Freitag, 27. März 2020

Corona - positive Geschichten

Wir haben lange überlegt, über was wir heute schreiben sollen. Wieder Corona? Auf der einen Seite wäre etwas anderes auch mal wieder ganz schön, auf der anderen Seite bestimmt der Virus im Moment unser Leben, ob wir wollen oder nicht. Es gibt so viele traurige Geschichten, die uns nicht loslassen. Dazu unendlich doofe, schlimme, ärgerliche Berichte, die uns am Verstand einiger Menschen zweifeln lassen und die es gar nicht Wert sind, dass man ihnen so viel Raum / Aufmerksamkeit gibt.

Darum wollen wir uns zum Wochenende einmal mit den vielen schönen Geschichten beschäftigen, die manchmal im Chaos dieser Zeit untergehen. Dabei geht es nicht darum, das Ganze zu romantisieren oder ähnliches. Wir fühlen mit all denen die um ihre Gesundheit oder/und ihre Existenz bangen, die jetzt härter Arbeiten als je zuvor und dabei selbst riskieren sich anzustecken. Aber wenn schon so viel Mist passiert, dann doch wenigstens mit ein paar positiven Aspekten, die uns vielleicht auch "hinterher" erhalten bleiben.

Mundschutz


Als Insa letzten Freitag vor dem Supermarkt stand und auf ihren Mann wartete (der gerade drinnen einkaufen war) fiel ihr auf, dass mehrere Menschen mit Mundschutz den Laden verließen. So viele Leute mit Mundschutz sah man sonst nur in Krankenhäusern... Wir haben die Hoffnung, dass vielleicht der Mundschutz nun von allen langsam akzeptiert und eventuell in solchen Zeiten als Höflichkeitsgeste (hier zitieren wir mal Prof. Drosten aus seinem Podcast - den wir nur empfehlen können) in unsere Gesellschaft einzieht und vielleicht so selbstverständlich wird wie in Asien. Miriam wiederum beobachtete beim Warten im Auto, dass auch viele Menschen Handschuhe tragen oder den Griff vom Einkaufswagen desinfizieren. Wir sind keine Sonderlinge mehr :-)

Schlange stehen


Auf dem Wochenmarkt und vor den Bäckereien stehen die Leute mit Abstand hintereinander. Es macht uns froh, wenn wir sehen, dass die Leute sich in dieser besonderen Zeit an die Corona-Abstandsregeln halten. Wir fänden es ein tolles Zeichen, wenn wir es gemeinsam tatsächlich schaffen würden die Infiziertenkurve abzuflachen und italienische Verhältnisse in den Krankenhäusern zu vermeiden.

Nachbarschaftshilfen


Nicht nur uns wurde von unseren Nachbarn Hilfe angeboten - sondern in ganz Deutschland gibt es viele Hilfsangebote (z.B. fürs Einkaufengehen) für Risikogruppen. Das ist ganz großartig. Gerade in solchen Zeiten ist Solidarität und das Achten auf die Mitmenschen so wichtig und richtig. Wir danken an dieser Stelle mal allen Helfern und Ehrenamtlichen, die für "uns" einkaufen gehen.

Auch für die Bauern, die jetzt keine Saisonarbeiter für die Ernte finden, gibt es Hilfe über das Internet. Auf verschiedenen Online-Plattformen haben sich schon viele Erntehelfer eingetragen und stehen (hoffentlich) u.a. für die Spargelernte bereit.

Lieferdienste


Da viele Restaurants für Gäste geschlossen sein müssen bieten viele einen Lieferdienst an. Andere machen aus ihren Fenstern einen Drive in. Außerdem spenden viele Gastrobetriebe ihre Lebensmittel und ihre Arbeitskraft um zB Bedürftige oder Klinikpersonal zu unterstützen.

Paketdienste


Genau vor vier Wochen hat Miriam in ihrem Beitrag (Corona-Gefühlschaos) über das Unterschreiben bei der Paketannahme geschrieben ("Wer macht das Display sauber?"). Inzwischen stellen die Paketdienste das Paket ab, klingeln, und gehen auch sofort einige Schritte zurück. Unterschreiben müssen wir als Kunde auch nicht mehr. :-)

Hotel

In der Zeitung wurde von einem Hotel in Braunlage berichtet, dass seine Zimmer für Leute im Homeoffice öffnet. Für fünf Tage kann man sich dort einquartieren kostenfrei, wenn das Arbeiten zu Hause (aus welchen Gründen auch immer) nicht möglich ist oder eine wichtige Vidoekonferenz stattfindet.

Altenheim goes ipad


Altenheime entdecken die Vorteile von Tabletts. Da die Angehörigen zur Zeit leider nicht zu Besuch kommen dürfen, haben einige Altenheime angefangen, den Kontakt über Videochats und ähnlichem herzustellen. In einem Bericht fragte sich ein Mitarbeiter, warum sie da nicht schon früher drauf gekommen sind und dass sie das auf jeden Fall beibehalten werden. Gerade dieses Beispiel zeigt, dass wir Menschen bei vielem "betriebsblind" werden und es manchmal gut ist, wenn wir gezwungen werden über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Gabenzaun


Für Obdachlose ist diese Zeit besonders tragisch. Zum einen sind sie gesundheitlich meist nicht in Topform, zum anderen brechen im Moment sämtliche Hilfen weg. Wie können wir also ohne "Gefahr" helfen? Tolle Menschen sind auf die Idee des Gabenzauns gekommen. Obst, Brötchen, aber auch Kleidung an einen Bauzaun gehängt und schon gibt es zumindest einen Ort wo sich Bedürftige etwas abholen können. Jetzt kann argumentiert werden, dass das alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ja, all diese kleinen Gesten bewirken keine Wunder und es bedarf wie in so vielen Bereichen noch mehr Ideen, Einsatz und Geld. Aber es ist ein Anfang und ich finde allein das Gefühl nicht vergessen zu werden, macht auch schon was aus.


Kreativität, Kunst und Konzerte


Noch nie hatten so viele Menschen, egal ob reich oder arm, so großen Zugang zu Kunst, Konzerten, Lesungen. Jeden Tag gibt es von den berühmtesten Künstlern aller Stilrichtungen Live-Konzerte, andere Künstler berichten in lustigen Videos von ihrer Quarantäne, es gibt Lesung von Autoren, Museen führen online durch Ausstellungen oder erklären täglich eines ihrer Kunstwerke, dazu kommen unzählige profesionelle und privat erstellte Videoanleitungen für jeden erdenklichen kreativen Bereich. Es gibt diverse kostenlose Unterrichtsanleitungen für Schüler, genau wie eine Fülle von Mal- und Bastelanleitungen. 

Sport


Auch in diesem Bereich überschlagt sich das Internet mit kostenlosen Angeboten für Kinder. Jugendliche und Erwachsene. Proft-Trainer, Sportstars, Vereine und auch jede Menge Schauspieler*innen / Sänger*innen zeigen euch, wie ihr zu Hause fit bleiben könnt oder nehmen euch via Internet zu ihrem Training mit. 


Was bleibt?


Natürlich bleibt es eine schwierige Zeit. Aber es ist toll zu sehen auf was für tolle, ungewöhnliche Ideen nun einige kommen (und noch kommen werden). Einiges davon wird sicher bleiben. Und in einigen Monaten oder Jahren ist es vielleicht gar nicht mehr vorstellbar, dass es einmal anders war oder vor Corona niemand auf diese guten Ideen gekommen ist.

Haltet durch und bleibt gesund,
Insa und Miriam

Freitag, 20. März 2020

Klimakur auf Gran Canaria

In dieser Woche haben wir einen Gastbeitrag für Euch: Unsere Muko-Freundin Katrin war zusammen mit ihrem Mann (beide haben Muko) im Februar zur Klimakur auf Gran Canaria. Die Klimakur ist ein Angebot vom Mukoviszidose e.V. für Muko-Betroffene - damit sich die Lunge im guten Klima mal ein wenig erholen kann. Bei einer Klimakur ist eine Physiotherapeutin mit vor Ort und macht  Einzel- wie auch Gruppenbehandlungen (Frühsport, Joggen/Walken oder auch mal Yoga).

Zur Zeit ist ja überall der Corona-Ausnahmezustand und auch die Klimakurmaßnahmen pausieren...
Wie schön, dass die beiden ihre Reise noch absolvieren und genießen konnten.

Liebe Katrin, vielen herzlichen Dank für Deinen Bericht.
Insa & Miriam

Urlaub & Therapie

Foto: Bei den Felsen am "Buffadero" (spuckender Stein)

Seit zwei Wochen sind wir wieder zurück hier im virusgeplagten Deutschland. Wie weit weg wir einen Monat von all dem waren, merken wir jetzt, wo hier in Deutschland ein echter Ausnahmezustand herrscht. Im Februar haben mein Mann und ich nämlich drei Wochen in der Sonne auf Gran Canaria während einer Klimakur verbracht. Diese von Spendern des Muko e.V. und Herzenswünsche e.V. organisierte Reise ist ein absoluter Luxus: einen Monat täglich Sport am Strand, eine mitgereiste tolle Physio, Zeit für Strandspaziergänge oder Bäckerei-Kaffee-Treffen mit anderen Teilnehmern sind erholsamer als ein Urlaub.
Foto: Frühsport, Dehnübungen auf dem Boden

Es war nie langweilig und in der Freizeit hatten wir genug Zeit, um die Insel zu entdecken. Zu Fuß waren wir viel in der Umgebung unterwegs, haben in einer kleinen Gruppe den Markt in Puerto de Mogan, einem kleinen Fischerort, besucht, waren an der Nordküste, haben alle zusammen eine Katamaranfahrt gemacht und wir waren in der Hauptstadt. Zu viert hatten wir einen Mietwagen und haben den „spuckenden Stein“ entdeckt, eine Art Geysir an der Ostküste, dem ich stundenlang hätte zusehen können. Aufregend wurde es während des starken Sandsturms „Calima“. Die Luft verfärbte sich rot-braun, es wurde unangenehm zu atmen und alle mussten zwei Tage im Apartment verbringen. Im Nachhinein waren es aber nur zwei Tage und ganz spannend zu beobachten – kein Vergleich zu den aktuellen Quarantäne-Situationen.
  Foto: Vergleichsbild während des Sandsturms und davor

Insgesamt war die perfekte Mischung aus Sport, Therapie und faul-erholsamer Freizeit in tollem Klima wahnsinnig gut. Und mit dem Wissen, dass wir dem ungemütlichen und ungesünderen Klima hier entfliehen konnten, fühlt es sich noch erholsamer an. Nach drei Wochen hat sich meine Lunge so leer angefühlt, ich konnte wieder ohne Husten durchschlafen und kam mir sehr fit vor. Am Ende konnte ich sogar die knapp 10 km zum Leuchtturm in Maspalomas laufen.
  Foto: Spaziergang in den Sonnenaufgang

Was die Patienten, die jetzt auf Gran Canaria in ‚Hausarrest‘ sitzen, erleben, ist weitaus schlimmer als zwei Tage Sandsturm-Hausarrest und absolut nicht so, wie eine Klimakur sein sollte.
Das eigene Glück erkennt man wohl manchmal erst mit etwas Abstand. Dass wir drei so wundervolle Wochen verbringen konnten, jeden Tag mit Meeresrauschen einschlafen und wachwerden durften, am Strand entlang spazieren konnten und uns einen Monat keine Sorgen um ein gefährliches Virus gemacht haben, wissen wir nun sehr zu schätzen. Dafür sind wir sehr dankbar. Und vorerst träumen wir jetzt in unser freiwilligen Isolation hier zu Hause von Sonne, Strand und Meer.

Viele Grüße,
Katrin


Freitag, 13. März 2020

Sechs Jahre

Geburtstagswochen! Ich gehöre zu der seltenen und überglücklichen Spezies, die zweimal im Jahr Geburstag hat! Und beide Geburtstage liegen auch nur ein paar Tage auseinander. (Gut - geschenketechnisch ist das nicht erste Wahl, aber egal.)
Da ist also mein "normaler" Geburtstag - doch der ist mir inzwischen tatsächlich gar nicht mehr so wichtig. VIEL wichtiger ist mein Lungengeburtstag. Und dieses Jahr ist es nun schon der Sechste. Sechs Jahre mit einer meiner Spenderlunge und wir beide verstehen uns weiterhin so gut. Das ist wirklich schön.
Ich mag meine Geburtstagswochen. Allerdings werde ich in diesen Tagen auch immer ein wenig sentimental. Zum einen denke ich an die Zeit vor sechs Jahren - und wie schlecht es mir damals ging. Erstaunlicherweise ist es mir ja erst hinterher (also einige Wochen/Monate nach der Transplantation) aufgefallen, WIE schlecht es mir damals ging. Aber wenn du mittendrin steckst, dann redest du dir die Sache oft schön oder versuchst erst Recht die guten Seiten und alles was noch halbwegs funktioniert zu sehen. Damals Anfang März 2014 habe ich gedacht, dass ich wahrscheinlich auch noch ein weiteres Jahr (es waren damals schon zwei Jahre) auf der Warteliste überleben werde. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher - und um so dankbarer für dieses zweite Leben.
Zum anderen denke ich in diesen Tagen auch immer an die Spenderfamilie. Und wie in den Jahren davor hoffe ich sehr, dass es ihnen gut geht und sie diese Tage gut überstehen. Der Verlust eines geliebten Menschen ist auch nach Jahren noch schwer und schmerzvoll.

Planungen und was dank Corona davon übrig bleibt


Normalerweise machen wir an meinem Lungengeburtstag immer einen Ausflug oder eine kleine Reise. Auch dieses Jahr hatte ich ein verlängertes Wochenende Berlin gebucht. Wir wollten ins Buchstabenmuseum :-) und nach Potsdam ins Barberini-Museum... lecker Essen und an der Spree spazieren gehen. Doch das alles ist nun abgesagt, weil der Corona-Virus und eine Ansteckung damit viel zu riskant wäre.
Also bleiben mein Mann und ich zu Hause, kuscheln uns aufs Sofa und genießen dieses großartige und wunderbare Geschenk, dass ich/wir erfahren durften und hoffentlich noch lange erleben dürfen.

Happy März!
Insa

Freitag, 6. März 2020

Faszien


Vor kurzrm lief auf Arte eine tolle und interessante Sendung über Faszien. In "Faszien - geheimnisvolle Welt unter der Haut" wurde ausführlich erklärt, was Faszien sind, wo man sie überall finden kann (und zwar überall...), was sie positiv und negativ beeinflussen und dass sie wahrscheinlich ein Hauptgrund für viele Rückenschmerzen in Deutschland sind.

Ich habe bei dieser Sendung sehr viel gelernt. Und habe gleich eine Sketchnote darüber gezeichnet, damit ich es nicht wieder vergesse. :-)

Faszien sind ein weißes Bindegewebe, dass sich durch unseren Körper quasi in Linien zieht. Sie liegen direkt unter der Haut oder Umhüllen unsere Sehnen und Muskeln, die Organe und auch unser Gehirn. Des weiteren sind sie ein Bindeglied zwischen unseren Knochen.

Faszien können sich zusammenziehen (z.B. wenn der Mensch unter Stress steht) und sie können verfilzen und wachsen, wenn der Körper nicht genug bewegt wird oder wir in falscher Haltung am Schreibtisch sitzen. Aber das Gute ist: Sie können sich auch weiten, entspannen und zurückbilden - z.B. durch Dehnung und Bewegung.
Ich sage es Euch - seit diesem Beitrag mache ich nach dem Sport immer eine Extraeinheit Streching....

Da Faszien also auf Streß reagieren, meinen die Wissenschaftler, dass wahrscheinlich die chronischen und unspezifischen Rückenschmerzen (unter denen locker 18% aller Deutschen leiden) auf verkrampfte Faszien zurückzuführen sind. Es sind also nicht die Muskeln die uns nerven und ärgern - sondern die Faszien!

Außerdem ist ein Bestandteil von Faszien Collagen, was wir für die Wundheilung benötigen. Wenn wir also unsere Faszien trainieren (Dehnung und Bewegung), dann findet auch eine schnellere Wundheilung statt.
Manchmal ist unser Körper ja schon clever aufgebaut und durchdacht.

Ich als Muko habe ja auch so meine Baustellen am/im Körper. Vor allem der Schulter-Nacken-Bereich, aber auch mein Kreuz, zicken manchmal rum. Die letzten 40 Jahr mit viel Husten und in Schonhaltung sind halt nicht spurlos an mir vorüber gegangen.... Wenn ich jetzt eventuell durch Streching die Partien besser entspannen kann und vielleicht weniger Schmerzen habe, dann wäre das wirklich superklasse.

Viel Spaß beim Dehnen,
Insa

P.S. Ich habe die Sketchnote auch als pdf-Download (DIN A4) auf meiner Homepage reingestellt. Falls Ihr sie gebrauchen könnt - einfach runterladen udn ausdrucken.


Samstag, 29. Februar 2020

Corona Gefühlschaos - zwischen entspannt und panisch


Gleich vorweg: Auch wir haben kein Patentrezept oder DIE entscheidende Neuigkeit in Bezug auf COVID-19. Ich fürchte eine Weile müssen wir noch mit diesem Neuling leben und unsere Lebensweise ein wenig umstellen.

Ich war zum Glück nie besonders panisch was Keime, Bakterien und Co angeht. Vielleicht auch daher, weil ich noch zu einer Zeit groß geworden bin, wo Pseudomonaden nicht bekannt waren (ein Problemkeim für uns Muko-Patienten). Ich konnte in Pfützen spielen ohne das meiner Mutter der Angstschweiß von der Stirn tropfte und ich hatte auch immer meine Muko-Freunde, mit denen ich mich getroffen habe. Das heißt nicht, dass ich alles auf die leichte Schulter nehme oder leichtsinnig bin. Es gibt Hygieneregeln im Alltag die zu beachten sind, die ich aber so normal finde, dass ich diese nicht besonders erwähnenswert finde. Damit will ich eigentlich nur sagen, dass ich es mein Leben lang gewöhnt bin auf der schmalen Grenze zwischen zu entspannt und paranoid zu balancieren. Ich muss immer wieder abwägen und entscheiden, was für mich ein Risiko ist und was nicht, ohne mich dabei in einen Glaskasten zu setzten und völlig den Bezug zu einem möglichst normalen Leben zu verlieren.

Just in diesem Moment das perfekte Beispiel: Während ich hier tippe klingelte die Post mit einem Paket. Um den Empfang zu bestätigen muss ich mit meinem Finger auf einem Touchscreen unterschreiben. Ich möchte der Post nichts unterstellen, aber wie viele Finger unterschreiben am Tag darauf und wie oft wird das sauber gemacht? Ein gesunder Mensch wird darüber höchstwahrscheinlich gar nicht nachdenken. Selbstverständlich war ich Händewaschen bevor ich hier weitergetippt habe.

In den vergangenen Jahren habe ich unter anderem die SARS und Ebola Phase überstanden und so war ich zu Beginn von COVID-19 ziemlich entspannt. Auch wenn mir klar war, dass sich der Virus nicht aufhalten lassen wird und früher oder später auch in Deutschland ankommen würde. Über die Zeit muss ich aber schon zugeben, dass ich das Thema nicht völlig abschütteln kann. Mal sehe ich eine Pressekonferenz oder Talkshow und denke: "wird schon gut werden" und ein anderes Mal denke ich: "Oh Mist." Wollte ich mich am Anfang nicht zu sehr einschüchtern lassen, habe ich diese Woche doch angefangen mir genau zu überlegen wo ich hingehe und wo nicht. Auch die Gespräche mit Insa und anderen (transplantierten) Muko-Freunden drehen sich inzwischen öfter um dieses Thema. Und an dieser Stelle müssen wir auch deutlich unterscheiden: Für die sogenannte Normalbevölkerung besteht kein Grund zur Panik. Natürlich sollte es niemand darauf anlegen sich anzustecken, aber sollte es passieren stehen die Chancen extrem gut diese Erkrankung ohne Komplikationen zu überstehen. Bei 80 % der Erkrankten ist der Verlauf nicht viel schlimmer als eine normale Erkältung. Aber für Menschen mit schweren Vorerkrankungen, geschwächtem Immunsystem oder altersbedingter Schwäche, sieht das eben anders aus. Für "uns" könnte eine Infektion dramatische Folgen haben.

Hausarrest


Daher riet mir meine Ärztin inzwischen, dass ich vorerst weitestgehend zu Hause bleiben soll. Eigentlich wäre gestern ein Essen mit meinen Ballettkollegen gewesen, die ich lange nicht gesehen habe und auf das ich mich schon wochenlang gefreut habe. Da genau komme ich zu dem Gefühlschaos: Ich will mich von so einem doofen Virus nicht einschüchtern lassen, aber will auch nichts unnötig riskieren. Im Grunde war die Entscheidung klar, aber ich habe trotzdem stundenlang hin und her gegrübelt bist ich endlich die Absage in die Whatsapp-Gruppe getippt habe. Und das zugegeben mit ein paar kleinen Tränen. Dabei geht es aber gar nicht nur um dieses eine Essen. Meine Erkrankung hat schon so oft dafür gesorgt, dass ich Dinge, auf die ich mich gefreut habe, die ich gerne getan hätte, absagen musste. Ob nur ein Essen oder ein Konzertbesuch oder gar ganze Urlaube. Irgendwie füllt es sich jedesmal so an, als hätte ich verloren. Natürlich weiß ich vom Kopf her, dass es nicht so ist und auch dieses Treffen mit meinen Ballettfreunden kann ich nach holen, aber das Herz ist traurig und enttäscht. Für mein Disney Konzert in drei Wochen sehe ich auch schwarz und Insa hat gerade ihr verlängertes Wochenende in Berlin abgesagt. Das ist vernünftig und im Moment sollten auch Gesunde überlegen was sie machen und was nicht, aber es bleibt trotzdem sch... . Entschuldigung.

Probleme - Hamsterkäufe und Co


Der Virus, die Angst und die Ungewissheit ist das eine. Was mir und anderen chronisch Kranken inzwischen auch Probleme bereitet ist, dass viele gesunde Menschen aus Angst was kommen wird Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken in so großen Mengen aufkaufen, dass es für "uns", die so etwas immer brauchen, Corona hin oder her, nichts mehr gibt. Das gilt leider auch für Arztpraxen und ähnliche medizinischen Einrichtungen. Natürlich kann ich die Sorge der Menschen nachvollziehen, aber es bringt ungeahnte Probleme mit sich. Mein Vorrat sieht noch ganz gut aus, nur auf ein paar der wirksamereren FFP3-Masken warte ich gerade noch (wenigstens für die ganz unvermeidbaren Arzttermine zum Beispiel).

Was tun


Hier können wir Euch nur die ganz normalen Verhaltensregeln weitergeben, die wir Mukos oder auch gerade wir transplantierte Mukos eh befolgen (und für Gesunde genauso gelten):
  • keine unnötigen Kontakte mit größeren Menschenmengen
  • wenn möglich etwa 1,5 Meter Abstand zu anderen halten
  • in die Armbeuge husten oder niesen
  • gebrauchte Taschentücher möglichst schnell entsorgen 
  • kein Händeschütteln
  • sich möglichst nicht ins Gesicht fassen (machen wir alle unbewusst öfter als wir denken)
Und vor allem:     
  • Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen!!!!!!!!

Hier noch der Link zu einer sehr anschaulichen Sketchnote zu den Hygieneregelnvon Nadine Roßa.

Für sehr gefährdete Menschen wie eben zum Beispiel für Insa und mich, gilt noch ein bisschen mehr als für andere "Hausarrest". Wenn es zur Zeit nicht zwingend nötig ist, sollen wir zu Hause bleiben. Aber das habe ich ja weiter oben schon ausführlich erklärt.

Das Gute daran


Es ist zwar traurig, dass es eines neuartigen Virus bedarf, um Menschen daran zu erinnern wie sinnvoll Händewaschen ist und das es generell nicht so toll ist jemand anderem ins Gesicht zu husten. Aber das ist vielleicht das Positive an so einer Krise. Die Menschen sind wieder etwas mehr sensibilisiert was - eigentlich normale - Hygieneverhaltensregeln angeht und das wiederum kommt uns bei allen anderen Erkältungs- und Grippewellen zu Gute. Dabei nehme ich mich gar nicht aus. Auch in meinem Alltag schleichen sich Verhaltensmuster ein, denen es eventuell ganz gut tut, mal wieder bewusst darüber nachzudenken. Mir fällt zwar im Moment nur der Einkaufswagen ein, aber immerhin: Früher war ich viel konsequenter den Griff vom Einkaufwagen vor dem Benutzen einmal abzuwischen. Über die Jahre hat das nach gelassen, weil ich mir doch eh nach dem Einkauf die Hände desinfiziere und wasche. Das ist ein Punkt, den ich wieder mehr beachte (ob das zwingend nötig ist, muss jeder selbst entscheiden). 

Bleibt gesund!
Miriam

Freitag, 21. Februar 2020

Ärztewochen

Zur Zeit sind bei mir Ärztewochen. Als Muko-Patient war ich schon immer oft und viel bei Ärzten, aber seit der Transplantation hat sich meine Arztbesuchsrate deutlich erhöht.
Seit Anfang des Jahres war ich:
  • beim Nephrologen (Niere) - dort muss ich alle vier Monate zur Kontrolle
  • beim Hausarzt - 3x Blutabnehmen und einmal zur Nachimpfung
  • beim Diabetesarzt - halbjährliche Kontrolle
  • beim Augenarzt - halbjährliche Kontrolle
  • beim Zahnarzt (weil leider nach den Jahrzehnten der Kortison- und Antibiotikaeinnahmen die Zähne wegbröckeln)
Und ich den nächsten drei Wochen folgen:
  • wieder Zahnarzt (...da bin ich seit einiger Zeit Stammgast...)
  • Sonografie (Ultraschall) vom Bauch
  • HNO 
Dazu kommen die halbjährlichen Kontrollen in der Transplantationsambulanz.
Des weiteren mache ich einmal im Jahr noch folgende Untersuchungen:
  • Herzuntersuchung und Belastungs-EKG beim Kardiologen
  • Darmspiegelung
  • Kontrolle beim Frauenarzt
  • Hautkrebsvorsorge beim Hautarzt
Alle drei oder vier Jahre kommt noch eine Knochendichtemessung dazu.

Dabei darf ich nicht meckern. Miriam hat auf ihrer Liste zusätzlich noch:
  • Schmerztherapeuten
  • Orthopäden 
  • Neurologe
Wir beide gehen auch weiterhin zur Physio (ein oder mehrmals die Woche).

Zeitmanagement


Mit dem Termin alleine ist es ja auch nicht getan. Oft muß man zu den Terminen hinfahren, dazu sitzt man, mal länger mal kürzer, im Wartezimmer. Die Arzttermine werden dann zu Hause mit der Nachbereitung abgeschlossen (Arztbriefe kopieren, evtl. Gespräche mit anderen Ärzten oder der Krankenkasse...)
Ein weiterer Punkt auf der Arbeitsliste "Ärzte" sind Rezepte: Aufschreiben was man braucht, den Arzt (Arzthelferin) die Liste mitteilen, Rezept abholen, zur Apotheke fahren / Rezept hinbringen und, da meistens nicht alles vorrätig ist, nochmal hinfahren und die Medis abholen bzw. auf die Lieferung warten.
Neue Arzttermine telefonisch auszumachen kann ebenfalls eine Herausforderung und sehr zeitintensiv sein...
Es ist also nicht so, dass wir nichts zu tun haben und nicht wissen wohin mit unserer Zeit. Wenn man dann noch Therapie und/oder Sport machen will, eventuell noch arbeitet ("hauptamtlich" oder im Ehrenamt), dann ist ein gutes Zeitmanagement wirklich wichtig und hilfreich. Und Ruhepausen braucht der Mensch ja auch...

Schönes entspanntes Wochenende,
Insa


Freitag, 14. Februar 2020

Buchempfehlung: Warum wir schlafen

Heute möchte ich Euch mal wieder ein Buch vorstellen: "Warum wir schlafen" von Albrecht Vorster (Verlag Heyne). Ich sage es gleich: ich finde dieses Buch total klasse und super interessant und kann es Euch allen nur empfehlen.

Albrecht Vorster studierte Biologe (und Philosophie) und promoviert über Gedächtnisbildung im Schlaf der Meeresschnecke Aplysia. Das mit den Meeresschnecken kling im ersten Moment seltsam, aber diese Schneckenart besitzt (nur) 20.000 Nervenzellen (das ist sehr wenig) und diese sind mit 1mm Durchmesser so groß, dass man sie mit bloßem Auge erkennen kann. Deswegen wird an der Meeresschnecke gerne Gedächtnisforschung betrieben.

Wer die ersten Abschnitte des Buches liest und die Beschreibung, wie er mit den Meereschnecken zusammen die Nacht durchmacht (damit die Tiere nicht schlafen - und dann wie der Mensch auch am nächsten Tag völlig übermüdet in der Ecke hängen), der ist gleich mitten drin im Thema und will mehr wissen. Albrecht Vorster schreibt locker flockig in kurzen Kapiteln, die immer viele Infos bieten und gut und einfach die Zusammenhänge erklären.

Themen rund um den Schlaf


In diesem Buch gibt es Grundsätzliches zum Thema Schlaf (was genau ist die Aufgabe bzw. warum vergeuden wir Menschen soviel Zeit damit), es geht um die innere Uhr und z.B. Jetleg oder Schichtarbeit, es geht um Träumen, um die Veränderung des Schlafverhaltens im Laufe des Lebens, darum, warum wir schlecht schlafen oder Schnarchen und um Themen wie Restless legs oder Schlafwandeln... und noch vieles mehr. Da jedes Kapiel in sich abgeschlossen ist, muss man das Buch nicht strikt von vorn nach hinten lesen, sondern kann sich auch die Sachen rauspicken, die einen zuerst interessieren.

Ich fand es sehr spannend zu lesen, welche Krankheiten auch mit Schlaf bzw. zu wenig Schlaf zusammenhängen (z.B. Diabetes oder Parkinson). Auch das Kapitel über die Organ-Uhr war sehr interessant. Wusstet Ihr, dass jedes Organ (rund um den Tag verteilt) seine Hochzeit hat? Hat ein Organ Probleme, dann treten diese oftmals in dieser Hochzeit auf  z.B. Asthmaanfälle immer morgens zwischen 3 Uhr und 5 Uhr oder Gallenkoliken so um Mitternach (zwischen 23 Uhr und 1 Uhr).  Es ist also nicht so, dass der Körper oder die Organe ruhen nur weil wir schlafen. Das mit den Asthmaanfällen kann ich übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen.
Ein weiterer Pluspunkt des Buches sind außerdem die Zeichnungen von Nadine Roße (deren Sketchnotes ich wirklich gerne mag). Die Zeichnungen helfen beim Verständnis und lockern das Buch noch mehr auf.
Eine Warnung muss ich aber aussprechen: Als ich dieses Buch gelesen habe und die Bedeutung von Schlaf verstanden habe, da hatte ich dauend das Gefühl, dass ich zu wenig schlafe und viel mehr schlafen müsste! :-)

Ganz ehrlich: Kauft Euch das Buch! Es ist toll.
Schlaft gut,
Insa