und seien wir ehrlich: wir Mukos kennen doch nur allzu gut solche Situationen... und wir wissen, dass wir schnell mal umplanen und umdisponieren müssen. Flexibilität gehört zu Mukovisziose irgendwie dazu. Und so haben wir auch versucht 2020 zu handhaben. 

Wir hatten beide diverse Aktivitäten für dieses Jahr geplant und wie viele von Euch mussten wir diverse Sachen von unseren Listen streichen - aber (und das ist das Positive) es kamen auch unverhofft neue und schöne Termine hinzu.

Was bleibt uns im Gedächtnis?

Durch den Podcast Coronavirus Update von NDR Info gab es alle wichtigen Infos Rund um die Pandemie. Das hat uns sehr geholfen die Pandemie und alle Vorsichtsmaßnahmen zu erkennen und die Situation richtig einzuordnen. 

Wie schon in einem der vorherigen Beiträge mal kurz erwähnt, haben wir beide durch diesen Podcast dieses Medium erst richtig kennen- und schätzen gelernt.

Insas hat für Euch ihre derzeitigen Lieblings-Podcasts aufgelistet:

eat.read.sleep. vom NDR - ein Bücherpodcast mit sehr engagierten ModeratorInnen und tollen Buchbeschreibungen /Inhaltsangaben (ich bekomme dabei immer Lust zu lesen)

Paaradox von Brigitte - ein Podcast zu/über Beziehung, Partnerschaft, Ehe und alles was damit zu tun hat. Die Folgen sind sehr unterhaltsam, interessant und informativ - für junge und alte Paare oder die die es werden wollen!

Die Neue Norm von BR2 - ein Podcast bei dem es um verschiedenste Aspekte Rund um das Thema Behinderung geht

Insas Jahr

Natürlich...

  • wäre ich in diesem Jahr gerne in den Urlaub an die Ostsee gefahren
  • hätten ich gerne wie geplant Berlin und Bonn an langen Wochenenden erkundet
  • wäre ich zum Konzert von Paul McCartney gegangen....
  • hätte ich gerne das Sketchnote Barcamp Hannover besucht und mich vor Ort mit 100 Buchstaben- und StifteliebhaberInnen getroffen und ausgetauscht
  • hätte ich gerne an einem Sketchnote-Workshop in Berlin teilgenommen

Aber passiert ist dieses: 

Kein Urlaub am Meer - sondern auf Balkonien (und dort isses glücklicherweise auch sehr schön).

Die verlängerten Wochenenden fielen ins Wasser. Dafür gab es zwei Kurztrips zu zwei Beerdigungen - Ok. nicht unbedingt der schönste Anlass für einen Ausflug, aber ich war froh, dass ich (wir) auf den Beerdigungen dabei sein konnten und Abschied nehmen durften.

Paul McCartney hat sein Konzert in Hannover ersatzlos gestrichen - aber der Pianist Igor Levit hat während des ersten Lockdowns fast jeden Abend ein Live-Konzert via Twitter und Instagram gegeben. Das war sensationell. So viele Konzerte hätte ich im "echten Leben" niemals hintereinander besucht.

Das Sketchnote Barcamp Hannover wurde kurzerhand ins Internet verlegt und nicht nur das: es gab im Dezember noch ein weihnachtliches Sketchnote Barcamp, ich war auf dem Sketchnote Connect Barcamp (internationales Online-Meeting der Sketchnoter-Szene) und beim WissVibes Barcamp (zur Wissenkommunikation).

Dazu gab es unzählige tolle Onlineangebote wie Kritzelspiele, den Lettering Stammtisch Hannover, VizThinks, Meetups und den Power of Visuals Weekathon. Natürlich waren auch diverse Online-Workshops am Start, so dass ich den gestrichenen Workshop in Berlin ganz gut verkraften konnte! :-) Außerdem habe ich mit zwei Instagram-Freundinnen ein eigenes Sketchnote-Format an den Start gebracht: #sonntagssketchen

Alles in allem kann ich tatsächlich sagen, dass es in großen Teilen und trotz Einschränkungen und Homeoffice ein ganz gutes Jahr war. Ich habe online tatsächlich viele tolle neue Menschen getroffen, habe viel gelernt und hoffe sehr dass einige von den Online-Formaten auch nach der Pandemie noch weitergeführt werden.

Miriams Jahr

Auch ich habe mir 2020 natürlich deutlich anders vorgestellt. Und die Isolation und soziale Distanz haben Spuren hinterlassen. Dazu kamen auch andere Herausforderungen, die durch Corona nicht einfacher zu handhaben waren. Meine Schmerzen haben nun auch meine Hände erreicht, was mir gerade jetzt Sorgen macht, wo "Stillbeschäftigungen" wieder so wichtig sind. Monatelang war ich bei diversen Untersuchungen um einen Tumor auszuschließen und bin überglücklich, dass nichts gefunden wurde. Im Spätsommer stürzte meine Mutter, die schon vorher stark eingeschränkt in ihrer Bewegung war und diese neue Situation zu händeln und zu organisieren hat mich körperlich und mental an meine Grenzen gebracht. Vor allem hat es mir wieder einmal vor Augen geführt, wie fragil unser System hier zu Hause ist und wie wenig Energiereserven ich habe. Das Gute daran: All diese Situationen habe ich / haben wir, gemeistert und darauf darf man dann auch mal stolz sein. 

Aber natürlich hatte das Jahr trotz allem auch schöne Momente:
Nur Fünf Tage bevor ich den Rat zur Isolation bekam, war ich Ende Februar mit meiner Schwester noch in Bonn. Redaktionssitzung des Muko eV, Haribo leer kaufen, eine Muko-Freundin treffen und lecker essen gehen. Ich durfte auch noch einmal in einem Gymnasium zum Thema Organspende sprechen und beim Tag der Organspende stolz meine "6" online präsentieren. Im August konnte ich mit meiner Familie bereits meinen siebten Lungengeburtstag feiern, was für mich weiterhin ein Wunder ist und ich meiner Spenderfamilie unbeschreiblich dankbar bin. Auch am Muko-Spendenschwimmen Königslutter und dem Muko-Spendenlauf Hannover konnte ich teilnehmen - in diesem Jahr natürlich vor der eigenen Haustür, anstatt gemeinsam mit anderen.

Außerdem habe ich ähnlich wie Insa ein neues Hobby gefunden und auch dort eine tolle Internetgemeinschaft aufgetan. Diamond Painting und ein bisschen Perlensticken haben mir das Jahr gerettet. Ich habe auch Lust mal wieder andere Dinge wie kreuzsticken, häkeln, stricken und ähnliches zu machen, ich war als Kind schon handarbeitsbegeistert. 😊 Mein Tag dürfte also auch in der jetzigen Zeit gern 48 Stunden haben. Gerade in der ersten Hälfte des Jahres wurde es ein Ritual mich abends hinzusetzten, an meinem Diamond Painting Bild zu arbeiten und dabei den NDR Podcast mit Herrn Drosten zu hören. Auch Hörbücher habe ich in diesem Jahr für mich entdeckt. Und auch wie Insa schon geschrieben hat, haben mir online Angebote vieles möglich gemacht. Neben meinen neuen Hobbys konnte ich endlich mal wieder meine Ballett-Mädels in Aktion "sehen", Redaktionskonferenzen klappen super online und auch unsere erste online Weihnachtsfeier der CF-Selbsthilfe Braunschweig war echt schön. 
Für 2021 würde ich mir etwas von der Stimmung zu Beginn des ersten Lockdowns wünschen. Die Empahtie für andere, die Hilfsbereitschaft, die kreativen Ideen und das "wir"-Gefühl. Es war eine ganz besondere Stimmung, an die ich gern zurückdenke und die zu diesen Erinnerungen gehört, die ich wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch fühlen kann.

Wir hoffen auch Ihr konnten zwischendurch mal da C-Wort ausblenden und habt etwas Positives auf das Ihr zurück blicken könnt.

Kommt alle gut ins neue Jahr,
Miriam und Insa 


Donnerstag, 24. Dezember 2020

Frohe und gesunde Weihnachten

Ihr Lieben,

wir wünschen Euch ein schönes, entspanntes und gesundes Weihnachtsfest (welches wahrscheinlich etwas anders ausfällt als in den Jahren zuvor...). Macht das Beste draus. Genießt das Sofa, die Weihnachtsplätzchen und den geschückten Tannenbaum. Singt laut Weihnachtslieder oder guckt zum 10. Mal "Drei Nüsse für Aschenbrödel" - Hauptsache Ihr lasst es Euch gut gehen.

Frohe Weihnachten,
Insa + Miriam

P.S. Falls Ihr an Weihnachten allein seid oder niemanden habt, mit dem Ihr sprechen könnt oder die ganze Corona-Sache Euch nach wie vor Angst macht oder... es gibt Hilfe für Euch:
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar - per Telefon 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123 oder per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de

Montag, 14. Dezember 2020

Für euch getestet: Maskenhalterungen / Gestelle für unter den Mundschutz

Vielleicht habt ihr auch schon einmal (oder häufiger) Werbung dafür gesehen: Solche Silikon-Stützgitter, die man unter den Mund-Nasen-Schutz packen soll um besser Luft zu bekommen. Wobei, Atmen wird überbewertet, beworben werden diese Dinge unter anderem als Lippenstift- und Make-up Schutz. Das sind die Prioritäten. 

Für welchen Mund-Nasen-Schutz

Mit den normalen Einmal-Masken habe ich eigentlich keine Probleme. Aber gerade dort, wo das Risiko besonders groß ist (Krankenhaus, Arztpraxen) oder wo ich weiß ich bin länger unter Menschen (z. B. der große Supermarkteinkauf), da greife ich auf den Urbandoo zurück (unbezahlte Werbung!). Eine Art Loop-Schal, der einen FFP3 Filter besitzt. Mit dem fühl ich mich deutlich sicherer, aber das atmen ist halt auch schwerer. Ich bin schnell recht pustig und der Stoff zieht sich dann doll an/in den Mund. Funfact: Ich führe häufig die umgekehrte Diskussion an der Supermarktkasse. Ich höre mich scheinbar so schlecht an, dass die Kassiererin mich bittet den Mundschutz abzunehmen, damit ich nicht umfalle. Während ich sehr bestimmt sage, dass ich den Schutz auf gar keinen Fall absetze. :-) Keine Sorge, meine Sauerstoffsättigung ist dabei völlig ok. 

Vor- und Nachteile

Zurück zum Urbandoo und meinem Test. Ich habe einiges versucht um den Urbandoo für mich angenehmer zu machen - bestimmte Falttechniken bringen etwas Erleichterung, aber lange nicht genug. Das Silikon-Stützgitter welches ich probiert habe war ein 5er Pack für etwa 14 Euro (inzwischen sind sie noch günstiger). Das Silikon ist ziemlich fest, für mich aber okay. Ich hatte beim vorhalten ganz kurz so etwas wie Panik, da mein Körper mit dem Gefühl einer Maske unbewusst irgendwas mit den Beatmungszeiten verbindet. Das war mir letztes Jahr schon aufgefallen, als ich eine Volltauchermaske probiert habe. Das ist aber wirklich nur eine Kopfsache, da dieses Gestell ja komplett frei und durchlässig ist. Ich habe mich dann auch schnell dran gewöhnen können und muss sagen, unter dem Urbandoo wirkt das Ding Wunder. Ich bin ganz ehrlich begeistert. Positiv ist zusätzlich, dass das Ding in den Geschirrspüler kann. Negativ dafür, dass es keine richtige Halterung gibt. Bei mir hält es durch den Druck vom Stoff automatisch (dicker Kopf *lach*). meine Schwester musste ein extra Band dran machen. In der Werbung wird gezeigt, dass das Gestell in die Falten der Einmalmaske gehängt wird, was aber wenig Sinn macht, da der Mundschutz beim tragen aufgefächert wird und nicht immer die Falten nach oben zeigen. Beim Versuch die Maske einfach so unterzulegen, verlor der Mundschutz seine gute Passform und hatte nach oben und an den Seiten offene Stellen.  Ich habe jetzt noch andere weichere Stützrahmen gesehen, mit anderen Befestigungsmöglichkeiten, vielleicht probiere ich da noch was aus.
 
 
2 Fotos: Urbandoo mit und ohne Stützgitter
  

Ich habe mein Bestes versucht. Seitenaufnahmen sind ja sooo vorteilhaft 😄🙈

Fazit

Wie schon gesagt, dass Atmen fällt mir beim Urbandoo um ein vielfaches leichter. Der Druck/Rand des Silikons ist auszuhalten und schneidet nicht ein oder so. Einzig, man schwitzt mehr darunter. Auch ist es gefühlt noch etwas wärmer, da sich in der geschaffenen "Höhle" ein wenig der ausgeatmeten warmen Luft hält. Insgesamt überwiegt für mich der Vorteil des besser atmens können. Daher, Daumen hoch :-)

Wenn ihr auch ein wenig Probleme mit dem Atmen habt, ist es ein Versuch auf jeden Fall wert!

Hat jemand von euch schon einmal so etwas in der Richtung ausprobiert?

Schönen dritten Advent,
Miriam
 

Freitag, 4. Dezember 2020

Gendermedizin

Wir müssen hier mal über ein wichtiges Thema sprechen: Gendermedizin. Bevor die ersten nun mit den Augen rollen und das als überflüssiges Gender-Gedöns abtun. Halt! So einfach ist das nicht.


Was ist Gendermedizin?


Wikipedia erklärt es so: Gendermedizin (auch geschlechtsspezifische Medizin) bezeichnet Humanmedizin unter besonderer Beachtung der biologischen Unterschiede von Mann und Frau. Sie impliziert eine geschlechtsspezifische Erforschung und Behandlung von Krankheiten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat übrigens schon 2001 eine Empfehlung heraus gegeben, dass im Gesunheitswesen eine geschlechtsspezifische Gesundheitsvorsorge zu entwickeln und umzusetzten sei... Aber....

Es ist leider so, dass vor allem Männer und ihre Symptome und Beschwerden in Bezug auf Krankheiten in medizinischen Lehrbüchern stehen. Medikamente, Behandlungen und Therapien werden zuerst an männlichen Tieren (meist Mäusen) getestet, danach an Männern. Frauen kommen in Studien nur selten vor, weil sie wegen ihrer hormonellen Schwankungen zu komplex und wegen einer möglichen Schwangerschaft zu risikoreich gelten. Das bedeutet: so gut wie alle Dosierungsangaben bei Medikamenten sind auf den männlichen Körper ausgerichtet.

Das Problem dabei ist: Frauen haben einen anderen Körperbau (kleiner und leichter), sie haben eine  stärkere Immunabwehr, einen anderen Hormonhaushalt (mehr Östrogen), einen anderen Stoffwechsel und sie haben oft andere Symptome. Eine Folge dieses Problems ist, dass es bei Frauen manchmal länger mit der Diagnostik dauert, sie oft an Nebenwirkungen leiden und/oder die Medikamente gar nicht anschlagen bzw. eigentlich anders dosiert werden müssten... Denn eine Tablette braucht im weiblichen Körper doppelt so lange bis sie im Darm ankommt. Auch die Aufnahme, Verteilung oder der Abbau der Wirkstoffe läuft hier anders.

Ein verzögerte Diagnostik ist z.B. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen mehr als schädlich. Ein Beispiel dafür ist der Herzinfarkt: Frauen haben andere Symptome (sie bekommen dabei eher schlecht Luft und haben Bauchschmerzen) und werden deshalb in der Notaufnahme oft wieder nach Hause geschickt. Das ist in so einem Fall wirklich nicht hilfreich...

Auch beim Impfen scheint es einen deutlichen Unterschied zwischen Mann und Frau zu geben. Frauen haben nämlich eine höhere Impfantwort (deshalb auch öfter Nebenwirkungen auf Impfungen). D.h. Frauen produzieren nach einer Impfung mehr Antikörper - was im Gegenzug bedeutet, dass sie eventuell eher eine niedrigere Dosis bräuchten. Verschiedene Impfdosen für Männer und Frauen gibt es aber (noch) nicht.


Was steht im Beipackzettel?


Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Medikamente eingenommen. Ich habe viele Beipackzettel gelesen - dass dabei einmal auf einen Unterschied bei der Einnahme oder Dosierung zwischen Männern und Frauen hingewiesen wird, ist mir nicht ein einziges Mal aufgefallen.
Das ist traurig.

Hormonschwankungen durch den weiblichen Zyklus, Verhütungsmittel oder Wechseljahre zu beachten, verzögern Studien und machen sie teurer. Dies kann aber kein Grund sein, Frauen komplett außen vor zu lassen.

Bislang hat nur die Charité in Berlin diese Problematik erkannt. Dort gibt es ein Institut, das sich mit Gendermedizin beschäftigt - und dies auch lehrt. Das ist ein guter Weg, der hoffentlich schnell viele Mitstreiter*innen findet.

Ich hoffe, dieses Thema bleibt aktuell und die nachfolgende Generation von Ärztinnen und Ärzten lernt automatisch mit diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden umzugehen.


Medikamente für Muko-Betroffene

Diesen Artikel habe ich schon vor etwas längerer Zeit verfasst. Ich wollte dann aber gerne ein paar Pharmafirmen, die Muko-Medikamente herstellen, zu diesem Thema befragen. Schließlich nehmen wir doch täglich (je nach Alter und Schweregrad) locker 10-30 Tabletten am Tag ein... Doch leider konnte ich zu Studien und die Anzahl/Verteilung von Männern und Frauen keine näheren Auskünfte von Pharmafirmen bekommen. Schade.

Kommt gut durch die letzten Wochen des Jahres,
Insa

P.S. Falls Ihr mehr über dieses Thema erfahren wollt, empfehle ich Euch den Podcast "Synapsen" vom NDR. In der Folge "Auf einem Auge blind" geht es um Gendermedizin.


Sonntag, 29. November 2020

Mundschutz Weihnachtsmodelle und Studie zur Wirksamkeit

Vor über sechs Jahren haben wir schon einmal unsere Sammlung an Mundschutzmasken gezeigt. Wir haben uns immer so gefreut neue Muster zu finden und nicht nur zwischen krankenhausgrün oder -blau zu wählen. Ein wenig selbstironisch nannten wir unseren Beitrag "Mundschutz im Modetrend!  - wer hätte ahnen können, dass Jahre später wirklich die halbe Welt Masken tragen muss, zumindest für eine Weile. Immer wieder sprachen Insa und ich darüber, dass es doch super wäre, wenn wir Wunschmotive aufdrucken lassen könnten oder es Weihnachts- beziehungsweise Wintermotive geben würde. Tadaaa :-) Das bedrucken nach Wunsch funktioniert schon auf Stoffmasken und die Auswahl an Einmal-Masken mit Weihnachtsmotiven ist riesig. Ich gebe zu, ich bin ein wenig eskaliert beim Bestellen und meine Lunge und ich müssen jetzt mindestens 100 werden. Masken für 55 weitere Weihnachtsfeste hätte ich jedenfalls.

Das ist der erste Rutsch der angekommen ist. Das "Rot" geht doch wieder mehr ins pinke oder rosa, aber insgesamt bin ich zufrieden. Auch mit der Qualität. Die Masken kommen aus Übersee, aber da hätte ich mir früher nicht so viel Gedanken drüber gemacht. Hauptsache sie sind mindestens drei-lagig. Aber inzwischen bin ich besorgter oder skeptischer geworden. Ist das ein "gutes" Vlies oder besser gesagt Meltblown? Unter welchen Bedingungen wurden die Masken produziert und verpackt? Rein optisch kann ich keinen Unterschied zu früheren Einmalmasken feststellen. Ich habe auch mal ein paar aufgeschnitten um das Vlies zu vergleichen. Auf solche merkwürdigen Ideen wäre ich vor Corona nicht gekommen. 

 

Artikel zu Studien bezüglich Wirksamkeit

Insa hat für euch noch einen Artikel der Süddeutschen Zeitung zusammengefasst, in dem es um Studien zum Thema Masken ging:

 "Im August 2020 erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über selbstgenähte Masken. Die Frage dazu war: Wie gut schützen diese vor dem Corona-Virus?

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von verschiedenen Masken genauer untersucht. Einmal wurde gezählt wie viele Tröpfchen beim Sprechen durch den Stoff gelangen (verglichen wurde die Tröpfchenanzahl dann mit sprechenden Menschen ohne Maske). Ein anderes Mal wurden Materialien mithilfe einer Apparatur getestet, die Tröpfchen erzeugt. Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist die Stoffauswahl und die Anzahl der Lagen:

  • Der klassische OP-Mundschutz (3-lagig) hielt mindestens 90% der Tröpfchen zurück.
  • Verschiedene selbstgenähte Masken, die aus zwei Lagen Baumwolle bestanden, konnten 80% der Tröpfchen auffangen.
  • Ein einfaches Bandana-Tuch war dagegen zu 50% durchlässig.
  • Grob gewebte Baumwolle (eine Lage) hielt nur 10% der Tröpfchen zurück.
  • Die Kombination aus Baumwolle und Seide oder Chiffon oder Flanell war auch sehr erfolgreich, da sich die unterschiedlichen Stoffe statisch aufladen und somit die Partikel besser an der Maske hängen bleiben (eine Prozentzahl wurde aber leider nicht angegeben).

Wichtig: Fleece dagegen stelle sich als äußerst ungeeignet für einen Corona-Schutz dar. Beim Sprechen kamen dabei mehr Tröpfchen heraus, als beim Sprechen komplett ohne Mundschutz! Der Fleece-Stoff verhielt sich eher wie ein Zerstäuber, so dass die Tröpfchen kleiner waren und damit länger in der Luft "lagen" und weiter fliegen konnten, als größere.

Zu Beginn der Pandemie wurde ja oft gesagt wurde, dass Masken das Gegenüber schützen aber nicht die Tragenden selbst. Auch dies wurde in einer Studie widerlegt - und auch hier gab es Unterschiede:

  • N95-Masken (oft FFP2) fangen mindestens 95% aller Partikel aus der Umgebungsluft auf (auch wenn sie ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hatten und mit Hitze oder Desinfektionsmittel behandelt wurden).
  • OP-Masken schützen unterschiedlich...
    wird der Mundschutz mit Bändern am Hinterkopf festgemacht, werden ca. 75% der Tröpfchen abgefangen, ABER
    wird der Mundschutz mit Gummibändern hinter dem Ohr gehalten, dann ist man/frau nur vor 38% der Partikel geschützt."

 

Eigenschutz verbessern - DIY


Danke Insa :-) Dabei hat mich der Unterschied zwischen Einmalmasken mit Gummibändern und denen die mit Bändern am Kopf festgemacht werden wirklich überrascht und erschreckt. Woher kommt dieser heftige Unterschied? Ich könnte mir nur vorstellen, dass die Lücke seitlich größer ist, wenn die Gummibänder um die Ohren gehen, während Stoffbänder individueller höher oder tiefer am Kopf befestigt werden können. Das musste ich sofort an meiner Schwester ausprobieren - und tatsächlich, der Unterschied ist heftig:

Dabei sind die Gummibänder so wahnsinnig praktisch, seufz. Wie könnte diese Lücke noch geschlossen werden? Ich habe den Mundschutz einfach etwas zusammen getackert. Das geht schnell, jeder kann es individuell anpassen und der Unterschied ist auch bei dieser Methode deutlich:

Guter Info-Film über Herstellung und Wirkung

 
Wer gern einmal sehen möchte wie solche Masken produziert werden oder was der Unterschied zwischen einer klassischen OP- Maske und einer FFP3 ist, der schaut unbedingt mal den Beitrag dazu von der "Sendung mit der Maus". Nicht lachen, der ist wirklich toll gemacht. Dort werden außerdem die verschiedenen Masken vor einem Schlierenspiegel getestet und die Unterschiede lassen sich damit super erkennen. (Natürlich nicht beauftragte und unbezahlte Werbung).

Wir wünschen Euch einen schönen ersten Advent

Miriam + Insa


Freitag, 13. November 2020

Wer gehört zur Risikogruppe?

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sage ich, dass zur Risikogruppe nicht nur zwei oder drei Leutchen gehören, sondern doch ein paar mehr - viel mehr. Nun gibt es eine Studie von der AOK, die die Unterlagen ihrer Versicherten durchgeguckt hat, um zu sehen, wer davon zur Risikogruppe zählt und wieviele es sind. Laut Info der AOK-Webseite betreute die Versicherung 2018 rund 26,5 Millionen Menschen - das sind 31% aller deutschen Bundesbürger.

Die Informationen über diese Studie habe ich (mal wieder) im Coronavirus-Update Podcast, Folge 63 gehört.

Welche Vorerkrankungen spielen bei Covid-19 eine Rolle?

 Folgende Vorerkrankungen gilt ein hohes Risiko auf einen schweren Verlauf von Covid-19:

  • Krebserkrankung
  • chronischen Nierenerkrankungen
  • COPD
  • KHK (koronare Herzkrankheit )
  • Kardiomyopathie (Herzerkrankung)
  • Herzfehler
  • Übergewicht über einen BMI von 30
  • Raucher
  • Organtransplantierte
  • Typ-2-Diabetes
  • Schwangere

Bei folgenden Vorerkrankungen gilt ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Covid-19-Verlauf:
  • Asthma
  • Erkrankungen der Hirngefäße (verkalkte Hirngefäße oder Schlaganfall)
  • Bluthochdruck
  • Knochenmarktransplantationen
  • HIV
  • Immundefekte (Autoimmunerkrankungen)
  • Stoffwechselstörungen
  • chronischen Lungenerkrankungen 
  • Lebererkrankungen
  • Typ-1-Diabetes


Hinzu kommt das Alter als Risikofaktor. Je älter eine Person ist, desto höher ist das Risiko auf einen schwerern Verlauf.

Diese Listen sind, wie man/frau sieht, nicht gerade kurz. Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sind recht häufig in Deutschland vertreten. Außerdem sind wir ein altes Land, d.h. hier leben viele Menschen, die älter als 60 oder 70 Jahre sind.

 

Ergebnis der AOK-Studie

Kommen wir nun zur AOK-Studie. In dieser wurden nur elf Erkrankungen in die Statisik mit eingerechnet: Bluthochdruck, KHK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Diabetes, Asthma, COPD, Krebs, Lebererkrankungen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Außerdem wurde die Studien nur auf Versicherte beschränkt, die neben einer Diagnose auch eine Medikation erhalten (sprich: Tabletten nehmen). Das Alter wurde nicht berücksichtigt.

Wie oben schon gesagt, hat die AOK rund 26,5 Mio Versicherte (31% aller Deutschen) - also nicht gerade wenig. Deswegen haben die Macher*innen der Studie das Ergebnis auch gleich auf ganz Deutschland "hochgerechnet". Heraus kam, dass über ein Viertel der deutschen Bundesbürger mindestens eine der berücksichtigten Vorerkrankungen und damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf hat. Das ist erst Recht nicht wenig, wenn wir dann noch die anderen Risikofaktoren/Vorerkrankungen, die nicht in der Studie berücksichtigt wurden, mit dazu zählen und alle über 60 Jahre.... dann haben wir in Deutschland eine sehr große Risikogruppe, die vor Corona geschützt werden muss.

In einem weiteren Schritt haben die Macher*innen der AOK-Studie das Alter der Risikopatienten angeguckt und festgestellt, dass 1/3 der Risikogruppe jünger als 60 Jahre ist.

Der nächste Schritt war eine genaue Sicht auf die einzelnen Landkreise oder Gemeinden - auch mit dem Blick auf die Altersstruktur. Dabei wurde sichtbar, dass es Regionen bei uns gibt, in denen locker 50% Risikopatienten leben! 

Die Ansage einfach die Risikogruppen zu schützen und den Rest der Bevölkerung ein normales "freies" Leben führen zu lassen, erscheint unter diesen Umständen nicht mehr so einfach durchführbar. Es bleibt leider wie es ist: Wir müssen Rücksicht aufeinander nehmen und Abstand halten und Maske tragen.

Bleibt tapfer,
Insa

P.S.

Hier der Link zur Übersicht, wen das RKI zur Risikogruppe zählt.

Hier der Link zur AOK-Studie.

 

Sonntag, 8. November 2020

Warum ein Dickkopf manchmal recht hilfreich ist

Ich möchte hier nichts verallgemeinern und kann natürlich nur von mir und meinen Muko-Freunden ausgehen. Aber "wir" haben meist einen ganz schönen Dickkopf - im positiven Sinne. Wir lassen uns so schnell nicht unterkriegen. Manchmal mag das für unser Umfeld anstrengend sein, aber mir und sicher auch anderen Mukos hat dieser starke Wille schon oft den Hintern gerettet. Wenn ich hier bei mir eine schnelle Umfrage dazu machen würde, dann würde allen sofort einfallen, dass ich 2016, als ich aus dem Koma aufgewacht bin und endlich mit einer Sprechkanüle etwas sagen konnte, als erstes gebeten (oder andere sagen befohlen) habe, dass keiner unseren geplanten Disneyurlaub absagen sollte. Total bescheuert, aber das war an den wachen Tagen, an denen ich mich aber noch nicht mitteilen konnte, irgendwann meine größte Sorge. Für Außenstehende sicher nicht nachvollziehbar. Aber es ist zum einen eine Art Schutzmechanismus sich auf so etwas total anderes zu fokussieren und zum zweiten hat es mir bisher immer geholfen ein Ziel zu haben. Während ich darüber nachdenke war es 2009 bei meinem "Besuch" auf der Intensivstation auch der anstehende Disney-Urlaub. Ich erkenne einen roten Faden *lach*. 

Vor einem Jahr um diese Zeit.

Warum ich gerade in diesen Tagen daran denken muss, liegt daran, dass ich vor einem Jahr mit meiner Schwester zu unserer absoluten Traumreise aufgebrochen bin - und Disney hat überraschenderweise mal nichts damit zu tun. Ein Jahr lang haben ich und mein armer Reisebüromensch geplant, umgeplant, Pleiten und plötzliche Absagen gehändelt. Der Elektrorollstuhl erwies sich als schwierig und Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen machen es auch nicht einfacher. Zwischendurch wurden im Umfeld immer mal Stimmen laut, warum wir uns das antun und es doch lassen sollten. Wie gesagt, Dickkopf oder inzwischen schon eher extremer Trotz. Kurz vor dem Reisestart, als eigentlich alles fertig organisiert war, habe ich mir dann gleich beide Vorfüße gebrochen. Und wieder wurde mir von fast allen Seiten geraten die Reise abzusagen, zu verschieben. Nein, nein, nein, auf gar keinen Fall. Nicht nach dem ganzen Stress. Wir wollten nach Venedig fliegen und von dort auf ein Kreuzfahrtschiff, damit über den Atlantik und noch einen Abstecher in New York machen. Ich wusste, ich muss es nur irgendwie bis auf das Schiff schaffen, dann kann ich den ganze Tag im Rollstuhl sitzen und es wird schon werden. Schmerzen hätte ich zu Hause genauso.


Danke lieber Dickkopf!

Gesagt getan. Das Sanitätshaus hat mir im letzten Moment noch die Verbandsschuhe organisiert und wir sind die Reise angetreten und trotz einiger Schwierigkeiten war es so unbeschreiblich wundervoll. Schon letztes Jahr war ich unglaublich dankbar, dass ich diese Reise machen durfte. Aber jetzt, rückblickend, finde ich gar keine Worte dafür wie dankbar ich meinem Dickkopf bin, dass ich diese Reise nicht abgesagt habe. Durch die Corona-Pandemie hätte ich diese Fahrt nicht nachholen können (auch nicht in absehbarer Zeit). Diese Enttäuschung mag ich mir gar nicht vorstellen. Schon zu Beginn der Pandemie Ende Februar, Anfang März haben Insa und ich gesagt, dass Reisen, vor allem eben größere Reisen ins Ausland, für uns für mindestens ein, zwei Jahre vorbei sind und viele Gesprächspartner waren entsetzt. Dabei ging es nicht darum pessimistisch zu sein, sondern für uns waren das realistische Überlegungen in Bezug auf Impf- und/oder Medikamentenentwicklung, bzw. überhaupt die Erforschung des neues Virus. Aus Erfahrung wissen wir, das geht nicht von heute auf morgen. Ich stelle mich persönlich dann lieber auf eine etwas längere Zeit ein, um nicht alle paar Wochen vorhersehbar enttäuscht zu sein. Das heißt nicht, dass ich darüber glücklich bin und mir das egal ist. Natürlich würde ich lieber etwas unternehmen - aber heulen bringt ja auch nichts. Also versuche ich das Beste daraus zu machen. 

Nachdem ich im letzten Jahr so begeistert war, ist es schon ein großer Wunsch noch einmal an ein warmes Meer zu fahren, wo ich unter Wasser Fischeschwärme an mir vorbei ziehen sehen kann. Das war so ein Wunder, ach ich könnte mal wieder seitenlang schwärmen... Bevor es für mich soweit ist, wird aber wohl noch sehr viel Zeit vergehen. Ob das für mich überhaupt mal wieder in Frage kommt? Wir werden sehen. Mein Dickkopf wird mir rechtzeitig bescheid sagen:-).

Lasst uns zusammen in schönen Erinnerungen schwelgen,
Miriam