Posts mit dem Label Mukoviszidose werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mukoviszidose werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 24. Juli 2022

Abschied von zwei alten Bekannten

In dieser Woche waren Miriam und ich in der MHH, um uns von unserem "alten" Muko-Arzt und einer langjährigen Muko-Ärtzin zu verabschieden.

vlnr: Insa Krey, Dr. Sibylle Junge, Prof. Burkhard Tümmler, Miriam Stutzmann

Frau Dr. Junge war viele Jahre in der Kinderklinik - allerdings erst nach unserer "aktiven" Zeit. Miriam und ich kennen sie allerdings von einer Sportgruppe, die Mitte der 90er Jahre in Hannover für Mukos eingerichtet wurde. Frau Dr. Junge arbeitete damals noch in der Sportmedizin und wir waren die ersten Mukos mit denen sie in Kontakt kam. Scheinbar haben wir einen guten Eindruck gemacht :-) so dass sie etwas später in die Ambulanz der MHH gewechselt ist. 

Von anderen hören wir nur Gutes über Frau Dr. Junge. Sie war sehr engagiert und hatte auch zwischendurch mal Zeit für ein paar persönliche Worte. Und natürlich legte sie immer Wert auf eine gute Sporttherapie. Dabei hat sie aber nicht zu viel Druck ausgeübt, sondern gemeinsam mit den Patient*innen geguckt, was möglich ist. 

Ich persönlich habe mich immer gefreut, sie und ihren Mann beim Muko-Spendenlauf zu sehen, den sie mit vielen Laufrunden tatkräftig unterstützt hat (und hoffentlich noch ein paar Jahre unterstützen wird!).

Prof. Tümmler war in der Patient*innenbetreuung und auch in der internationalen Muko-Forschung. Er hat in Deutschland die Forschung in vielen Bereichen voran gebracht und viele Standards gesetzt.
Er war viele Jahre lang Miriams betreuender Arzt und Ansprechpartner Nr. 1.
Sie war damals von einer anderen Klinik aufgegeben worden ("Nehmen Sie das Kind zum Sterben mit nach Hause.") und hatte dann das große Glück von ihm behandelt zu werden. Auch wenn er oft streng war, so hat er es doch immer geschafft, wichtige Aspekte bzw. Hintergrundwissen zu vermitteln. Gerade bei chronisch Kranken ist es wichtig zu wissen: "Warum mache ich was?". So hat er z.B. Laborbesuche ermöglicht, um Zusammenhänge besser zu erklären.
Miriams Gesundheitszustand war immer sehr schlecht (langjährige PEG und Sauerstoffzufuhr). Durch Prof. Tümmler hat sie sehr von den neuen Erkenntnissen profitiert können und ist ihm immer noch sehr dankbar für sein großes Engagement (auch nach Dienstschluss).

Miriam war wie gesagt "Tümmler-Kind", ich gehörte zu Prof. von der Hardt. Beide haben uns sehr geprägt und wir haben beiden viel zu verdanken. Sie haben damals hohe Standards in der Patient*innenversorgung gelegt, waren immer erreichbar und ansprechbar. Sie kannten uns (und unsere Eltern) gut. Und sie wussten immer was zu tun ist oder zauberten einen neue Therapiemöglichkeit aus dem Hut. Als Muko-Patientin kann man sich nicht mehr wünschen.

Die Ärzte der Kinderklinik haben uns außerdem zu selbständigen und mündigen Patientinnen erzogen - was später nicht immer und überall so gut ankam...

Miriams Torte: hellblaues Fondant als Untergrund mit rosa Lunge in der Mitte und vielen verschiedenen Tabletten und Kapseln (auch Fondant) darum. 
Aussen ist noch ein Fondant-DNA-Strang angebracht.

Zum Abschied gab es natürlich einen ganz besonderen Kuchen von Miriam. Diesen haben wir uns gemeinsam schmecken lassen und dabei Geschichten von früher erzählt... Das war schön.

Insa


Samstag, 2. Juli 2022

Flashback

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder ein Flashback - wenn man das denn so bezeichnen kann. Ich guckte um 17:50 Uhr auf die Uhr und mein erster Gedanke war: "Oh, da kann ich ja gleich schon inhalieren!". Ähm. Nein! Ich inhaliere schon seit über acht Jahren nicht mehr. Allerdings habe ich 30 Jahre davor täglich um 18 Uhr (genauer gesagt um 7, 12, 18 und 22 Uhr) inhaliert.
Kann es sein, dass mich das so stark geprägt hat, dass dieses Verhaltensmuster immer mal wieder durchbricht? Sehr schräg irgendwie.

Ich muss zugeben, neben all den schönen Veränderungen und vor allem Verbesserungen seit der Transplantation war (und ist) ein Highlight, dass ich nicht mehr so fremdbestimmt meinen Alltag planen muss. Dass ich nicht mehr zu festen Zeiten inhalieren und meinen Alltag danach ausrichten muss. Und natürlich der enorme Zeitgewinn. Dieses nicht-mehr-inhalieren-müssen hat mir ein großes Gefühl von Freiheit gegeben. Ich hatte vorher gedacht, dass es vielleicht mehr der Verzicht auf den Sauerstoffschlauch ist, der mich ja auch eingegrenzte. Nein - die Freiheit kam mit dem Wegstellen des Inhaliergeräts. 

 Foto: Inhaliergeräte und Ampullen auf dem Nachttisch

Natürlich ist man nach einer Transplantation niemals wirklich frei. Es gibt so vieles woran zu denken ist - seien es Arzttermine, Medikamente oder andere Richtlinien. Trotzdem ist es jetzt leichter einfach so einen Ausflug zu machen oder in den Urlaub zu fahren. Auch wenn dies weiterhin gut geplant sein muss (alle Medikamente müssen mitgenommen werden und es ist auch immer ratsam einen Facharzt vor Ort zu googeln, falls es zu einem Notfall kommt). Durch Corona sind natürlich nochmal mehr Gedankengänge nötig... aber das geht wohl noch ein paar anderen auch so.

Insa 


Freitag, 11. März 2022

Medikamentenabhängig?!

Als ich ungefähr 12 Jahre alt war, schickten mich meine Eltern (allein) zur Kur. (Inzwischen heißt das Reha... damals war aber alles irgendwie Kur.) Meine Eltern und mein behandelnder Prof. in der MHH hatten etwas länger hin und her überlegt, ob so ein Aufenthalt das Richtige für mich sei. Ich war noch ziemlich jung - aber doch geschult im Umgang mit allen Medikamenten und Inhalationen. Damals hatte ich schon einige Tiefpunkte und Verschlechterungen hinter mir... ich wußte also, was ich der modernen Medizin zu verdanken hatte und konnte sehr gut einschätzen, wie schnell es ohne Medikamente wieder bergab gehen würde. Für Muko-Verhältnisse nahm ich damals schon eine Menge Tabletten ein und inhaltierte vier Mal am Tag.

Die Klinik, in der ich meinen Aufenthalt verbringen sollte, war eine der wenigen Einrichtungen, die auf Mukoviszidose-Patient*innen spezialisiert war. Sie hatte einen guten Ruf. Also auf ins Abenteuer!
(Ich werde hier den Namen der Klinik nicht erwähnen, weil dieser Geschichte schon fast über 40 Jahre her ist und sich seitdem eine Menge verändert hat.)

Ich kam mit einem größeren Schwung an Kindern in der Kureinrichtung an und wurde auf der Muko-Station in einem Dreibettzimmer untergebracht. Ich hatte ein paar Tabletten für die ersten Tage dabei, aber nicht für den gesamten Aufenthalt. Auch mein Inhaliergerät hatte ich zu Hause gelassen, weil wir davon ausgingen, dass Inhaliergeräte Standard sind und ich dort garantiert eins bekommen würde (bekam ich in der MHH ja auch immer bei jedem Aufenthalt).

Am ersten Tag durfte ich auch einmal kurz dem Direktor "Guten Tag" sagen. Er inspizierte meine Medikamentenliste und stellte fest, "dass das ja eine ganze Menge sei...". Und er machte gleich Überlegungen, welche Tabletten oder Inhalationen man wohl weglassen könnte. Natürlich gingen bei mir (auch als 12-Jährige) die Alarmglocken an - aber welche Chance hatte ich gegenüber dem Direktor? Ich hoffte, es würde sich irgendwie klären lassen.

Auf der Station gab es dann kein Inhalationsgerät für mich - es gab für die ganze Station ein einziges im Schwesternzimmer und inhaliert wurde nur auf Ansage. Das fand ich seltsam. Dann wurde meine Medikamentenliste zusammen gestrichen. Ich versuchte mit den Schwestern zu reden - aber das Muko-Kind, das ich nun mal war, wurde ignoriert.

Nach ein paar Tagen begann es mir schlechter zu gehen. Irgendwann saß ich weinend im Schwesternzimmer und versuchte der Schwester klar zu machen, dass ich die Tabletten und Inhalationen brauchte, weil es mir sonst immer schlechter gehen würde. Die Schwester tat sehr verständnisvoll. Sie streichelte mir über den Rücken und sagte dann den Satz, den wohl kein Muko (oder chronisch kranker Mensch) hören will: "Du weisst doch was das bedeutet, oder? Du bist medikamentenabhängig." Punkt. Das saß. Alles weiter, was ich danach noch versucht zu sagen oder zu erklären, wurde damit abgeschmettert. 

Damals gab es keine Handys und ich glaube, es gab auch keine Telefonzelle auf dem Gelände. Meine einzige Chance war ein Brief nach Hause... Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals geschrieben habe außer "Ich will hier weg. Holt mich bitte ab." Aber meine Eltern erkannten die Situation glücklicherweise und hielten es nicht nur für Heimweh. Sie kamen und holten mich ab und wir fuhren direkt zur MHH, die mich wieder aufgepäppelt hat. 

Mein Prof. war danach stinksauer. Ich glaube, er hat nicht so schnell wieder Patient*innen in diese Einrichtung geschickt... Und ich habe auch keinen zweiten Kur-Versuch unternommen. Das Thema war durch - ein für alle Mal. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was hätte alles passieren können...

 Foto: Insa sitzt im Terassenstuhl - leider gibt es aus dem Kur-Jahr keine vernünftigen Bilder von mir... dies ist ein Foto aus dem darauffolgenden Jahr.

Meine Mutter hat an dieses Erlebnis immer noch traumatische Erinnerungen - mehr als ich. Aber woher hätten wir wissen sollen, dass dort bestimmte Medis und Inhalationen nicht zum Standard gehören?
Alles im allem, bin ich froh, dass ich diese Episode gut überstanden habe. Und ich hoffe, heute läuft das alles besser in den Reha-Einrichtungen...

Insa 


Sonntag, 20. Februar 2022

Wie ich mehr Rolli-Rainer wurder, anstatt Ballett-Anna

Was wäre die Winter-Weihnachtszeit ohne meine Kindheits-Wohlfühl-Serien: Nesthäkchen, Schwarzwaldklinik, Ich heirate eine Familie und ANNA. Und zwar nicht die Disney Frozen Anna, sondern die ANNA Weihnachtsserie aus den 80er Jahren. Für all die jungen Küken: Damals, als wir nur drei Fernsehsender hatten, gab es zwischen Weihnachten und Silvester im ZDF immer eine 6-teilige Serie. Das Ganze nannte sich zwar Weihnachtsserie, aber nur wegen dem Ausstrahlungszeitraum. ANNA löste 1987 einen totalen Balletthype aus. Aber mich berührte die Serie noch aus anderen Gründen. 

Für alle unwissenden: Anna (Silvia Seidel) ist eine junge Ballettschülerin im Teenageralter. Durch einen Autounfall ist sie vorübergehend gelähmt - ohne Lebensmut und ohne Willen sich wieder zu bewegen. Im Krankenhaus und in der Reha begegnet ihr Rainer (Patrick Bach). Er ist seit einem Skiunfall querschnittsgelähmt und hat immer und überall seine Videokamera dabei (damals in den 80ern, da gab es keine Handys, Instagram und Co...). Rainer schafft es Anna neuen Mut zu geben und am Ende tanzt sie auch wieder Ballett. Außerdem gab es noch die Ballettlehrerin Madam Kralowa (Milena Vukotic), die eine Lungenerkrankung hat (Asthma?), an der sie am Ende auch stirbt.

Mein Leben mit 12

Ich war 1987 zwölf Jahre alt und schon richtig schwer Muko-krank. Mir wurde bereits ein Teil der Lunge entfernt, nachts bekam ich Sauerstoff, war im Jahr vier oder fünf mal im Krankenhaus, dazu Reha und ich war extrem untergewichtig. Für größere Ausflüge fingen wir an, einen Rollstuhl auszuleihen. 

Wie fast alle Mädels in meinem Alter habe ich die Serie geliebt und hätte am liebsten auch sofort mit Ballett angefangen. Aber für mich war die Serie noch mehr. Die ein oder zwei Folgen die im Krankenhaus und der Reha spielen, waren für mich ja "normal". Endlich mal im Fernehen sehen, was ein großer Teil meines Lebens ist und das mit jungen Leuten. Überhaupt war dort alles neu - allein ein junger Rollstuhlfahrer und das in einer Serie für Kinder und Jugendliche. Das war schon besonders. Dazu die lungenkranke Ballettlehrerin, für mich natürlich eine besondere Verbindung. Allerdings hat mich immer aufgeregt, dass sie ihr "Lungenspray" total falsch benutzt - kein Wunder das es nicht geholfen hat. :-)

Motivation

Mukoviszidose ist in dem Zustand, in dem ich schon war, sehr therapieaufwendig. Viele Stunden Inhalation, Atem-  und Phsiotherapie, Medikamente, Sauerstoff, künstliche Ernährung (bei mir ab 1988) und nach und nach setzte sich die Erkenntnis durch, dass Bewegung und Sport bei Lungenerkrankungen nicht mehr verboten, sondern sogar sehr wichtig sind. Da immer diszipliniert und motiviert zu bleiben, ist nicht einfach. Darum haben mir besonders gut die Szenen gefallen, die gezeigt haben wie hart Anna übt und trainiert. Das mag sich blöd anhören, aber noch heute kriege ich einen Motivationsschub, wenn ich das schaue. Jedesmal fange ich wieder an Treppen zu zählen, Tendus und Pliés zu üben und bin fest der Überzeugung mit viel Training schaffe ich alles - egal ob zu der Zeit mit Sauerstoff oder jetzt mit meinen kaputten Knochen und Muskeln. Natürlich rächt sich mein Körper jedesmal, aber ich lerne auch nicht daraus *lach*. In diesem Jahr hatte mein Körper vorgesorgt, damit ich erst gar nicht wieder auf dumme Ideen komme. Nach etwa zwei Monaten heftiger Schmerzen stellte sich einen Tag vor Weihnachten raus, dass ich einen Fersenbeinbruch hatte. Also nix mit Treppensteigen nach ANNA gucken.

Mehr Rainer...

Jetzt bin ich schon wieder ein bisschen vom Thema abgekommen. Warum sag ich, das ich mehr wie Rainer geworden bin, anstatt wie Anna. Da war (und ist) natürlich der Rollstuhl, anstatt von Ballettschuhen. Und ich hatte zwar keine Videokamera, aber es gab Menschen die behauptet haben sie würden mich nicht erkennen, wenn ich keinen Fotoapparat vorm Gesicht hätte. Ich habe so selten Freunde treffen können und meine wenigen schönen Momente waren so enorm wichtig für mich, dass ich einfach alles festhalten wollte, um mich in schlechten Phasen daran hochzuziehen. Außerdem musste Rainer viel trinken, weil seine Nieren Probleme machten. Damals waren zwar meine Nieren noch in Ordnung, aber ich musste viel trinken um den Schleim in der Lunge möglichst flüssig zu halten. Immer fröhlich sein, andere motivieren und versteckt eben trotzdem traurige, einsame Momente haben, auch darin fand ich mich wieder. Im Rückblick vielleicht noch mehr als 1987.

Miriam im Rollstuhl an Bord der Costa Luminosa 2019
- vor Corona, trotzdem mit Mundschutz

...und doch noch ein bisschen Anna


Die Idee zum Ballettuntericht zu gehen, war immer mal wieder in meinem Kopf. Ganz besonders mit 19, 20 Jahren, nachdem ich in Rente gehen musste und mehr Zeit und Energie für schöne Dinge zurück gewann. Aber zu dem Zeitpunkt fand ich nicht die richtigen Informationen und konnte mir nicht vorstellen, dass es Anfängerkurse für Erwachsene geben könnte - und wenn doch, dass sie mich so krank nicht nehmen. Als ich 30 und 24/7 sauerstoffabhängig war, erzählte mir eine Freundin, dass sie in Dresden war. Ich solle bitte nicht lachen, aber nach einer Führung durch die Oper, hätte sie total Lust bekommen mit Ballett anzufangen. Sie hat es nicht gemacht, aber für mich war es der Startschuss meiner Ballett"karriere". Nach einem missglückten Versuch habe ich eine so tolle Ballettgruppe gefunden, dass allein füllt einen langen Blogbeitrag. Hier gibt es ein vom Muko ev produziertes Video, da könnt ihr mich bei meinen Ballettanfängen sehen - noch mit Sauerstoff, lange vor meiner Lungentransplantation. Ballett ist mir ganz wichtig geworden und hat mich manches mal aus einem Tief geholt - körperlich und mental. Auch wenn ich es nicht so intensiv machen konnte/kann. So bin ich am Ende doch noch ein kleines bisschen Anna geworden.
Miriam, 2011, auf "Spitze" auf dem Seil vom kleinen Sport-Parcour
in der Reha Klinik Zeepreventorium. 

2022


Der Rainer-teil ist größer geworden, da auch meine Nieren inzwischen viel Probleme machen.

Der Anna-teil ist zur Zeit fast verschwunden. Zum einen kann ich seit der Pandemie nicht zum Unterricht gehen, aber auch meine ständig gebrochenen Knochen und die Schmerzen lassen es nicht zu. Aber ich hoffe immer noch, dass ich zu meiner Gruppe zurück kann. Irgendwann, irgendwie. Wenigstens ein wenig mitmachen, nicht gut... aber mit Spaß. Das ist meine Motivation meinen Körper irgendwie fit zu bekommen und immer weiter zu üben, weiter zu kämpfen. 

Fun-Fact


Selbstverständlich ist die Serie sehr, sehr 80er. Die Klamotten, aber auch die "lustigen" Sprüche. Zum Beispiel: Keiner wäscht Rainer. Damals ein Brüller. Solche Sprüche mit Namen waren total in. Meine Schulklasse hatte einen für mich:

"Alle liegen auf dem Sofa, nur Miriam, die in Hannover."

Damit war natürlich meine Klinik, die Medizinische Hochschule Hannover gemeint ;-).

Ich geh jetzt mental ein bisschen tanzen,

Miriam


Samstag, 8. Januar 2022

10 Sätze woran Ihr erkennt, dass der Arzt keine Ahnung von Muko hat....

Wir haben das Gefühl es wird mal Zeit für so ein "10 Sätze woran Ihr erkennt..."-Ding. Hier kommt aus unserem Fundus der Arztbesuche ein Best of... 10 Sätze woran Ihr erkennt, dass der Arzt keine Ahnung von Mukoviszidose hat:

1. "Und seit wann haben Sie diese Krankheit?"

2. (Ich am Sauerstoff hängend.) "Haben Sie das Gefühl, dass sich die Krankheit in den letzten Jahren verschlechtert hat?"

3. "Warum nehmen Sie so viele Kreon?" oder wenn er begeistert ist, weil er wenigstens ein Medikament kennt: "Ah Kreon, 3x täglich eine?"

oder auch

4. "Sie nehmen ja viele Medikamente. Wer hat die denn alle verschrieben?"

Foto: diverse Medikamente (Tabletten, Kapseln, Insulin)
 
5. "Sind Sie in ärztlicher Betreuung?" bzw. "Haben Sie einen Hausarzt?"

6. "Und Diabetes haben Sie auch noch?"

7. Ich: "Ich mache täglich Autogene Drainage..."
Arzt: "Sie können so viel autogenes Training machen wie sie wollen, aber ob das was hilft..."

8. Frauenärztin (weiß von der Lungentransplantation) sieht beim Brustabtasten die Narben: "Hatten sie eine Brustvergrößerung?"

9. Arzt: "Azithromycin ist aber ein Antibiotikum, wie lange nehmen sie das schon?"
Ich: "Äh, so 20, 25 Jahre."
Arzt in extrem belehrendem Ton: "Tage, sie meinen 20 Tage."

10. Arzt beim Sono - schallt und schallt und schallt... scheinbar scheint er etwas zu suchen. Ein Kollege kommt rein.
Arzt 1: "Ich finde keine Zysten..."
Arzt 2: "Wieso sollen da Zysten sein?"
Arzt 1: "Hier steht Cystische Fibrose..."


Und was habt Ihr so erlebt?

Miriam und Insa 


Samstag, 9. Oktober 2021

Trotz Ängsten zur Selbsthilfetagung nach Bonn

Insa hatte vor kurzem ja schon einen Beitrag zur Selbsthilfearbeit geschrieben. Seit Gründung der Elterngruppe in Braunschweig, die dann vor 40 Jahren zum CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V. wurde, bin ich dabei. Damals gab es die Keimproblematik noch nicht und wir Kinder waren häufig bei den Treffen und Veranstaltungen dabei. Ich habe mich nie aktiv für Selbsthilfearbeit entschieden, ich bin da hinein gewachsen. Für mich ist das einfach völlig normal, mich dort zu engagieren. 

Trotzdem war ich bisher noch nie bei einer Selbsthilfe-Tagung des Mukoviszidose e.V. , obwohl es diese schon viele Jahre gibt. Bei der Selbsthilfe-Tagung kommen Vertreter*innen aus den jeweiligen Regio-Gruppen und Selbsthilfegruppen zusammen. Neben Vorträgen zu verschiedenen Bereichen der ehrenamtlichen Selbsthilfearbeit und auch gemeinschaftlicher Ideenentwicklung stellen die einzelnen Gruppen ihre Projekte vor und geben Tipps, zum Beispiel zum Spendensammeln. Sie erzählen aber auch ehrlich, wo es grad nicht so gut läuft oder es Probleme gibt. Was ich echt toll fand, war dass ich es als eine sehr angenehme, ehrliche Runde empfunden habe. Wir durften noch spontan unseren kurzen Imagefilm zeigen, den Insa erstellt hat (hier findet ihr den Film ) und es freut mich mega, dass auch die anderen ihn so toll fanden, wie wir.

Aber eigentlich wollte ich ja auch in diesem Jahr nicht dort hin. Zum einen habe ich einfach wenig Kraft / Energie und dann so ein ganzes Wochenende unterwegs sein, mit engem Terminplan, keine Zeit für Mittagsschlaf und diese unangenehmen Momente, wenn ich einfach während eines Vortrages die Augen nicht mehr aufhalten kann, egal wie interessant es ist. Zum anderen macht mir Corona natürlich weiterhin Sorgen. Soll ich da wirklich in ein Hotel fahren und an Meetings mit mehreren Leuten teilnehmen? Ich bin da einfach noch extrem vorsichtig. Leider greift halt bei vielen Lungentransplantierten die Schutzimpfung gegen Corona nicht, da unser Immunsystem mit Medikamenten geschwächt wird, damit die Spenderlunge nicht angegriffen wird. 

Kurzum, ich hatte mich nicht für diese Tagung gemeldet. Wenige Tage vor der Veranstaltung musste leider eine Teilnehmerin unserer Gruppe absagen. Ich habe mich wirklich schwer getan mit der Entscheidung, spontan einzuspringen. Ein ausschlaggebender Punkt war, dass unsere CF-Gemeinschaft all die Hygieneregeln im Grunde schon immer einhält, beziehungsweise einhalten muss. Ganz unabhängig von Corona. Außerdem musste ich nicht selbst Autofahren (oder etwa Zug), da ich mit unserem ersten Vorsitzenden Andreas Jäger nach Bonn gefahren bin. 

Foto: Miriam und Andreas bei der Selbsthilfetagung

Bei der Tagung angekommen muss ich sagen, war es doch mal wieder richtig klasse von zu Hause weg zu sein. Etwas anderes zu sehen, Leute zu treffen, die ich Ewigkeiten nicht getroffen habe und viele neue tolle Menschen kennen zu lernen. Mit aller Vorsicht, immer mit etwas Bedenken im Hinterkopf habe ich auch gemerkt, dass ich einfach innerlich angespannter war als "früher". Trotzdem war es schön und ich habe die vielen Gespräche beim Essen und den langen Abenden sehr genossen. Ihr wisst ja, das schönste sind die Pausen und die Gespräche nebenbei * zwinker*. 

Nein, nein, das Seminar an sich war auch richtig klasse. Die Zeit ist wahnsinnig schnell verflogen. Es gab keinen Vortrag, der mich nicht interessiert oder nicht in irgendeiner Weise inspiriert oder motiviert hat. Leider hatte ich trotzdem zwei bis drei mal am Tag dieses unabwendbare Einnicken - und das in einer U-Sitzordnung, peinlich. Ich hatte dies allerdings ganz am Anfang zumindest bei Frau Stähle und Frau Hanisch, die durch das Programm führten, kommuniziert, um mir ein wenig den Druck zu nehmen. Auch Andreas hat mich super unterstützt und hat versucht es für mich so unanstrengend wie möglich zu machen.

Was mir übrigens am meisten Sorgen gemacht hat, war das Essen. Mit vielen Menschen ohne Maske im geschlossenen Raum essen zu müssen, möchte ich wirklich noch dringend vermeiden. Wir hatten aber total Glück, dass Wetter war gut genug um immer draußen essen zu können. Das war sehr erleichternd. Noch dazu saßen wir zum essen an dem kleinen, aber hübschen Hotelteich und ich bin endlich mal wieder dazu gekommen aufs Wasser zu schauen *lach*. Das war richtig, richtig nett. Sogar die obligatorische Postkarte an meine Freundin habe ich geschrieben, dass ist doch schon fast wie Urlaub.

Foto: Blick auf das Tagungshotel, im Vordergrund ein Teich

Das Seminar war dann auch viel zu schnell vorbei. Der Abschied fiel schwer und die Rückfahrt habe ich komplett verschlafen. Müde, aber glücklich.

Bis zum nächsten Mal,
Miriam 


Freitag, 16. Juli 2021

heiße Tage

Vor kurzem hatten wir die ersten heißen Sommertage über 30°C. Und so wie ich den Sommer in den letzten Jahren kennengelernt habe, werden es nicht die letzten richtig warmen Tage in 2021 gewesen sein. Deswegen kommt hier nochmal unser Hinweis für alle Mukos (und auch alle Sportler): Trinkt genug und achtet auf genügend Natrium (Salz). Gerade bei uns Mukos, die viel schwitzen und aufgrund des veränderten Salz-Wasser-Haushalts zu viel Salz beim Schwitzen abgeben, ist es wirklich wichtig, im Sommer auf salzige Sachen zurück zu greifen. (Miriam hatte hier mal den schönen Beitrag "Der wandelnde Salz-Leckstein" gepostet.)

Foto: Salzstangen liegen etwas verstreut auf einem Holztisch

zu wenig Natrium

Es ist erst ein paar Wochen her, da habe ich selbst erlebt, was passiert, wenn der Körper zu wenig Natrium hat. Und ich kann Euch sagen, das war keine lustige Erfahrung. Es fühlte sich an wie eine Mischung aus Kreislaufproblemen und Unterzuckerung, plus massivem Ganzkörperzittern. Dieser Zustand führte mich dann umgehend auf die Intensivstation des nächsten Krankenhauses - dies aber hauptsächlich wegen der besten Kontrollmöglichkeiten und nicht wegen meines schlechten Zustands. Mein Ganzkörperzittern ging so weit, dass ich nicht in der Lage war etwas aus einem Glas zu trinken (alles verschüttet) oder meine PIN auf dem Handy einzugeben... Auch das Sprechen viel mir schwer und wurde durch das Zittern des öften unterbrochen. Hinterher wurde mir gesagt, dass zu wenig Natrium auch zu (ich nenne es mal) geistigen Einschränkungen führen kann!
Mit langsamer Natriumgabe ging es mir glücklicherweise innerhalb von zwei Tagen wieder gut. (Natrium darf bei niedrigem Wert nicht zu schnell gegeben werden, da es sonst zu bleibenden neurolotischen Schäden kommen kann....). Und ich war nach kurzer Zeit wieder bei normalen stabilen Werten und durfte nach Hause.

Warum bei mir das Natrim so entgleist ist (ich hatte das vorher noch nie), kann mir keiner sagen... Ich persönlich denke es war eine Verkettung unglücklicher Umstände: kurzfristiges hohes Antibiotikum (mir wurde ein Zahn gezogen) trifft auf Immunsuppressiva und Blutdrucksenker... Wahrscheinlich werde ich die Ursache nie erfahren... ich hoffe aber auch, dass dies nicht so schnell wieder passiert.

Deswegen: Achtet gerade im Sommer auf genügend Salzzufuhr,
Insa


Sonntag, 20. Juni 2021

54. Jahrestagung des Mukoviszidose e.V.

Am 8. Mai 2021 fand die 54. Jahrestagung des Mukoviszidose e.V. statt. Dies ist zwar schon wieder sechs Wochen her, trotzdem möchten wir noch kurz darüber berichten. Insa und ich konnte leider nicht dabei sein - auch wenn die Veranstaltung Corona bedingt online stattfand - aber zwei Freundinnen waren so nett und haben uns informiert, so dass wir hier eine kleine Zusammenfassung geben können.

Franziska ist Mutter von Zwillingen, von denen einer Mukoviszidose hat. Sie arbeitet auch mit uns in der CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V. und organisiert dort das Muko-Spendenschwimmen in Königslutter (am 27.06.2021 geht es wieder los, leider wieder virtuell, Anmeldungen sind natürlich noch sehr willkommen).

Sarah ist eine Muko-Freundin von uns und auch sie arbeitet inzwischen in der CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V. mit. Ihr habt Sarah hier in unserem Blog auch schon häufiger gesehen, z.B. gerade erst beim Bericht zum Tag der Organspende.

54. Jahrestagung vom Mukoviszidose e.V.

Auf dem Programm stand die Mitgliederversammlung und die Jahrestagung. Die Themen der Jahrestagung waren z.B. die klinische Forschung, neue Dreifachtherapie, Corona und Muko und viele weitere...

Foto: Laptop mit der Onlineübertragung eines Vortrags

Der Adolf-Windorfer-Preis wurde in diesem Jahr für herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Erforschung und Gentherapie der Mukoviszidose verliehen. Er ging an die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Joseph Rosenecker für die „Entwicklung eines auf Nanopartikeln basierenden Vektorsystems für die CF-Gentherapie".

Danach folgte ein Vortrag über Neues aus der klinischen Forschung, und Berichte von ärztliche und nicht-ärztliche Behandler*innen über ihre Erfahrungen mit den neuen CFTR-Modulatoren. Bald sollen auch die Mukoviszidose-Betroffenen mit sehr sehr seltener Mutation von der Dreifachkombination profitieren können. 

Zwischen den zwei Hauptthemen konnten wir ein kleines Sportangebot wahrnehmen , so das wir Teilnehmer*innen uns kurz dehnen konnten. 

Am Nachmittag gab es dann die Möglichkeit sich in Onlinegruppen zu drei Themen auszutauschen. Für die über 18-jährigen gab es die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Gruppen (wir konnten aber auch zwischen den Themen hin und her hüpfen).

Es ging in Gruppe A um: Experten beantworten Fragen zum Vortrag „Erfahrungen Triple-Therapie/CFTR-Modulatoren“

Und in Gruppe B um: Corona & CF – Impulsvortrag und Austausch

In der Gruppe C konnten sich Eltern von Muko-Kindern bis zum 10. Lebenjahr austauschen.

Danke Mukoviszidose e.V für eure gelungene Veranstaltung und Ablauf an diesem Tag. Die Vorträge waren sehr informativ und interessant.

Danke nochmal für die Infos liebe Sarah undliebe Franziska,
Miriam

Freitag, 7. Mai 2021

HOPE und der CF awareness month

Der Mai ist in vielen Ländern der "Cystic Fibrosis awareness month" - also der Cystische Fibrose (CF = Mukoviszidose) Aufmerksamkeitsmonat. Das bedeutet, dass in diesem Monat besonders viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird und auch viele Patienten und Angehörige Informationen rund um das Leben mit Muko verbreiten. Ebenfalls nicht ganz so bekannt in Deutschland ist die lilafarbene Schleife als Erkennungszeichen. Auch Rosen stehen für CF, das liegt an einer Geschichte aus den Mitte 1960er Jahren: English ausgesprochen ähnelt "cystic fibrosis" den Worten "65 roses" (sixty-five roses). Richard, der damals etwa vier war, und seine Mutter Mary G. Weiss machten diesen Ausdruck populär. "65 Roses" ist inzwischen ein eingetragener Markenname der Cystic Fibrosis Foundation. Ich erinnere mich an eine Freundin aus Kindertagen, die immer sagte, dass ich Muko-Whisky-Dose habe. Der Begriff lässt sich wahrscheinlich nicht so gut etablieren. Habt Ihr Erinnerungen/Erfahrungen mit kuriosen Namen für Mukoviszidose?

Mit Flügeln ein Zeichen setzten

Welches typische Zeichen haben wir eigentlich in Deutschland, was für uns automatisch mit CF/Muko verknüpft ist? Früher gab es bei den Selbsthilfen die verschlungenen Buchstaben C und F, die dann ähnlich wie eine Baumkrone ausgefüllt wurden, was die Lunge darstellen sollte. Mit dem Zeichen bin ich aufgewachsen und mag es bis heute gern. Seit 2004 sind die Flügel vom Mukoviszidose e.V. ein markantes Symbol und das liebe ich sehr. Einfach weil es vieles bedeutet: die Flügel stehen symbolisch für die Lungen"flügel", sie stehen für Schutzengel, irgendwie auch für Luft, für Freiheit und sie vermitteln (mir) eine Leichtigkeit und dass alles möglich ist.

HOPE

Seit einiger Zeit haben die Flügel Zuwachs, beziehungsweise einen Körper bekommen: HOPE, übersetzt Hoffnung, ein niedlicher Schutzengel. Zum Start der Pandemie habe ich mit Diamond Painting begonnen: Es gibt eine Bildvorlage mit Klebeschicht und ca. 2,5 mm kleine Steinchen mit denen dieses Bild beklebt wird. Im letzen Jahr habe ich schon einmal kurz davon berichtet, als Insa und ich über unsere Hobbys geschrieben haben.  Da es auch möglich ist eigene Vorlagen in Diamond Paintings umzuwandeln, habe ich mir "HOPE" als Bild erstellen lassen. Dass ich HOPE nun gerade zum awareness month fertig habe, war ehrlich gesagt Zufall, aber passt natürlich perfekt. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht und ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. 


Auf der Seite des Mukoviszodse e.V. könnt ihr HOPE übrigens auch als Malvorlage runterladen.

Happy CF awareness month,
Miriam

P.S. Für alle Kreativen: Pari macht zur Zeit einen Kreativwettbewerb. Das Thema ist „Mehr vom Leben“ und kann in allen möglichen Formen kreativ umgesetzt werden.

Freitag, 9. April 2021

Muko.info – Mukoviszidose und Beruf

Die Muko.info ist die Vereinszeitung des Mukoviszidose e.V.. Insa und ich haben ja schon häufiger über unsere Mitarbeit dort berichtet. In der aktuellen Ausgabe sind wir beide vertreten. Insa mit einer ihrer tollen Sketchnotes und ich mit einem Bericht über meine Ausbildung. Beides gehört zum Spektrumthema dieser Ausgabe: CF/Muko und Beruf

Foto: Sketchnote in der Muko.info über die Berufswahl von Mukos früher und heute

Klingt für Aussenstehende vielleicht total unspektakulär, aber für uns Mukos hat sich in den letzen Jahren viel getan auf diesem Gebiet. Es mag makaber klingen, aber es ist noch gar nicht so lange her, als sich überhaupt nur wenige Mukos Gedanken über einen Beruf machen mussten, da nur die wenigsten ein berufsfähiges Alter erreicht haben. Und die, die dies geschafft haben, waren dann meistens zu krank um noch etwas zu arbeiten.

Mit dem Fortschritt der Medizin wurden wir älter, aber trotzdem wurden Berufe meist aus Vernunftgründen gewählt. Was kann ich mit wenig Luft ausüben? Wo laufe ich nicht Gefahr mich mit irgendetwas anzustecken oder meiner Lunge anders zusätzlich zu schaden? Gut, da war ich mit meiner Ausbildung als Arzthelferin jetzt nicht so ganz vernünftig. 

Foto: mein Artikel in der Muko.info über die Ausbildung

Inzwischen haben wir glücklicherweise die nächste Stufe erreicht. "Wir" werden nicht nur älter, sondern sind auch fitter und gesünder als vor einigen Jahren. Das zeigt sich auch in der Vielfältigkeit der Berufe die ausgeübt werden. Nun stehen endlich die Vorlieben und Wünschberufe im Vordergrund und nur noch ein bisschen der Vernunftsgedanke. 

Viel Spaß in Eurem Wunschberuf,
Miriam

P.S.: Ältere Ausgaben könnt ihr im Archiv des Muko eV online nachlesen!


Samstag, 27. Februar 2021

Notfall-App für Mukos

In dieser Woche ging die Notfall-App der Mukoviszidose Selbsthilfe Region Bremen e.V. an den Start. Die kostenlose App kann im Apple-Store (für Apple) und bei Google Play (für Android) runtergeladen werden. (Falls die Links nicht funktionieren müsst Ihr nach "Mukoviszidose" oder Cystischer Fibrose" suchen.)

Warum so eine Notfall-App?

Diese App geht zurück auf eine Info-Broschüre, in der alle möglichen Notfälle bei Mukoviszidose erklärt/beschrieben werden. Nachdem alle Flyer verteilt waren, stand die Frage im Raum, ob es eine Neuauflage geben soll. Da so eine Broschüre irgendwo zu Hause in einer Schublade liegt und in einem Notfall (z.B. Lungenblutung) wahrscheinlich nicht erst gesucht wird (sofern man/frau denn bei einem Notfall überhaupt zu Hause ist)... kam von der Selbsthilfe Bremen schnell die Idee, die neuen Medien zu nutzen: Eine Notfall-App sollte her und alle wichtigen Informationen für Mukos schnell erreichbar machen.

Was kann die App?

Die App ist sehr einfach zu bedienen. Auf der Startseite erscheinen vier Hauptkategorien: Magen, Lunge, Diabetes und Sonstiges. Diese sind mit Unterkategorien gefüllt, bei denen es zu Notfällen oder Komplikationen kommen kann. Darunter sind dann kurze Infotexte aufgeführt: "Beschreibung", "Auslöser", "Symptome", "Schweregrad" und "Was ist zu tun".

Bilder: Screenshots von der Muko-App

Außerdem gibt es noch Extras - dort kann man seine Notfallkontakte oder Arztadressen eintragen, die Medikamentenliste einfügen oder auch einen Blick ins Literturverzeichnis werfen.

Wer steckt dahinter?

Diese App ist von der Mukoviszidose Selbsthilfe Region Bremen e.V. größtenteils selbst finanziert worden. Das ist eine enorme finanzielle Leistung. Hut ab! Aber auch unsere CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V. hat eine Summe für diese Projekt gespendet, ebenso wie die CF-Selbsthilfe Köln e.V.. (Ich finde es echt super, wenn die Selbsthilfegruppen so zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.) Außerdem waren die AOK Niedersachsen und Aktion Mensch mit im Boot.

Diese App ist keine Medizinapp. Sie dient dazu schnell und einfach Antworten zu finden, wenn überraschend Symptome auftreten und sie hilft eventuell diese Symptome besser zu deuten. Wie der Name Notfall schon sagt, empfielt die App bei fast allen beschriebenen Notfällen einen Arzt zu kontaktieren.

Wer Anregungen oder Verbesserungsvorschläge hat - die Bremer freuen sich über Rückmeldungen. Kontaktdaten findet Ihr auf der Webseite der Selbsthilfegruppe.

Habt Ihr die App schon runtergeladen?
Schreibt uns gerne Eure Meinung dazu.

Insa 


Montag, 15. Februar 2021

Feedingtube Awearness Week - künstliche Ernährung, meine persönliche Geschichte

In der vergangenen Woche war die "Feedingtube Awearness Week" - also eine Woche in der die Aufmerksamkeit auf das Thema Ernährungssonden (jeder Art) gelenkt werden sollte. Ich versuche schon lange Euch einen Beitrag zu diesem Thema zu posten, aber das Thema ist so weitreichend, das es mir mal wieder schwer fällt, es einigermaßen kompakt zusammenfassen.

Warum musste ich künstlich ernährt werden

Das ganze Essensthema ist eine Geschichte für sich. Die Kurzfassung ist im Grunde typisch für meine Generation-Mukos: Hoher Energiebedarf, zu Anfang noch keine guten Enzyme um das Essen gut zu verwerten und immer enorme Schwierigkeiten essen zu können (Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen...). War ich als Baby noch normalgewichtig, wurde ich später immer dünner und lag irgendwann deutlich unter der 3er Perzentile bei diesen Gewichtskurven für Kinder.

Meine erste nasale Magensonde

1985, ich war neun Jahre alt, war ein schlimmes und sehr entscheidendes Jahr, was meine Gesundheit anging. Eh schon recht eingeschränkt in der Lungenfunktion, bekam ich Anfang des Jahres gleich zwei Lungenentzündungen hintereinander. Bei der Zweiten sah es wirklich beängstigend aus und mein sowieso schon geringes Gewicht war keine Hilfe. Zuerst bekam ich "Fett" über die Vene. Schließlich wurde entschieden, dass ich zusätzlich auch eine Magensonde (durch die Nase) bekommen soll. Allerdings waren 1985 Magensonden gefühlt so dick und unflexible wie heute Magenspiegelungschläuche. An das legen erinnere ich mich mit Grauen und bei jeder Lungenspiegelung ist allein der Weg vom Endoskop durch die Nase behaftet mit diesen furchtbaren Erinnerungen. So eine Sonde durfte immer sieben Tage liegen, bevor sie gewechselt wurde. An einem fünften Tag, entfernte eine Schwester zum waschen das Pflaster und ich sagte sofort panisch: "Die darf noch zwei Tage." Und zack hatte die Schwester die Sonde gezogen. Ich hab schrecklich geweint und die Schwester gehasst. Am nächsten Tag erklärte sie mir, dass sie es einfach nicht mit ansehen konnte, wie ich schon zwei Tage vor dem neu legen total aufgeregt und ängstlich war. Heute verstehe ich was sie meinte, aber damals fand ich es nur unfair. Ansonsten lief es gut mit Sonde. Schlucken war etwas schwieriger, aber meine Lieblingsschwester brachte mir von sich zu Hause Dosenobst mit, das rutschte gut. Und ich durfte mich auch selbst sondieren, ohne das jemand dabei war. Damals fand ich das total normal, im Rückblick heute ist es schon irgendwie krass. Von Fresenius gab es damals "Ochsenschwanzsuppe", das war mein Favorit - mein Teddy hat den Fleck davon allerdings immer noch. Magensonden für zu Hause waren noch nicht üblich. Daher war meine erste Phase der künstlichen Ernährung mit Entlassung aus dem Krankenhaus beendet. Es folgten einige Jahre in denen wir es mit den hochkalorischen Zusatzgetränken versuchten. Auch ein so ein Thema für sich.

Nasale Sonde Zweiter Versuch

1988, ich war inzwischen 12 Jahre alt, war das Thema Gewicht weiterhin ein großes Problem. Jetzt  konnte die künstliche Ernährung auch zu Hause stattfinden und so gab es einen neuen Anlauf mit einer nasalen Magensonde. Inzwischen waren diese deutlich dünner und weicher. Eine meiner "Muko-Vorbilder", Petra, schob sich ernsthaft jeden Abend selbst die Sonde und zog sie morgens wieder. Dafür habe ich Petra so bewundert. Bei mir gestaltete sich das Legen nicht ganz einfach und kaum war sie drin, hing sie mir nach einem Hustenanfall plötzlich aus dem Mund. Na super. Beim Versuch sie zu entfernen verhakte sie sich irgendwo in der Nase (da das Ende etwas dicker ist als der weiche Schlauch) und erst ein beherztes ruckartiges ziehen brachte den Erfolg. Damit war eine nasale Sonde definitiv vom Tisch.

PEG - ganz neu auf dem Markt und schon in meinem Bauch

Zu dieser Zeit hatte grade die erste Jugendliche auf der Station etwas total Neues bekommen: Eine PEG. Diese Art der Magensonde wird durch die Bauchdecke in den Magen gelegt. Der Vorteil ist, dass sie von anderen nicht gesehen wird (in dem Alter ein wichtiger Punkt), sie muss nicht ständig gewechselt werden und es stört kein Schlauch im Hals beim Schlucken oder Abhusten. Da das so neu war, kamen ständig Ärzte und Ärztinnen auf Station, die von den Schwestern wissen wollten: "Wo liegt die PEG?" Woraufhin unsere Schwestern immer nur auf ihren Bauch tippten und sagten: "So etwas neben dem Bauchnabel." Fand ich grandios. Lange Rede kurzer Sinn, ich wurde die zweite PEG! Ehrlich gesagt haben mich die Ärzte damals mit dieser Nachricht ganz schön überfahren (und meine Eltern auch). Ich war gar nicht begeistert und konnte mir nicht vorstellen, dass ich mich mit so einem Schlauch im Bauch überhaupt bewegen würde können. Wieder war es vor allem eine meiner Lieblingsschwestern, die sich viel Zeit genommen hat, mir alles zu erklären, zu zeigen und mir die Angst so gut wie möglich zu nehmen. 
Foto: Miriams Puppe mit PEG
 
Meine Puppen waren ja immer im Krankenhaus dabei und die hingen natürlich auch an sämtlichen Schläuchen. Mariechen hat hinten eine Klappe, wo eigentlich kleine Schallplatten rein kamen (kennt heute gar keiner mehr) und für den Lautsprecher Löcher im Bauch. Daher war sie die Auserwählte für eine top selbstgebastelte PEG.
Foto: Die Puppen-PEG etwas mehr im Detail

Das Beste was mir passieren konnte.

Insgesamt gesehen habe ich mich schnell an die PEG gewöhnt. Es war im Alltag bei all dem Essensdrama eine unglaubliche Erleichterung. Nicht nur für mich, auch für meine Familie. Allein im ersten halben Jahr nahm ich 10 Kilo zu und mein gesamter Gesundheitszustand wurde stabiler. Weniger Notfall-Krankenhausaufenthalte, weniger Fehltage in der Schule und ähnliches. Es gab natürlich ein paar Anfangsschwierigkeiten. Die Haut an meinem Bauch war schnell rot und zum Teil blutig vom Pflasterverband. Wie gesagt, ich war erst die Zweite, es gab noch keine Erfahrungen. Erst versuchten wir es mit Mullbinden um den Bauch - die rutschten aber natürlich sofort nach unten. Und so kam es recht schnell, dass ich nur noch den Schlauch mit einem Stück Pflaster fixierte und wir die Erkenntnis gewannen, dass es keinen Verband brauch wenn die PEG gut eingewachsen ist. Leider brauchte ich gut eine halbes Jahr um meinen ersten Hustenanfall am Morgen so zu steuern, dass ich mich nicht mehr übergeben musste. Über Nacht lief schließlich ein Liter milchartige Flüssigkeit in meinen Magen. Ein weiteres unschönes Problem war das Material damals. Der Stöpsel zum anschließen des Ernährungsbeutels wurde nicht wie heut geschraubt, sondern mit geklebt. Das hielt so semi gut. Immer mal wieder wurde ich nachts wach, weil ich in einer warmen Lache aus Fresubin Vanille und Magensaft lag. Nicht schön. Schlimmer war es aber, wenn der Stöpsel in der Schule auf oder ab ging und mir der Magensaft am Bein lang lief. Riecht dazu ja auch noch eklig. 

Wechsel bis zum Button

Meine erste PEG hielt tatsächlich sieben Jahre, so lang hat es keine zweite geschafft. Einmal war sie mir allerdings in den Dünndarm gerutscht, das war wirklich unangenehm. So wurden die Schläuche also alle paar Jahre gewechselt. Ab dem zweiten Model hatten sich auch die Schwierigkeiten mit dem losen Anschluss erledigt. Was für eine Erleichterung. Dann kamen "Buttons" auf den Markt. Dies bedeutet zwei markante Unterschiede. Innen im Magen gab es keine feste Halteplatte mehr, sondern einen Ballon der mit etwas Wasser gefüllt das rausrutschen verhindert. Ein Nachteil dabei ist, dass dieser Ballon natürlich keine sieben Jahre hält, sondern irgendwann undicht wird oder platzt (fühlt sich an wie eine zerplatzende Kaugummiblase im Magen). Dafür kann der Button allein gewechselt werden, habe ich mich aber nie getraut. Na gut, ich hatte auch nur zwei bevor es anders weiter ging. Nun hätte ich Euch aber fast den wichtigsten und entscheidenden Unterschied zur klassischen PEG verschwiegen. Es hängt einem kein 15 cm langer Schlauch mehr aus dem Bauch. Es ist nur noch ein kleiner runder "Plastikknopf" wo direkt ein Adapterschlauch angedockt werden kann. Heute ist es glaub ich sogar nur noch ein schmaler Steg. Kein hängenbleiben mehr, noch dezenter, klasse.  

Letztes Kapitel PEJ

Im Juli 2013 versagte meine eigene Lunge endgültig und ich musste an die ECMO (Herz-Lungen-Maschine). Zusätzlich hatte ich auch einen Luftröhrenschnitt für die Beatmung. Unter diesen Bedingungen entschied das Behandlerteam meinen Button gegen eine PEJ zu tauschen. Der Unterschied zur PEG besteht darin, dass der Schlauch innen nicht an der Mageninnenwand endet, sondern bis in den Dünndarm vorgeschoben wird. Das sollte vor allem verhindern das die Nahrung zurück in die Speiseröhre lief und auch die Gefahr des Erbrechens war wesentlich kleiner. Ich hatte wahnsinnig Glück in dieser Situation und bekam meine Spenderlunge. Wie viele Mukos hatte ich in den folgenden Wochen und Monaten noch große Probleme mit meinem Darm. Da war die PEJ ganz praktisch, weil ich dadurch viel Flüssigkeit zum spülen sondieren konnte und nicht alles trinken musste. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich total gern bei "selten" oder "das passiert eigentlich nicht" dabei bin? Etwa ein halbes Jahr nach der Lungentransplantation habe ich es geschafft, den Schlauch aus dem Dünndarm durch den Mund zu erbrechen. Da sich zuerst der Kehlkopf verkrampfte, war es es erst einmal eine beängstigende Situation, da ich kurzfristig nicht atmen konnte. Gut das mit der Lunge minimal atmen ausreichte. Die PEJ wieder zurückzuverlegen ist keine großartige Aktion. Dank Propofol habe ich ja auch nichts mitbekommen :-). Mein Untergewicht war schon etwa ein Jahr vor der Lungentransplantation kein Problem mehr und so konnte die PEJ ca. 15 Monate nach der Operation völlig entfernt werden. Seit dem bin ich "schlauchfrei". Kein Sauerstoffschlauch, kein Ernährungsschlauch, schon merkwürdig, aber toll!

Warum ich absolut dafür bin

Auch dieser Absatz ist im Grunde einen eigenen langen Artikel wert. Und ich versuche auch wirklich jetzt zügig zum Ende zu kommen, versprochen. Für mich bedeutete die künstliche Ernährung eine unglaubliche Erleichterung. Essen war irgendwann so negativ behaftet und nur schlimm. Dazu der Frust und die Wurt auf mich selbst, weil ich es einfach nicht geschafft habe genug zu essen. Dann noch die Belastung vor allem meiner Mutter, die ja wusste, wenn ich nicht zunehme geht es mir immer schlechter. Essen wurde also plötzlich entspannt. "Richtiges" Essen ist ja nach PEG Anlage nicht verboten (bei Muko). Daher konnte ich essen was und vor allem soviel (sowenig) ich wollte und hatte immer die Sicherheit das Flüssigkeitszufuhr und Energiebedarf im Zweifel durch die künstliche Ernährung gedeckt sind. Darum habe ich auch lange mit der Entfernung gewartet. Sie hat mich nicht gestört, ich habe doppelt so lang mit Schlauch im Bauch gelebt als ohne und ich wollte einfach nicht, dass essen mal wieder so ein Druck und Stress wird. 

Zu diesem Thema gehören natürlich noch viele andere medizinische, moralische und ethische Aspekte. Was wenn eine PEG nur gelegt wird weil niemand im Krankenhaus oder Pflegeheim genug Zeit hat um mit den Menschen dort zu essen?  Was ist mit Sondenentwöhnung bei Kindern? Essen ist nicht nur reine Nahrungsaufnahme und noch so vieles mehr. Aber dies würde natürlich komplett den Rahmen sprengen und ich bin eh nur Experte meiner eigenen Ernährungsgeschichte. Daher erlöse ich Euch jetzt, aber wenn Ihr Fragen habt traut Euch.

Guten Appetit,
Miriam
 
 

Sonntag, 8. November 2020

Warum ein Dickkopf manchmal recht hilfreich ist

Ich möchte hier nichts verallgemeinern und kann natürlich nur von mir und meinen Muko-Freunden ausgehen. Aber "wir" haben meist einen ganz schönen Dickkopf - im positiven Sinne. Wir lassen uns so schnell nicht unterkriegen. Manchmal mag das für unser Umfeld anstrengend sein, aber mir und sicher auch anderen Mukos hat dieser starke Wille schon oft den Hintern gerettet. Wenn ich hier bei mir eine schnelle Umfrage dazu machen würde, dann würde allen sofort einfallen, dass ich 2016, als ich aus dem Koma aufgewacht bin und endlich mit einer Sprechkanüle etwas sagen konnte, als erstes gebeten (oder andere sagen befohlen) habe, dass keiner unseren geplanten Disneyurlaub absagen sollte. Total bescheuert, aber das war an den wachen Tagen, an denen ich mich aber noch nicht mitteilen konnte, irgendwann meine größte Sorge. Für Außenstehende sicher nicht nachvollziehbar. Aber es ist zum einen eine Art Schutzmechanismus sich auf so etwas total anderes zu fokussieren und zum zweiten hat es mir bisher immer geholfen ein Ziel zu haben. Während ich darüber nachdenke war es 2009 bei meinem "Besuch" auf der Intensivstation auch der anstehende Disney-Urlaub. Ich erkenne einen roten Faden *lach*. 

Vor einem Jahr um diese Zeit.

Warum ich gerade in diesen Tagen daran denken muss, liegt daran, dass ich vor einem Jahr mit meiner Schwester zu unserer absoluten Traumreise aufgebrochen bin - und Disney hat überraschenderweise mal nichts damit zu tun. Ein Jahr lang haben ich und mein armer Reisebüromensch geplant, umgeplant, Pleiten und plötzliche Absagen gehändelt. Der Elektrorollstuhl erwies sich als schwierig und Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen machen es auch nicht einfacher. Zwischendurch wurden im Umfeld immer mal Stimmen laut, warum wir uns das antun und es doch lassen sollten. Wie gesagt, Dickkopf oder inzwischen schon eher extremer Trotz. Kurz vor dem Reisestart, als eigentlich alles fertig organisiert war, habe ich mir dann gleich beide Vorfüße gebrochen. Und wieder wurde mir von fast allen Seiten geraten die Reise abzusagen, zu verschieben. Nein, nein, nein, auf gar keinen Fall. Nicht nach dem ganzen Stress. Wir wollten nach Venedig fliegen und von dort auf ein Kreuzfahrtschiff, damit über den Atlantik und noch einen Abstecher in New York machen. Ich wusste, ich muss es nur irgendwie bis auf das Schiff schaffen, dann kann ich den ganze Tag im Rollstuhl sitzen und es wird schon werden. Schmerzen hätte ich zu Hause genauso.


Danke lieber Dickkopf!

Gesagt getan. Das Sanitätshaus hat mir im letzten Moment noch die Verbandsschuhe organisiert und wir sind die Reise angetreten und trotz einiger Schwierigkeiten war es so unbeschreiblich wundervoll. Schon letztes Jahr war ich unglaublich dankbar, dass ich diese Reise machen durfte. Aber jetzt, rückblickend, finde ich gar keine Worte dafür wie dankbar ich meinem Dickkopf bin, dass ich diese Reise nicht abgesagt habe. Durch die Corona-Pandemie hätte ich diese Fahrt nicht nachholen können (auch nicht in absehbarer Zeit). Diese Enttäuschung mag ich mir gar nicht vorstellen. Schon zu Beginn der Pandemie Ende Februar, Anfang März haben Insa und ich gesagt, dass Reisen, vor allem eben größere Reisen ins Ausland, für uns für mindestens ein, zwei Jahre vorbei sind und viele Gesprächspartner waren entsetzt. Dabei ging es nicht darum pessimistisch zu sein, sondern für uns waren das realistische Überlegungen in Bezug auf Impf- und/oder Medikamentenentwicklung, bzw. überhaupt die Erforschung des neues Virus. Aus Erfahrung wissen wir, das geht nicht von heute auf morgen. Ich stelle mich persönlich dann lieber auf eine etwas längere Zeit ein, um nicht alle paar Wochen vorhersehbar enttäuscht zu sein. Das heißt nicht, dass ich darüber glücklich bin und mir das egal ist. Natürlich würde ich lieber etwas unternehmen - aber heulen bringt ja auch nichts. Also versuche ich das Beste daraus zu machen. 

Nachdem ich im letzten Jahr so begeistert war, ist es schon ein großer Wunsch noch einmal an ein warmes Meer zu fahren, wo ich unter Wasser Fischeschwärme an mir vorbei ziehen sehen kann. Das war so ein Wunder, ach ich könnte mal wieder seitenlang schwärmen... Bevor es für mich soweit ist, wird aber wohl noch sehr viel Zeit vergehen. Ob das für mich überhaupt mal wieder in Frage kommt? Wir werden sehen. Mein Dickkopf wird mir rechtzeitig bescheid sagen:-).

Lasst uns zusammen in schönen Erinnerungen schwelgen,
Miriam


Freitag, 10. Juli 2020

Positiv oder Negativ?

Ich bin eine Realistin. Finde ich zumindest.
Das war ich schon immer. Manchmal wird mir dies als Pessimismus ausgelegt. Aber wahrscheinlich ist es nur meine Direktheit, die einige Leute irritiert. Hier mal ein Beispiel: Als vor etwas längerer Zeit Hamburg auserkoren wurde, sich als Olympiastadt 2024 zu bewerben, da dachte ich nicht: "Oh cool. Wenn das klappt, dann fahren wir dahin und gucken uns Olypia an.". Nein, ich dachte: "Oh wie cool. Wenn das klappt und wenn ich dann noch lebe, dann fahren wir hin."
Das ist meine Art von Realismus.
Es ist doch so: Wer mit Mukoviszidose groß wird (jedenfalls die Leute aus unserer Generation), die/der kennt die Krankheit und den eigenen Körper, die/der kennt alle Höhen und Tiefen (bei sich und bei Freunden) und die/der hat leider auch schon viel zu viele Freunde beerdigt.

Trotzdem gehe ich positiv durchs Leben. Ok, ich habe auch mal schlechte Tage (vor der Lungentransplantation mehr als heute, das ist klar). Aber was nützt es sich von allem entmutigen zu lassen? Das bringt mich nicht weiter.

Als ich vor kurzem im Live-Stream mit MukoTV war (naja, es war ein halber Live-Stream, weil von mir kein Live-Bild zu sehen war - es gab nur Ton), da hat mich Manuel von MukoTV gefragt, wie ich mit Corona umgehe. Meine Antwort war: wir müssen irgendwie das Beste draus machen. Natürlich bin ich nicht glücklich mit dieser Pandemie. Ich weiß, dass wir bestimmt noch bis 2021 damit zu tun haben werden. Ich bin auch nicht glücklich, dass ich zur Risikogruppe gehöre und wünschte es wäre anders. Ich finde es nicht toll, dass mein Leben nun so eingeschränkt ist, dass mein Mann und ich nur noch zu Hause rumsitzen, beide im Homeoffice und alle Freizeitaktivitäten außer Haus mehr oder weniger wegfallen. ABER... wir können die Situation nun mal nicht ändern. Wir müssen uns arrangieren. Das Leben ist ja trotzdem schön und ich bin froh, dass wir zwei uns haben, dass unsere Wohnung gemütlich ist, dass wir einen Balkon haben auf dem wir sitzen können, dass es uns gut geht. Ich will mir mein Jahr nicht von Corona vermiesen lassen - dafür ist es zu wertvoll.

Als ich im Klein-Kindesalter diagnostiziert wurde, da lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Mukos bei ungefähr fünf Jahren. Mit meinem Alter wuchs auch die Lebenserwartung mit. Irgendwann hieß es, dass man als Muko das Erwachsenenalter erreichen kann - und inzwischen sind die Kinder, die jetzt geboren werden bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von über 50 Jahren! Das ist schön.
Das bedeutet für mich: alles kann möglich sein. Aber es heißt eben auch: es kann alles ganz anders laufen.

Also, Krone richten und weiter...
Insa

Freitag, 26. Juni 2020

Transition

In dieser Woche gibt es mal wieder einen Gastbeitrag. Dieser Text über Transition, also den Wechsel von der Kinderklinik in die Erwachsenenklinik, ist von Thomas Malenke. Er hat Muko und ist 54 Jahre alt (nicht transplantiert). Thomas hat diesen Text für die Mitgliederzeitschrift des Mukoviszidose e.V. geschrieben. Ich durfte dafür die Bebilderung machen.
Hinweis für alle aus der Nicht-Muko-Community: In dem Text spricht er oft von CF - dies ist eine andere Bezeichnung für Mukovizdose (= zystische Fibrose / cystic fibrosis).

Viel Spaß beim Lesen,
Insa


Aufbruch in eine neue Zeit 

Dass wir dieses Heftthema „Abschied aus der Kinderklinik“ überhaupt wählen konnten, zeigt den enormen Fortschritt der Mukoviszidose-Forschung und Therapie. Früher, als die Betroffenen nicht so alt wurden, ergab sich einfach nicht die Notwendigkeit eines Abschieds. Vor 30 Jahren galt ein CF-Betroffener mit 30 schon als „steinalt“. Erwachsenen-Ambulanzen gab es nicht. Die wenigen Patienten, die 20 Jahre oder älter wurden, wurden – wie selbstverständlich – weiter in der Kinderklinik behandelt.

Erste Erwachsenen-Ambulanz in Hannover


1991 wurde in der Medizinischen Hochschule Hannover die erste Erwachsenenambulanz durch Prof. Fabel (Abteilung Pneumologie) eröffnet – in enger Zusammenarbeit mit Prof. von der Hardt (Kinderklinik). Nun hieß es erstmals Abschiednehmen für erwachsene Patienten – aber auch für Eltern, für Kinderärzte, Krankenschwestern und Physiotherapeuten. Meist geschah dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf die Erwachsenenärzte kam eine völlig neue Patientengruppe zu. Die internistisch ausgebildeten Pneumologen wurden erstmals konfrontiert mit jungen Patienten, oft gut informiert über CF und ihren eigenen Gesundheitszustand, häufig sehr therapietreu und anspruchsvoll, manchmal eckig und kantig. Sie hatten nicht nur Lungenprobleme, sondern auch oft Magen-Darm- und Lebererkrankungen. Die Behandlung war anders als beim klassischen, oft wesentlich älteren Lungen-Patienten. Die Bereitschaft, sich auf ein neues medizinisches Terrain einzulassen, war ganz unterschiedlich.

Christiane Herzog – ein Glücksfall für CF-Patienten

Eine glückliche Fügung gab dieser neuen Entwicklung einen enormen Schub: Roman Herzog wurde zum Bundespräsidenten gewählt. Und Christiane Herzog verschaffte ihren „Mukos“ ab 1994 in der neuen Rolle als Gattin des Bundespräsidenten wesentlich mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Das Schicksal der Mukos wurde präsenter als jemals zuvor. Der Aufbau der Erwachsenenversorgung in Ambulanzen und Rehaeinrichtungen war Frau Herzog ein zentrales Anliegen. Dies verlieh den seit Jahren vorhandenen Bemühungen der Kliniken und unseres Vereins einen ganz neuen Schwung.

Umstellung


Wie solch eine Umstellung auf ein neues Behandler-Team konkret verläuft, ob sie gelingt, ob man sich danach in der Erwachsenen-Ambulanz wohlfühlt oder zumindest zufrieden ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab: Neue organisatorische Abläufe und Strukturen, aber auch ganz persönliche Einstellungen und andere Einflüsse spielen eine Rolle.

Strukturell wird die Umstellung nicht zuletzt von den vorhandenen Gegebenheiten beeinflusst. Im Idealfall bilden die Kinder-Ambulanz und die Erwachsenen-Ambulanz, zumindest für die Übergangsphase, eine interdisziplinäre Einheit. Beide Ambulanzen greifen dann auf gemeinsames psychosoziales, sozialrechtliches, ernährungsmedizinisches, oft auch physio- und sporttherapeutisches Personal (CF-Team) zurück. Leider fehlt es dafür manchmal in der Erwachsenenmedizin an den finanziellen Voraussetzungen.

Kurze Wege erleichtern gemeinsame Ambulanztermine, schon allein organisatorisch. Auch emotional ist es für uns Patienten leichter, wenn die Umgebung und wenigstens ein Teil des behandelnden Teams vertraut ist. Aber nicht überall ist ein solches Modell umsetzbar. Dann müssen wir als Patienten dankbar sein, wenn sich Erwachsenenmediziner für unsere „Nischenkrankheit“ interessieren und engagieren. In Deutschland (83 Millionen Einwohner) leiden etwa zehn Prozent der Kinder und fünf Prozent der Erwachsenen an Asthma, aber nur 0,01 Prozent, d.h. ungefäht 8000 Menschen, haben Mukoviszidose.

Kooperationen gefragt

Die Erfahrung zeigt, dass eine gemeinsame Zielsetzung der Kinderärzte und Erwachsenenmediziner und die stimmige „Chemie“ zwischen beiden für den Erfolg der Transition ausschlaggebend sind, vor allem, wenn die Ambulanzen relativ weit voneinander entfernt liegen. Überspitzt formuliert: Ein guter Übergang wird kaum gelingen, wenn man als Patient mit dem 18. Lebensjahr nur eine Visitenkarte der neuen Ambulanz, 50 km entfernt, in die Hand bekommt.

Erleichtert würde ein Wechsel auch, wenn es keine scharfe Altersgrenze gibt, sondern eine weiche, etwa beginnend mit 16 Jahren, sodass ab 18 der Übergang definitiv eingeleitet werden kann. Die beste Lösung wäre es, wenn der junge CF-ler selbst entscheiden dürfte, ob er schon mit 17 oder erst etwas später wechselt.
 Bild: Sketchnote erklärt Transition - wie kann sie funktionieren und was hilft beim Wechsel

Eigenverantwortung gefragt

Eine entscheidende Veränderung dürft darin bestehen, dass man in der Erwachsenenklinik mehr auf sich allein gestellt ist. Man muss selbst Verantwortung übernehmen. Je nach vorrangig betroffenen Organen, sind verschiedene Ärzte für einen zuständig. Damit der Informationsfluss zwischen den Medizinern gelingt, ist es wichtig, daran selbst mitzuwirken und stets alle wichtigen Befunde dabei zu haben, damit sich ein Arzt schnell ein Bild machen kann. Der CF-ler wird dadurch – trotz der beginnenden Digitalisierung, die noch nicht ausgereift ist – zum „Postboten“ in eigener Sache. Manch einer ist anfangs überfordert, wenn die Eltern nun nicht mehr beim Ambulanztermin dabei sind. Aber er muss sich darauf einstellen. Es geht um sein Leben. Gewöhnungsbedürftig ist es auch, wenn die Erwachsenen-Ambulanz personell knapper ausgestattet ist, vielleicht nur punktuell ein CF-Team vorhanden ist. Diese Versorgungsengpässe zu beseitigen und so die gesamte Situation zu verbessern ist daher eine der zentralen Aufgaben des Vereins.

Der Abschied aus der Kinderklinik ist für alle Seiten oft schwer. 18 gemeinsame Jahre, mit den Aufs und Abs, manchmal längeren stationären Aufenthalten, schweißen den CF-ler mit dem ganzen CF-Team zusammen. Und doch geht kein Weg an der Trennung vorbei. Die mittlere Lebenserwartung eines neu geborenen Kindes mit Mukoviszidose liegt ja heute bei 53. Dementsprechend wird es künftig auch viel mehr 70- oder 80-Jährige geben.

Der Abschied ist für CF-ler auch schwer, weil der Zeitpunkt mit vielen anderen Lebensumbrüchen einhergeht.

Vieles auf einmal

Die Pubertät ist gerade überstanden. Man erlebt vielleicht gerade die erste große Liebe. Die Loslösung von den Eltern kommt in Gang.

Fragen rund um Ausbildung und Beruf sind zu klären. Was möchte man eigentlich machen? Hotel Mama ade. In diese Umbruchphase fällt nun auch noch der Ambulanzwechsel.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den man rechtzeitig in Betracht ziehen sollte: Je früher die Eltern die Selbständigkeit ihres CF-Kindes gefördert haben, desto leichter fällt der Wechsel in die Erwachsenen-Ambulanz. Dieses Loslassen gelingt nicht von heute auf morgen. Es muss seitens der Eltern gezielt angestrebt und gebahnt werden. Wer schon frühzeitig seine Medikamente selbst einnimmt und weiß, wozu sie gut sind, der hat früh gelernt, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Und auf dieser Eigenverantwortung basiert das System der Erwachsenenmedizin.
Der Arzt ist mehr Berater und Unterstützer als früher, mehr gleichberechtigter Partner – weil man selbst eben erwachsen ist und inzwischen eigene Erfahrungen gesammelt hat, die einen leichter erkennen lassen, worauf es ankommt.

Wenn diese Strukturen akzeptiert und die persönlichen Ansprüche an die neuen Erfordernisse angepasst sind, wächst auch das Vertrauensverhältnis zum neuen Arzt.
Wir CF-ler profitieren dann davon, dass die Erwachsenenärzte darauf eingestellt sind, unsere Erwachsenenprobleme der CF zu behandeln: Diabetes, Osteoporose, zunehmende Veränderungen in Lunge, Darm, Leber etc.

Eine neue Etappe beginnt. Eine neue Etappe, die gelingen kann, wenn alle Beteiligten gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten: Patienten, Behandler und Eltern.

Hermann Hesse hat dies schön formuliert: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilf zu leben.“

Thomas Malenke

Samstag, 30. Mai 2020

Spendenbriefe / Aktionen

Vielleicht hatte eine/einer von Euch in dieser Woche einen Spendenbrief des Mukoviszidose eV mit meinem Bild im Briefkasten. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit meiner Geschichte oder/und meinem Bild in dieser Form zu sehen bin. Ich weiß natürlich, dass gerade diese Spendenbriefe (egal von welcher Organisation) von einigen kritisch gesehen werden oder sie diese "nervig" finden. Aber ich freue mich, wenn ich nur durch mein "okay", dass ein Foto verwendet werden darf, dazu beitragen kann Spenden zu sammeln und ein bisschen Aufmerksamkeit für Mukoviszidose zu schaffen.
Ich selbst habe so unendlich profitiert von Forschung, von Einrichtungen, allgemein vom Fortschritt in der Behandlung. Aber all dies wird – vor allem bei seltenen Erkrankungen – durch Spenden finanziert. Doch dafür müssen Menschen wissen, dass es uns gibt und wie unser Leben aussieht. Denn von außen sieht man uns die Auswirkungen von Muko kaum bis gar nicht an. Das ist auch ein Grund für diesen Blog oder unseren Instagramaccount. Wir möchten Einblicke in ein Leben geben, was für die meisten nicht nachvollziehbar ist. Nicht um Mitleid zu kriegen, aber vielleicht um für Mitgefühl und Verständnis zu werben … und hin und wieder auch um Spenden zu sammeln.


Vorurteil: Die Menschen in den Spendenbriefen sind nicht echt 

 
Ich erinnere mich an einen Brief nach "meinem" ersten Spendenmailing, der mir weitergeleitet wurde. Dort stand, dass der Herr ja gerne spenden würde, aber man heute ja nicht mehr sicher sein kann, ob es diese Menschen, diese Geschichten in den vielen Spendenbriefen überhaupt gibt. Natürlich kann ich nur für den Muko eV sprechen: Uns und unsere Geschichten gibt es wirklich. Auch wenn einiges für Gesunde übertrieben wirkt, weil sich zum Beispiel keiner vorstellen kann, dass 50 Tabletten am Tag völlig normal sind.

Was durchaus sein kann ist, dass Namen geändert werden. Ich habe auch schon mal gebeten einen anderen Nachnamen zu bekommen, weil ich nach einem Fernsehbericht sehr sehr unschöne Erfahrungen gemacht habe. Werden also persönliche Daten geändert, dann nicht um zu lügen oder zu vertuschen, dass es diese Menschen nicht gibt. Sondern um diese Menschen zu schützen gerade weil es sie gibt.


Vorurteil: Spendenbriefe sind lästig und altmodisch 


Natürlich passiert heute viel über das Internet. Homepage und social media accounts werden immer wichtiger. Aber nicht jeder kennt sich damit aus und auch nicht jeder der viel im Internet ist, guckt sich automatisch unsere Seiten an. Außerdem schätzen es doch immer noch viele, ein gedrucktes Stück Papier in der Hand zu halten. Und wem das wirklich extrem lästig ist (was ich natürlich nicht hoffe) hat immer die Möglichkeit sich aus dem Verteiler streichen zu lassen.


Warum Spendenbriefe zur Zeit wichtiger sind denn je


Durch diese spezielle Zeit die wir gerade erleben, leiden nicht nur Unternehmen/Geschäfte, sondern natürlich auch ganz extrem alle Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind.
Der Muko e.V. lebt unter anderem von Aktionen, die zur Zeit abgesagt oder verschoben werden müssen. Ganz besonders die Spendenläufe sind jedes Jahr große Highlights, die nun nicht wie sonst stattfinden können (siehe unseren Post Muko-Spendenschwimmen ). Die Folge ist ja nicht „nur“ das Forschung sich verzögert, sondern da sind so wichtige Projekte wie das Haus Schutzengel (Angehörigen-Herberge neben der Medizinischen Hochschule Hannover), wo die Kosten konstant weiterlaufen und nicht mal eben gestoppt werden können. Der Sozialfond wird gerade im Moment gebraucht. Und da ist noch so viel mehr. Daher sind Spendenbriefe gerade jetzt wichtig.

Das passt zwar nicht 100 % zum Thema, aber es ist genauso wichtig: Auch wer kein Geld für Spenden hat, kann Leben retten. Blutspenden werden ganz dringend gebraucht, da auch diese Reserven durch die Corona-Krise stark geschrumpft sind!
Infos und Termine findet ihr hier: DRK Blutspende
Kostenlose Spenderhotline: 0800 11 949 11

Vielen Dank an alle die helfen - in welcher Form auch immer.

Wir wünschen Euch ein schönes Pfingstwochenende, passt weiter gut auf Euch und andere auf
Miriam

Freitag, 22. Mai 2020

Schleim

Heute wird es ein wenig eklig - es geht nämlich um Schleim! Dies ist ein Thema mit dem wir Mukos quasi jeden Tag zu tun haben.... und ich dachte, ich wäre auf diesem Gebiet sowas wie eine Fachfrau. Schließlich habe ich jahrzentelang Therapie und Abhusten hinter mir. Aber falsch gedacht. Schlauer bin ich in diesem Bereich erst jetzt, nachdem ich das Buch von Susanne Wedlich  "Das Buch vom Schleim" gelesen haben.

Es gibt keim Lebewesen ohne Schleim


Susanne Wedlich stellt in ihrem Buch das Positve vom Schleim (oder besser Glibber oder Hydrogel?) heraus. Es gibt nämlich auf unserer Welt kein einziges Lebewesen, welches nicht irgendwo in oder an sich Schleim produziert bzw. darauf angewiesen ist.
Schleim ist ein Substanz mit einem sehr hohen Wassergehalt. Manche sprechen deshalb auch von "steifem Wasser". Das Sekret ist gleichzeitig fest und flüssig (das nennt man Viskoseelastizität) und kann sich je nach unterschiedliche Funktionen sehr gut anpassen.

Schleim ist für viele Sachen nützlich


Strukturmaterial
Es gibt einige Lebewesen, die fast nur aus Schleim oder Gel bestehen: Quallen kennt jeder von uns, aber da gibt es z.B. auch Fische unten in der Tiefsee. Dort lebt u.a. der Blobfisch (ich empfehle hier mal eine kurze Google-Bildersuche!), der dort unten bei einem sehr hohen Wasserdruck nur überlebt, weil er aus diesem Material ist. Auf den Bildern im Internet sieht er wie ein sehr, sehr trauriger Clown aus. Das liegt aber nur daran, dass sein Körper an Land (also ohne den hohen Wasserdruck) außer Form gerät.
Auch Cystisoma (eine Art Cousin vom Sandfloh) finde ich sehr eindruckvoll, weil dieses Tierchen mehr oder weniger komplett durchsichtig ist.

Fortpflanzung
Schleim hilft bei der Fortpflanzung und ich meine jetzt nicht nur das Gleitgel. Es gibt viele Pflanzen, die ihre Samen in Schleim hüllen, damit sie vor Angreifern sicher sind oder das Gefressen-werden und die Reise durch den Verdauungstrakt überleben.

Klebstoff
Manche Schleimarten sind so zäh wie Klebstoff. Dies dient z.B. dem Beutefang oder auch der Standortsicherung (z.B. bei Wasserschnecken). Manchmal hilft dieser Klebstoff auch bei der Fortpflanzung, damit die klebrigen Samen von Pflanzen besser am Boden haften und dort keimen können.

Gleitmittel zur Fortbewegung
Wir alle kennen die Schleimspuren von Schnecken. Ohne diesen Schleim würden die Tiere kaum vorwärts kommen. Außerdem gilt die Schleimspur manchen Schnecken als Orientierungshilfe, damit sie den Weg nach Hause wiederfinden.

Barriere
Eine der wichtigsten Aufgaben von Schleim ist, dass er eine Barriere bildet - meistens zur Verteidigung oder zum Schutz (z.B. Schleimaal - guckt Euch auch hier die Fotos im Internet an - das ist schon sehr speziell!).
Im Buch wird dies mit einer Hecke verglichen: Große Tiere können nicht durch die Hecke gehen und werden zurückgehalten, kleine Tiere können diese Barriere problemlos überwinden. Genauso ist es auch in unserem Körper z.B. im Darm oder in der Lunge. Die "guten" Bakterien werden durchgelassen, weil sie bei wichtigen Körperfunktionen und Abwehrmechanismen helfen, böse Bakterien oder Viren schaffen es nicht durch die Schleimbarriere und der Körper ist geschützt. Leider aber wissen manche Viren wie sie trotzdem durchkommen - sie habe z.B. Werkzeug oder "sprengen" sich den Weg frei. Dies führt dann zu Krankheiten wie Morbus Crohn im Darm. Die Löcher im Schleim vom Darm führen zu Entzündungen.

Bei Mukoviszidose ist es nun so, dass unser Schleim fehlerhaft ist - er ist zu zäh. Deswegen verkleben nach und nach unsere Organe und in der Lunge nisten sich Bakterien ein für die dieses zähe Sekret der beste Nährboden ist.

Warum finden wir Schleim so ekelig? 


Das Hydrogel hat so viele wichtige Aufgaben - aber wir mögen es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass das Horrorgenre den Schleim als ultimatives Mittel in Büchern und Filmen einsetzt. Stellt Euch nur mal das Monster von den "Ghostbusters" ohne Schleim vor. Oder das Ding in "Alien" ganz trocken und ohne Sabber? Da würde doch etwas fehlen und die Szenen wäre gar nicht mehr so furchtbar ekelig, oder?

Insa


Freitag, 27. März 2020

Corona - positive Geschichten

Wir haben lange überlegt, über was wir heute schreiben sollen. Wieder Corona? Auf der einen Seite wäre etwas anderes auch mal wieder ganz schön, auf der anderen Seite bestimmt der Virus im Moment unser Leben, ob wir wollen oder nicht. Es gibt so viele traurige Geschichten, die uns nicht loslassen. Dazu unendlich doofe, schlimme, ärgerliche Berichte, die uns am Verstand einiger Menschen zweifeln lassen und die es gar nicht Wert sind, dass man ihnen so viel Raum / Aufmerksamkeit gibt.

Darum wollen wir uns zum Wochenende einmal mit den vielen schönen Geschichten beschäftigen, die manchmal im Chaos dieser Zeit untergehen. Dabei geht es nicht darum, das Ganze zu romantisieren oder ähnliches. Wir fühlen mit all denen die um ihre Gesundheit oder/und ihre Existenz bangen, die jetzt härter Arbeiten als je zuvor und dabei selbst riskieren sich anzustecken. Aber wenn schon so viel Mist passiert, dann doch wenigstens mit ein paar positiven Aspekten, die uns vielleicht auch "hinterher" erhalten bleiben.

Mundschutz


Als Insa letzten Freitag vor dem Supermarkt stand und auf ihren Mann wartete (der gerade drinnen einkaufen war) fiel ihr auf, dass mehrere Menschen mit Mundschutz den Laden verließen. So viele Leute mit Mundschutz sah man sonst nur in Krankenhäusern... Wir haben die Hoffnung, dass vielleicht der Mundschutz nun von allen langsam akzeptiert und eventuell in solchen Zeiten als Höflichkeitsgeste (hier zitieren wir mal Prof. Drosten aus seinem Podcast - den wir nur empfehlen können) in unsere Gesellschaft einzieht und vielleicht so selbstverständlich wird wie in Asien. Miriam wiederum beobachtete beim Warten im Auto, dass auch viele Menschen Handschuhe tragen oder den Griff vom Einkaufswagen desinfizieren. Wir sind keine Sonderlinge mehr :-)

Schlange stehen


Auf dem Wochenmarkt und vor den Bäckereien stehen die Leute mit Abstand hintereinander. Es macht uns froh, wenn wir sehen, dass die Leute sich in dieser besonderen Zeit an die Corona-Abstandsregeln halten. Wir fänden es ein tolles Zeichen, wenn wir es gemeinsam tatsächlich schaffen würden die Infiziertenkurve abzuflachen und italienische Verhältnisse in den Krankenhäusern zu vermeiden.

Nachbarschaftshilfen


Nicht nur uns wurde von unseren Nachbarn Hilfe angeboten - sondern in ganz Deutschland gibt es viele Hilfsangebote (z.B. fürs Einkaufengehen) für Risikogruppen. Das ist ganz großartig. Gerade in solchen Zeiten ist Solidarität und das Achten auf die Mitmenschen so wichtig und richtig. Wir danken an dieser Stelle mal allen Helfern und Ehrenamtlichen, die für "uns" einkaufen gehen.

Auch für die Bauern, die jetzt keine Saisonarbeiter für die Ernte finden, gibt es Hilfe über das Internet. Auf verschiedenen Online-Plattformen haben sich schon viele Erntehelfer eingetragen und stehen (hoffentlich) u.a. für die Spargelernte bereit.

Lieferdienste


Da viele Restaurants für Gäste geschlossen sein müssen bieten viele einen Lieferdienst an. Andere machen aus ihren Fenstern einen Drive in. Außerdem spenden viele Gastrobetriebe ihre Lebensmittel und ihre Arbeitskraft um zB Bedürftige oder Klinikpersonal zu unterstützen.

Paketdienste


Genau vor vier Wochen hat Miriam in ihrem Beitrag (Corona-Gefühlschaos) über das Unterschreiben bei der Paketannahme geschrieben ("Wer macht das Display sauber?"). Inzwischen stellen die Paketdienste das Paket ab, klingeln, und gehen auch sofort einige Schritte zurück. Unterschreiben müssen wir als Kunde auch nicht mehr. :-)

Hotel

In der Zeitung wurde von einem Hotel in Braunlage berichtet, dass seine Zimmer für Leute im Homeoffice öffnet. Für fünf Tage kann man sich dort einquartieren kostenfrei, wenn das Arbeiten zu Hause (aus welchen Gründen auch immer) nicht möglich ist oder eine wichtige Vidoekonferenz stattfindet.

Altenheim goes ipad


Altenheime entdecken die Vorteile von Tabletts. Da die Angehörigen zur Zeit leider nicht zu Besuch kommen dürfen, haben einige Altenheime angefangen, den Kontakt über Videochats und ähnlichem herzustellen. In einem Bericht fragte sich ein Mitarbeiter, warum sie da nicht schon früher drauf gekommen sind und dass sie das auf jeden Fall beibehalten werden. Gerade dieses Beispiel zeigt, dass wir Menschen bei vielem "betriebsblind" werden und es manchmal gut ist, wenn wir gezwungen werden über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Gabenzaun


Für Obdachlose ist diese Zeit besonders tragisch. Zum einen sind sie gesundheitlich meist nicht in Topform, zum anderen brechen im Moment sämtliche Hilfen weg. Wie können wir also ohne "Gefahr" helfen? Tolle Menschen sind auf die Idee des Gabenzauns gekommen. Obst, Brötchen, aber auch Kleidung an einen Bauzaun gehängt und schon gibt es zumindest einen Ort wo sich Bedürftige etwas abholen können. Jetzt kann argumentiert werden, dass das alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ja, all diese kleinen Gesten bewirken keine Wunder und es bedarf wie in so vielen Bereichen noch mehr Ideen, Einsatz und Geld. Aber es ist ein Anfang und ich finde allein das Gefühl nicht vergessen zu werden, macht auch schon was aus.


Kreativität, Kunst und Konzerte


Noch nie hatten so viele Menschen, egal ob reich oder arm, so großen Zugang zu Kunst, Konzerten, Lesungen. Jeden Tag gibt es von den berühmtesten Künstlern aller Stilrichtungen Live-Konzerte, andere Künstler berichten in lustigen Videos von ihrer Quarantäne, es gibt Lesung von Autoren, Museen führen online durch Ausstellungen oder erklären täglich eines ihrer Kunstwerke, dazu kommen unzählige profesionelle und privat erstellte Videoanleitungen für jeden erdenklichen kreativen Bereich. Es gibt diverse kostenlose Unterrichtsanleitungen für Schüler, genau wie eine Fülle von Mal- und Bastelanleitungen. 

Sport


Auch in diesem Bereich überschlagt sich das Internet mit kostenlosen Angeboten für Kinder. Jugendliche und Erwachsene. Proft-Trainer, Sportstars, Vereine und auch jede Menge Schauspieler*innen / Sänger*innen zeigen euch, wie ihr zu Hause fit bleiben könnt oder nehmen euch via Internet zu ihrem Training mit. 


Was bleibt?


Natürlich bleibt es eine schwierige Zeit. Aber es ist toll zu sehen auf was für tolle, ungewöhnliche Ideen nun einige kommen (und noch kommen werden). Einiges davon wird sicher bleiben. Und in einigen Monaten oder Jahren ist es vielleicht gar nicht mehr vorstellbar, dass es einmal anders war oder vor Corona niemand auf diese guten Ideen gekommen ist.

Haltet durch und bleibt gesund,
Insa und Miriam