Freitag, 27. Juli 2018

Zeit- und Wegmanagement

Heute kommt wieder so ein vorher - nacher Beitrag.
Im Blogartikel "Routine?!" schrieb ich schon einmal über meinen Mukoviszidose-Tagesablauf vor der Lungentransplantation.
Gerade in den letzten fünf Jahren vor der Transplantation war mein Tag reich gefüllt mit Therapie:
  • 5x täglich inhalieren, dazu dann immer das Saubermachen der Inhalette - das kostete gut Zeit
  • täglich 2 Stunden Atemtherapie (Autogene Drainage)
  • dazu Pausen und Erholungsphasen, damit man über den Tag kommt...
  • 5x in der Woche Ergometertraining, danach Krafttraining
  • 2x in der Woche Physiotherapie 
  • dann noch diverse Arztbesuche...
Nach der Transplantation sind viele Sachen davon weggefallen - vor allem das Inhalieren und die Atemtherapie. Und man denkt: "Jetzt hat man also total viel Zeit für ganz viel Sachen." Stimmt auch. Doch seltsamerweise sind meine Tage wie von Zauberhand gefühlt mit tausend neuen Aktivitäten gefüllt und ich komme manchmal kaum hinterher. Da wünsche ich mir manchmal den 37-Stunden-Tag von Blib und Bob aus dem Film Men in Black! :-)

Natürlich ist es schön, Zeit für neue Dinge zu haben. Das Gefühl sich wieder mehr fordern zu können und sich nicht immer schonen zu müssen - das hatte ich lange nicht. Und ich genieße es sehr, jetzt nicht mehr so durchgetaktet und in gewisser Weise fremdbestimmt zu sein. Dieses gilt auch noch für eine andere Situation:

Ich nenne es mal mein "Wegmanagement". Vor der Transplantation waren schon kurze Wege - nur ein paar Schritte z.B. vom Wohnzimmer in die Küche, oft sehr sehr anstrengend. Bevor ich losging, stellte ich mir die Frage, was ich alles auf dem Weg erledigen oder mitnehmen kann. Denn: zwei Mal gehen war komplett indiskutabel und große Energieverschwenung. Also habe ich vor dem Losgehen sozusagen eine Liste im Kopf angelegt und dann auf dem Weg hin und zurück alles abgearbeitet. 
Es hat tatsächlich einige Wochen gedauert, bis ich nach der Transplantation diese Eigenart ablegen konnte. Es war irgendwie so drin...
Auch jetzt noch ist es toll, durch die Wohnung gehen zu können, so oft wie ich es will - und nicht wie der Körper bzw. die Lunge es zulässt.

Meine alte Lunge hat mir lange Zeit vorgegeben wie ich lebe, was ich kann oder nicht mehr kann. Es ist schön, jetzt wieder mehr Mitbestimmung im Leben und mehr Freiheiten zu haben. :-)
Insa

Freitag, 20. Juli 2018

Lungenfunktion

Vor kurzem las ich im Süddeutsche Zeitung Magazin (SZ-Magazin, Nr. 25/2018) den Artikel "Krank machen" von Till Raether. In diesem Artikel geht es darum, dass der Autor zum zufällig ausgewählten Kreis von Personen zählt, die an der sogenannten NAKO-Studie teilnehmen. Diese Studie ist eine groß angelegte Untersuchungs-Gesundheitsstudie in Deutschland: "200.000 Teilnehmer werden über einen großen Zeitraum von zwanzig bis dreißig Jahren alle paar Jahre untersucht. An 18 Studienzentren, quer über Deutschland verteilt werden dafür seit 2013 je 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufällig ausgewählt." Diese müssen zwischen 29 und 69 Jahre alt sein und kommen gleichermaßen aus Dorf und Stadt.

In dieser Studie soll den großen Fragen auf den Grund gegangen werden: "Wie entstehen die großen Volks- und Zivilisationskrankheiten? Welche Risikofaktoren begünstigen sie?"
Das fand ich ein sehr interessantes Theam. Schließlich ist es bei Mukoviszidose ja auch nicht anders. Es ist eine vermessene Medizin, die sagt: ab dem oder dem Wert bei der Lungenfunktion hat der Patient den oder den Schweregrad.

Till Raether beschreibt in seinem Artikel sehr amüsant, wie er die ersten Untersuchungen erlebt. Dazu gehört auch ein Lungenfunktionstest (für Mukos absolut nichts Ungewöhnliches, aber für Gesunde scheinbar etwas ganz Außergewöhnliches):
"Zur Messung des Atemvolumens steht schon in der Ankündigung, dass mit einer 'lautstarkten Anfeuerung für optimale Mitarbeit' zu rechnen sei, und tatsächlich bin ich noch nie allein mit einer Person in einem Raum so angefeuert worden wie von der 'Study Nurse' beim Ausatmen."

Ich lach mich schlapp - aber es stimmt. Darüber habe ich mir bislang noch nie Gedanken gemacht. Dieses Anfeuern bei Ein- und dann beim Ausatmen ist schon etwas Besonderes. Und unsereins hat dies mehrfach im Jahr. Quasi Anfeuern auf Krankenschein. Mega. Es kommt halt doch immer auf die Sichtweise drauf an!

Ich bei der Lungenfunktion, allerdings bei einem "einfacheren" Modell (weil ich kurz vor der Transplantation ein sehr stark eingeschränktes Lungenvolumen hatte). Normalerweise wird die Lungenfunktion, die "Bodyplethysmographie" in einem Glaskasten, dem "Bodyplethysmographen", gemacht.
Foto: Joanna Nottebrock 

Am Ende des Artikels steht das schöne Zitat von der Hamburger Ärztin Ingrid Mühlhauser, Professorin für Gesundheit an der Universität Hamburg: "Gesundheit muss jeder für sich selbst definieren."
Recht hat sie. Wer das Leben z.B. von Mukos kennt und weiß, was wir alles für Therapie machen und wieviele Tabletten wir schlucken müssen, der würde uns nie für gesund erklären. Aber für uns ist es Normalität und wir fühlen uns nicht krank - sondern oft gesund. Alles Einstellungssache.

Uuuuuuuuuuuuuuunnnd RAUS die Luft... weiter, weiter, weiter, weiter... Sehr gut. Und ab.
Insa



Freitag, 13. Juli 2018

Krimi/Roman "Das zweite Herz" -

Seit ein paar Jahren tausche ich mit meinem Zahnarzt Bücher. Vor einigen Wochen habe ich von ihm mal wieder einen ganzen Karton Lesenachschub bekommen. Ein bisschen Ablenkung vom chaotischen Alltag konnte ich gut gebrauchen und zog mir gleich mal einen Krimi raus:

"Das zweite Herz" von Michael Connelly (1999 deutsche Erstveröffntlichung, Heyne)

Zuerst dachte ich nur: "Och nö....das wird doch wohl nicht um Transplantationen gehen, komme ich von dem Thema denn nie weg." Aber dann war ich natürlich doch zu neugierig.

Damit Ihr im Groben wisst worum es geht:
Ex-FBI-Agent Terry McCaleb war ein sehr gefragter Profiler, bevor sein Herz ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Chancen auf ein Spenderherz waren aufgrund seiner seltenen Blutgruppe gering. Das Buch startet acht Wochen nach seiner erfolgreichen Herztranplantation. Er lebt auf einem Hausboot und versucht sich an sein neues Leben zu gewöhnen. Nach einem Zeitungsartikel über ihn kommen häufiger Leute zu ihm, die seine Hilfe in ungeklärten Verbrechen wollen, was er bisher aber ablehnt. Nun kommt Graciela Rivers zu ihm an Bord und bittet ihn, den ungeklärten Mord ihrer Schwester zu untersuchen. Nach seiner Ablehnung erzählt Graciela ihm, dass er das Herz ihrer ermordeten Schwester bekommen hat. Nun kann er natürlich nicht anders und die Dinge nehmen ihren Lauf. 

ACHTUNG! Am Ende dieses Beitrages, spoiler ich für alle die das Buch nicht selbst lesen wollen noch ein paar mehr Details und das Ende.

Als ich den Plot gelesen habe, habe ich zugegebenermaßen erst einmal die Augen verdreht, Das hörte sich schon wieder nach enorm viel Klischee an. Fehlt nur noch, dass er wegen der Herztransplantation Visionen vom Mord hat oder ähnliches. Andererseits fand ich gut, das eine junge Frau die Herzspenderin war und der Empfänger eben nicht eine hübsche junge Frau sondern ein manchmal etwas sonderbarer, schon etwas älter Mann. Besonders kritisch habe ich selbstverständlich alle Passagen betreffend seiner Transplantation und Nachsorge gelesen, manchmal hat mich das, glaub ich, ein Stück von der eigentlichen Geschichte abgelenkt oder mich nicht so "rein kommen" lassen. Schon dass er auf einem Hausboot lebt, fand ich fragwürdig, genau wie ein paar andere Sachen. Andererseits ist die Geschichte 20 Jahre alt und wie die Empfehlungen in den USA nach einer Transplantation sind, weiß ich natürlich auch nicht. Sehr gut fand ich, dass wirklich schon fast penetrant oft erwähnt wird, wie er Blutdruck und Temperatur misst und in seine Tabelle einträgt, Ein "gesunder" Leser mag das vielleicht sogar nervig und /oder überflüssig finden, für mich war es eines dieser "genau so isses"-Momente. Auch das er nicht einfach flüchten kann wegen seiner Medikamente war ein toller Lesemoment. Ebenfalls gut getroffen sind die Besuche in der Klinik. 
An einer Stelle lehnt die Ärztin die Weiterbehandlung ab, wenn er sich selbst überhöhten Risiken aussetzt. Das Verhalten der Ärztin liess mich befürchten, dass diese irgendwie mit in die Geschichte verwickelt sein könnte (z.B. sowas wie Organhandel). Aber so viel sei verraten, ein Klischeeende wird es nicht - ob die Ärztin was damit zu tun hat oder nicht. 

Bei den Danksagungen am Ende steht, dass ein Freund des Autors herztransplantiert wurde und damit die Inspiration für diese Geschichte lieferte. Daher auch die vielen hintergründigen Gedanken in Bezug auf ein Leben mit einem fremden (neuen) Organ. Über einige der dort angesprochenen Aspekte habe ich tatsächlich auch noch mal nachgedacht. Würde mein "Verhältnis" zu meiner Lunge sich verändern wenn ich wüsste, dass ein Verbrechen am Tod des Spenders Schuld wäre? Eine Tragödie steckt ja immer hinter der Organsspende (abgesehen von den Lebendspenden). Ein Unfall, irgendetwas Unvorhergesehenes und all die damit Verbunden schrecklichen Gefühle der Spenderfamilie. Würde ich mich mit meiner neuen Lunge anders fühlen, wenn ich wüsste welches Schicksal dahintersteht? Eigentlich ist das schon wieder ein Blogthema für sich.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ein spannender Krimi mit etlichen Wendungen, eine bisschen Liebe (okay, das ist nun doch wieder ganz schön Klischee) und dazu die medizinischen Parts. Wenn Ihr das Buch lesen möchtet, bekommt Ihr es wahrscheinlich nur noch gebraucht.. Beim Recherchieren für diesen Beitrag habe ich gesehen, dass das Buch unter der Regie von Clint Eastwood (mit ihm als McCaleb) unter dem Titel "Blood Work" 2002 verfilmt worden ist. Allerdings mit einigen Änderungen an der Geschichte im Vergleich zum Buch.
Von allen die Lust bekommen haben dieses Buch zu lesen verabschiede ich mich an dieser Stelle! 
Bis nächste Woche
Miriam

SPOILER!!!!!!

Der Mord an seiner Herzspenderin wird als normaler Ladendiebstahl behandelt. Die ermittelnden Beamten sind wenig begeistert von McCalebs Einmischung. Aber aufgrund seiner früheren Kontakte kommt er dem Mörder Stück für Stück näher. Und auch Graciela und er kommen sich näher. Bei seinen Recherchen findet er zwei ähnliche Mordfälle und es stellt sich raus, dass alle Morde "für" ihn stattgefunden haben, um ihm ein Herz zu besorgen. (Was die Frage des "Gefühls für das neue Organ" ja noch mal verschärft). Am Ende kommt raus, dass ein Serienkiller aus seiner Vergangenheit ihm dieses "Geschenk" machte und in einem Katz und Maus Spiel kommt es zum großen Showdown, bei dem McCaleb den Täter umbringt. Dieser hatte vorher noch Graciela und ihren Neffen entführt, aber McCaleb kann sie finden und retten.

Freitag, 6. Juli 2018

Muko-Spendenlauf-Buttons

Wer schon einmal bei meinem Muko-Spendenlauf war, der kennt sie: die Spendenlauf-Buttons. Angefangen hat alles mit den Schutzengel-Flügel-Pins des Muko e.V.. Ich fand es schön, dass die Teilnehmer des Spendenlaufs etwas Kleines zum Mitnehmen bzw. als Erinnerung bekommen. (Die Betonung liegt hier auf "klein", denn T-Shirts oder Laufshirts gibt es schon so oft bei anderen Läufen...)
Da ich es langweilig fand, in jedem Jahr das gleiche Andenken zu verschenken, kam mir die Idee mit den Buttons. Seit neun Jahren gibt es nun immer andere/verschiedene Buttons - in jedem Jahr von einem andern Künstler oder Grafiker gestaltet. Jeder Button ist einzigartig. Und jeder ist wunderhübsch.
Ich bin sehr dankbar, dass alle Zeichner, die ich bislang angefragt habe, immer sofort bereit waren für unsere gute Sache eine kleine Zeichnung/Vorlage zu malen. Und das unentgeltlich. Dabei waren schon namhafte Persönlichkeiten - entweder aus der hannoverschen Szene oder aus der großen Welt der Kinderbücher.
Für den Muko-Spendenlauf 2012 malte der Künstler Christian Junghanns die Vorlage.

Button 2014, gezeichnet von der Illustratorin Katja Schmiedeskamp.

Zeichnung von Ingo Siegner (Schriftsteller und Illustrator von "Der kleine Drache Kokosnuss") für den Muko-Spendenlauf 2017.
(Die Zeichnug wurde beim Lauf versteigert).

Unser diesjähriger superschöne Button wurde vom Grafidesigner Prof. Klaus Baumgart ("Lauras Stern") gestaltet.

Falls Ihr so einen kleinen knuffigen Button haben möchtet, dann kommt zum 11. Muko-Spendenlauf Hannover am 12. August. :-)
Alle Infos dazu gibt es hier: www.muko-spendenlauf.de

Ich hoffe wir sehen uns,
Insa


Freitag, 29. Juni 2018

Manchmal läuft es einfach nicht

Es gibt so Zeiten im Leben, die würde ich in jeder Daily-Soap im Fernsehen für total unglaubwürdig und übertrieben finden. Das kennen sicher einige von Euch.
Die letzten Wochen habe ich manchmal beim Einschlafen diese theatralische Abspannmusik erwartet "dramatische Fortsetzung folgt morgen". Es waren erst einmal gar keine großen Katastrophen - ich meine nach Lungentransplantation und Koma liegt die Latte für Dramen auch echt hoch. Aber es waren so viele endlose Kleinigkeiten und mittelgroße Sachen... jetzt dürfte mein Leben gern wieder ein bisschen langweiliger werden.

Nur mal die Beispiele aus dem Juni: Vor einiger Zeit wurden meine Nierenwerte plötzlich immer schlechter und ich hatte furchtbare Schmerzen, so dass zum Wochenende entschieden wurde, dass ich lieber ins Krankenhaus soll. Auf dem Weg ins Krankenhaus ist uns auf der Autobahn ein Reifen geplatzt. Dazu muss ich noch sagen, dass mein leiblicher Vater vor rund 40 Jahren auf dieser Strecke tödlich verunglückt ist wegen so eines geplatzten Reifens. Er hat wohl schützend seine Hand über uns gehalten, denn mein (Stief-) Dad konnte den Wagen ohne Unfall auf dem Seitenstreifen zum Stehen bringen. 

Nach ein paar Tagen Antibiotika durfte ich wieder nach Hause. Aber noch während ich meine Sachen im Krankenhaus einpackte, wurde meine Mutter für eine Notoperation am Wirbelkanal in ein anderes Krankenhaus eingeliefert. Sie hat zum Glück alles gut überstanden und ist nun das zweite Mal in diesem Jahr in der Reha.
Zwischen den Besuchen bei meiner Mutter, habe ich meinen neuen Rekord an Arztbesuchen in einer Woche aufgestellt und saß am Wochenenden wieder in der Notaufnahme - dieses Mal mit einer Bekannten, die sich den Arm gebrochen hatte.
Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de

Am darauffolgenden Wochenende war ich wieder in der Notaufnahme: akuter Gichtanfall im Knöchel. Ein tolles Geburtstagsgeschenk.  Dank einer extra Portion Kortison geht es mir schon wieder viel besser. Trotzdem haben diese Wochen echt Kraft gekostet und ich bin froh das der Juni vorbei ist und mit dem neuen Monat auch die Pechsträhne (bitte!) endet. 

Hoffen wir mal, dass dieses Wochenende entspannter und ohne Drama abläuft.
Toi Toi Toi,
Miriam

Freitag, 22. Juni 2018

Jugendfestival Courage

Vor einiger Zeit durfte ich für die Vereinszeitung des Mukoviszidose e.V. "muko.info" den Rapper "Phoenix Beatz" interviewen. Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich Patrick, 22 Jahre alt und eigentlich gelernter Bürokaufmann, außerdem hat er Mukoviszidose.

Seit 2010 ist Patrick Produzent und seit 2012 rappt er selbst. Bei unserem Gespräch erzählte er mir, dass Musik immer schon ein Teil seines Lebens war. In den Liedern verarbeitet er u.a. seine Erfahrungen mit der Erbkrankheit. Ich finde seine Lieder recht kraftvoll, allerdings manchmal auch recht düster. Ich habe aber auch sehr großen Respekt vor dem was er macht, da ich selbst weiß, wie schwierig es manchmal mit der Luft und der Atmung ist... und dann noch singen z.B. in einem vollen Club mit schlechter Luft. Das ist schon anspruchsvoll.


Jetzt ist Phoenix Beatz beim Jugendfestival Courage dabei. Dieses Festival ist das größte Jugendfestival in Nordrhein-Westfalen und findet morgen, am 23. Juni 2018, im Museumspark Schloss Moyland statt. Unter dem Motto "Für Toleranz - gegen Gewalt" sollen Menschen aus verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten zusammengebracht werden. Phoenix Beatz geht als "Local Hero" an den Start. Neben ihm sind z.B. noch Tim Bendzko, Amanda und Mike Singer auf der Bühne. Großes Kino!

Viel Erfolg und viel Spaß auf der Bühne Patrick!
Insa

Hier der Link zur Festival-Webseite. 
Und hier der Link zur Facebookseite von Phoenix Beatz.
Und (aller guten Dinge sind drei) hier der Link zu Phoenix Beatz auf Amazon. :-)

Freitag, 15. Juni 2018

Die Lebenden reparieren

Vorgestern war ich mal wieder im Kino. Zu sehen gab es den französischen Film "Die Lebenden reparieren", in dem es um Organspende geht. Die Filmvorführung wurde von der MHH-Studentengruppe "Aufklärung Organspende" organisiert, dazu gab es im Anschluss eine Podiumsdiskussion bzw. eher ein Podiumsgespräch zum Thema Organspende.

Ich hatte bislang nicht wirklich viel über diesen Film gehört (es ist die Verfilmung eines Buches) außer ein wenig Lob und habe mich deshalb sehr auf diesen Abend gefreut. Aber ich sage es gleich: Ich fand den Film eher enttäuschend.

Erstmal zum Inhalt: In "Die Lebenden reparieren" wird die Geschichte von zwei Familien erzählt. Da ist zum einen der 17-jährige Sohn eines Ehepaares, der nach einem Autounfall ins Krankehnaus eingeliefert wird. Dort werden schwerste Hirnschädiungen festgestellt. Beim Gespräch mit den Eltern erklären die Ärzte, dass die Schädigungen am Gehirn des Sohnes so schwer sind, dass dieser den Unfall nicht überleben wird. Dann kommen die Ärzte auf das Thema Organspende zu sprechen, da seine inneren Organe noch funktionieren und fragen nach, ob der Sohn eine Meinung zum Thema Organspende hatte. Die Eltern sind nach dieser Nachricht fix und fertig, sprechen sich gegen eine Organspende aus und verlassen das Krankenhaus.
Nun sieht man im Film eine Rückblende auf den Sohn und wie er seine Freundin kennengelernt hat. Das ist tatsächlich die schönste Szene im Film, die allerdings die Geschichte nicht wirklich weiter bringt...
Die Eltern kommen wieder ins Krankenhaus und sind nun für eine Organentnahme (allerdings möchten sie, dass er die Augen behält).
Im zeiten Teil wird die Geschichte der anderen Familie erzählt: eine herzkrankte Mutter (schätzungsweise um die 50) mit zwei erwachsenen Söhnen zieht in die Stadt in die Nähe ihres Krankenhauses. Wie das Ganze zeitlich zur anderen Geschichte einzuordnen ist, kann der Zuschauer dabei schlecht einschätzen. Der herzkranken Mutter wird von ihrer Ärztin gesagt, dass sich ihr Herzproblem verschlechtert hat und ihr nur eine Herztransplantation helfen kann.
Irgendwann dann bekommt die Ärztin den Anruf, dass ein Spenderherz für ihre Patientin zur Verfügung steht (nämlich das vom 17-jährigen).
In den folgenden Szenen sieht man die Vorbereitungen für die Organentnahmen und auf der anderen Seite die Vorbereitungen für die Transplantation. Die Entnahme-OP des Herzens und auch das spätere Einsetzen in den neuen Körper wird dabei sehr anschaulich und detailliert gezeigt.
In der Schlussszene öffnet die Herzpatientin die Augen... die Sonne kommt raus und scheint auf ihr Bett, sie lächelt.
Das wars.

Es hätte ein schöner Film sein können. Die Idee für diese beiden Geschichten ist wirklich gut. Aber leider wird das alles irgendwie "unrund" erzählt. Der Film ist wirklich sehr langsam und sehr ruhig erzählt und kommt ohne viel Dialoge aus. Ich denke, das ist für mich das größte Manko. Dadurch, dass sich die Protagonisten nur wenig unterhalten lernt der Zuschauer sie gar nicht richtig kennen und kann sich nur bedingt in sie hineinversetzen.
Wer diesen Blog etwas regelmäßiger liest, der weiß, dass ich seit meiner Lungentransplantation sehr nah am Wasser gebaut bin. Es braucht nicht viel um mich zum Weinen zu bringen. Bei diesem Film hatte ich nicht einmal das Gefühl ergriffen zu sein oder weinen zu müssen - und das bei diesem Thema. Das fand ich krass.

Das nächste Manko des Film sind für mich die fehlenden Schlüsselszenen. Warum ändern die Eltern ihre Meinung zum Thema Organentnahme/Organspende? Das wird überhaupt nicht gezeigt.
Wie kommt man in Frankreich auf die Warteliste? Ich gehe davon aus, dass es ähnlich wie bei uns ein längerer Prozess mit diversen Untersuchungen ist. Hier im Film lief das so:
Ärztin: "Ihr Zustand hat sich weiter verschlechtert... Sie wissen was ich ihnen sagen will?"
Herzpatientin: "Ja."
Ärztin: "Sie brauchen eine Herztransplantation."
Herzpatientin: "...Ich weiß nicht, ob ich mit einem Herz eines Toten leben will."
Ärztin: "...Sie müssen sich bald entscheiden."
Herzpatientin: "Ja."
Ärztin: "Gut. Sie müssen ab jetzt immer mit dem Handy erreichbar sein. Das ist wichtig."
Ende der Szene.
Das fand ich ein wenig schwach.

Komplett unrealistisch ist für mich das Ende des Film. Dabei wurde vorher fast alles sehr wirklichkeitsnah dargestellt. Gerade die Krankenhaus- und OP-Szenen fühlten sich echt an und waren so, wie ich sie auch beschreiben würde. Doch dann kommt dieser Bruch: Die Patientin öffnet nach der OP die Augen (dabei sieht sie sehr erholt aus), die Sonne kommt raus und scheint auf ihr Bett und alles, alles ist gut!? Hallo? Sonst noch was? Das passt so überhaupt nicht zusammen. Ich hätte es wirklich passend gefunden, wenn auch hier gezeigt worden wäre wie es wirklich ist. So ein Eingriff schlaucht. Und es ist nicht so, dass Patienten danach aus dem Bett hüpfen als wäre nichts gewesen.

Mich hat der Film leider nicht in seinen Bann gezogen. So wie die Personen dargestellt wurden, war alles ein wenig gewollt. Schade.
Es würde mich interessieren, ob dies nur mein Problem ist (weil ich in der Thematik zu Hause bin) oder ob es auch denen so geht, die sich mit Organspende noch nicht auseinander gesetzt haben.
(Ich habe mir dazu eine Kritik auf youtube angesehen und dort ist von einem "schnörkellosem Drama" die Rede, das einen "bis ins Mark berührt". Ok. Vielleicht sind meine Ansprüche einfach zu hoch?)

Wer sich den Trailer zum Film angucken möchte: 

Mit dem Film war jedoch der Abend noch nicht zu Ende. Es gab im Anschluss noch eine hochkarätig besetzte Podiumsrunde. Mit dabei waren ein Chirurg und ein Seelsorger aus der MHH, jemand von der DSO (Deutsche Stiftung Organstransplantation), ein Professor der Philosophie und eine Gegnerin der Organspende (eine Mutter, die vor 33 Jahren ihren Sohn zur Organspende freigegeben hat und dies seither bereut.)
In der Runde wurde (vom Chirugen) nochmal klargestellt, warum es überhaupt die Hirntod-Diagnostik gibt - und dies hat nichts mit Organspende zu tun. In den 1950er Jahren gab es viele Patienten, die z.B. nach OPs nicht mehr aufgewacht sind und auch nach längerer Behandlungszeit + Therapie keine gesundheitliche Besserung zeigten. Damit diese Patienten nicht mehr leiden müssen und auch um ihre Angehörigen nicht weiter im Unklaren zu lassen, haben Ärzte die Hirntod-Diagnostik eingeführt. Eine Diagnostik, die es den Ärzten und auch Angehörigen erlaubt die Geräte von schwerstkranken Patienen abzuschalten.

Ich fand auch interessant, dass es in anderen Länder eine viel offenere Diskussion über Organspende gibt. In Dänemark ist es selbstverständlich bei einem ersten Arztgespräch (egal was das gesundheitliche Problem ist) aufzuzählen: Das sind meine Allergien, dies sind meine Vorerkrankungen und ich bin Organspender.
Gerade in den skandinavischen Ländern ist dies ein alltägliches Thema mit dem sich die Menschen auseinandersetzten.
Vielleicht bekommen wir das auch noch hin.
Insa