Samstag, 27. Februar 2021

Notfall-App für Mukos

In dieser Woche ging die Notfall-App der Mukoviszidose Selbsthilfe Region Bremen e.V. an den Start. Die kostenlose App kann im Apple-Store (für Apple) und bei Google Play (für Android) runtergeladen werden. (Falls die Links nicht funktionieren müsst Ihr nach "Mukoviszidose" oder Cystischer Fibrose" suchen.)

Warum so eine Notfall-App?

Diese App geht zurück auf eine Info-Broschüre, in der alle möglichen Notfälle bei Mukoviszidose erklärt/beschrieben werden. Nachdem alle Flyer verteilt waren, stand die Frage im Raum, ob es eine Neuauflage geben soll. Da so eine Broschüre irgendwo zu Hause in einer Schublade liegt und in einem Notfall (z.B. Lungenblutung) wahrscheinlich nicht erst gesucht wird (sofern man/frau denn bei einem Notfall überhaupt zu Hause ist)... kam von der Selbsthilfe Bremen schnell die Idee, die neuen Medien zu nutzen: Eine Notfall-App sollte her und alle wichtigen Informationen für Mukos schnell erreichbar machen.

Was kann die App?

Die App ist sehr einfach zu bedienen. Auf der Startseite erscheinen vier Hauptkategorien: Magen, Lunge, Diabetes und Sonstiges. Diese sind mit Unterkategorien gefüllt, bei denen es zu Notfällen oder Komplikationen kommen kann. Darunter sind dann kurze Infotexte aufgeführt: "Beschreibung", "Auslöser", "Symptome", "Schweregrad" und "Was ist zu tun".

Bilder: Screenshots von der Muko-App

Außerdem gibt es noch Extras - dort kann man seine Notfallkontakte oder Arztadressen eintragen, die Medikamentenliste einfügen oder auch einen Blick ins Literturverzeichnis werfen.

Wer steckt dahinter?

Diese App ist von der Mukoviszidose Selbsthilfe Region Bremen e.V. größtenteils selbst finanziert worden. Das ist eine enorme finanzielle Leistung. Hut ab! Aber auch unsere CF-Selbsthilfe Braunschweig e.V. hat eine Summe für diese Projekt gespendet, ebenso wie die CF-Selbsthilfe Köln e.V.. (Ich finde es echt super, wenn die Selbsthilfegruppen so zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.) Außerdem waren die AOK Niedersachsen und Aktion Mensch mit im Boot.

Diese App ist keine Medizinapp. Sie dient dazu schnell und einfach Antworten zu finden, wenn überraschend Symptome auftreten und sie hilft eventuell diese Symptome besser zu deuten. Wie der Name Notfall schon sagt, empfielt die App bei fast allen beschriebenen Notfällen einen Arzt zu kontaktieren.

Wer Anregungen oder Verbesserungsvorschläge hat - die Bremer freuen sich über Rückmeldungen. Kontaktdaten findet Ihr auf der Webseite der Selbsthilfegruppe.

Habt Ihr die App schon runtergeladen?
Schreibt uns gerne Eure Meinung dazu.

Insa 


Freitag, 19. Februar 2021

Löffeltheorie

Schon mal von der Löffeltheorie gehörte? Nein? Ich auch nicht... bis ich die aktuelle Folge vom Podcast "Die Neue Norm" gehört habe. In dieser Folge ging es eigentlich um das Thema FOMO = fear of missig out (= die Angst etwas zu verpassen). Aber die Löffel- oder auch Bestecktheorie, von der darin gesprochen wurde, fand ich genauso spannend.

 Bild: Sketchnote-Zusammenfassung der Podcastfolge

Löffel und Besteck

Bei der besagten Löffeltheorie geht es um folgendes:
Ein Löffel steht für eine Energieeinheit - und jede/jeder Mensch hat für einen Tag nur eine begrenzte Anzahl von Löffeln zur Verfügung. Ist man/frau nun körperlich eingeschränkt oder chronisch krank, ist der Verbrauch von Löffeln höher... und die Löffel sind manchmal schneller verbraucht als gewollt.

Im Podcast wird die Löffeltheorie noch um die Bestecktheorie ergänzt, also Messer und Gabel kommen dazu.
Die Gabel steht dabei für den Stress von außen, der Energie rauben kann; das Messer soll für Aktivitäten stehen, die Dir zu viel Energie rauben und die das Tagespensum zu schnell verbrauchen.

Dazu mal ein Beispiel aus meinem Leben.
Als ich auf der Warteliste für die Lungentransplantation stand (ich benötigte 24 Stunden zusätzlich Sauerstoff ) waren meine "Löffel" allein durch Duschen/Waschen, kleine Sporteinheit und Autogene Drainage (Atemtechnik um die Lunge zu reinigen) aufgebraucht. Sagen wir mal, ich hätte 10 Löffel für den Tag zur Verfügung. Dann hätte meine Verbrauchsliste ungefähr so ausgesehen:

  • Duschen/Waschen: 3 Löffel
  • Sport: 4 Löffel
  • Autogene Drainage: 3-4 Löffel
  • Arztbesuch: 2-3 Löffel
  • Einkaufen: 2 Löffel 
  • Treppensteigen (je nach Stockwerk): 2-8 Löffel
  • Spaziergang: 2-3 Löffel
  • Freunde treffen: 2-3 Löffel
  • abends durch die Wohnung laufen: 1 Löffel

Ich habe mich darauf eingestellt und immer nur einen Teil von Aktivitäten gemacht. Meine Tage habe ich genau geplant. Wenn also z.B. ein Arztbesuch anstand, dann gab es keine weiteren Termine mehr und der Sport blieb meistens auch auf der Strecke.

Nach Transplantation

Seit meiner Lungentransplantation hat sich mein Löffelverbrauch glücklicherweise sehr geändert (weil meine Lunge nicht mehr so schwer arbeiten muß und als Energieverbrauche nicht mehr so ins Gewicht fällt):

  • Duschen/Waschen: 0-1 Löffel
  • Sport: 3 Löffel
  • Autogene Dainage: fällt weg
  • Arztbesuch: 0-1 Löffel
  • Einkaufen: 0 Löffel
  • Freunde treffen: 0-1 Löffel
  • Treppensteigen (ab 3 Stockwerken): 1 Löffel
  • Spaziergang (je nachdem wie lang): 1 Löffel

Auf einmal so viele Löffel zur freien Verfügung zu haben ist nach wie vor ein tolles Gefühl! Und ich bin sehr dankbar dafür.

FOMO

Kommen wir nochmal kurz auf das eigentliche Thema der Podcastfolge zurück - die Angst etwas zu verpassen. Das spielt natürlich in die Löffeltheorie mit rein. Wenn ich nur eine gewisse Anzahl von Löffeln für den Tag habe, dann muss ich (wenn ich nicht permanent über meine Verhältnisse leben will) automatisch auch mal Termine/Treffen absagen und verpasse etwas. Ich glaube, dass kennt jede/jeder Muko. In diesem Zusammenhang ist der Lockdown schon fast positiv zu sehen - denn nun sind alle Zuhause und die Treffen finden online statt. Das ist tatsächlich entspannend - und auch inklusiv!

Ich nehme zur Zeit an so vielen Onlinetreffen teil, wie noch nie. Das ist manchmal auch Stress - aber ein positiver. :-)

Macht einfach das Beste aus der Situtation,
Insa


Montag, 15. Februar 2021

Feedingtube Awearness Week - künstliche Ernährung, meine persönliche Geschichte

In der vergangenen Woche war die "Feedingtube Awearness Week" - also eine Woche in der die Aufmerksamkeit auf das Thema Ernährungssonden (jeder Art) gelenkt werden sollte. Ich versuche schon lange Euch einen Beitrag zu diesem Thema zu posten, aber das Thema ist so weitreichend, das es mir mal wieder schwer fällt, es einigermaßen kompakt zusammenfassen.

Warum musste ich künstlich ernährt werden

Das ganze Essensthema ist eine Geschichte für sich. Die Kurzfassung ist im Grunde typisch für meine Generation-Mukos: Hoher Energiebedarf, zu Anfang noch keine guten Enzyme um das Essen gut zu verwerten und immer enorme Schwierigkeiten essen zu können (Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen...). War ich als Baby noch normalgewichtig, wurde ich später immer dünner und lag irgendwann deutlich unter der 3er Perzentile bei diesen Gewichtskurven für Kinder.

Meine erste nasale Magensonde

1985, ich war neun Jahre alt, war ein schlimmes und sehr entscheidendes Jahr, was meine Gesundheit anging. Eh schon recht eingeschränkt in der Lungenfunktion, bekam ich Anfang des Jahres gleich zwei Lungenentzündungen hintereinander. Bei der Zweiten sah es wirklich beängstigend aus und mein sowieso schon geringes Gewicht war keine Hilfe. Zuerst bekam ich "Fett" über die Vene. Schließlich wurde entschieden, dass ich zusätzlich auch eine Magensonde (durch die Nase) bekommen soll. Allerdings waren 1985 Magensonden gefühlt so dick und unflexible wie heute Magenspiegelungschläuche. An das legen erinnere ich mich mit Grauen und bei jeder Lungenspiegelung ist allein der Weg vom Endoskop durch die Nase behaftet mit diesen furchtbaren Erinnerungen. So eine Sonde durfte immer sieben Tage liegen, bevor sie gewechselt wurde. An einem fünften Tag, entfernte eine Schwester zum waschen das Pflaster und ich sagte sofort panisch: "Die darf noch zwei Tage." Und zack hatte die Schwester die Sonde gezogen. Ich hab schrecklich geweint und die Schwester gehasst. Am nächsten Tag erklärte sie mir, dass sie es einfach nicht mit ansehen konnte, wie ich schon zwei Tage vor dem neu legen total aufgeregt und ängstlich war. Heute verstehe ich was sie meinte, aber damals fand ich es nur unfair. Ansonsten lief es gut mit Sonde. Schlucken war etwas schwieriger, aber meine Lieblingsschwester brachte mir von sich zu Hause Dosenobst mit, das rutschte gut. Und ich durfte mich auch selbst sondieren, ohne das jemand dabei war. Damals fand ich das total normal, im Rückblick heute ist es schon irgendwie krass. Von Fresenius gab es damals "Ochsenschwanzsuppe", das war mein Favorit - mein Teddy hat den Fleck davon allerdings immer noch. Magensonden für zu Hause waren noch nicht üblich. Daher war meine erste Phase der künstlichen Ernährung mit Entlassung aus dem Krankenhaus beendet. Es folgten einige Jahre in denen wir es mit den hochkalorischen Zusatzgetränken versuchten. Auch ein so ein Thema für sich.

Nasale Sonde Zweiter Versuch

1988, ich war inzwischen 12 Jahre alt, war das Thema Gewicht weiterhin ein großes Problem. Jetzt  konnte die künstliche Ernährung auch zu Hause stattfinden und so gab es einen neuen Anlauf mit einer nasalen Magensonde. Inzwischen waren diese deutlich dünner und weicher. Eine meiner "Muko-Vorbilder", Petra, schob sich ernsthaft jeden Abend selbst die Sonde und zog sie morgens wieder. Dafür habe ich Petra so bewundert. Bei mir gestaltete sich das Legen nicht ganz einfach und kaum war sie drin, hing sie mir nach einem Hustenanfall plötzlich aus dem Mund. Na super. Beim Versuch sie zu entfernen verhakte sie sich irgendwo in der Nase (da das Ende etwas dicker ist als der weiche Schlauch) und erst ein beherztes ruckartiges ziehen brachte den Erfolg. Damit war eine nasale Sonde definitiv vom Tisch.

PEG - ganz neu auf dem Markt und schon in meinem Bauch

Zu dieser Zeit hatte grade die erste Jugendliche auf der Station etwas total Neues bekommen: Eine PEG. Diese Art der Magensonde wird durch die Bauchdecke in den Magen gelegt. Der Vorteil ist, dass sie von anderen nicht gesehen wird (in dem Alter ein wichtiger Punkt), sie muss nicht ständig gewechselt werden und es stört kein Schlauch im Hals beim Schlucken oder Abhusten. Da das so neu war, kamen ständig Ärzte und Ärztinnen auf Station, die von den Schwestern wissen wollten: "Wo liegt die PEG?" Woraufhin unsere Schwestern immer nur auf ihren Bauch tippten und sagten: "So etwas neben dem Bauchnabel." Fand ich grandios. Lange Rede kurzer Sinn, ich wurde die zweite PEG! Ehrlich gesagt haben mich die Ärzte damals mit dieser Nachricht ganz schön überfahren (und meine Eltern auch). Ich war gar nicht begeistert und konnte mir nicht vorstellen, dass ich mich mit so einem Schlauch im Bauch überhaupt bewegen würde können. Wieder war es vor allem eine meiner Lieblingsschwestern, die sich viel Zeit genommen hat, mir alles zu erklären, zu zeigen und mir die Angst so gut wie möglich zu nehmen. 
Foto: Miriams Puppe mit PEG
 
Meine Puppen waren ja immer im Krankenhaus dabei und die hingen natürlich auch an sämtlichen Schläuchen. Mariechen hat hinten eine Klappe, wo eigentlich kleine Schallplatten rein kamen (kennt heute gar keiner mehr) und für den Lautsprecher Löcher im Bauch. Daher war sie die Auserwählte für eine top selbstgebastelte PEG.
Foto: Die Puppen-PEG etwas mehr im Detail

Das Beste was mir passieren konnte.

Insgesamt gesehen habe ich mich schnell an die PEG gewöhnt. Es war im Alltag bei all dem Essensdrama eine unglaubliche Erleichterung. Nicht nur für mich, auch für meine Familie. Allein im ersten halben Jahr nahm ich 10 Kilo zu und mein gesamter Gesundheitszustand wurde stabiler. Weniger Notfall-Krankenhausaufenthalte, weniger Fehltage in der Schule und ähnliches. Es gab natürlich ein paar Anfangsschwierigkeiten. Die Haut an meinem Bauch war schnell rot und zum Teil blutig vom Pflasterverband. Wie gesagt, ich war erst die Zweite, es gab noch keine Erfahrungen. Erst versuchten wir es mit Mullbinden um den Bauch - die rutschten aber natürlich sofort nach unten. Und so kam es recht schnell, dass ich nur noch den Schlauch mit einem Stück Pflaster fixierte und wir die Erkenntnis gewannen, dass es keinen Verband brauch wenn die PEG gut eingewachsen ist. Leider brauchte ich gut eine halbes Jahr um meinen ersten Hustenanfall am Morgen so zu steuern, dass ich mich nicht mehr übergeben musste. Über Nacht lief schließlich ein Liter milchartige Flüssigkeit in meinen Magen. Ein weiteres unschönes Problem war das Material damals. Der Stöpsel zum anschließen des Ernährungsbeutels wurde nicht wie heut geschraubt, sondern mit geklebt. Das hielt so semi gut. Immer mal wieder wurde ich nachts wach, weil ich in einer warmen Lache aus Fresubin Vanille und Magensaft lag. Nicht schön. Schlimmer war es aber, wenn der Stöpsel in der Schule auf oder ab ging und mir der Magensaft am Bein lang lief. Riecht dazu ja auch noch eklig. 

Wechsel bis zum Button

Meine erste PEG hielt tatsächlich sieben Jahre, so lang hat es keine zweite geschafft. Einmal war sie mir allerdings in den Dünndarm gerutscht, das war wirklich unangenehm. So wurden die Schläuche also alle paar Jahre gewechselt. Ab dem zweiten Model hatten sich auch die Schwierigkeiten mit dem losen Anschluss erledigt. Was für eine Erleichterung. Dann kamen "Buttons" auf den Markt. Dies bedeutet zwei markante Unterschiede. Innen im Magen gab es keine feste Halteplatte mehr, sondern einen Ballon der mit etwas Wasser gefüllt das rausrutschen verhindert. Ein Nachteil dabei ist, dass dieser Ballon natürlich keine sieben Jahre hält, sondern irgendwann undicht wird oder platzt (fühlt sich an wie eine zerplatzende Kaugummiblase im Magen). Dafür kann der Button allein gewechselt werden, habe ich mich aber nie getraut. Na gut, ich hatte auch nur zwei bevor es anders weiter ging. Nun hätte ich Euch aber fast den wichtigsten und entscheidenden Unterschied zur klassischen PEG verschwiegen. Es hängt einem kein 15 cm langer Schlauch mehr aus dem Bauch. Es ist nur noch ein kleiner runder "Plastikknopf" wo direkt ein Adapterschlauch angedockt werden kann. Heute ist es glaub ich sogar nur noch ein schmaler Steg. Kein hängenbleiben mehr, noch dezenter, klasse.  

Letztes Kapitel PEJ

Im Juli 2013 versagte meine eigene Lunge endgültig und ich musste an die ECMO (Herz-Lungen-Maschine). Zusätzlich hatte ich auch einen Luftröhrenschnitt für die Beatmung. Unter diesen Bedingungen entschied das Behandlerteam meinen Button gegen eine PEJ zu tauschen. Der Unterschied zur PEG besteht darin, dass der Schlauch innen nicht an der Mageninnenwand endet, sondern bis in den Dünndarm vorgeschoben wird. Das sollte vor allem verhindern das die Nahrung zurück in die Speiseröhre lief und auch die Gefahr des Erbrechens war wesentlich kleiner. Ich hatte wahnsinnig Glück in dieser Situation und bekam meine Spenderlunge. Wie viele Mukos hatte ich in den folgenden Wochen und Monaten noch große Probleme mit meinem Darm. Da war die PEJ ganz praktisch, weil ich dadurch viel Flüssigkeit zum spülen sondieren konnte und nicht alles trinken musste. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich total gern bei "selten" oder "das passiert eigentlich nicht" dabei bin? Etwa ein halbes Jahr nach der Lungentransplantation habe ich es geschafft, den Schlauch aus dem Dünndarm durch den Mund zu erbrechen. Da sich zuerst der Kehlkopf verkrampfte, war es es erst einmal eine beängstigende Situation, da ich kurzfristig nicht atmen konnte. Gut das mit der Lunge minimal atmen ausreichte. Die PEJ wieder zurückzuverlegen ist keine großartige Aktion. Dank Propofol habe ich ja auch nichts mitbekommen :-). Mein Untergewicht war schon etwa ein Jahr vor der Lungentransplantation kein Problem mehr und so konnte die PEJ ca. 15 Monate nach der Operation völlig entfernt werden. Seit dem bin ich "schlauchfrei". Kein Sauerstoffschlauch, kein Ernährungsschlauch, schon merkwürdig, aber toll!

Warum ich absolut dafür bin

Auch dieser Absatz ist im Grunde einen eigenen langen Artikel wert. Und ich versuche auch wirklich jetzt zügig zum Ende zu kommen, versprochen. Für mich bedeutete die künstliche Ernährung eine unglaubliche Erleichterung. Essen war irgendwann so negativ behaftet und nur schlimm. Dazu der Frust und die Wurt auf mich selbst, weil ich es einfach nicht geschafft habe genug zu essen. Dann noch die Belastung vor allem meiner Mutter, die ja wusste, wenn ich nicht zunehme geht es mir immer schlechter. Essen wurde also plötzlich entspannt. "Richtiges" Essen ist ja nach PEG Anlage nicht verboten (bei Muko). Daher konnte ich essen was und vor allem soviel (sowenig) ich wollte und hatte immer die Sicherheit das Flüssigkeitszufuhr und Energiebedarf im Zweifel durch die künstliche Ernährung gedeckt sind. Darum habe ich auch lange mit der Entfernung gewartet. Sie hat mich nicht gestört, ich habe doppelt so lang mit Schlauch im Bauch gelebt als ohne und ich wollte einfach nicht, dass essen mal wieder so ein Druck und Stress wird. 

Zu diesem Thema gehören natürlich noch viele andere medizinische, moralische und ethische Aspekte. Was wenn eine PEG nur gelegt wird weil niemand im Krankenhaus oder Pflegeheim genug Zeit hat um mit den Menschen dort zu essen?  Was ist mit Sondenentwöhnung bei Kindern? Essen ist nicht nur reine Nahrungsaufnahme und noch so vieles mehr. Aber dies würde natürlich komplett den Rahmen sprengen und ich bin eh nur Experte meiner eigenen Ernährungsgeschichte. Daher erlöse ich Euch jetzt, aber wenn Ihr Fragen habt traut Euch.

Guten Appetit,
Miriam
 
 

Freitag, 29. Januar 2021

Gesunde Architektur

Healthy oder auch healing architecture - zu deutsch: gesunde Architektur, will durch Berücksichtigung bestimmter Faktoren oder Baumaterialien das Leben der Menschen, die in den Bauwerken leben oder arbeiten verbessern. Ganz besonders gilt hier ein Augenmerk dem Krankenhausbau. Denn Krankenhäuser - und das weiß ich selbst aus jahrelanger Erfahrung... sind nur selten ein heller, freundlicher Ort der Ruhe und Erholung. Dabei sollten sie dies sein! Denn wie soll man sonst schnell gesund werden?

Vor kurzem bin ich über den Brand Eins Podcast "gestolpert" und fand bei den älteren Episoden eine Folge über gesunde Architektur. Stephanie Matthys (Architektin) erzählt darin über die Hintergründe von gesundem Krankenhausbau und welche Faktoren dabei besonders berücksichtigt werden sollten. Es geht hier vor allem um die Aspekte:

  • Luft
  • Licht
  • Lärm
  • Natur / Natur sehen
  • Raum / Raumgröße

 

gesund oder krank durch Architektur

Wer von Euch noch nie im Krankenhaus war, mag dies vielleicht überraschen: Gerade auf Intensivstationen ist es oft sehr laut. Und nicht immer haben die Intensivzimmer ein Fenster... Gut, manche motiviert so etwas vielleicht: "Ich muss hier so schnell wie möglich wieder raus!". Aber viele Schwerkranke oder auch die Stammpatienten mit z.B. chronischen Krankheiten, werden bei solchen Rahmenbedingungen eher lethargisch und antriebslos.
Studien haben (Überraschung!) herausgefunden, dass eine positiv stimulierende und ruhige, helle Umgebung die Chancen auf schnellere Genesung oder Erholung verbessern! Dafür gibt es in der Charité in Berlin nun extra ein "Test-Patientenzimmer". Dort werden nun die Fortschritte bei der Heilung von Patienten bei unterschiedlichen Raumerfahrungen beobachtet.

Meine letzten Krankenhausaufenthalte sind glücklicherweise etwas her... ich weiß aber noch sehr genau, dass ich immer als erstes die Gardine zu Seite geschoben habe, wenn ich das Zimmer bezog. Ich wollte Licht im Raum und den Ausblick (Himmel/Garten) sehen. Manchmal hatte ich aber ein Zimmer, von dem ich nur in einen tristen Innenhof blicken konnte - kein richtiger Blick zum Himmel war möglich und Sonnenstrahlen kamen dort nie an - dort war der einzige Lichtblick der Fernseher....

Berufsfindung

Wenn ich vor 

 

25 Jahren geahnt hätte, dass dies ein Bereich der Architektur ist, dann hätte ich mich sehr wahrscheinlich dafür interessiert und hätte der Architektur nach dem Studium nicht den Rücken gekehrt. (Inzwischen gibt es auch Wohnmedizin und Baubiologie!) Auf der anderen Seite... wenn ich eh schon regelmäßig alle halbe Jahre ins Krankenhaus gehe - würde ich mich dann auch noch damit in meiner Arbeitszeit beschäftigen wollen? Ich weiß es nicht. Aber meine Einsichten hätten garantiert geholfen... Ich glaube kaum, dass die meisten Architekt*innen, die Krankenhäuser planen, jemals irgendwo stationär gelegen haben. Wenn dies so wäre, dann sähen Krankenhäuser garantiert ganz anders aus!

Corona und Krankenhäuser

Auch die Corona-Pandemie hat den Blick auf die Krankenhäuser verändert. Dies meine ich jetzt nicht in Bezug auf Pflegepersonal und Intensivbetten, sondern in Bezug auf Ansteckung. Das bedeutet, dass es in Zukunft eventuell mehr Einzelzimmer geben könnte, weil so die Ansteckung von Patient*in zu Patient*in verhindert werden kann. Wenn man sieht, dass bei Krankenhausneubauten immer noch Vierbett-Zimmer gebaut werden, dann fände ich die oben genannte Entwicklung wirklich, wirklich richtig und gut. 

Bleibt gesund,
Insa



Freitag, 22. Januar 2021

Corona-Impfung

Wir haben etwas länger überlegt, ob wir an dieser Stelle auch nochmal über die Corona-Impfung berichten sollen. Da es aber ja doch einige Menschen gibt, die diesbezüglich eher zurückhaltend sind, wollen wir unseren Beitrag zur Aufklärung hier leisten.

Grundsätzlich finde ich, dass wir alle die Pflicht haben uns zu informieren. Das bedeutet, nur auf dem Sofa sitzen und warten bis die Informationen vorbei geflogen kommen - das gilt nicht. Der/Die mündige Bürger*in muß schon auch mal selbst aktiv werden. Wenn es um Corona geht, dann empfehle ich die Webseiten vom RKI (Robert-Koch-Institut), der STIKO (Ständige Impfkommission), dem Bundesgesundheistministerium (oder auch die Gesundheitsministerien der Länder)... oder auch den Podcast Coronavirus Update von NDR Info.

Doch nun zum Thema Corona-Impfung. 

Bild: Sketchnote-Zusammenfassung von der Podcastfolge

Warum ging das so schnell?

Die Frage, die die meisten wohl beschäftigt, ist: Warum ging das mit dem Impfstoff so schnell?
Hierfür gibt es ein paar Gründe, die alle zusammen spielen:

1. Das Virus ist nicht unbekannt und das Antigen (was für einen Imfpstoff wichtig ist) ist bereits bekannt gewesen.

2. Es handelt sich um eine neue Impftechnologie, die schon etwas länger in der Entwicklung war.

3. Die praktischen und die klinischen Phasen konnten gleichzeigit ablaufen.
Hierzu empfehle ich auch nochmal unseren Beitrag über Medikamente gegen Covid-19 und die Entwicklung von Medikamenten. 

4. Es gab/gibt eine sehr enge Zusammenarbeit unter den Wissenschaftlern und Forschern.

5. Es gab/gibt genug Geld für die Forschung und Herstellung - das ist leider auch nicht immer gegeben.

Außerdem waren bei den Impfstudien sehr, sehr viele Menschen mit dabei. Das passiert sonst auch nicht in diesem Ausmaß. Dazu konnte der Impfstoff in einer virusaktiven Zeit getestet werden. Auch dies ist so eher selten der Fall.

 

Nebenwirkungen? Langzeitschäden? Allergien?

Grundsätzlich muss man sagen, dass alle Impfungen Nebenwirkungen und Allergien hervorrufen können. Das ist leider normal. Als ich im letzten Jahr meine Imfpungen gegen Gürtelrose bekam, war ich vier Nächte nicht in der Lage auf dem Impfarm zu schlafen - so sehr tat dieser weh. Das passiert.

Auch allergische Reaktionen können bei Impfungen passieren - dies aber meistens bei Menschen die hochallergisch sind. Und wenn wir in die Corona-Impfung-Statisik gucken, sehen wir, dass über 1,89 Mio Menschen schon weltweit geimpft wurden und davon gerade mal 21 Personen eine allergische Reaktion hatten - das ist wirklich wenig. 

Wer mal einen kleinen Vergleich zu häufigen Nebenwirkungen/Reaktionen möchte: bei den Immunsuppressiva, die ich täglich nehme, sind die schweren Nebenwirkungen mit 1:1000 angegeben - und das Zeug nehme ich täglich bis an mein Lebensende... Noch ein Beispiel? Auch die Antibabypille ist was Nebenwirkungen angeht (z.B. Trombose) auch nicht ohne und wird von viieeelen Frauen weltweit eingenommen.

Langzeitschäden kommen bei Impfungen nicht vor, weil sich dieser Begriff meist nur auf Dauermedikation bezieht. Und alle die hier bedenken haben: Wer raucht (normale oder E-Zigaretten) oder regelmäßig Alkohol trinkt, die/der sollte sich mehr Gedanken um Langzeitschäden der Lunge oder der Leber machen....

RNA - DNA

Eine RNA kann sich nicht in eine DNA umwandeln. Punkt.
Der mRNA-Imfpstoff hat auch nur einen kleinen Teil der Virus-RNA in sich. Dieser ist nicht unbedingt stabil und zerfällt nach kurzer Zeit wieder. Das Ganze wird auch nur zur Vorlage für das Immunsysrem gebraucht, damit der Körper weiß was er machen und bauen soll. 

Ich hoffe ich konnte Euch damit ein wenig weiterhelfen und die noch offenen Fragen beantworten.
Am 27. Januar bietet der Mukoviszidose e.V. übrigens eine Online-Veranstaltung zum Thema "Covid-19 - Impfung bei Mukoviszidose" an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt - wer mit dabei sein möchte, sollte sich schnell anmelden (Anmeldung via Muko e.V.).

Bitte lasst Euch impfen.
Insa

Sonntag, 17. Januar 2021

Mein neuer Spa-Bereich - Badewannenlifter

Okay, ich hätte das Bad jetzt noch instagrammable aufhübschen können mit Kerzen und Rosenblüten, aber bleiben wir doch lieber bei der Realität. Und die ist, dass ich es aus eigener Kraft nicht schaffe aus der Badewanne rauszukommen. Um vom Boden aufzustehen, muss ich auf alle viere und mich dann mit den Händen hochdrücken. Na ja, und das funktioniert in der Badewanne eher schlecht. Dazu die Missempfindungen in den Beinen in Kombination mit meinem schlechten Gleichgewicht, das erhöht die Sturzgefahr. Insgesamt habe ich ich jetzt bestimmt 10-15 Jahre nicht gebadet. Jaaahaaa...lustig, lustig, natürlich habe ich geduscht und mich gewaschen und es ist noch niemand in meiner Umgebung ohnmächtig geworden. Dann können wir jetzt wieder ernst werden. Eigentlich habe ich immer gern gebadet, es ist entspannend und für meine ganzen verkrampften Muskeln eine Wohltat. Allerdings war es die Jahre vor der Lungentransplantation einfach zu anstrengend. Außerdem fährt mein Kreislauf total runter und ich werde furchtbar müde. Nach der Transplantation war ich schon so schwach von den Muskeln, dass ich dachte ich warte erst mal bis das besser ist. Dann kam die Blutvergiftung mit Koma und all dem ganzen Kram (übrigens genau vor vier Jahren) und ich konnte erst recht nicht auf meine Muskelkraft zählen. Damit ich damals überhaupt nach Hause durfte und mich mit Hilfe meiner Schwester waschen und duschen konnte, hat mein Vater einen Sitz in der Duschkabine befestigt. Hätte nicht gedacht, dass ich den dauerhaft brauche. 

Einzug des Badewannenlifters

Im letzten Jahr war meine Mutter doch gestürzt und ihre körperliche Verfassung war vorher schon nicht gut. Darum kommt jetzt der Pflegedienst zur Unterstützung und wir haben diesen schicken Badewannenlifter bekommen. So traurig die Umstände sind, es hat den Vorteil, dass ich jetzt auch endlich mal wieder baden kann. #immerdasgutesehen *lach*. Klar ist das nicht ein so schönes Baden wie ohne Lifter. Allein schon weil ich nicht soweit im Wasser liege, auch wenn der schon recht weit nach unten fährt. Vor allem die Rückenlehne dürfte gern weiter nach hinten gehen.



Schade - gerade wegen meiner Schulter-Nacken-Schmerzen - aber besser als nichts.

Kosten-Nutzen-Faktor

Bevor jemand fragt, ob ich denn für mich keinen Badewannenlifter hätte beantragen können: Ja, mir würde auch ein Lifter zustehen. Aber hier kommt ein bisschen das Kosten/Nutzen-Prinzip ins Spiel. Ich persönlich finde, ich muss nicht alles haben und beantragen was ich kriegen kann. Da ich eh selten gebadet habe, aus den oben genannten Gründen (Kreislauf), fand ich es einfach nicht fair für 3x mal im Jahr so eine Ausgabe zu beantragen. Mein Herz hing da nicht dran. Auch wenn der Lifter nicht mal so viel kostet wie ein Monat meiner Medikamente, stehe ich auf dem Standpunkt: was nicht sein muss, muss nicht sein. Dafür kämpfe ich dann an anderer Stelle lieber um Dinge, die wirklich entscheidend für meinen Alltag sind. 

Aber jetzt wo er da ist, freue ich mich :-) 

Plitsch-Platsch!
Miriam


Donnerstag, 31. Dezember 2020

Unser persönlicher Rückblick auf 2020

Manchmal läuft das Leben anders als geplant - und seien wir ehrlich: wir Mukos kennen doch nur allzu gut solche Situationen... und wir wissen, dass wir schnell mal umplanen und umdisponieren müssen. Flexibilität gehört zu Mukovisziose irgendwie dazu. Und so haben wir auch versucht 2020 zu handhaben. 

Wir hatten beide diverse Aktivitäten für dieses Jahr geplant und wie viele von Euch mussten wir diverse Sachen von unseren Listen streichen - aber (und das ist das Positive) es kamen auch unverhofft neue und schöne Termine hinzu.

Was bleibt uns im Gedächtnis?

Durch den Podcast Coronavirus Update von NDR Info gab es alle wichtigen Infos Rund um die Pandemie. Das hat uns sehr geholfen die Pandemie und alle Vorsichtsmaßnahmen zu erkennen und die Situation richtig einzuordnen. 

Wie schon in einem der vorherigen Beiträge mal kurz erwähnt, haben wir beide durch diesen Podcast dieses Medium erst richtig kennen- und schätzen gelernt.

Insas hat für Euch ihre derzeitigen Lieblings-Podcasts aufgelistet:

eat.read.sleep. vom NDR - ein Bücherpodcast mit sehr engagierten ModeratorInnen und tollen Buchbeschreibungen /Inhaltsangaben (ich bekomme dabei immer Lust zu lesen)

Paaradox von Brigitte - ein Podcast zu/über Beziehung, Partnerschaft, Ehe und alles was damit zu tun hat. Die Folgen sind sehr unterhaltsam, interessant und informativ - für junge und alte Paare oder die die es werden wollen!

Die Neue Norm von BR2 - ein Podcast bei dem es um verschiedenste Aspekte Rund um das Thema Behinderung geht

Insas Jahr

Natürlich...

  • wäre ich in diesem Jahr gerne in den Urlaub an die Ostsee gefahren
  • hätten ich gerne wie geplant Berlin und Bonn an langen Wochenenden erkundet
  • wäre ich zum Konzert von Paul McCartney gegangen....
  • hätte ich gerne das Sketchnote Barcamp Hannover besucht und mich vor Ort mit 100 Buchstaben- und StifteliebhaberInnen getroffen und ausgetauscht
  • hätte ich gerne an einem Sketchnote-Workshop in Berlin teilgenommen

Aber passiert ist dieses: 

Kein Urlaub am Meer - sondern auf Balkonien (und dort isses glücklicherweise auch sehr schön).

Die verlängerten Wochenenden fielen ins Wasser. Dafür gab es zwei Kurztrips zu zwei Beerdigungen - Ok. nicht unbedingt der schönste Anlass für einen Ausflug, aber ich war froh, dass ich (wir) auf den Beerdigungen dabei sein konnten und Abschied nehmen durften.

Paul McCartney hat sein Konzert in Hannover ersatzlos gestrichen - aber der Pianist Igor Levit hat während des ersten Lockdowns fast jeden Abend ein Live-Konzert via Twitter und Instagram gegeben. Das war sensationell. So viele Konzerte hätte ich im "echten Leben" niemals hintereinander besucht.

Das Sketchnote Barcamp Hannover wurde kurzerhand ins Internet verlegt und nicht nur das: es gab im Dezember noch ein weihnachtliches Sketchnote Barcamp, ich war auf dem Sketchnote Connect Barcamp (internationales Online-Meeting der Sketchnoter-Szene) und beim WissVibes Barcamp (zur Wissenkommunikation).

Dazu gab es unzählige tolle Onlineangebote wie Kritzelspiele, den Lettering Stammtisch Hannover, VizThinks, Meetups und den Power of Visuals Weekathon. Natürlich waren auch diverse Online-Workshops am Start, so dass ich den gestrichenen Workshop in Berlin ganz gut verkraften konnte! :-) Außerdem habe ich mit zwei Instagram-Freundinnen ein eigenes Sketchnote-Format an den Start gebracht: #sonntagssketchen

Alles in allem kann ich tatsächlich sagen, dass es in großen Teilen und trotz Einschränkungen und Homeoffice ein ganz gutes Jahr war. Ich habe online tatsächlich viele tolle neue Menschen getroffen, habe viel gelernt und hoffe sehr dass einige von den Online-Formaten auch nach der Pandemie noch weitergeführt werden.

Miriams Jahr

Auch ich habe mir 2020 natürlich deutlich anders vorgestellt. Und die Isolation und soziale Distanz haben Spuren hinterlassen. Dazu kamen auch andere Herausforderungen, die durch Corona nicht einfacher zu handhaben waren. Meine Schmerzen haben nun auch meine Hände erreicht, was mir gerade jetzt Sorgen macht, wo "Stillbeschäftigungen" wieder so wichtig sind. Monatelang war ich bei diversen Untersuchungen um einen Tumor auszuschließen und bin überglücklich, dass nichts gefunden wurde. Im Spätsommer stürzte meine Mutter, die schon vorher stark eingeschränkt in ihrer Bewegung war und diese neue Situation zu händeln und zu organisieren hat mich körperlich und mental an meine Grenzen gebracht. Vor allem hat es mir wieder einmal vor Augen geführt, wie fragil unser System hier zu Hause ist und wie wenig Energiereserven ich habe. Das Gute daran: All diese Situationen habe ich / haben wir, gemeistert und darauf darf man dann auch mal stolz sein. 

Aber natürlich hatte das Jahr trotz allem auch schöne Momente:
Nur Fünf Tage bevor ich den Rat zur Isolation bekam, war ich Ende Februar mit meiner Schwester noch in Bonn. Redaktionssitzung des Muko eV, Haribo leer kaufen, eine Muko-Freundin treffen und lecker essen gehen. Ich durfte auch noch einmal in einem Gymnasium zum Thema Organspende sprechen und beim Tag der Organspende stolz meine "6" online präsentieren. Im August konnte ich mit meiner Familie bereits meinen siebten Lungengeburtstag feiern, was für mich weiterhin ein Wunder ist und ich meiner Spenderfamilie unbeschreiblich dankbar bin. Auch am Muko-Spendenschwimmen Königslutter und dem Muko-Spendenlauf Hannover konnte ich teilnehmen - in diesem Jahr natürlich vor der eigenen Haustür, anstatt gemeinsam mit anderen.

Außerdem habe ich ähnlich wie Insa ein neues Hobby gefunden und auch dort eine tolle Internetgemeinschaft aufgetan. Diamond Painting und ein bisschen Perlensticken haben mir das Jahr gerettet. Ich habe auch Lust mal wieder andere Dinge wie kreuzsticken, häkeln, stricken und ähnliches zu machen, ich war als Kind schon handarbeitsbegeistert. 😊 Mein Tag dürfte also auch in der jetzigen Zeit gern 48 Stunden haben. Gerade in der ersten Hälfte des Jahres wurde es ein Ritual mich abends hinzusetzten, an meinem Diamond Painting Bild zu arbeiten und dabei den NDR Podcast mit Herrn Drosten zu hören. Auch Hörbücher habe ich in diesem Jahr für mich entdeckt. Und auch wie Insa schon geschrieben hat, haben mir online Angebote vieles möglich gemacht. Neben meinen neuen Hobbys konnte ich endlich mal wieder meine Ballett-Mädels in Aktion "sehen", Redaktionskonferenzen klappen super online und auch unsere erste online Weihnachtsfeier der CF-Selbsthilfe Braunschweig war echt schön. 
Für 2021 würde ich mir etwas von der Stimmung zu Beginn des ersten Lockdowns wünschen. Die Empahtie für andere, die Hilfsbereitschaft, die kreativen Ideen und das "wir"-Gefühl. Es war eine ganz besondere Stimmung, an die ich gern zurückdenke und die zu diesen Erinnerungen gehört, die ich wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch fühlen kann.

Wir hoffen auch Ihr konnten zwischendurch mal da C-Wort ausblenden und habt etwas Positives auf das Ihr zurück blicken könnt.

Kommt alle gut ins neue Jahr,
Miriam und Insa